Alan Bennett

 4 Sterne bei 41 Bewertungen

Alle Bücher von Alan Bennett

Cover des Buches Ein Kräcker unterm Kanapee (ISBN: 9783803112682)

Ein Kräcker unterm Kanapee

 (32)
Erschienen am 23.02.2010
Cover des Buches Vatertage (ISBN: 9783803112439)

Vatertage

 (9)
Erschienen am 01.02.2007

Neue Rezensionen zu Alan Bennett

Cover des Buches Ein Kräcker unterm Kanapee (ISBN: 9783803112682)AndreasKuecks avatar

Rezension zu "Ein Kräcker unterm Kanapee" von Alan Bennett

...skurrile Momentaufnahmen gepaart mit britischem Humor!
AndreasKueckvor einem Jahr

Vor wenigen Tagen äußerte ich in meiner Rezension zu P.G. Wodehouses „Tausend Dank, Jeeves!“, dass Britten so richtig witzig sein können. Keine Bange, ich möchte diese getroffene Aussage nun nicht etwa revidieren – ganz im Gegenteil: Ich habe hier noch ein weiteres Beispiel als Beleg für die Richtigkeit meiner Aussage. Dabei könnten diese beiden Autoren nicht unterschiedlicher sein: Wodehouse mit Bennett zu vergleichen wäre ungefähr so, als würde ich (um bekannte Beispielen zu bemühen) Jürgen von der Lippe mit Dieter Nuhr messen. Beide haben ihre absolute Berechtigung und sprechen jeweils eine andere Region meines Humorzentrums an, und damit meine ich sowohl die Autoren als auch die Sprach-Humoristen.

Alan Bennett versammelt in diesem Band sechs kleine Geschichten, die für die BBC geschrieben und aufgezeichnet wurden. So wirken sie wie Auszüge aus einem Drehbuch mit einem kurzen Umriss über die jeweils handelnde Person, knappen Beschreibungen des Settings, Hinweisen auf Schwarzblende und dramaturgischen Pausen. So „sehen“ wir in diesen Monologen auch immer nur eine Person vor unserem geistigen Auge. Alle anderen Personen lernen wir durch den Blick des erzählenden Protagonisten kennen. Und dieser Blick ist zwangsläufig sehr subjektiv gefärbten und offenbart vieles von unseren Heldinnen und Helden.

Bennett präsentiert uns eine bunte Palette unterschiedlichster Typen: Da ist der erwachsene Sohn, der seiner leicht demenziellen Mutter missgönnt, dass sie mit Hilfe eines alten Schulfreundes wieder am Leben teilnimmt, und nicht erkennt, dass er sie mehr braucht als umgekehrt. Oder wir lernen die Pfarrersgattin kennen, die Ablenkung vom öden Gemeindeleben sucht und diese zuerst im Alkohol und dann auf der Matratze des Kioskbesitzers findet. Ein Füllfederhalter spielt in der nächsten Geschichte eine entscheidende Rolle, da dieser – einer Waffe gleich – von einer einsamen Frau für das Verfassen von allerlei Beschwerdebriefen benutzt wird, und sie dabei die sensible Grenze zwischen berechtigter Kritik und übler Verleumdung überschreitet. Selbstüberschätzung und der Mangel, die Menschen in ihrem Umfeld realistisch wahrzunehmen, wird einer jungen Möchte-gern-Schauspielerin zum Verhängnis, die sich „ganz Profi“ jegliche Schmach schön redet. Eine Witwe wird nach dem Tod des Gatten zum Spielball ihrer Kinder: zwischen Übervorteilung, Schuldzuweisung und Verschleierung versucht sie verzweifelt den Anschein von Anstand zu wahren, um nicht als tragische Figur zu enden. Ein Kräcker unterm Kanapee wird einer älteren Dame zum Verhängnis, die in ihrem Kontroll- und Putzzwang die Arbeit ihrer Zugehfrau kontrolliert, dabei stürzt und mit gebrochener Hüfte auf dem Boden liegend nicht erkennt, dass sie mit diesem Zwang bisher alle Menschen ihrer näheren Umgebung verscheucht hat.

