Aleida Assmann

 4.3 Sterne bei 21 Bewertungen

Lebenslauf von Aleida Assmann

Aleida Assmann, Jahrgang 1947, lehrt Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. 2011 erhielt sie den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik, 2014 wurde sie mit dem Heineken-Preis für Geschichte ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Beethoven bewegt (Zeitgenössische Kunst)

 (1)
Neu erschienen am 04.04.2020 als Hardcover bei Hatje Cantz Verlag.

Alle Bücher von Aleida Assmann

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Cover des Buches Der lange Schatten der Vergangenheit9783406622625

Der lange Schatten der Vergangenheit

 (6)
Erschienen am 29.09.2011
Cover des Buches Geschichte im Gedächtnis9783406562020

Geschichte im Gedächtnis

 (4)
Erschienen am 23.10.2007
Cover des Buches Erinnerungsräume9783406729904

Erinnerungsräume

 (4)
Erschienen am 28.08.2018
Cover des Buches Beethoven bewegt (Zeitgenössische Kunst)9783775747486

Beethoven bewegt (Zeitgenössische Kunst)

 (1)
Erschienen am 04.04.2020
Cover des Buches Ist die Zeit aus den Fugen?9783446243422

Ist die Zeit aus den Fugen?

 (1)
Erschienen am 30.09.2013
Cover des Buches Im Dickicht der Zeichen9783518296790

Im Dickicht der Zeichen

 (1)
Erschienen am 16.06.2014
Cover des Buches Der europäische Traum9783406733802

Der europäische Traum

 (1)
Erschienen am 20.12.2019
Cover des Buches Einführung in die Kulturwissenschaft9783503122707

Einführung in die Kulturwissenschaft

 (1)
Erschienen am 23.05.2011

Neue Rezensionen zu Aleida Assmann

Neu

Rezension zu "Beethoven bewegt (Zeitgenössische Kunst)" von Aleida Assmann

Der Einfluss Beethovens
Flaventusvor 18 Tagen

Es ist wenig verwunderlich, dass das Beethovenjahr 2020 ganz anders ausfällt als von vielen Stellen angedacht. Nahezu alle Veranstaltung, die anlässlich des 250. Geburtstags angedacht waren, wurden entweder abgesagt oder wie im Falle der Ausstellung „Beethoven bewegt“ verschoben. In Zeiten, in denen die Kunst einer der größten Leidtragenden ist, kann das vorliegende Buch zur Ausstellung die Durststrecke zumindest ansatzweise helfen zu überbrücken.

Die Ausstellung (und somit auch das Kunstbuch) möchte nicht nur einfach die Biografie Beethovens zeigen, sondern setzt sich ganz anders mit seinen Werken auseinander. Es stellt sich nämlich die Frage, wie Beethovens Musik Einfluss auf andere Menschen und Künstler genommen hat. In diversen Interviews wird natürlich auch auf sein Leben eingegangen und mit welchen widrigen Umständen Beethoven zu kämpfen hatte und welchen Einfluss dies auf seine Musik hatte. Es werden aber auch Parallelen zu anderen Künstlern gezogen, selbst wenn die sich nicht begegneten oder gar voneinander wussten, wie z.B. Francisco de Goya.

Es sind interessante Gedankenspiele, die die Kuratoren der Ausstellung zustande gebracht haben, die zuweilen auch sehr abstrakt werden. Die Bezüge zu Beethovens Musik sind in diesem Fall nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, erschließen sich allerdings durch die Texte. In anderen Fällen wird der Betrachter einfach nur zum Innehalten und Nachdenken angeregt, wie z.B. dass es vor gar nicht all so langer Zeit nicht selbstverständlich war, zu jeder Zeit Musik hören zu können, sondern diese nur live zu haben war.

Der Brückenschlag zu anderen künstlerischen Disziplinen ist in jedem Fall sehr anregend, wenn die Einflüsse auf die bildgebende Kunst, Skulpturen oder dem Schauspiel gezeigt werden. Mit passenden Internetangeboten kann zudem auch jetzt schon das ein oder andere Musikstück genossen werden.

Fazit

Die Ausstellung des Kunsthistorischen Museums wird in jedem Fall nachgeholt (aktuell bereitet sich das Museum auf die Wiedereröffnung Ende Mai vor). Der Leser kann aber schon jetzt in Form dieses Buchs Impressionen sammeln und die interessanten Zusammenstellungen und Zusammenhänge bewundern. Dass das Beethovenjahr ganz im Zeichen der Coronakrise vollkommen anders wahrgenommen wird, tut dem Gesamtwerk des großen Künstlers sicherlich keinen Abbruch.

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Rezension zu "Ist die Zeit aus den Fugen?" von Aleida Assmann

Durchmischungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit negativen Folgen
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

 

„Das es die Kinder mal besser haben“, ist ein geflügelter Satz, der über Jahrhunderte hinweg das Zeitempfinden der Menschen gut in sich zusammenfasste.

