Alain Claude Sulzer

 4.1 Sterne bei 120 Bewertungen
Autor von Aus den Fugen, Zur falschen Zeit und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Alain Claude Sulzer

Das schriftstellerische Multitalent: Ursprünglich zum Bibliothekar ausgebildet, machte sich der 1953 in Basel geborene Sulzer schließlich als Autor und Journalist selbstständig. Zu seinen vielfältigen Arbeiten zählen Hörspiele, literarische Texte und Prosa, Übersetzungen ins Französische und Essays für verschiedene Zeitungen.

Sein Debütroman „Das Erwachsenengerüst“ erschien 1983, doch sein eigentlicher literarischer Durchbruch gelang ihm 2004 mit dem Roman „Ein perfekter Kellner“. Für seine Werke wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Prix Médicis étranger und dem Hermann-Hesse-Preis.

Sulzer lebt in Basel, Berlin und im Elsass.

Alle Bücher von Alain Claude Sulzer

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Buchformat:
Cover des Buches Aus den Fugen9783462046045

Aus den Fugen

 (47)
Erschienen am 15.05.2014
Cover des Buches Zur falschen Zeit9783869710198

Zur falschen Zeit

 (28)
Erschienen am 22.07.2010
Cover des Buches Ein perfekter Kellner9783905513363

Ein perfekter Kellner

 (20)
Erschienen am 01.08.2004
Cover des Buches Unhaltbare Zustände9783869711942

Unhaltbare Zustände

 (13)
Erschienen am 22.08.2019
Cover des Buches Postskriptum9783462315110

Postskriptum

 (12)
Erschienen am 17.08.2015
Cover des Buches Die Jugend ist ein fremdes Land9783869711508

Die Jugend ist ein fremdes Land

 (3)
Erschienen am 07.09.2017
Cover des Buches Basel9783796538650

Basel

 (1)
Erschienen am 20.09.2018
Cover des Buches Privatstunden9783905513431

Privatstunden

 (1)
Erschienen am 03.08.2007

Neue Rezensionen zu Alain Claude Sulzer

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Rezension zu "Unhaltbare Zustände" von Alain Claude Sulzer

Nichts, was mir gefallen hätte ...
Buecherfreundinimnordenvor 5 Monaten

Ich habe den Vorgänger „ Aus den Fugen“ desselben Autors gerne gelesen und mich auf sein neues Buch gefreut, doch nach 70 Seiten möchte ich einfach nicht mehr lesen, wie eine Figur namens Lotte  über  Seiten hinweg sexuell missbraucht und vergewaltigt wird. Ein Charakter, dem so etwas widerfährt, dürfte hinterher zumindest mental schwer geschädigt aus einer solchen Geschichte hervorgehen. Ein kaputtes Etwas, das sich in sein Schicksal fügt ohne zu klagen, damit beschäftige ich mich nicht gern, ich finde es geschmacklos und vor allem sinnlos für die Geschichte - jedenfalls dann, wenn daraus nichts folgt für ihren weiteren Verlauf. Sicher, das Buch spielt in den 60- ziger Jahren, damals war das eben so, könnte man meinen. Aber war es deshalb gut? Muss es noch mal in allen Einzelheiten gezeigt werden? Nicht erst seit der  #metoo Bewegung wissen wir, dass der Missbrauch von Schwächeren leider auch in unserem Jahrhundert noch immer an der Tagesordnung ist. Ob ich als Autor ohne jede moralische Konsequenz für den Täter darüber schreiben muss? Sicher, der moralische Zeigefinger allein hilft uns auch nicht weiter.Deshalb ist der Umgang mit Themen wie dem sexuellen Missbrauch ja so schwierig. Hier fand ich die Gestaltung hier daneben, weil nichts daraus folgte, was der Geschichte gut getan hätte: Lotte reflektiert nicht einmal groß darüber, was ihr zustößt?! Die Figuren eines Buches ihrer Würde und körperlichen Integrität zu berauben, halte ich für einen Fehler, solange nichts und niemand daraus handfeste Konsequenzen zieht. Als Frau möchte ich so etwas nicht lesen. Für mich, Monsieur Sulzer, gehört dieses Buch auf den Stapel mit Altpapier.

