Albert Vigoleis Thelen Die Insel des zweiten Gesichts

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Inhaltsangabe zu „Die Insel des zweiten Gesichts“ von Albert Vigoleis Thelen

Albert Vigoleis Thelens herrlich barockes Hauptwerk über Schmuggler und Huren, Künstler und Bettler, zweifelhafte Emigranten und falsche Gentlemen: Mit schier unerschöpflicher Fabulierlust erzählt er von den Abenteuern seiner Helden Vigoleis und Beatrice im Mallorca der dreißiger Jahre

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  • Rezension zu "Die Insel des zweiten Gesichts" von Albert V Thelen

    Die Insel des zweiten Gesichts

    Steerpike

    23. September 2007 um 17:19

    Albert Vigoleis Thelen ist - auch nach dem Nachwort im Buch - der große Unbekannte der deutschen Literatur. Die Frage ist eigentlich, warum er es ist. Das Presselob auf der U4 spart nicht mit Superlativen, "Die Insel des zweiten Gesichts" ist auch ziemlich erfolgreich gewesen, seit ihrem Erscheinen 1953 immer wieder in neue Auflagen gegangen. Man könnte Thelen kennen, aber man kennt ihn nicht. Ein großer Fehler, wie sich bei der Lektüre dieses Buches, das mir von einem Freund empfohlen und geschenkt wurde, herausgestellt hat. "Die Insel des zweiten Gesichts" beschreibt als autobiographisch inspirierte Schelmengeschichte Thelens Zeit in Mallorca von 1931 bis 1936. 1931 wird er mit seiner damaligen Geliebten und späteren Frau Beatrice, einer Schweizerin, nach Mallorca gerufen. Beatricens kleiner Bruder Zwingli liegt im Sterben und bittet die beiden zu kommen. Umso erstaunter sind sie natürlich, als Zwingli sie wohl etwas abgerissen, aber keineswegs vom Tode gezeichnet, am Pier abholt. Es stellt sich heraus, dass das dramatische Telegramm eine Finte war, um Beatrice und Vigoleis von der wirklich sterbenskranken Mutter Beatricens wegzulocken. Denn Zwingli braucht zwar keine letzte Ölung, aber zweifellos Hilfe: Er hat sich in eine spanische Hure verliebt, die ihm nach und nach das Geld aus der Tasche zieht und die Syphillis aufhängt, von der er sich aber nicht zu lösen vermag, zum einen aus Faszination für diese Frau, zum anderen aus Furcht vor ihrer impulsiven Art, die auch vor dem Gebrauch eines Dolches nicht zurückschreckt. Vigoleis ist am Anfang keine große Hilfe, er verliebt sich sogar selbst in die schöne Spanierin und verschärft so das Problem sogar noch. Beatrice begleicht derweil mit ihrem stattlichen Vermögen die Schulden des kleinen Bruders, so dass die beiden Helden der Aufzeichnungen schon nach wenigen Seiten ohne finanzielle Mittel dastehen. Der stets ingeniöse, oft kuriose und manchmal auch erschreckende Kampf gegen die Armut steht ab da im Mittelpunkt der Erzählungen. Beatrice und Vigoleis landen zunächst im Hotel eines anarchistischen Grafen, dann im Bordell eines Drahtziehers des mallorquinischen organisierten Verbrechens, schließlich in einer eigenen Wohnung, für die sich unsere Helden zwar keine Möbel leisten können, die aber einen wunderbaren Garten besitzt. Wie durch ein Wunder gehen Vigoleis und Beatrice aus allen Abenteuern ohne größeren Schaden hervor, zwar leben sie in einem ständigen Auf und Ab von bescheidenem Wohlstand und totalem Verlust ihrer Ressourcen, sind nach der Machtergreifung der Nazis und durch den Aufstieg Francos stets neuen Schikanen ausgesetzt und müssen 1936 auch vor dem heraufziehenden spanischen Bürgerkrieg flüchten, doch durch ihre stets prekäre Lage lernen sie eine Menge Leute kennen, wie sie interessanter nicht sein könnten, teilen deren Leben, gewinnen meistens deren Zuneigung und Vertrauen und schaffen es so nicht nur zu überleben, sondern auch einen reichen Schatz an Geschichten aufzutürmen - zu deren Chronist Vigoleis dann im vorliegenden Buch wird. "Die Insel des zweiten Gesichts" ist - und hier liegt vielleicht eines der Geheimnisse ihrer relativen Unbekanntheit - 1953 vor der Gruppe 47 durchgefallen. Der unglaublich ausladende und sprachlich überbordende Stil wurde von den Kargheitspropheten um Hans-Werner Richter, die damals die Gruppe 47 offenbar bestimmten, nicht goutiert. Thelen, stets sensibel und überaus empfindlich, zog sich daraufhin wieder aus einem Land und seiner Kulturszene zurück, aus der ihn erst die Nazis vertrieben hatten und der er sich nur sehr zögerlich wieder zu öffnen begonnen hatte. Bis in die 80er Jahre lebte er in den Niederlanden und der Schweiz, wo er vor allem als Übersetzer tätig war. An den Erfolg seines Erstlings hat er mit den seltenen späteren Prosawerken nicht mehr anknüpfen können. Die Wucht, mit der der Leser auf über 900 Seiten mit minimalem Durchschuss konfrontiert wird, sucht in der Nachkriegsliteratur ihresgleichen. Verblüffend ist die Leichtigkeit, mit der Thelen trotz aller spürbaren und ausdrücklich immer wieder geäußerten Beleidigtheit seine Anekdoten präsentiert, mit welch unglaublich liebenswürdigem Augenzwinkern er von Begegnungen mit Touristen aus Nazideutschland, mit Flüchtlingen, Verbrechern und allen möglichen und unmöglichen anderen Gestalten berichtet, unter ihnen Berühmtheiten wie Robert von Ranke Graves und Harry Graf Keßler. Es gibt nichts Schlechtes über das Buch zu sagen, es ist außerordentlich gut geschrieben mit einem aktiven Wortschatz, der seinesgleichen sucht, es ist kurzweilig zu lesen, bei allem nervig kleinen Schriftbild (bei normalem Durchschuss wäre aber wohl irgendwann die Broschur auseinandergebrochen), es ist intelligent geschrieben, es ist menschlich, dabei nie weinerlich. Lest Thelen!

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