Albrecht Broemme

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Lebenslauf

Albrecht Broemme, Jahrgang 1953, ist einer der wichtigsten Krisenexperten Deutschlands. Als Leiter der Berliner Feuerwehr (1992–2006), Präsident des Technischen Hilfswerks (2006–2019) und Sonderbeauftragter der Bundesregierung während der »Flüchtlingskrise« 2015 war er an der Bewältigung zahlreicher Krisen der vergangenen Jahre aktiv beteiligt. Dafür wurde ihm 2020 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Seit Ende November 2023 ist er der Berliner Koordinator für Flüchtlingsangelegenheiten.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Albrecht Broemme

Cover des Buches Deutschland in der Krise (ISBN: 9783742327796)

Deutschland in der Krise

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Erschienen am 15.04.2025

Neue Rezensionen zu Albrecht Broemme

Cover des Buches Deutschland in der Krise (ISBN: 9783742327796)
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Rezension zu "Deutschland in der Krise" von Albrecht Broemme

Dr_M
"Ich will keine Panik verbreiten"

Aber vielleicht ein wenig Angst? Albrecht Broemme war ein Funktionär im Staatsdienst, und deshalb trägt er auch alle Narrative der Regierenden aus den letzten Jahren mit. Und er lässt an seinem (richtigen) politischen Standpunkt im ersten Kapitel keinen Zweifel. Solche Offenbarungen auch in Sachbüchern waren in den zwei deutschen Diktaturen Standard. Nun sind sie es wohl wieder. 

Hat Herr Broemme die fehlende Corona-Aufarbeitung gemeint als er von einer "ehrlichen Fehlerkultur" schrieb, "an der es uns Deutschen prinzipiell mangelt"? Ich bezweifle das. Schon das einleitende Kapitel lässt erkennen, dass es auch Broemme ums Angstmachen geht, denn es mangelt ihm oft an Sachlichkeit, Vernunft und Abstand. Oder an Kenntnissen. Natürlich kommt immer wieder der "menschengemachte" Klimawandel in seinem Text vor. Dafür jedoch fehlt nach wie vor ein überzeugender Beweis. Vielmehr stammen all die schrecklichen Voraussagen aus sogenannten Klimamodellen, die nicht wirklich funktionieren, da sie nicht einmal eine bekannte Vergangenheit aus einer noch ferneren Vergangenheit voraussagen konnten. 

Man kann Broemme nicht vorwerfen, dass er von Mathematik und Physik keine Ahnung hat. Aber er müsste wissen, dass jede Voraussage mit einem Prognose-Fehler behaftet sein muss. Der wird bei den Klimaprognosen aber bewusst nie angegeben. Stattdessen benutzt man bei der Temperatur immer den schlimmsten Fall. Da diese Prognosen aber über einen sehr langen Zeitraum erfolgen, dürfte der mögliche Fehler riesig sein, sodass all das ein einziger Nonsens ist. Aus der Corona-Zeit weiß man, dass die Politik nicht der Wissenschaft gefolgt ist (RKI-Files), sondern auf den Faktor Angst setzte, um die überzogenen Maßnahmen durchzusetzen. Derselbe Trick wird auch beim Klima angewandt. Und Broemme macht dabei mit. In seinem Buch gibt es ein Kapitel "Tödliche Hitze", indem er düstere Schreckensszenarien ausmalt. Dabei vergisst er, dass es in Europa Länder wie Spanien gibt, in denen solche Szenarien gelegentlich auftreten. Spanien existiert übrigens noch, während in Broemmes Szenario Deutschland 2026 bei solchen Bedingungen kollabierte. Der Autor schreibt auch von Tsunamis in Ost- und Nordsee, Erdbeben in Deutschland und anderen sehr unwahrscheinlichen Ereignissen. Wozu soll das gut sein?