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Rezension zu "Unhaltbare Zustände" von Alain Claude Sulzer

Wenn die Zeiten sich ändern – Ein eindrucksvoller Gesellschaftsroman
Seehase1977vor 6 Monaten

Der Schaufensterdekorateur Stettler lebt für seinen Beruf. Dieser Moment, wenn die sieben großen Schaufenster vom alteingesessenen Kaufhaus Quatre Saisons enthüllt werden, ist seine Berufung, seine Passion. Seit Jahrzehnten ist der knappt 60-jährige für die Dekoration der Schaufenster verantwortlich. Als ihm eines Tages wie aus dem Nichts ein jüngerer Kollege zur Seite gestellt wird, beginnt Stettlers Welt zu bröckeln. Er sieht ihn als Rivalen und Feind, fühlt sich durch ihn bedroht und beginnt sogar, dem Kollegen nachzuspionieren. Lediglich die Brieffreundschaft mit der Radiopianistin Lotte Zerbst, die er sehr bewundert, hält ihn aufrecht. In dieser für ihn so zermürbenden Zeit hofft er auf nichts mehr als auf eine Begegnung mit ihr…


Meine Meinung:


„Unhaltbare Zustände“, ein Roman des Schweizer Autors Alain Claude Sulzer, beschreibt die Geschichte des Schaufensterdekorateurs Stettler, der mit den unaufhaltsamen Veränderungen und Konventionen, die das Leben mit sich bringt, nur schwer zurechtkommt. Eine Story, die Sulzer eindrucksvoll und mit toller Sprache auf anschauliche Weise erzählt.


Fast sein ganzes Leben lang ist Stettler bereits der Schaufensterdekorateur im „Quatre Saisons“. Er lebt für seinen Beruf, genießt die Bewunderung die ihm für seine Werke entgegengebracht wird. Sein Alltag ist geprägt von festen Strukturen und Werten, sie geben ihm Halt und Sicherheit. Man schreibt das Jahr 1968, eine Zeit des Umbruchs und der Rebellion, eine Entwicklung, der auch Stettler nicht entfliehen kann. Als der junge Bleicher eingestellt wird, ein kreativer und moderner Freigeist, dessen neue, innovative Ideen sich vor allem in der Gestaltung und Präsentation der Schaufenster bemerkbar machen, fühlt Stettler sich abgeschrieben, gedemütigt und in seiner Existenz gefährdet. Bleicher wird zum Feindbild und die Suche nach der Fehlbarkeit des jungen Kollegen wird zu Stettlers Passion, bei der er auch vor Verleumdung und Manipulation nicht zurückschreckt, bis die Situation irgendwann eskaliert.


Alain Claude Sulzer gelingt es grandios, die globalen rebellischen Umbrüche der 68er Jahre mit dem Leben des kleinen Mannes zu verbinden. Die Konflikte, die eine aufbegehrende junge Generation ganzen Regierungen aufgezwungen hat, muss auch Stettler im Kleinen erleben, eine Entwicklung, der er nichts entgegenzusetzen hat.


Der Autor schreibt flüssig, kurzweilig und mit sehr viel Fingerspitzengefühl, sein Schreibstil wirkt fast schon altmodisch, was aber hervorragend zur Erzählung passt.


Stettler, die Hauptfigur dieses Romans, ist unglaublich authentisch und hat viel Tiefgang. Das Gefühlschaos, das in ihm wütet, die Überforderung durch das Neue, ist fast greifbar und man schwankt zwischen Mitleid und Unverständnis für diesen, in seinen Werten und Strukturen festgefahrenen Menschen.


Stettlers Briefwechsel mit der Radiopianistin Lotte Zerbst mutet zwar nur wie eine Nebengeschichte an, doch die Pianistin ist es, die ihm die nötige Kraft und die Sicherheit gibt, die er braucht. Eine mögliche Begegnung mit ihr hält Stettler aufrecht, erst als die Kommunikation abebbt, kommt es zum tragischen Showdown.


Mein Fazit:


„Unhaltbare Zustände“ ist ein intensiver und nachdenklich stimmender Gesellschaftsroman. Alain Claude Sulzer erzählt eine eindrucksvolle Geschichte voller Tiefgang, die nie langatmig oder oberflächlich wird. Absolute Leseempfehlung!







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Rezension zu "Unhaltbare Zustände" von Alain Claude Sulzer

Wenn der Lauf der Zeit das Weltbild überrollt
Ignovor 7 Monaten

Stettler ist Schaufensterdekorateur im Kaufhaus ›Quatre Saisons‹ in einem Schweizer Städtchen. Er geht auf die 60 und damit seine Rente zu. Aber er ist der Beste, seine Schaufenster stehen seit Jahrzehnten für sich. Stettler könnte einen ruhigen Ausklang seines Arbeitslebens haben. Doch es ist 1968.
Alles verändert sich. Die Jugend rebelliert, auf dem Münster ist plötzlich die Flagge des Vietcong gehisst. Und Stettler bekommt Konkurrenz. Der junge Bleicher wird, ihm gleichgestellt, eingestellt. Seine Schaufenster sind revolutionär, sie leben, und die Menschen lieben sie. Stettlers Weltbild beginnt rissig zu werden. Verzweifelt versucht er, seine Welt vor den Umwälzungen zu retten.

