Dieses Buch hat mich erwischt – voll auf die Zwölf! Die Gedanken sind frei von Tomi Ungerer ist wie ein wilder Ritt auf einem alten Klappfahrrad durchs besetzte Elsass – mit Wind in den Haaren, Dreck am Hosenbein und einem Lächeln, das irgendwo zwischen Kindheit und Kriegsrealität baumelt. Ich hab selten so gelacht und gleichzeitig so viel geschluckt. Ungerer, dieser Teufelskerl, schafft es, den Krieg mit einer kindlichen Frechheit zu erzählen, bei der man gar nicht weiß, ob man gerade über eine Anekdote lacht oder doch eine Träne wegblinzelt.
Da gibt’s Streiche, bei denen ich dachte: „Hätt’ ich auch gemacht – oder wenigstens versucht.“ Und dann haut er wieder eine Beobachtung raus, so glasklar und bitter, dass einem kurz der Baguette-Bissen im Hals stecken bleibt. Besonders genial finde ich die Art, wie er Sprache benutzt – als wär sie ein Gummiband, das er nach Belieben dehnt, schnipsen lässt oder einem frech an den Kopf knallt.
Alain Claude Sulzer hat das übrigens ganz großartig ins Deutsche gebracht – ich hab nie das Gefühl gehabt, etwas sei auf dem Übersetzungsweg verloren gegangen. Ganz im Gegenteil: Da steckt jede Menge Leben drin, jedes Wort schillert wie ein Kiesel im Fluss der Erinnerung.
Ein Buch, das nicht still und ehrfürchtig gelesen werden will, sondern laut – mit Grinsen, Kopfschütteln, Nicken und gelegentlichem „Ach du meine Güte!“ Ich hab’s verschlungen wie früher die Nutellaschnitten nach der Schule. Wer nur brave Memoiren mit sauber gefalteter Vergangenheit lesen will, ist hier falsch. Wer aber einen elektrisierenden Mix aus Schelmenstück, Zeitzeugnis und Sprachkunst erleben will – rein da!

