Nachdem er alle möglichen Katastrophen an die Wand gemalt hat, beginnt der Autor im zweiten Teil dann mit der weiteren Ausgestaltung von Schreckensszenarien. Zunächst analysiert er die Flutkatastrophe im Ahrtal. Und dabei zeigt sich, wie dünn die Bretter sind, die er zu bohren versucht. Bereits im Juli 1804, also in der vorindustriellen Zeit, fand eine von der Flutstärke sehr ähnliche Katastrophe dort statt. Gleiche Wetterlage, gleicher Verlauf. Der Autor hält zwar den Klimawandel für "menschengemacht", scheut sich aber das "Menschengemachte" am Ahrtalhochwasser zu erwähnen. Da wäre in erster Linie die Bebauung, die fehlenden Rückhaltebecken im Oberlauf der Ahr und vieles mehr. Und wenn Herr Broemme spekuliert, dass solche Katastrophen dort nun öfter auftreten werden, warum spricht er sich dann nicht gegen einen Wiederaufbau aus? In Sachsen hat man Menschen, die in Überflutungsgebieten gebaut hatten, nach dem Elbehochwasser entschädigt und umgesiedelt. Leider ist hier nicht der Platz für eine detaillierte Betrachtung. Ich konnte mich allerdings auch bei diesem Thema des Eindrucks nicht erwehren, dass es dem Autor gar nicht um eine sachgerechte Diskussion geht. 

Es folgt ein recht langes Kapitel zur "Migrationskrise". Auch dort wiederholt der Autor Argumente aus der politischen Blase der Regierenden. Ansätze aus Dänemark oder Italien passen ihm nicht, obwohl diese im Gegensatz zur deutschen Herangehensweise von Vernunft geprägt sind. Eigentlich müsste man doch von einem "Krisenmanager" erwarten können, dass er die Dinge zu Ende denkt. Dass der deutsche Weg inzwischen komplett ad absurdum geführt wurde, sieht Broemme zwar, er ist aber nicht in der Lage, daraus vernünftige Schlüsse zu ziehen. Stattdessen wiederholt er die bekannten Phrasen aus der Politik, die uns erst in die heutige Lage geführt haben. 

Bis 2029 soll Deutschland kriegstüchtig werden, heißt es aus der Politik, denn spätestens dann wird Russland uns angeblich überfallen. Es ist hier nicht der Platz um diesen Unsinn zu kommentieren. Obwohl der Autor oft in Russland war, begreift er das Land nicht. Mit seinen politischen Scheuklappen scheint es ihm unmöglich, sich in die Lage Russlands zu versetzen. Dazu reicht ein vergleichender Blick auf die politische Landkarten von 1990 und 2014. So wie es für die USA rote Linien gibt, existieren diese auch für Russland. Seit dem vom Westen 2014 organisierten Putsch in der Ukraine und der danach einsetzenden Bestrebung, die Ukraine in die NATO zu integrieren, waren Russlands rote Linien überschritten. Würden Mittelstreckenraketen in der Ukraine stationiert, hätte Russland faktisch keine Vorwarnzeit mehr für seine Ballungsräume und politischen Zentren. Nur Hasardeure können annehmen, dass sich eine Atommacht das gefallen lässt. Diese Bedrohung ist die Ursache des Ukrainekrieges. Der Autor versteht das leider nicht.  

Am Ende seines Buches beschäftigt sich Broemme noch einmal mit der Corona-Zeit und beklagt die fehlende Aufarbeitung, die allerdings aus seiner Sicht anders aussehen würde als man es sich erhofft. Ihm geht es vor allem um eine bessere Vorbereitung auf künftige Pandemien. Schließlich befasst sich der Autor noch mit anderen Bedrohungen wie zum Beispiel einem Blackout, ohne allerdings zu bemerken, dass die Wahrscheinlichkeit dafür mit der völlig misslungenen Energiewende enorm gestiegen ist. 

Aus meiner Sicht enthält das Buch eine Reihe von guten Ratschlägen für Krisensituationen. Leider aber ist der Autor politisch so festgelegt, dass es ihm trotz seiner Krisenerfahrungen an einem vernünftigen und sachgerechten Blick auf bestimmte Zusammenhänge mangelt. Und einige der von ihm für möglich gehaltenen Krisen werden mit ziemlicher Sicherheit so nicht eintreten. Russland wird uns nicht überfallen, denn was hätte es davon? Deutschland wird weder verglühen, noch im Meer verschwinden. Realismus und Vernunft sind aus dem  politischen Deutschland leider fast verschwunden. Dieses Buch ist dafür übrigens auch ein Beleg. 



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