Alain Ayroles

 3.7 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Der große Indienschwindel, 'D' und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Mit Mantel und Degen / Akt 9 & 10

Neu erschienen am 01.05.2020 als Hardcover bei Finix Comics e.V..

Alle Bücher von Alain Ayroles

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Cover des Buches Der große Indienschwindel9783962193607

Der große Indienschwindel

 (4)
Erschienen am 23.08.2019
Cover des Buches 'D'9783868691535

'D'

 (3)
Erschienen am 01.09.2012
Cover des Buches Garulfo9783868690484

Garulfo

 (1)
Erschienen am 15.01.2010
Cover des Buches Mit Mantel und Degen 5: Johann ohne Mond9783551729750

Mit Mantel und Degen 5: Johann ohne Mond

 (1)
Erschienen am 15.02.2001
Cover des Buches Mit Mantel und Degen 8: Der Fechtmeister9783551729781

Mit Mantel und Degen 8: Der Fechtmeister

 (1)
Erschienen am 23.01.2009

Neue Rezensionen zu Alain Ayroles

Neu

Rezension zu "Der große Indienschwindel" von Alain Ayroles

köstlich, mit vielen raffinierten Wendungen, ein geschriebener Abenteuerroman könnte nicht spannender und amüsanter sein
Gwhynwhyfarvor 6 Monaten

Was für ein Meisterwerk! Ein Must-have für alle Comicfans! Die Zeichnungen grandios – aber nicht nur das, die Geschichte selbst, ein Schelmenroman, ist köstlich, mit vielen raffinierten Wendungen, ein geschriebener Abenteuerroman könnte nicht spannender und amüsanter sein. 


Der Erzähler ist die Hauptfigur Pablos, ein Schlitzohr sondergleichen, der nicht nur den Leser mit seiner Erzählkunst hinters Licht führt. Das Ziel des armen spanischen Jungen, der im 17. Jahrhundert lebt, ist es, einmal ganz reich zu werden – natürlich hat er harte Arbeit dabei nicht eingeplant. Zu Beginn der Geschichte liegt er auf der Folterbank des Militärkommandanten von Cuzco (heute ein Gebiet in Peru), das vom Vizekönig Neuspaniens beherrscht wird. Pablos behauptet, das legendären Eldorado gefunden zu haben, die goldene Stadt der Inkas, und er erzählt seine Lebensgeschichte. Die beginnt in Sevilla, wo er als Kind einer armen Familie aufwächst, die sich von Taschendiebstahl ernährt. Pablos will sein Glück in der Neuen Welt versuchen, begibt sich auf die Reise nach Amerika, das man damals noch für Indien hielt. Er heuert auf einem Schiff an – doch der faule Taugenichts wird alsbald von den Kameraden über Bord geworfen, weil er seine sie beim Kartenspielen übers Ohr haut. Glück im Unglück, ebenfalls Schiffbrüchige nehmen ihn auf – schwarze Sklaven – die glauben, dieser schlaue weiße Mann könne ihnen beibringen, wie man mit Musketen umgeht, wie man einen Sextanten bedient. Da sind sie bei Pablos gerade beim Richtigen gelandet … Seine unglaublichen Abenteuer berichten von wilden Einheimischen, dem Fund einer Schatzkarte, dem langen Weg durch die Anden, durch sumpfige Niederungen des Amazonasgebiet. Er erlebt unterwegs so manch Abenteuer, wechselt die Weggefährten, bis er endlich den sagenumwoben Ort der Neuen Welt erreicht: Eldorado! Doch die Stadt ist gut bewacht. Dank eines Talismans überlebt er als einziger das Massaker der Indianer, kann mit dem Schrumpfkopf seines Freundes Don Diego fliehen, kehrt zurück. Er bittet auf der Folterbank den Kommandanten darum, die letzten Reste des Edelmanns Don Diego würdig zu begraben. Der Militärkommandant ist entzückt: Das Gold von Eldorado! Was wird mit Pablos nun geschehen, den man zurück in den Kerker schickt? Werden die Spanier das Gold von Eldorado mithilfe der Karte von Pablos` finden? 


