Alberto Barrera Tyszka

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Die letzten Tage des Comandante, Crimes und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Alberto Barrera Tyszka

Die letzten Tage des Comandante

Die letzten Tage des Comandante

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Erschienen am 22.08.2016
The Sickness

The Sickness

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Erschienen am 13.03.2012
Crimes

Crimes

 (0)
Erschienen am 06.08.2015

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Rezension zu "Die letzten Tage des Comandante" von Alberto Barrera Tyszka

Diktatorenroman
Lesebibervor 2 Jahren

Auch wenn dieses Buch mit Sicherheit nicht an die großen Diktatorenromane von Roa Bastos, Garcia Marquez oder Asturias heranreicht, ist es eine ernst zu nehmende Lektüre, die den Zeitgeist Venezuelas gelungen einfängt...

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Rezension zu "Die letzten Tage des Comandante" von Alberto Barrera Tyszka

Alles ist Fiktion, auch die Realität
JulesBarroisvor 2 Jahren

Die letzten Tage des Comandante - Alberto Barrera Tyszka (Autor), Matthias Strobel (Übersetzer), 256 Seiten, Verlag Nagel & Kimche AG (22. August 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3312009947

Diesen Roman können Sie aus drei Blickrichtungen lesen: literarisch, soziologisch und politisch.

Worum geht es? In erster Linie um Venezuela, genauer gesagt um das Venezuela zur Zeit des „Chavismus“, als die Herrschaft von Hugo Chávez sich dem Ende nähert. Einer Zeit des Übergangs, der sich auch in den Personen und ihren Geschichten zeigt.

Da ist zum einen Miguel Sanabrina und seine Frau Beatrix. „Das, was er sich immer vom Leib gehalten hatte, holte ihn nun ein: dieses Land.“ (Seite 11) Miguel Sanabrina bekommt einen Anruf von seinem Neffen Vladimir, einem Offizier der Chavez-Regierung. Hugo Chávez, hält sich zur Behandlung seiner Krebskrankheit in Havanna auf.

Da ist Fredy Lucana, ein Journalist, der mit seiner Lebensgefährtin und seinem Sohn Rodrigo in der Wohnung über Sanabrina wohnt. Er hat seine Stellung verloren und will ein Buch über Hugo Chávez schreiben. Kann ihm die Kubanerin Aylin mit Informationen aus einem Kontakt in Havanna dabei nützlich sein?

Diese Wohnung gehört Andreina Mijares, die auf der Suche nach dem amerikanischen Traum nach Miami auswandert, und jetzt, nachdem das amerikanische Wunder sich zu einem amerikanischen Albtraum gewandelt hatte, nach Caracas in ihre Wohnung zurückkehren will

Und da gibt es noch Maria, ein zehnjähriges Mädchen, das mit ihrer Mutter alleine lebt. „Pass auf. Sei auf der Hut. Vertrau niemandem.“ (Seite 34) Cecilia, die Patin von Maria, sorgt für eine Internetverbindung, um das Kind nicht von der Außenwelt zu isolieren. Und so begann Maria, freundschaftliche Beziehungen über das Netzwerk. Sie gehört zu einer neuen Generation von Kindern, deren Präsenz im öffentlichen Raum aus unterschiedlichen Gründen sehr schwierig ist und sie zu Gefangenen in den eigenen Räumen werden.

Und schließlich Madeleine Butler, eine amerikanische Journalistin, die nach Venezuela gekommen ist, um ein Porträt über Hugo Chávez zu erstellen.

Natürlich ist auch Hugo Chávez anwesend, in seiner Mehrschichtigkeit als politischer, ideologischer, wirtschaftlicher und sogar religiöser Führer, ohne das er mit eigener Stimme im Roman vorkommt.

Alberto Barrera Tyszka liefert eine komplexe, facettenreiche Erzählung über Venezuela in den letzten Jahren des Lebens von Hugo Chávez. Um das zu erreichen, baut er einen Roman ohne Zentrum oder einer klaren Handlung. Er hat die Fähigkeit und Kraft eine Vielzahl von lebenswichtigen Übergängen im Leben seiner Figuren, ein literarisches Gewand zu geben, vor allem in einfachen Dialoge, die über eine Situation oder ein Ereignis entstehen und schafft so Möglichkeit sich den Charakteren aus verschieden Sichtweisen zu nähern.

