Postskriptum

von Alain Claude Sulzer 
4,2 Sterne bei5 Bewertungen
Postskriptum
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Ein gut komponierter und geschriebener Künstlerroman, ruhig vorgelesen und unterhaltsam, aber ohne wirklichen Höhepunkt.

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Inhaltsangabe zu "Postskriptum"

Lionel Kupfer, umschwärmter Filmstar der frühen
Dreißigerjahre, ist nach Sils Maria gereist, um
sich auf seine nächste Rolle vorzubereiten. Doch
die Ereignisse in Deutschland überschlagen sich.
Kupfer ist als Jude nicht mehr erwünscht, der
Vertrag für seinen nächsten Film wird aufgelöst.
Die schlechte Nachricht überbringt ihm ausgerechnet sein Liebhaber Eduard, dessen gefährliche Nähe zu den neuen Machthabern immer offenkundiger
wird. Bei seiner Emigration nach New York muss
Kupfer auch einen glühenden Verehrer, den jungen
Schweizer Postbeamten Walter, zurücklassen.
Über fünfzig Jahre hinweg begleiten wir Menschen,
die sich manchmal für wenige Tage sehr nahe
kommen. Und obwohl sie sich aus den Augen
verlieren, vergessen sie einander nicht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783839814321
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:Argon
Erscheinungsdatum:20.08.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 20.08.2015 bei Argon erschienen.

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein gut komponierter und geschriebener Künstlerroman, ruhig vorgelesen und unterhaltsam, aber ohne wirklichen Höhepunkt.
    Ein Künstlerleben mit Höhen und Tiefen

    Eingerahmt wird der Künstlerroman „Postskriptum“ des Schweizers Alain Claude Sulzer von zwei Kindheitserlebnissen des 1888 in Lemberg geborenen Protagonisten Lionel Kupfer. Im Prolog wird das Ertrinken seines Bruders geschildert, das er als Sechsjähriger miterlebt, im Postskriptum geht es um die Lektüre von Goethes Ballade vom Erlkönig, mit der er zwölfjährig sein Schauspieltalent entdeckt. Dazwischen erzählt Alain Claude Sulzer ein deutsches Schauspielerleben zwischen Januar 1933, als der gefeierte Star Lionel Kupfer im berühmten Hotel Waldhaus in Sils Maria zu Gast ist, und 1963, als die durch Krieg und Exil schmerzlich unterbrochene Karriere in den USA wieder in Gang gekommen ist. 

    Kupfers Aufenthalt im Waldhaus wird für den jungen Silser Postbeamten Walter Staufer zum unvergesslichen Erlebnis. Als glühender Verehrer des gefeierten Schauspielers schmuggelt er sich ins Hotel, wird ihm durch einen Zufall vorgestellt und verbringt schließlich einige intime Tage mit ihm. Die Affäre endet, als Kupfers jugendlicher Liebhaber Eduard zu Besuch kommt und ihm die Nachricht vom Ende seiner Karriere als jüdischer Schauspieler in Nazideutschland überbringt.

    Die Geschichte von Eduard, einem Kunstbeschaffer der Nazis in Wien, der ein doppeltes Spiel spielt und dafür mit dem Leben bezahlt, fand ich besonders interessant. Auch das Schicksal des homosexuellen Walter und seiner unverheirateten Mutter in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in der konservativen Schweiz ist sehr gut erzählt. Atmosphärisch haben mir die Kapitel im Waldhaus am besten gefallen, außerdem ist die Kulisse von real existierenden Zeitgenossen Kupfers aus der Filmbranche und anderen Bereichen des künstlerischen Lebens sehr gut gemacht. Der Protagonist Kupfer ist für mich dagegen unnahbar geblieben. Trotz des großen Unrechts, das ihm widerfährt, konnte ich nicht das nötige Mitgefühl für ihn aufbringen, da er mir anfangs zu arrogant, später zu selbstmitleidig erschien. Auch Eduard und Walter waren mir nicht besonders sympathisch, sodass ich nur mit Walters einfacher Mutter Theres wirklich mitgelitten habe.

