Alain Gillot

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Die alltägliche Logik des Glücks

Die alltägliche Logik des Glücks

 (9)
Erschienen am 16.05.2016

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Rezension zu "Die alltägliche Logik des Glücks" von Alain Gillot

Ein schönes Zusammenspiel von Figuren, Konflikten, Wahrnehmungen und Mut
HibiscusFlowervor 3 Jahren

Klappentext des Verlages:
Victor, der einsame Trainer einer Fußballmannschaft, freut sich nicht, als seine Schwester ihren Sohn Leonard bei ihm zurücklässt. Jedes Wiedersehen mit ihr weckt schmerzhafte Erinnerungen, und sein Neffe ist einfach seltsam. Er spricht kaum und spielt gegen sich selbst Schach. Als Leonard ihm auch noch altklug sagt, Fußball sei simpel, platzt Victor der Kragen. Fußball ist mehr als ein Ball und elf Männer, es ist eine Kunst! Und während Onkel und Neffe sich gegenseitig die Welt erklären, werden aus Fremden Freunde, aus Einzelgängern eine eingeschworene Gemeinschaft – und aus zwei Einzelleben wird eine gemeinsame Geschichte …

Anders als auf dem Klappentext angegeben, heißt der einsame Trainer Vincent und nicht Victor.

Vincent Barteau ist nicht einsam, sondern lässt sich viel eher als Einsiedler beschreiben, der sich bewusst dafür entschieden hat, unabhängig von Dingen und vor allem Menschen zu sein. Damit hat er sich seine eigene kleine Welt geschaffen, die er zum einen ungern verlässt und in die er zum anderen nur widerwillig Zutritt gewährt.
So mag es nicht verwundern, dass der spontane Besuch seiner Schwester Madeleine ihn nicht nur überrumpelt, sondern zugleich auch herausfordert, als sie Vincent bittet, für ein paar Tage ihren Sohn Léonard bei sich aufzunehmen.
Obwohl Vincent als Trainer einer Jugendfußballmannschaft tagtäglich mit Kindern arbeitet, ist ihm noch keines wie sein Neffe untergekommen. Léonard scheint in seiner eigenen Welt zu leben, in der Schach eine größere Rolle als die Sprache und alterstypische Unternehmungen spielt.
Erst die durch Zufall gestellte Diagnose Asperger-Syndrom (eine leichte Form von Autismus) lässt Vincent erkennen, dass sein Neffe die Dinge anders wahrnimmt. Dabei ist ihm Léonard schon voraus und hat durch den Fußball eine Verbindung zu ihm hergestellt.
Nach und nach betreten die beiden die Welt des anderen und mit dem Verstehen entwickelt sich nicht nur eine Bindung, sondern auch eine Zuneigung, die für beide Neuland ist.

"La surface de réparation" (Der Titel im Französischen, der "Der Strafraum" bedeutet) zeigt die Linien des Spielfeldes, in dem sich die beiden Protagonisten samt ihrer aufgesetzten bzw. durch die Andersartigkeit vorhandenen Regeln bewegen, auf. Doch anders als beim Fußball geht es hier statt um Verstoße um die Konfrontationen im Leben und statt Strafpunkte um das Dazulernen/Verändern; bei denen sich unterschiedliche Welten annähern und dies mit Entwicklung, Kennenlernen, Verstehen und ja auch Sicherheit einhergeht, bei denen Gefühle und Auseinandersetzung mit dem Leben gefragt sind.

Auf einfühlsame Weise erzählt der Autor von zwischenmenschlichen Konflikten sowie von einer familiären Abgeschiedenheit, die die Vergangenheit zur Qual und die Gegenwart einsam gemacht hat.
"Man kann sich nicht selbst auf dem Weg gehen." (S. 51)
Dieser Tatsache hat sich gerade Vincent angenommen und er stellt sich auf ruhige, fast schon gelassene Art, den unerwarteten Situationen, selbst dann, wenn er dazu seine "Linien" überschreiten muss.
Dass Fußball mein Element ist, kann ich nicht behaupten und dennoch hat mir das Zusammenspiel von Figuren, Probleme und Lösungen, Hilflosigkeit und Mut, Wahrnehmungen und Sein, Familie und Freundschaft gut gefallen.
Einzig das Ende ging mir etwas zu glatt auf, auch wenn dieses die schlichte Möglichkeit auf Glück unterstreicht.