Das Buch kommt, bezogen auf die Situation von Venezuela in der Post- Chávez-Zeit zu einem Schluss: die Rückkehr zur Utopie, oder sogar zu einem „Normalzustand" ist nicht möglich. Und nun, was ist zu tun? Und wenn wir die Entwicklung Venezuelas heute betrachten, dann ist eine Antwort noch immer nicht gefunden. „Willst du zurück?“ – „Das geht nicht mehr.“ – „Was machen wir dann? Wo gehen wir hin?“ (Seite 250)

Das Buch in all seinen Facetten ist zwar gut zu lesen, aber nicht einfach zu verdauen. Aber die Mühe lohnt sich.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Nagels & Kimche Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-letzten-tage-des-comandante/978-3-312-00994-7/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Rezension zu "Die letzten Tage des Comandante" von Alberto Barrera Tyszka

Alberto Barrera Tyszka – Die letzten Tage des Comandante
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Alberto Barrera Tyszka – Die letzten Tage des Comandante

Glasklarer Blick auf das „Innenleben“ eines Landes

„Wir zahlen Dir 100.000 Dollar“-
„Dafür, dass ich das Buch nicht schreibe“?
„Nein, im Gegenteil, wir zahlen dir 100.000 Dollar dafür, dass du das Buch schreibst“.

Was den arbeitslosen Fredy außerordentlich verblüfft. Denn das Buch, das er über den abwesenden, in Kuba im Krankenhaus hermetisch unter Verschluss gehaltenen Chavez seit geraumer Zeit bereits abarbeitet, kann doch von diesen Leuten nicht gemeint sein. Nicht dieses kritische Buch.

Eher hätte er mit Härte gerechnet, denn kritisch sein, das kommt nicht an in Venezuela unter Chavez.

Was auch Sanabria weiß. Der alternde Mann, der genug Zwist in der eigenen Familie schon erlebt, um seinen ausgleichenden Charakter noch mehr unter Spannung zu setzen. Sein Neffe im engsten Zirkel des Comandante, der mit dem Krebs ringt, seine Frau mit vorlauter Zunge, die jenem Chavez alles Mögliche an Schlechtem wünscht. Und dann diese Kiste, die sein Neffe ihm zur Aufbewahrung bringt. Mit sehr brisantem Inhalt, zumindest, was das öffentliche Bild des heldenhaft gegen die Krankheit ankämpfenden Herrschers über das Land angeht.

Eine Kiste, die für eine amerikanische Journalistin bestimmt ist. Welche fasziniert von diesem Chavez, diesem Charisma, sich auf den Weg nach Venezuela macht, um den Mann zu portraitieren.

„Ich will ihn interviewen. Er hat Krebs“.

In einem harten Alltag, in dem es Schutz auf den Straßen und selbst in den eigenen vier Wänden nur brüchig gibt.

Wie Maria erfahren muss, die mit ihrer Mutter auf zu Fuß auf dem Weg ist. Bis dieses Motorrad vorbeikommt und der Beifahrer sich die Tasche der Mutter versucht, zu schnappen.

Ein Land unter fester Hand, rumorend. Ein sozialistischer Herrscher, der von einem Teil des Volkes wie ein Messias gefeiert und vom anderen Teil ebenso glühend gehasst wird. Der sich an die Macht putschen wollte, selber einen Putschversuch überstanden hat. Ereignisse, die den Alltag zermürben, trotz aller Sozialprogramme, finanziert durch den Ölreichtum des Landes.

„Beatriz hatte schon immer gesagt, dass die Probleme des Landes nur auf eine Art zu lösen seien. Sie setzte den Zeigefinger auf die Stirn: Mit einer Kugel…… Der größte Fehler der jüngeren Geschichte sei es gewesen, Chavez nicht rechtzeitig zu töten.

Eine erodierende Gesellschaft in einem zu Grunde gehenden Land, in dem sich die Protagonisten mit ihren verschiedenen Zielen und Motiven mehr schlecht als recht versuchen, sich über Wasser und aus der Schußlinie zu halten. Und das, wo die Verhältnisse ja noch relativ stabil wirken, der Mann ist ja noch nicht tot, der Kampf um die Nachfolge noch nicht in aller Härte entbrannt.

Eine Atmosphäre, die Tyszka mit glasklarer Sprache präzise benennt, in der er seine Protagonisten von den einfachen Dingend es Alltages wie Arbeitslosigkeit und damit der drohende Verlust der Wohnung bis hin den Fokus der Geheimpolizei führt.

Und dem es im Lauf dieses Romans gelingt, tatsächlich auch, wie nebenbei, ein Portrait des Comandante zu entwerfen. Assoziativ, biographisch, in der Erinnerung der Menschen, die den Aufstieg an die Macht sehr verschieden wahrgenommen haben und sich Chavez damit auch sehr verschieden annähern.

Eine sprachlich und atmosphärisch zu empfehlende Lektüre, die den Leser mitten hinein nimmt in dieses „unregierbare“, „geschüttelte“ Land Venezuela.

„Genau das war Chavez gewesen: ein Soldat. Von seiner Natur aus, seinem Denken, seinem Gefühl. Er vertraute auf Uniformen, nicht auf die Vielfalt“.

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