„Das klingt so ganz und gar nicht witzig!“ könnte man meinen, aber der Eindruck täuscht: Bennetts Witz lauert im Verborgenen und pirscht sich nur ganz leise an die Oberfläche. Allen Protagonisten ist gemein, dass ihnen gänzlich der Hang zum Selbstmitleid fehlt, und sie beinah stoisch die Umstände aushalten. So zeigen die beschriebenen Situationen eine enorme Skurrilität, bieten viel Absurdes und entwickeln aus der scheinbaren Alltäglichkeit ihren Witz.

So war mein Lachen auch weniger ein hemmungsloses Kichern als vielmehr ein verdutztes Schmunzeln über die gelesenen Eigentümlichkeiten des Handlungspersonals, wohl wissend, dass sie in der Realität keine Seltenheit sind.

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Cover des Buches Ein Kräcker unterm Kanapee (ISBN: 9783803112682)Duffys avatar

Rezension zu "Ein Kräcker unterm Kanapee" von Alan Bennett

Rezension zu "Ein Kräcker unterm Kanapee" von Alan Bennett
Duffyvor 9 Jahren

Bennett, in Deutschland bekannt geworden durch "Die souveräne Leserin", hat etwas, das man mit dem "typischen Briten" assoziiert. Was immer das auch sein mag, was es typisch macht, eine Portion hintergründiger Komik gehört ganz sicher dazu, wobei man das nicht schwarzem Humor verwechseln sollte, denn diese Hintergründigkeit äußert sich bei ihm auch oft darin, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Sechs Charaktere werden in diesen sechs Geschichten beschrieben und Bennett hat sie wie für ein Fernsehspiel aufgebaut, nur dass es Monologe sind - die Protagonisten mit einer Kamera. Ehefrauen im "schwierigen" Alter, Muttersöhnchen, Briefeschreiberin, die Figuren sind so alltäglich und aus dem gewöhnlichen Leben gegriffen, dass die Inhalte schon so vertraut sind und hier von Bennett noch nicht mal überzeichnet sondern nur ganz explizit herausgearbeitet wurden. Dass er das mit der ganzen Routine eines Storytellers macht, ist ihm nicht anzulasten, weil er es eben in einer sensiblen und menschlichen Art und Weise tut, in der die Ironie eigentlich nichts zu suchen hat, dennoch aber ein gelungen eingesetztes Stilmittel ist, um aus einer unscheinbaren Geschichte eine eine interessante Geschichte zu machen. Im Nachwort plaudert er ein wenig über Entstehung und Arbeitsweise und gibt Einblicke in die Verknüpfung seiner eigenen Vita mit seinen Geschichten. Wer hier den Klamauk eines "britischen Humoristen" erwartet, liegt falsch.

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Cover des Buches Ein Kräcker unterm Kanapee (ISBN: 9783803112682)rumble-bees avatar

Rezension zu "Ein Kräcker unterm Kanapee" von Alan Bennett

Rezension zu "Ein Kräcker unterm Kanapee" von Alan Bennett
rumble-beevor 11 Jahren

Ach, Alan Bennett... Sie sind ein Meister der Kurzform, der schrägen Schicksale und der leisen Töne. Und vor allem sind Sie Brite! Sie schauen ihren Landsleuten und deren mehr oder weniger exzentrischen Angewohnheiten direkt auf die Finger, bringen dies aber so geschickt und mitfühlend in ihren Texten unter, dass sich jeder Leser, egal welcher Nationalität, darin wiederfindet. Sie haben nur einen Nachteil: Ihre Bücher sind zu kurz...!
***

