Alejandro Palomas So viel Liebe

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Inhaltsangabe zu „So viel Liebe“ von Alejandro Palomas

Als Isaac erzählt, dass seine Mutter Elsa ihn für ein Wochenende nach Venedig einlädt, ist seine Freundin schwer getroffen. Serena spürt, in Venedig wird etwas Schlimmes passieren, etwas, vor dem sie Isaac nicht schützen kann. Erinnerungen werden in ihr wach an ihre erste, lähmende Ehe und eine gemeinsame Reise nach Venedig. Sie weiß nicht, dass auch Elsa mit der Stadt ein schreckliches Geheimnis verbindet - ein Geheimnis,das sie jetzt ihrem Sohn offenbaren will. Isaac, der sich so behutsam verhält, als könnte er mit einer falschen Bewegung alles zum Einsturz bringen; Serena, die sich mit ihrer Geige zurückzieht,wann immer das Leben zu viel für sie wird - ihre Beziehung zueinander ist eine fragile Brücke aus Worten und Gesten. So viel Liebe ist eine schmerzhaft-schöne Unterwassermusik, poetisch, eindringlich und beschwörend.

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  • Rezension zu "So viel Liebe" von Alejandro Palomas

    So viel Liebe

    HeikeG

    12. August 2008 um 15:17

    Komm! - Baden in Licht, Musik und Liebe - Eine alternative und ganz besondere Art der Entspannung wird neuerdings von einigen Wellnessoasen angeboten. In einem durch Licht, Reflektionen, Farben und Unterwasserklängen inszenierten Badebereich werden Körper und Seele durch die visuellen und akustischen Eindrücke in eine andere Welt entführt. Denn unsere Sinne nehmen im Wasser anders wahr als an Land: Schallschwingungen erreichen das Gehör über Haut und Knochen und beleben den Organismus von innen und außen. Der neue Roman von Alejandro Palomas, so steht es im Klappentext, ist ebenfalls Unterwassermusik, die die Seele berührt. Hält die Erzählung auch, was so vielversprechend verkündet wird? Als raffinierten Einstieg wählt der Autor eine Legende, die besagt, dass vor vielen Jahren eine Jungfrau aus einem Palastfenster in die trüben Wasser der venezianischen Lagune stürzte und außer einem roten Schuh und einem blauen Strumpf nichts mehr von ihr gefunden wurde. Ihr Vater wurde daraufhin verrückt, ihre Mutter flüchtigte sich in die Betäubung des Weines und brach sich an einem verregneten Nachmittag auf dem glatten Weg das Genick. Nach 49 Jahren stieg die junge Frau wieder aus dem Wasser - fast völlig unversehrt - einzig: sie war verstummt. Erst ein junger Mann - Isaac - bringt sie wieder zum Sprechen. Er nennt sie Serena, die "die Heitere", und formt aus ihrem strahlenden Lächeln, die Saiten und aus dem Holz des Fensterrahmens den Körper einer Violine, auf der Serena fortan mit ihm kommuniziert: Musik als Sprache. Als er jedoch eine Gondel für sie baut, um mit ihr der Stadt zu entfliehen, verstummt der musische Dialog. Nach dieser märchenhaften Einleitung verlagert Alejandro Palomas seine Handlung in die Gegenwart. Seine Protagonisten nennen sich gleichfalls Serena und Isaac und wohnen in Barcelona. Isaac (45) ist Fotograf und Serena (40) spielt Violine in einem Orchester. Verblüffend viele Parallelen zu dem Paar aus der einleitenden Legende offenbaren sich bereits zu Beginn der Novelle und verdichten sich mit fortschreitender Handlung. Beide sind gezeichnete Menschen, mit einer mehr oder weniger verkorksten Kindheit, in der das Wort Liebe nicht im Repertoire enthalten war. Außer Isaacs Mutter Elsa leben die Eltern der beiden nicht mehr. Doch auch Elsa dämmerte 34 Jahre ihres Lebens im Alkoholdelirium dahin. Erst mit Isaac lernt Serena, die bereits eine unglückliche Ehe hinter sich hat, das Wort Liebe in ihrer ganzen Bedeutung erahnen. Irrgarten an Fragen und Antworten Zu Beginn dieser ungeheuer dichten und emotional eindringlichen Erzählung scheint alles noch recht vage, vieles ist unklar und liegt in einem diffusen Licht. Erst nach und nach setzt Palomas die fehlenden Teile in das Lebenspuzzle