Pablos, der Ritter von tragischer Gestalt, der Antiheld, der gewinnt und verliert, sich immer irgendwie durchmogelt. Tragisch? Er ist ein gerissener Dieb, ein Geschichtenerzähler, ein Schmeichler, ein grandioser Schauspieler, der sich immer ins richtige Licht setzt, ein Opportunist, der andere übers Ohr zu haut, um sie zu betrügen, sie ausnützt nach Strich und Faden. Ein Gauner par excellence! Er hat ein paarmal die Chance, sich in ein normales, genügsames Leben einzufügen. Doch sein Ziel ist es eben, reich zu werden, zu Macht zu gelangen – ohne etwas dafür leisten zu müssen. Er ist aber kein Tyrann, besitzt sehr warme Züge, sentimentale, schmeichelt sich beim Leser ein. Und wie es so ist mit charmanten Betrügern – man hat sie trotzdem lieb. Als Leser wünscht man sich geradezu ein Happy End für diesen Filou. Wie geht es aus? Einfach selbst lesen, es lohnt sich. Interessant ist der markante Unterschied zwischen dem einfachen Pablos und den Edelmännern, die Zeichnung lässt es bereits durchblicken. Ein Anzug mit Hut macht noch keinen Edelmann – Bildung und Benehmen sind eine Grundlage der höheren Gesellschaft – hier könnte Pablos auf Eis schliddern … 


Das großformatige Buch ist ein Augenschmaus – schon wie keck uns der Erzähler uns vom Cover her angrinst. Die Grafiken von Juanjo Guarnido finde ich grandios: Landschaften, Schiffe, Typen, Tiere. Farbprächtig, lebendig, detailversessen ist fast jede Einzelzeichnung ein Schmuckstück. Eine Abenteuergeschichte, eine historische Reise in die brutale Welt der Eroberer, des Kolonialismus – hier wird nicht geschönt. An manchen Stellen braucht es keine Worte, hier reichen die Bilder. Es ist ein Comic für Erwachsene / Jugendliche ab circa 14 / 15 Jahren. Es ist eine Gaunerkomödie – ein gemalter Hollywoodfilm. In sofern passt die Farbpracht und gezeichnete Überzogenheit zur Geschichte. 1626 erschien in Spanien das Buch »El Buscón oder das Leben des Abenteurers Don Pablos von Segovia« von Francisco de Quevedo, ein Schelmenroman über »die grausam-grotesken Schicksalsschläge eines urwüchsigen Taugenichts«. Das Buch endet damit, dass Pablos sein Glück in Indien suchen werde. Der Autor kündigte einen weiteren Roman an, der aber nie erschien. Dies ist die Fortsetzung in Form einer Graphik Novel. Beide Daumen ganz weit nach oben! Comic-Fans – diesen Band darf man sich nicht entgehen lassen!


Alain Ayroles studierte das Comiczeichnen an der École européenne supérieure de l’image in Angoulême. Seine Erzählungen entwickelte er mitunter an Rollenspieltischen. So entstanden seine Comicserien »Garulfo« und »Mit Mantel und Degen« Sein Stil ist geprägt vom Dialog der großen Geschichten der europäischen Kultur, die er dann respektvoll zu untergräbt.

Juanjo Guarnido wurde 1967 geboren, studierte in Granada »Beaux-Arts«. Während dieser Zeit veröffentlichte er mehrere Illustrationen im Comic Forum von »Planeta de Agostini«, der spanischen Niederlassung von Marvel, was ihm ermöglichte, ein breites Publikum in Spanien zu erreichen. Danach zog er nach Madrid, wo er drei Jahre lang an mehreren Zeichentrickserien arbeitete. 1993 zog Juanjo Guarnido nach Paris, um in den Walt- Disney-Studios von Montreuil als Layouter zu arbeiten. Derzeit ist er in der Trickfilmbranche tätig und arbeitet als Comiczeichner.


