Alain C. Sulzer

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Autor von Postskriptum.

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Postskriptum
Postskriptum
 (8)
Erschienen am 17.08.2015

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Rezension zu "Postskriptum" von Alain C. Sulzer

Erlkönig als Initiation
MarinaBvor 3 Jahren



Wie schon bei den letzten beiden Romanen “Aus den Fugen” und “Zur falschen Zeit” überzeugt mich Sulzer durch seine wunderbare Erzählweise. Es ist ein großes Vergnügen seinen Geschichten zu folgen, ein tiefes Eintauchen in seine Figuren, eine Lesemeditation – ein grenzenloser Lesegenuss!

1894: Als Lion Kupferberg 6 Jahre alt ist, ertrinkt der ältere Bruder im Urlaub im “Meer der Wiener”. Ein tragischer Unfalltod. Lion sieht, wie der Vater ihn im Arm hält und versucht, ihn wiederzubeleben, doch der Knabe stirbt.
Jahre später liest Lion im Balladenbuch des Vaters den Erlkönig und spürt, dass damit genau diese dramatsche Szene seiner Kindheit gemeint ist. Er beginnt sie zu rezitieren und spielt schließlich die Ballade in verschiedenen Rollen, die sich dabei alle in seiner eigenen Stimme, in seiner Person verkörpern, Er erlebt seine Initiation zum Schauspieler…

1933 verbringt der erfolgreiche, berühmte Schauspieler Lionel Kupfer einen Winter im Hotel Waldhaus in Sils Maria in der Schweiz. Er will sich erholen und sich auf seine neue Filmrolle vorbereiten.
Im Postamt von Sils, arbeitet Walter Staufer, der für Kupfer schwärmt und ihn verehrt. Als er von Kupfers Anwesenheit erfährt, wagt er eines Tages einen Versuch diesem näher zu kommen und mischt sich unter die Hotelgäste. Der Zufall meint es gut mit Walter, denn er begegnet leibhaftig seinem Idol. Zwischen den beiden, der Männerliebe Geneigten, beginnt eine Liebesaffäre, die jedoch nur von kurzer Dauer ist.
Als Eduard, Lionels Geliebter auftaucht, der inzwischen als Kunsthändler in Berlin mit den neuen Machthabern erfolgreich Geschäfte macht, und die Botschaft überbringt, dass Lionels neuer Film gestrichen wurde, sieht dieser die Zeichen der Zeit und reist unverzüglich ab.

1947, New York. Lionel Kupfer hat es rechzeitig in die neue Welt geschafft. Doch Amerika empfängt in nicht mit offenen Armen. Wie so viele europäische Künstler im Exil findet er nicht wieder in seinen Beruf. In Hollywood ist er nicht der gefragte Star wie in Deutschland. Eines Tages erhält er Post aus Italien, Visconti, dem er bereits kurz in Sils begegnet war, verspricht ihm eine Rolle in seinem neuen Film. Tatsächlich macht sich Lionel auf die Reise zu den Dreharbeiten. Auf seinem Flug mit Zwischenstopp in der Schweiz begegnet er Walter, der inzwischen für Air Swiss als Stewart arbeitet. Doch beide trauen sich nicht, den anderen anzusprechen…

1963, New York: Lionel Kupfer erinnert sich.
Nachdem Visconti seine ohnehin kleine Rolle aus dem Film herausgeschnitten hatte, fühlt er sich selbst aus dem Leben herausgeschnitten. Eines Tages erfährt er über eine gemeinsame Bekannte von Eduards Tod. Eduard, der sich zuletzt gewinnträchtig für die Nazi-Machthaber um Beutekunst kümmerte, dabei nicht zuletzt an sein eigenes Vermögen dachte, wurde während einer solchen Aktion erschossen.
Nach einer schwierigen Zeit ergibt sich dann für Lionel doch noch die Chance seiner Karriere wieder Aufschwung zu geben. Er spielt wieder. Es sind kleine Charakterrrollen in Filmen, am Theater.

Und von Walter, der immer wieder in seiner Erinnerung auftaucht, erhält er einen Brief, auf den er nach einigem Zögern antwortet und sich darin öffnet und zum ersten Mal einem Menschen von seinen Kindheitserlebnissen mit dem Erlkönig erzählt, die für sein Leben so ausschlaggebend waren.

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Rezension zu "Postskriptum" von Alain C. Sulzer

Sils Maria - New York
serendipity3012vor 3 Jahren

Sils Maria – New York

Als die Nazis in den 30er Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts an die Macht kamen, bedeutete dies das Ende vieler Karrieren. Karrieren von Künstlern, Musikern, Schauspielern, die ihren Beruf von jetzt auf gleich nicht mehr ausüben durften. So ergeht es auch Lionel Kupfer in „Postskriptum“. Er ist Schauspieler mit jüdischen Wurzeln, ein Star, er genießt seinen Ruhm, führt ein angenehmes Leben als alleinstehender Mann mit homosexuellen Neigungen, die er im Verborgenen auslebt.

