Alain Corbin Pesthauch und Blütenduft

(5)

Lovelybooks Bewertung

  • 7 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(4)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Pesthauch und Blütenduft“ von Alain Corbin

Für die Leser von Süskinds 'Parfum': hier die historische Grundlage. Eine lebendig erzählte Kulturgeschichte des Geruchs, von den Anfängen der Körperpflege und öffentlichen Hygiene, der Parfümmanufakturen und der Ökologie im 19. Jahrhundert. Corbins einzigartige Sozialgeschichte des Geruchs, die Quelle für Patrick Süskinds Bestseller 'Das Parfum', war selbst erfolgreich – bisher mit einer Auflage von über 60.000 Exemplaren. Die Vorgeschichte unserer Geruchsempfindlichkeit beginnt Ende des 18. Jahrhunderts, als ein heute unvorstellbarer Gestank den Alltag in Stadt und Land beherrschte. Von da an ging es aufwärts: Während Robespierre das Laster ausrotten will, wird in Paris der erste Lehrstuhl für Hygiene eingerichtet, und in der Folge verschwistert sich der Geruchssinn mit der Polizeiwissenschaft, er wird zum Desinfektionswahn. Mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft wird aber auch immer deutlicher unterschieden zwischen Gestank und Wohlgeruch: der Pöbel stinkt, der Bourgeois parfümiert sich, und so entstehen immer wieder neue Vorstellungen von Eleganz und Individualität, bis heute. Mit dieser gebundenen Ausgabe wird ein Klassiker wieder zugänglich gemacht.

Stöbern in Sachbuch

Was das Herz begehrt

Ein anspruchsvolles Buch, bei dem sich alles um unser wichtigstes Organ dreht. Umfassend, verständlich und humorvoll.

MelaKafer

Wir hätten gewarnt sein können

Zusammenstellung bisheriger Aussagen Trumps.

kvel

Der Egochrist

ein zeitgemäßes Werk voller Authentizität, Introspektion und Kritik

slm

Nur wenn du allein kommst

Sehr lesenswerter Bericht, der informiert, nachdenklich macht und um gegenseitiges Verständnis wirbt.

Igelmanu66

It's Market Day

Ein gelungenes Kochbuch mit tollen Rezepten und eine Reise zu den angesagtesten Märkten Europas

isabellepf

Die Stadt des Affengottes

Spannende Reise ins Herz Südamerikas

Sabine_Hartmann

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Pesthauch und Blütenduft" von Alain Corbin

    Pesthauch und Blütenduft
    Sokrates

    Sokrates

    20. September 2011 um 14:26

    Wer wissen will, wie man Mitte des 17. Jahrhunderts begann Düfte, Luft und Körperausdünstungen zu wissenschaftlichen Zwecken ‚einzufangen‘ und zu destillieren, dem sei dieses Buch empfohlen. Erstmals in dieser Zeit versucht man sich mit der Zusammensetzung der Luft und insbesondere der Gerüche auseinander zu setzen. Fäulnisgase und ähnliches werden erstmals kritisch hinterfragt und von Biologen und Medizinern oft einer recht amüsanten Ursache zugeordnet. Hygiene oder ähnliches sind noch nicht so weit ausgebildet, dass sie die Entstehung von Fäulnisgerüchen erklären und u.U. auch deren Indikatorwirkung für gesundheitsschädigende Prozesse anzeigen. Am Verständnis hiervon arbeitet man noch. Problematisch wird der Zivilisationsgestank erstmals 1789 in Paris: die Revolution tobt in der Stadt und nicht nur die Politik gerät ins Wanken – so schreibt Alain Corbin, sondern eben auch die Stadt als solche. Vielerorts drücken der Unrat, die Kloake und die Leichenreste, die nicht verbrannt sondern ebenfalls einfach im Hausrat entsorgt werden, in die Wohnhäuser zurück. Die Stadt ist in den vergangenen Jahrhunderten derart expandiert, dass man Wohnquartiere entweder auf alte Mülllagerstätten erbaut hat (Senkgruben u.ä.) oder dass die Entsorgung aktuell anfallender Müllstoffe (einschließlich Kadavern tierischen und menschlichen Ursprungs) in der Nähe der Wohnhäuser erfolgt. Die Hygienische Zustände – und das beschreibt Corbin sehr plastisch – sind miserabel, der Geruch entsprechend ebenso. Bis erste Versuche unternommen werden, die hygienischen Zustände zu verbessern, vergehen noch fast 100 Jahre; zunächst ist jedoch erforderlich, dass die Menschen der damaligen Jahrhunderte die gesundheitsgefährdenden Wirkungen solcher „stinkender Zustände“ begreifen. Alain Corbin, französischer Professor, beschränkt sich in seiner Kulturgeschichte des Ge-stanks auf Frankreich, insbesondere Paris. Er zitiert Unmengen an Primärliteratur; Briefen, Tagebüchern, damalige Fachpublikationen. Das Erzählte ist oft drastisch aber gibt die tatsächlichen Zustände sehr plastisch und einprägsam wider. Alles in Allem eine sehr lohnenswerte Lektüre, wenn auch nichts für schwache Nerven. Im Übrigen räumt sie – zumindest indirekt – mit dem ewigen Mythos einer „besseren Vergangenheit“ auf: früher war nichts „besser“, allenfalls „anders“, so insbesondere unglaublich stinkender und unsauberer.

    Mehr