Vielleicht ist die Veröffentlichungsstrategie des deutschen Verlages, der Alan Bennett verlegt, nämlich Wagenbach, ein wenig unklug. Denn in Deutschland wird Bennett nach wie vor an der "Souveränen Leserin" gemessen, dem ersten Buch, das hier für Aufsehen sorgte. Und obwohl seine anderen Bücher alle früher entstanden, teilweise bis zu 20 Jahren früher (!), erscheinen sie hierzulande doch erst jetzt, und geraten so in direkte, ungewollte Konkurrenz zu Bennetts Erfolgsroman (der ursprünglich eine Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitungskolumne war). Das ist sehr schade, weil Bennett in seinem Heimatland gerade durch diese durchweg kürzeren Texte bekannt wurde - ja, weil er überhaupt erst in der Kurzform brilliert. Er hat auch nicht ursprünglich "Bücher" geschrieben, sondern überwiegend Glossen, Satiren und Kurzporträts für Zeitungen - oder eben fürs Fernsehen, so wie in diesem Werk.

Schauen wir uns den "Kräcker unterm Kanapee" doch einmal genauer an. Titelgebend ist die letzte Geschichte des Bandes. Sie handelt von der alten Dame Doris, die eigentlich schon längst in ein Heim gehörte, sich aber hartnäckig dagegen wehrt. Sie beharrt auf ihrer (faktisch nicht mehr vorhandenen) Selbständigkeit, und befindet sich somit in ständiger Opposition zu ihrer Pflegerin und Reinigungshilfe. Eines Tages wird ihr ihre Starrköpfigkeit zum Verhängnis - als sie nämlich einem Kräcker unterm Kanapee nachgehen will...

Anhand dieser Geschichte kann man wunderbar das "Muster" des ganzen Bandes erkennen. Es handelt sich stets um eine einzelne Person, die aus ihrem Leben erzählt - die also einen Monolog hält. Sie spricht den Leser zwar nicht direkt an - in der Tat weiß man nicht so recht, zu wem diese Menschen eigentlich sprechen. Aber es hat den Anschein, als versuchten alle diese angeknacksten Charaktere, durch das Erzählen ihrem verdrehten Dasein noch einen Sinn zu verleihen. Denn sie haben alle eines gemeinsam: sie kämpfen jeweils mit sich selbst, sie haben (teils drastische) Eigenheiten oder sogar Defekte, die sie aber unter allen Umständen zu verbergen suchen. Sie alle laufen mehr oder minder vor sich selber davon, und nur der Leser folgt ihnen staunend oder verblüfft auf diesem steinigen Weg.

Da wäre zum Beispiel Graham, ein in die mittleren Jahre gekommenes Muttersöhnchen, der eifersüchtig auf Mutters neuen Freund ist. Schreiend komisch, aber irgendwie auch tragisch, seine Versuche, die Beziehung zu hintertreiben. Mein Lieblingszitat: "Ich habe nichts gegen Geschlechtsverkehr. Sie ist meine Mutter."

Oder die Frau des Pfarrers, der schon lange vergeblich auf einen Karriereschub, eine Beförderung zum Bischof, wartet. Der Leser ahnt es von Zeile zu Zeile mehr, doch Susan ignoriert fast bis zum Schluss ihre Alkoholsucht. Die Geschichte endet bitterböse und ironisch: gerade dadurch, dass ihr "Problem" bekannt wird, kann sich ihr Mann profilieren, und doch noch den ersehnten Posten ergattern.

Ich möchte hier nicht alles zerreden. Doch es sollte klar geworden sein, worum es hier geht: Sechs Geschichten von Einzelgängern oder Verlierern. Sie bringen dem Leser durch die eindringlich wirkende direkte Vortragsform nahe, was es heißt, mit sich und dem Leben zu ringen. Der Autor gestaltet jedoch jedes Porträt so, dass es sich in einer feinen und unnachahmlichen Balance zwischen Tragik und Komik befindet. Er hat einen wunderbaren Blick für verräterische Einzelheiten, und natürlich für knochentrockenen britischen Humor. Man weiß als Leser oft nicht, ob man lachen oder weinen soll - aber man weiß eines: dass man diese Geschichten vermutlich öfter zur Hand nehmen wird.

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