des Paares und entschlüsselt die Tragik ihres bisherigen Daseins. Da ist zum einen die junge Frau, die sich emotional nur über ihre Musik auf der Geige auszudrücken vermag und die vor dem Wort "Komm" eine abgrundtiefe Abneigung zu haben scheint und mit den Geräuschen der lauten Welt einfach nicht klar kommt. Ihre Kindheit war vom Schweigen ihrer Eltern geprägt, eine Kindheit wie hinter dem Glas eines Aquariums. Auf der anderen Seite ist auch Issac in einem Brunnen der Angst gefangen. Als Isaacs Mutter ihren Sohn bittet, sie auf eine Reise nach Venedig zu begleiten, scheint für die junge Frau ein unheilvolles Omen aufzuziehen. Ohne Isaac scheint sie verloren. Am Tag seiner Abreise erfährt sie zudem, dass sie schwanger ist. Doch kommt sie nicht dazu, ihm die frohe Nachricht zu übermitteln. Ein tragisches Ereignis zwingt Serena, dem verzweifelten "Komm" ihrer Schwiegermutter am Telefon, nach Venedig zu folgen, wo sich immer mehr ungeklärte Geheimnisse aufzulösen scheinen. Alejandro Palomas gibt seinen Protagonisten eine Entwicklungschance, ermöglicht vor allem Serena, ihre innere Substanz aus Wasser, Schlamm und Salz auszuspucken. Nach und nach entwirrt er den "Irrgarten an Fragen und Antworten, aus Anwandlungen von Aufrichtigkeit, die manchmal schmerzen und manchmal die Pfeiler einer ganzen Stadt verstärken". Sensible und poetische Sprache Anhand zahlreicher klingender Bilder, musischer Metapher, in einer sensiblen, poetischen Sprache und ständig alternierenden Ich-Perspektiven - Palomas lässt Serena, Isaac und Elsa abwechselnd erzählen - webt der Autor ein immer dichteres Labyrinth aus Noten, Wasser, Musik und vor allem Liebe, in das der Leser unweigerlich hineingezogen wird. Bedient hat er sich dabei offensichtlich der märchenhaften Erzählung Friedrich de la Motte-Fouqués (1777-1843), der mit seiner "Undine" bereits solch große Künstler wie Goethe, Wagner, Dvorak, Honegger und auch Hans Christian Andersen mit seiner berühmten "kleinen Meerjungfrau" inspirierte. In neunzehn kurzen Kapiteln beschrieb der fast vergessene Romantiker Motte-Fouqué das Leben, Lieben und Leiden einer jungen Wasserfrau, die sich in einen ebenso jungen Ritter verliebt und mit allerlei Unbill des menschlichen Lebens, einschließlich einer Gegenspielerin zu kämpfen hat. Dabei verband er alte Sagen mit seinem eigenen Leben. Auch Palomas schreibt seine Novelle in neunzehn Kapiteln und es sind durchaus mehrere Parallelen zu Motte-Fouqués zu verzeichnen. Eine äußerst gelungene moderne Umsetzung des Themas. Fragt sich nur noch, wie es dem jungen Mann aus der eingangs erwähnten Legende gelungen war, die junge Frau zum Sprechen zu bringen? Ganz einfach, mit der Frage: "Was hast du gehört?" Ihre Antwort darauf: "Musik." Und noch mehr. "Ich konnte nicht wieder zurück. Unter der Stadt spielt das Wasser eine so traurige Melodie, dass das Leben sie flieht, um nicht zuhören und zulassen zu müssen, dass der Tod alles überschwemmt. Um zurückkehren zu können, musste ich lernen, sie zu spielen." Wie Recht die junge Frau hatte. Wasser schafft den Körperkontakt zur Musik. Mit dem gesamten Körper zu hören, versetzt den Menschen in ein tiefes, lang anhaltendes Stadium der seelischen und somatischen Entspannung und Besinnung, man fühlt sich mit seinem Körper im Einklang. Doch auch ohne das flüssige Element kann sich ein Schwebezustand des inneren Einklangs bilden. Dann, wenn man versteht, die "Frequenz" der Empfindungen behutsam zu erweitern, Dissonanzen mit positiven Schwingungen zu überlagern und vielleicht gar eine Brücke zu bauen, eine Brücke aus Noten. Fazit: "So viel Liebe" ist eine schöne Metapher auf die Liebe und der Gefahr des Schweigens, geschrieben voller Empathie und wundervollem Feingefühl. Ein Buch mit ungeheurem Tiefgang. Harmonisch und melodisch aus dem Spanischen übertragen von Sybille Martin.

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