Unhaltbare Zustände ist ein Gegenwartsroman des Schweizer Schriftstellers Alain Claude Sulzer. Das Buch umfasst 266 Seiten und erscheint seit 2019 bei Galiani Berlin, einem Imprint von Kiepenheuer & Witsch. Für das Rezensionsexemplar, das ich über NetGalley bekommen habe, darf ich mich beim Verlag bedanken.

Stettler ist sein Leben lang der Schaufensterdekorateur des Kaufhauses ›Quatre Saisons‹. Er ist eine Institution, sein Werk wird bei jeder Enthüllung bewundert. Nach dem Tod seiner Mutter lebt er alleinstehend in der elterlichen Wohnung. Sein Leben ist von festen Strukturen und Werten dominiert, alles in allem ist er ein zufriedener Mann. Doch dann kommen die 68er. Die Jungen rebellieren, die Alten stemmen sich dagegen. Ihr Wertekanon gerät ins Wanken. Auch Stettler bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Das Kaufhaus stellt Bleicher, einen jungen, rebellischen Künstler an. Erstmals sieht sich Stettler mit Konkurrenz konfrontiert und sein Nimbus bricht schnell zusammen. Bleicher ist kreativ, wagemutig und trifft den Nerv der Zeit. Im Wechsel gestalten sie nun die Schaufenster. Bleichers werden frenetisch gefeiert, Stettlers nicht mehr. Doch Stettler will sich mit diesem Ende seiner beruflichen Laufbahn nicht abfinden.

Alain Claude Sulzer gelingt mit Unhaltbare Zustände ein faszinierendes Stück Gegenwartsliteratur. Am Beispiel der Umwälzungen der 68er spielt er eine Entwicklung durch, die wohl jede Elterngeneration irgendwann mehr oder weniger hart trifft: Die Jugend verändert die Welt, schafft neue Werte und Konventionen. Und die Elterngeneration sieht sich mit der existenziellen Frage konfrontiert, ob ihre Werte, ihr Weltbild, alles, was sie aufgebaut haben, im Grunde falsch, mindestens aber fehlerhaft war. Der eine passt sich an, geht mit der Zeit, der andere verbittert und verschließt sich. Dazwischen sind zahllose Grautöne denkbar.

Stettler gehört zu den Grautönen nahe der zweiten Gruppe. Er stemmt sich gegen die Entwicklung – personifiziert in Bleicher. In einem aussichtslosen letzten Kampf greift er zu Verleumdung und Sabotage. Gleichzeitig entwickelt er eine aufkeimende Briefbeziehung mit der Pianistin Lotte Zerbst. Obwohl abwesend und persönlich unbekannt gibt sie ihm ein Stück weit Halt. Er eskaliert erst, als der Briefwechsel einschläft.

Sulzers Schreibe ist flüssig und passend zu der Zeit, in der seine Handlung spielt – beziehungsweise der Zeit, die Stettler verkörpert. Geschickt spielt er mit seiner Sprache, bringt für Stettler undenkbare Worte ein, wo die neue Generation ins Spiel kommt. Stilistisch mag Unhaltbare Zustände auf den ersten Blick altmodisch wirken, bei näherem Betrachten folgt der Stil aber dem Inhalt. Das gefällt mir ausgesprochen gut und trägt stark dazu bei, sich gerade in Stettlers Situation versetzen zu können.

Sulzers beide Hauptfiguren, Stettler und Lotte, werden ausgiebig mit Tiefe gefüllt. Obwohl Lotte gemessen am Umfang fast eine Nebenrolle spielt, erzählt Sulzer auch ihren Weg zur Radio- und Konzertpianistin detailliert. Ebenso Stettlers Weg zum verantwortlichen Schaufensterdekorateur. Lesende bekommen eine genaue Vorstellung, warum die beiden Figuren an dem Punkt ihrer Leben angekommen sind, an dem sie nun stehen. Dabei wird Sulzer eigentlich nie langatmig. Auch wenn viele Details die Geschichte nicht unmittelbar voran treiben, kam bei mir nie das Gefühl auf, ich hätte es mit Seitenfüllern zu tun. Die Hintergründe der Figuren zu verstehen ist essentiell für das Verständnis ihrer Lage in der Gegenwart des Buches.

Unhaltbare Zustände ist ein schönes Stück Literatur. Nicht zu lang, nicht zu kurz, mit einer etwas altmodischen, aber sehr angenehmen Schreibe. Sulzer gelingt es ganz wunderbar, den ewigen Konflikt zwischen Jung und Alt am Beispiel der 68er-Jahre in eine alltägliche Geschichte zu verpacken.

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Zusätzliche Informationen

Alain Claude Sulzer wurde am 17. Februar 1953 in Basel (Schweiz) geboren.

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