Wir treffen ihn im Hotel Waldhaus im Schweizer Erholungsort Sils Maria, wo er Urlaub macht. Es ist genau jene politisch aufgeladene Zeit Ende Januar 1933, zu der sich in Deutschland alles ändert, als Kupfer an seinen heimlichen Geliebten Eduard schreibt, der verheiratet ist und der der Partei nahe steht.

Im Postamt in Sils Maria arbeitet seit einiger Zeit der junge Walter, der Kupfer innig verehrt und der unerwartet Besuch von seiner Mutter Theres bekommt, die eine Stelle im Hotel Waldhaus angenommen hat. Walter begegnet seiner Mutter eher reserviert. Er war ein uneheliches Kind und wurde von ihr allein großgezogen. Theres ist eine einfache Frau, die nicht richtig lesen und schreiben kann und sich voll und ganz auf die Erziehung ihres Sohnes konzentriert hat. Walters Gedanken kreisen um Kupfer, von dem er weiß, dass er sich im Hotel Waldhaus aufhält. Durch die Bekanntschaft mit Marianne Saltzmann, Witwe eines bekannten Kunsthändlers, hofft er, zumindest in die Nähe seines Schwarms zu kommen.

Soweit das Figurenpersonal, das den neuen Roman „Postskriptum“ des Schweizer Autors Alain Claude Sulzer hauptsächlich bevölkert und um das die Geschichte kreist.

In Sils Maria scheint die Zeit – noch – etwas langsamer zu vergehen als in Deutschland.

„Der eisige Windzug, der in Berlin wehte, war hier nicht zu spüren. Die Luft, die man hier atmete, war eine andere als dort.“ S. 91

Aber bald schon muss Kupfer einsehen, dass er in Deutschland keine Zukunft mehr hat und sieht sich gezwungen, zu emigrieren.

Sulzer erzählt seine Geschichte, die sich insgesamt über mehr als 50 Jahre erstreckt, in Vor- und Rückblenden, wendet sich jeweils wichtigen Punkten im Leben seiner Protagonisten zu, verweilt dort und macht die jeweilige Situation sichtbar. Seine Figuren begegnen oder verpassen sich, treffen sich oder offenbaren Bezugspunkte, die der Leser zunächst nicht ahnte, so dass sich nach und nach ein stimmiges Bild dieser Menschen ergibt. Sulzers Sprache ist dabei unaufgeregt, leicht trotz des schweren Themas, respektvoll gegenüber seinen Figuren, die er in all ihren menschlichen Facetten zeigt und so verdeutlicht, dass es nie nur Schwarz oder Weiß gibt. Zum Beispiel, wenn es um das ambivalente Verhältnis Walters zu seiner Mutter geht.

„Warum sollte Walter sich seiner Mutter schämen? Schämte er sich? War es das, was Kupfer ihm ausreden wollte? Mit Lionels Wertschätzung seiner Mutter hatte Walter nicht gerechnet. Walter behauptete, er schäme sich nicht, aber er log, und er wusste, dass es Lionel nicht entging. Überhaupt hatte er den Eindruck, man könne Kupfer nichts vormachen.“ S. 130

„Postskriptum“ zeigt in klarer Weise, was es bedeutete, Deutschland aufgrund der Bedrohung durch die Nazis auf dem Höhepunkt seiner Karriere verlassen zu müssen. In New York ist Kupfer ein Niemand, man bietet ihm dort keine Rollen an. Und auch nach dem Krieg an die alten Erfolge einfach anknüpfen zu können, erwies sich für viele als Illusion – wenn sie denn überhaupt nach Deutschland zurückkehren wollten. Man wollte in Deutschland nicht an das verschuldete Leid erinnert werden, eine Aufarbeitung der Nazizeit erfolgte erst viel später.

Trotz des ernsten Themas empfand ich „Postskriptum“ nie als komplett hoffnungslos, sondern tauchte immer tiefer in die ruhige, unaufgeregte Erzählweise der Geschichte ein und verfolgte das Leben seiner Personen mit großem Interesse. Der Roman ist ein Ausflug in eine dunkle Zeit unserer Geschichte und verdeutlicht, wie weitreichend ihre Folgen auch für jene waren, die nicht unmittelbar vom Verlust Angehöriger betroffen oder selbst vom Tod bedroht waren (Kupfer emigriert früh genug, um dem zu entgehen). Ein intensiver, kluger und leiser Roman, der einer meiner persönlichen Highlights dieses Lesejahres ist. 

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