    Achim Buch, den ich bisher als Sprecher nicht kannte, liest den ungekürzten Roman auf sechs CDs in knapp siebeneinhalb Stunden sehr ruhig und angenehm. Auch wenn ich bei dieser kunstvoll erzählten Geschichte gerne zugehört habe, hatte ich doch immer noch auf irgendeine Art von Überraschung am Ende gewartet, die allerdings ausblieb.

    http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/alain-claude-sulzer-postskriptum/

    Kommentare: 1
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    Ginevras avatar
    Ginevravor 3 Jahren
    Vom gefeierten Filmstar zum Emigranten

    Österreich, am Neusiedler See, in den 1920er- Jahren:
    Der 6-jährige Lionel ist ein sensibler, künstlerisch hochtalentierter Junge, der lieber zeichnet, als mit seinem 3 Jahre älteren Bruder Tobias und dessen Freunden im Gestrüpp Verstecken zu spielen.

    Eines Tages verschwindet sein Bruder im Schilf - ein schreckliches Unglück geschieht, das Lionel und seine Eltern ein Leben lang nicht mehr loslässt.

    In den 30er-Jahren ist Lion alias Lionel Kupfer ein gefeierter UFA- Filmstar, doch aufgrund seiner jüdischen Herkunft endet seine Karriere jäh nach der Machtergreifung Hitlers. Im schweizerischen Sils Maria, seinem Urlaubs- und Schicksalsort, verbringt er einen letzten Urlaub, bevor er ins Exil in die USA gehen muss. Es wird ein Sommer der intensiven Gefühle und der Neuorientierung - nicht nur für Lionel, sondern auch für seinen opportunistischen Geliebten Eduard sowie für seinen Verehrer ...

    Wir begegnen den drei Männern immer wieder – ihre Wege trennen sich, doch sie vergessen einander nie. Die Weltereignisse prägen ihre Lebensläufe, die vielleicht unter anderen Umständen, zu anderen Zeiten einen völlig anderen Verlauf genommen hätten.
    Wichtige Themen wie Freundschaft, Homoerotik, Selbstverwirklichung, Überleben im Nazionalsozialismus, Verstecken und Sich-Zeigen finden immer wieder Raum – in einem kunstvoll erzählten Geschehen.

    Alain Claude Sulzer, 1953 in Basel geboren, machte erst eine Ausbildung zum Bibliothekar und arbeitete später als Journalist. Heute lebt Sulzer als Schriftsteller in Basel, in Berlin und im Elsass. Neben seiner literarischen Tätigkeit ist er auch als Übersetzer und Herausgeber tätig.

    Mich persönlich hat dieses wunderbar vorgetragene Hörbuch sehr berührt – besonders der Epilog und das titelgebende „Postskriptum“, der Schlußteil des Romans, der sich wieder auf den Epilog bezieht und somit den Kreis schließt. Der opportunistische Deutsche (Eduard), der enteignete, im Exil überlebende Jude (Lionel) und der neutrale Schweizer (Alfred) stehen für viele Menschen in der damaligen Zeit. Sie sind jedoch Individuen, die starke Gefühle füreinander haben und sich über die politischen und gesellschaftlichen Grenzen hinwegsetzen, soweit es ihnen möglich ist.

    Der Erzählstil hat mich persönlich sehr an Thomas Mann erinnert, der übrigens in diesem Roman eine Gastrolle hat – als berühmter Schriftsteller Julius Kröger, dem latente homosexuelle Neigungen nachgesagt werden.
    Die Vortragsweise von Schauspieler und Sprecher Achim Buch hat mir sehr gut gefallen – ein echtes Highlight, das ich sehr gerne weiterempfehle.

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    *Wölkchen*s avatar
    *Wölkchen*vor 9 Monaten
    claudiaausgrones avatar
    claudiaausgronevor 3 Jahren
    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 3 Jahren

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