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Rezension zu "Der große Indienschwindel" von Alain Ayroles

Meine Rezension zu "Der große Indienschwindel"
Belladonnavor 8 Monaten

Meine Meinung

Vorhang auf für Don Pablos aus Segovia, der bereits, so kann man es dem Vorwort entnehmen, in satirischen Schelmenromanen aus dem 17. Jahrhundert von Francisco de Quevedo von sich Reden machte.

»Der große Indienschwindel« liefert nun die Fortsetzung zu der abenteuerlichen Geschichten des Schelms und Vagabunden, die Francisco de Quevedo in seinem Roman »Leben des Erzgauners Pablos aus Segovia« andeutete, indem er Don Pablos auf eine Reise nach Amerika (damals glaubte man noch, es sei Indien) schickte, diese aber nie schreiben sollte.

Im übergroßen Sonderformat kommt der Comic »Der große Indienschwindel« aus dem Splitter Verlag daher, in welchem sich der französische Autor Alain Ayroles der Herausforderung gestellt und gemeinsam mit dem spanischen Zeichner Juanjo Guarnido ein traumhaft schönes Comic-Meisterwerk zur Welt gebracht hat. Dieses Meisterstück der Erzähl- und Zeichenkunst lädt zum Genießen der farbenprächtigen und detailverliebten Panels ein und liefert ein komisches wie auch abenteuerliches Leseerlebnis vereint mit prächtigem Rätselspaß.

Das goldene Zeitalter, zu der sich die Erzählung zuträgt, ruft einen gewieften Hauptprotagonisten auf den Plan, der sich mit Witz und Charme einen Platz im Leserherz ergaunert und das, obwohl er sich eher wie ein waschechter Antagonist verhält. Don Pablos wächst in Segovia unter ärmlichen Verhältnissen zu einem gerissenen Jungen heran, der von seinem ganovenhaften Vater früh gepredigt bekommt, ohne harte Arbeit sein Geld zu verdienen. Schnell lernt Don Pablos sich mit Taschenspielertricks und Zuhälterei durchzuschlagen und auch sonst geht es oftmals um den Kampf zwischen Arm und Reich.

Ayroles erzählt die Geschichte in mehreren Handlungssträngen, im ersten Strang erleben wir einen kränklichen und verlotterten Don Pablos, der unter Folter dem Stadtkommandanten von Peru namens Cuzco verraten soll, wie er zu den goldenen Schätzen El Dorados gelangt ist. Im zweiten Handlungsstrang begleiten entführt uns Don Pablos durch seine Erzählungen in seine Jugend und auf seine abenteuerliche Reise von Spanien nach Peru, wie er auf seinen Mentor Don Diego trifft und sich mit ihm auf eine wagemutige Expedition in die goldene Stadt begibt. Ein letzter Handlungsstrang katapultiert den Leser in eine Gegenwart, in der die Vergangenheiten zu einem Ende zusammenlaufen, welches die offenen Fragen klärt und das ganze Ausmaß von Do Pablos gigantischem Coup offenbart.

Hut ab vor Ayroles glanzvoller Erzählkunst, die ein wahrhaft cineastisches Erlebnis bereithält, das einen gekonnt in das 17. Jahrhundert entführt, die Magie des Goldrausches zum Leben erweckt und dabei kritische Themen wie die Ausbeutung von Sklaven und dem Missverhältnis zwischen der armen und reichen Bevölkerungsschicht auf den Tisch bringt. Bei dem ganzen Glanz und Gloria lässt es sich dann irgendwie verschmerzen, dass sich die Einbindung von weiblichen Protagonistinnen auf Mütter, Wirtinnen und Bordellbetreiberinnen beschränkt.

Einen nicht zu verachtenden Beitrag für das Gesamtkonzept leistet Juanjo Guarnido mit seinen farbgewaltigen Zeichnungen, die seitenweise in ihrer ganzen Schönheit auch vollkommen ohne Text eine ganz eigene Magie wirken. Die detailverliebten Panels zeigen nicht nur wundervoll ausgearbeitete Persönlichkeiten, von Don Pablos über Banditen, Könige und Indio-Eingeborene, sondern auch malerische Hintergrundkulissen von der grünen Lunge Perus, dem Amazonas, über die südamerikanischen Gebirgszüge der Anden bis hin zu dem hoheitsvollen Gemäuer des spanischen Königs.

