Alan Forrest

 4 Sterne bei 1 Bewertungen
Autor von Napoleon, Waterloo und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Alan Forrest

Cover des Buches Napoleon (ISBN: 9781780872506)

Napoleon

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Erschienen am 25.10.2012
Cover des Buches War Memories (ISBN: 9781137365408)

War Memories

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Erschienen am 16.10.2013
Cover des Buches Waterloo (ISBN: 9780199663255)

Waterloo

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Erschienen am 26.03.2015

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Cover des Buches Napoleon (ISBN: 9781780872506)A

Rezension zu "Napoleon" von Alan Forrest

Eine gut lesbare Napoleon-Biographie, ideal als Einstiegslektüre
Andreas_Oberendervor 3 Monaten

Es gibt Herausforderungen, denen sich Historiker nicht leichtfertig stellen sollten. Das gilt beispielsweise für das Vorhaben, eine Napoleon-Biographie zu schreiben. Die Herausforderung besteht weniger darin, die kaum noch überschaubare Forschungsliteratur zu Napoleon und zur napoleonischen Ära angemessen zu rezipieren und sich zumindest mit den wichtigeren einschlägigen Quellen vertraut zu machen. Die Herausforderung liegt anderswo: Jede Napoleon-Biographie, die nicht einfach nur erzählen, sondern auch analysieren und interpretieren will, muss eine Reihe wichtiger Fragen stellen und beantworten. Von den Antworten auf diese Fragen hängt es ab, wie Napoleon und seine Bedeutung für die Geschichte Europas beurteilt werden.

Wie ist Napoleons kometenhafter Aufstieg zu erklären? Wie konnte der Artillerieoffizier aus Korsika, der während der Revolutionsjahre keine herausragende Rolle gespielt hatte, binnen weniger Jahre zum Kaiser der Franzosen aufsteigen? Welche persönlichen Eigenschaften und Leistungen, welche politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ermöglichten diesen Aufstieg? Was hatte Napoleon seinem "Genie" zu verdanken, was günstigen Umständen? War er der Totengräber der Revolution - oder ihr Vollender? Welche Handlungs- und Gestaltungsspielräume besaß Napoleon nach seinem Aufstieg zum Ersten Konsul und seiner Selbsterhebung zum Kaiser? Welche Ziele und Pläne verfolgte er? Hatte er überhaupt klare politische Vorstellungen? Strebte er von Anfang an danach, Europa der Hegemonie Frankreichs zu unterwerfen, gar danach, eine neue Universalmonarchie zu begründen? Oder war das sogenannte Grand Empire ein Zufallsprodukt, das nur deshalb entstand, weil Napoleon nach den Siegen über seine Gegner freie Bahn hatte, um Europas Landkarte nach eigenem Belieben zu verändern? War das Empire als ernst zu nehmende Alternative zur konfliktträchtigen europäischen Staatenordnung des Ancien Régime gedacht? Oder ging es Napoleon nur darum, den Staaten, die er besiegt und umgestaltet hatte, Ressourcen und Soldaten abzupressen?

Der britische Historiker Alan Forrest, ausgewiesen durch Arbeiten zur Militärgeschichte der napoleonischen Zeit, versucht auf 330 Seiten alles Wesentliche über Napoleon zu sagen. Das ist ihm gelungen, und deshalb ist sein Buch als Einstiegslektüre zu empfehlen. Wer über bestimmte Aspekte mehr wissen möchte, der findet in der umfangreichen Bibliographie viele Hinweise auf die aktuelle französische und englischsprachige Literatur (deutsche Beiträge zur Napoleon-Forschung werden nicht berücksichtigt). Forrests Darstellung beginnt nicht mit Napoleons Geburt, sondern mit der Überführung der sterblichen Überreste des Kaisers von Sankt Helena nach Paris (1840). In den folgenden zwölf Kapiteln behandelt Forrest die einzelnen Lebensstationen Napoleons und die Etappen seiner militärischen und politischen Laufbahn. Im letzten Kapitel wirft er Schlaglichter auf das Nachleben des Kaisers im Geschichtsbewusstsein der Franzosen und anderer Völker. Der Ton ist durchweg sachlich, frei von Polemik und unterschwelligen Ressentiments. Forrest vermeidet amateurpsychologische Plattitüden über Napoleons Wesen und Charakter ("Herrschsucht", "Größenwahn") und widersteht der Versuchung, das Privat- und Liebesleben des Kaisers in den Vordergrund zu rücken. Das Buch ist ein anschaulicher Beleg dafür, dass die englischsprachige Forschung immer wieder wichtige und lesenswerte Beiträge zur Geschichte Napoleons und der napoleonischen Zeit beisteuert.