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Rezension zu "Die alltägliche Logik des Glücks" von Alain Gillot

Eine leise, aber dafür eindringliche Geschichte
seschatvor 3 Jahren


INHALT
Victor, Mitte 30 und Ex-Fußballprofi, lebt allein in Sedan und trainiert eine Jugendfußballmannschaft. Mit seiner Vergangenheit/Familie scheint er abgeschlossen zu haben, doch sie nicht mit ihm.Eines Tages steht seine ältere Schwester Madeleine mit Sohn Leonard vor seiner Haustür. Er soll seinen in sich gekehrten und Schach besessenen Neffen für eine Woche bei sich aufnehmen. Aber wird er einen Zugang zu ihm finden können, wenn Leonard immer alles besser zu wissen scheint. Fußball heißt das Zauberwort. Mit dem 13-Jährigen kommt Victor jeden Tag besser zurecht, wäre da nicht seine krebskranke Mutter, die auch seine Hilfe benötigt. Gerade sie, die ihm an die zerstörte Kindheit und den alkoholabhängigen Vater erinnert...

MEINUNG
Alain Gillots Roman erzählt anfangs eine mehr als tragische Geschichte aus zerstörten Träumen und grauen Kindheitserinnerungen. Nach dem ersten Drittel vollzieht sich dann ein Wandel innerhalb der Handlung, denn aus dem zurückgezogen lebenden Victor wird ein fürsorglicher Erzieher und Freund. Leonard und er arrangieren sich und vertrauen einander. Beide verändern sich zum Positiven. Leonard kann trotz Aspersyndorm die Mannschaftssportart Fußball betreiben und gewinnt dadurch an Selbstbewusstsein. Auch Victor kann sich nun wieder dem richtigen Leben und der Vergangenheit stellen, wird insgesamt offener. Ich-Erzähler Victor ist der alles beeinflussende Dreh- und Angelpunkt des 286-seitigen Buchs und wurde von Gillot insgesamt sehr realistisch gezeichnet. Seine Verletzlichkeit und sein Glaube an das Gute im Menschen sind unübertroffen und lassen den Leser nicht kalt. 

Gillot vermag mit ihrer einfachen, aber eindringlichen Sprache, den Leser für sich und ihre Story zu gewinnen. Einfühlsam und zaghaft deckt sie unterschwellige menschliche Konflikte und Fehler auf. Was bleibt ist die Quintessenz, dass trotz aller Probleme Familie und Freundschaft das Leben bereichern und es voranbringen. Wer den Mut hat zu kämpfen und sich nicht abzuwenden, der wird am Ende gestärkt hervorgehen und offen für Neues sein.

Neben dem starken emotionalisierenden Part ist es vor allem das Thema Fußball, das den Plot bestimmt. Wer sich für französischen bzw. internationalen Fußball, vor allem auf theoretischer Ebene, interessiert, wird hier auf seine Kosten kommen.

FAZIT
Ein einfach gehaltener Roman, der Menschlichkeit propagiert und an die Zufälle im Leben glauben lässt. Zudem geht es um Fußball und die unbestreitbare positive Macht dieses Sports.

Kommentare: 1
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T

Rezension zu "Die alltägliche Logik des Glücks" von Alain Gillot

Manchmal ist das Leben genial einfach - oder einfach genial ...
Tara01092012vor 3 Jahren

Aufmerksam auf das Buch wurde ich durch das tolle Cover. Nach dem Lesen des Inhaltes wusste ich, dass ich dieses Buch unbedingt lesen will.

Einfühlsam geschrieben und durch kurze Kapitel erfahren wir die Geschichte von Victor, einem einsamen Trainer einer Junior-Fußballmannschaft.
Victor ist ein Einzelgänger, ohne Freunde und ohne viel Menschenkontakt. Sein einziges Interesse ist Fußball.
Doch eines Tages steht seine Schwester unverhofft vor der Tür und lässt seinen Neffen Leonard bei ihm.

Victor und Leonard könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein, doch werden aus den zwei fremden Einzelgängern bald Freunde...

Einfühlsam, teilweise poetisch und berührend ...
Ich habe die Geschichte der beiden, auf den ersten Blick doch recht seltsamen Einzelgängern, verschlungen... auf 286 Seiten begrenzt, jedoch vollkommen ausreichend um all das rüberzubringen was für die Geschichte wichtig ist...

"Manchmal ist das Leben genial einfach - oder einfach genial..."

Vor dem Lesen dieses Buches muss ich gestehen war mir der Autor völlig fremd und ich habe noch nie etwas von ihm oder diesem Buch gehört, aber nach dem Lesen bin ich mir sicher, es wird nicht bei diesem einen Buch bleiben... Der Schreibstil gefällt mir sehr!

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