Fazit

Ein famoses Comic-Abenteuer über einen liebenswürdigen Halunken, das mit eindrucksvollen Panels und einem wahrhaft genialen Clou zum staunen verleitet.


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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 10.09.2019   

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Rezension zu "Der große Indienschwindel" von Alain Ayroles

Übergroß und phänomenal!
Buchperlenblogvor 8 Monaten

Don Pablos aus Segovia. Eigentlich ein armer Schlucker, ein Taugenichts vor dem Herrn, der stets dem väterlichen Vorsatz folgt: Du sollst nicht hart arbeiten, um dein Geld zu verdienen. Und doch will er raus aus seinem Leben, aus dem Loch, in dem er geboren wurde. Ihm hilft dabei sein wohl größtes Talent – Die Gaukelei. So wird aus Pablos, dem Bettler, schnell Pablicos, der Sucher und Finder Eldorados, gelobtes Land des Reichtums und des Überflusses. Und noch einiges mehr.

Rezension

Auf Münchhausens Spuren

Hegt ihr auch solch eine Bewunderung für ausgemachte Spitzbuben? Schlitzohren, die ohne rot zu werden, das Blaue vom Himmel herunterlügen können? Dann ist dieser Comic auf jeden Fall etwas für euch. Und wenn ihr nun mit der Nase rümpft und auf die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit – pocht, dann lasst euch sagen: Die Wahrheit wäre nur halb so amüsant zu lesen gewesen.

Denn Pablos erzählt uns aus den äußerst bewegten Tagen seines Lebens. Angefangen mit seiner Kindheit auf den Straßen Spaniens, dem diebischen Vater, und der Kunst des Überlebens, bis hin zur Überfahrt ins vermeintliche Indien, dass sich schlussendlich als Amerika entpuppt. Dabei bemerkt der Leser früher oder später: Der Pablos ist recht wortgewandt. Dieses Talent stellt er oft unter Beweis, indem er die Menschen in seinen Geschichten unterhält, pantomimisch Andere nachmacht und sich selbst dabei immer ins rechte Licht zu rücken weiß. Aber dahinter steckt noch mehr, auch wenn ich diese Pointe mit Sicherheit nicht preisgeben werde.

Wer nun bei dem Namen Don Pablos aus Segovia stutzig wurde, dem sei verraten, dass dieser bereits sein Unwesen in einem Schelmenroman von Francisco de Quevedo aus dem 17. Jahrhundert trieb. Dies nun soll die Fortsetzung sein, die der Autor zwar immer schreiben wollte, aber nicht mehr konnte. Die Geschichte als solche kommt mit so einigem Witz daher, verspricht aber auch große Abenteuer. Auch werden sozialkritische Themen angesprochen, der immerwährende Kampf zwischen Arm und Reich, Sklaven und Ausbeutern ist immer wieder präsent. Dabei ist Pablos nicht immer auf der Seite der Gerechtigkeit, handelt zum Beispiel selbst mit Frauen nach gut Dünken. Und trotzdem muss man ihn einfach gern haben, diesen Gauner im Pfauenkleid.

Der große Indienschwindel kommt nicht nur seitenreich und übergroß daher, er ist auch im Inneren prächtig anzusehen. Die Zeichnungen sind unglaublich detaillreich, so dass man stundenlang zwischen den Zeilen verweilen möchte. Man entdeckt hier und da Kleinigkeiten, schlägt Seiten zurück, um sich noch einmal an einem Ausdruck, einem Gegenstand, einem kurzen Augenblick im Leben des Pablos von Segovia zu ergötzen.

Fazit

Ein großes Abenteuer, das absolut in seinen Bann zu ziehen versteht. Die großartig detaillierten und verspielten Zeichnungen bekommen im Überformat den richtigen Platz und laden zum Verweilen und Staunen ein. Unbedingt daheim Platz schaffen und zugreifen!

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