Das Bild, das Forrest von Napoleon zeichnet, trägt den persönlichen Talenten des Korsen ebenso Rechnung wie den strukturellen Faktoren, die seinen Aufstieg ermöglichten. Wie andere Biographen vor ihm zeigt Forrest seinen Protagonisten als herausragenden Heerführer und geschickten Propagandisten, der seine militärischen Erfolge mit Hilfe der Medien (Zeitungen, Literatur, Kunst) in politisches Kapital ummünzte. Den raschen Aufstieg während der Revolutionsjahre erklärt Forrest unter Verweis auf Veränderungen in den Streitkräften. Jungen, ambitionierten Offizieren von bescheidener Herkunft boten sich in den Revolutionsjahren Aufstiegschancen, an die unter dem Ancien Régime nicht zu denken gewesen war. Napoleon und viele seiner späteren Mitstreiter profitierten vom neuen meritokratischen Ethos in der Gesellschaft und in der Armee. Die vielen Aufsteiger, die in der Revolutionszeit ihr Glück machten, bildeten später die soziale Basis der napoleonischen Herrschaft, das Reservoir, aus dem Napoleon seine Beamten und Offiziere rekrutierte. Ohne die sozialen Umwälzungen der Revolution sind Napoleons Weg an die Spitze des Staates und die Entstehung gesellschaftlicher Gruppen, die das Konsulat und das Kaiserreich trugen, nicht zu verstehen.

Forrest folgt Jean Tulard und bezeichnet Napoleon - mit leicht ironischem Unterton - als den "Retter", der im November 1799 im Auftrag gemäßigter bürgerlicher Kräfte die befürchtete Rückkehr linksradikaler Gruppen an die Macht verhinderte (Staatsstreich vom 18. Brumaire). Die Exzesse und Wirren der Revolutionszeit fanden ein Ende. Napoleon war mehr an einem starken Staat, einer stabilen gesellschaftlichen Ordnung und einer effizienten Verwaltung als an skrupulöser Einhaltung demokratischer Verfahren interessiert. Er herrschte autoritär, ohne daraus einen Hehl zu machen. Die schon unter dem Direktorium (1795-1799) beginnende Stärkung der Exekutive zu Lasten der Legislative setzte sich unter Napoleon fort. Institutionen verloren stetig an Bedeutung. Der Erste Konsul, umgeben vom Nimbus des Schlachtensiegers, wurde rasch zum Gravitationszentrum des politischen Systems, das spätestens mit dem Übergang zum Kaisertum (1804) ganz auf Napoleon ausgerichtet war. Für Herrschaftsverständnis und Herrschaftspraxis des arbeitswütigen und rastlosen Kaisers findet Forrest eine griffige und überzeugende Formel: Napoleon war nicht liberal, aber auch nicht antirevolutionär; er war autoritär, aber nicht reaktionär. Eine Rückkehr zum Ancien Régime erfolgte nicht. Napoleon behielt diejenigen Errungenschaften der Revolution bei, die seinem Ziel dienlich waren, Frankreich wieder eine stabile innere Ordnung zu geben. Für Opposition jedweder Couleur war in diesem Frankreich kein Platz vorgesehen, und deshalb hatte Napoleon keine Hemmungen, "seine" Ordnung durch Zensur, Spitzelwesen und Repressionen abzusichern.

Ausgehend von den innerfranzösischen Verhältnissen wendet sich Forrest den Satelliten- und Vasallenstaaten zu. Ob das sogenannte Grand Empire Aussichten auf langfristigen Bestand hatte, lässt sich kaum sagen, da es 1813/14 wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Durch Kriege kam es zustande, und in einem weiteren Krieg ging es unter. Forrest versteht den Aufbau des Grand Empire als Staatsbildungsprozess, der noch in den Anfängen steckte, als Napoleon besiegt wurde und abdanken musste. Fundamente waren gelegt (Verwaltung und Rechtswesen nach französischem Vorbild), das Gebäude selbst blieb aber unvollendet. Forrest ist der Ansicht, Napoleon habe sich als Nachfolger Karls des Großen gesehen und eine Einigung West- und Mitteleuropas sowie Italiens unter französischer Hegemonie angestrebt. Diese These ist interessant, doch bietet Forrest nicht genug Belege, um ihr die nötige Überzeugungskraft zu verleihen. Forrest ist weit davon entfernt, das Grand Empire zu verklären. In den Satellitenstaaten wurde es bald als unerträgliche Belastung empfunden. Noch heute wird es vielfach als reines Ausbeutungs- und Unterdrückungssystem gesehen. Napoleon mutete seinem Großreich in der Tat Strapazen zu, die zwangsläufig destruktiv wirken mussten (genannt sei nur die Kontinentalsperre). Forrest sieht Napoleons Hauptfehler darin, dass er außenpolitische Probleme und Konflikte fast ausschließlich militärisch zu lösen versuchte. Auf lange Sicht konnte das nicht gut gehen. Mit dem Einmarsch in Spanien (1808), spätestens aber mit dem Russlandfeldzug von 1812 hatte der Korse den Bogen überspannt. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt.

Alan Forrest hat eine seriöse, klug analysierende, sachlich urteilende und überdies gut lesbare Biographie vorgelegt, die all jene mit Gewinn lesen werden, die sich erstmals näher mit Napoleon beschäftigen. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im November 2013 bei Amazon gepostet)

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