„Nach vorne“ hin war man orientiert. Sicherung des Lebens, in der Moderne Teilhabe, Erwerb an „mehr Wohlstand“, dem Fortschritt vertrauend.

 

Diese weitgehend optimistische Grundhaltung der Zukunft gegenüber, die in konkreter Form u.a. den „amerikanischen Traum“ als Leitplanke der modernen Welt formulierte, ist nachhaltig in den letzten Jahrzehnten ins Wanken geraten.

Die Fragilität der Lebensform, die hohe Unsicherheit, was die Zukunft betrifft, bricht sich mehr und mehr Bahn.

 

Aber auch die Vergangenheit lässt nicht einfach los. Überwunden geglaubte Haltungen und Bedrohungen, Gier und feudalistische Strukturen und vieles mehr treten immer wieder auf.

 

Die Gegenwart zudem ist ebenfalls kein Hort der Gewissheit oder Souveränität. Weder gesellschaftlich noch individuell sind die Abläufe klar zu durchschauen. Informationsflut, ständige und rasante Veränderungen in Bezug auf Wirtschaft und Arbeitswelt, politische Unruhen, ein „sicherer Ort“ ist auch das „Heute“ nicht unbedingt.

 

Bobachtungen, die Assmann zusammenfasst, näher beleuchtet, in ihren Entwicklungen dem Leser erläutert und sodann ihre Schlüsse daraus zieht und präsentiert.

 

„Es war einmal in den strahlenden 60ern, da gab es noch eine Menge Zukunft im Angebot“.

 

Ob da gleich nun die „Zeit aus den Fugen“ gerät, das mag dahin gestellt sein (der Titel wirkt ein wenig marktschreierisch), doch in klaren Argumenten, vielfachen Beispielen und einem sachlichen Blick auf die „Befindlichkeit der Zeit“ bietet die Lektüre des Buches doch erheblichen Gewinn und zunehmende Klarheit für den Leser.

 

Denn das sich das „temporale Zeitgefüge“ gerade in den letzten Jahrzehnten erkennbar verändert hat, dass ganz neue Begriffe (z.B. „kollektive Identität“ oder auch „Erinnerungskultur“) sich gebildet haben und eine solche Verschiebung der Gewichtung zwischen den Zeitebenen Folgen für die „Befindlichkeit“ und die „innere Ausrichtung“ der Gesellschaft mit sich bringt, das erweist Assmann eindrucksvoll und nachvollziehbar.

 

So arbeitet sie an vielfachen Rückblicken und ebenso vielfachen Orten heraus, was sie das „Zeitregime der Moderne“ nennt. Eine Haltung, die eben erst dann deutlich wird, wenn man den aktuellen Zustand an den klaren „zukunftsorientierten“ Strukturen der Vergangenheit spiegelt und die Unterschiede scharf stellt. Um daran dann abzulesen, dass die „Aktie Zukunft“ sich erschöpft hat im technischen Fortschritt, den ökologischen Bedrohungen und den ökonomischen Engpässen.

 

Worauf sich die Frage erhebt, ob nun ein „Rückgriff“ auf „alte Kulturen“ bevorsteht, welche ihre Werte aus einer gesicherten Vergangenheit heraus für die Zukunft festsetzten, bevor die Moderne ihre Wertschöpfung ganz auf die erwartete „bessere“ Zukunft hin abstellte.

 

In einer, auch in der Sprache, sehr anspruchsvollen Reise durch die Kulturgeschichte, von Bloch zum Konstruktivismus, von traditionsverhafteten Gesellschaftsformen hin zu „vergangenheitslosen“  Fortschrittsfanatikern geht Assmann dem „Aufstieg und Fall des modernen Zeitregimes“ nach.

 

Sie bietet keine einfache Kost, das Buch stellt durchaus teils hohe intellektuelle Anforderungen an den Leser, bietet dafür aber auch eine intensive und in dieser Form seltene Reflektion dessen, was den aktuellen „Zeitgeist“ und damit den „inneren Kompass“ vieler Menschen mit bestimmt und ausmacht.

 

Vielleicht liegt der konstruktiver Umgang mit dem Befund tatsächlich dann in jener „affektiven Bindung an Bestehendes und Vergangenes“, welches Assmann zum Ende des Buches hin als „anderen Weg“ auffährt.

 

Anspruchsvoll, fundiert und sorgfältig arbeitet Assmann das „Zeitgefüge“ heraus, verbleibt ein wenig zu sehr auf dem „Bruch des Zeitregimes der Moderne“, bietet ihre Inhalte teils sehr komplex an, ist aber im Buch jederzeit in der Lage, den Leser mit hineinzunehmen in die Frage der „Zeitbewertungen“ und deren Bedeutung für das „ganz normale, alltägliche“ Leben. Auf diese Weise bietet Assmann einen interessanten „Unterbau“ für die aktuelle gesellschaftliche Reibung zwischen einem „weiter so“ und einem „anders als bisher“.

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