Alejandro Zambra

 3.5 Sterne bei 29 Bewertungen
Autor von Bonsai, Die Erfindung der Kindheit und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Alejandro Zambra

Alejandro Zambra ist einer der bedeutendsten lateinamerikanischern Autoren der Gegenwart. Er wurde 1975 in Santiago de Chile geboren. Dort schloss er 1997 sein Hispanistik-Studium am Instituto Nacional General José Miguel Carrera an der Universität von Chile ab und wurde dafür mit einem Stipendium ausgezeichnet, das ihm sein Masterstudium an der Universität von Madrid ermöglichte. Zurück in Chile promovierte er anschließend in spanischer Literatur an der Universidad Católica. Heute leitet er den Studiengang Editionswissenschaften an der Diego Portales-Universität in Santiago de Chile. Außerdem betätigt er sich regelmäßig als Literaturkritiker für namenhafte spanischsprachige Tages- und Wochenzeitungen, wie das chilenische El Mercurio, das spanische El País oder das Satiremagazin The Clinic. Zambras literarischer Durchbruch gelang ihm 2006 mit seinem Debütroman „Bonsai“. Dieser erschien in zwanzig verschiedenen Ländern und ist neben der englischen Übersetzung seit 2015 auch in deutscher Sprache bei Suhrkamp erhältlich. Das erfolgreiche Debüt wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet und unter der Regie von Christian Jiménez für die Leinwand adaptiert. Die Uraufführung des Films fand 2011 bei den Filmfestspielen in Cannes statt. Weitere wichtige Veröffentlichungen sind die Romane „La vida privada de los árboles“ (2007) und „Formas de volver a casa“ (2011). Letzerer erschien 2012 unter dem Titel „Die Erfindung der Kindheit“ ebenfalls bei Suhrkamp. Außerdem schreibt Zambra Gedichte, die in den zwei Gedichtbänden „Bahía Inútil“ (1998) und „Mudanza“ (2003) veröffentlicht wurden, sowie Essays, die in den Sammlungen „No leer“ (2010) und „No leer, recopilacion de criticas“ (2011) herausgegeben wurde. 2013 erschien schließlich seine Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel „Mis documentos“.

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Erscheint am 12.11.2018 als Hardcover bei Suhrkamp.

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Alejandro ZambraBonsai
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Bonsai
Bonsai
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Erschienen am 07.03.2015
Alejandro ZambraDie Erfindung der Kindheit
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Die Erfindung der Kindheit
Die Erfindung der Kindheit
 (2)
Erschienen am 13.08.2012
Alejandro ZambraFerngespräch
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Ferngespräch
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Erschienen am 08.05.2017
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Erschienen am 12.11.2018
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Bonsai
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Erschienen am 23.07.2015
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Erschienen am 10.02.2015
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Erschienen am 30.05.2014
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Bonsai
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Erschienen am 30.07.2014

Neue Rezensionen zu Alejandro Zambra

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letusreadsomebookss avatar

Rezension zu "Bonsai" von Alejandro Zambra

Roman im Bonsai-Format
letusreadsomebooksvor einem Jahr

Am Ende stirbt sie, und er bleibt allein, doch allein war er schon mehrere Jahre vor ihrem Tod, vor dem Tod Emilias. Sagen wir, sie heißt oder hieß Emilia, und er heißt, hieß oder heißt immer noch Julio. Julio und Emilia. Am Ende stirbt Emilia, Julio stirbt nicht. Der Rest ist Literatur.

So beginnt der äußerst kurze Roman Bonsai, der 90 Seiten umfasst, es ist keine Novelle, eher schon eine Erzählung. Aber eigentlich ist es ein Roman, ein kurzer, ein Bonsai-Roman sozusagen. Schon am Anfang erzählt uns Zambra, wie es ausgehen wird, und sehr viel geschieht nicht zwischendurch. Julio und Emilia lernen sich kennen und lieben, ihre Beziehung bricht auseinander, Emilia zieht fort. Julio versucht, sie zu vergessen, doch das kann er nicht. Emila stirbt, Julio lebt weiter, Zambra will seine Geschichte zu Ende bringen,

aber Julios Geschichte hat kein Ende, das ist das Problem.

Julio und Emilia lernen sich an der Universität kennen, sie sind jung, lieben die Literatur und beginnen ihre Beziehung mit der Lüge, beide hätten natürlich schon Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeitgelesen. Ihre eigensinnige Liebelei dauert eine Weile an und sie lesen sich nachts, als Vorspiel, gegenseitig die großen Literaten vor: Darío, Perec, Carver, Nietzsche, irgendwann auch Proust. Die Geschichte, die ihre Liebe endgültig verändern soll, ist die Erzählung „Tantalia“ von Macedonio Fernández. Sie erzählt von einem Paar, das sich eine kleine Pflanze als Zeichen ihrer Liebe zulegt. Mit der Pflanze soll auch ihre Liebe sterben. Nach dieser Lektüre bemerken Emilia und Julio, dass auch ihre Liebe nicht mehr dieselbe ist wie zuvor.

Kurz bevor Emilia sich mit Julio einließ, hatte sie beschlossen, fortan mit niemandem mehr Liebe zu machen, sondern nur noch zu vögeln wie die Spanier, ‚follar‘ nannten sie es, nichts mehr von wegen bumsen, mit jemandem schlafen und ficken schon gar nicht. Das ist ein chilenisches Problem, sagte Emilia damals mit einer Ungeniertheit zu Julio, die sie nur im Dunkeln entfaltete, natürlich flüsternd: Das ist ein Problem von uns jungen Leuten in Chile, wir sind zu jung, um Liebe zu machen, und wenn du in Chile nicht Liebe machst, kannst du blöoß ficken, aber mit dir würde ich das ungern tun, mir wäre lieber, wir würden auf gut Spanisch vögeln.

„Tantalia“ begleitet Julio nach Emilias Verschwinden aber noch weiterhin. Er behauptet, Jahre später, gegenüber einer anderen Geliebten, dass er für einen bekannten Schriftsteller dessen neuen Roman abzutippen soll, in welchem der Protagonist erfährt, dass seine Jugendfreundin gestorben ist. Damals hätten sich die beiden einen Bonsai gekauft, als Zeichen ihrer Liebe, doch sie trennten sich und später erfährt er von ihrem Tod. Da wäre er wieder, der Bonsai. Der titelgebende Bonsai, der schon in der Erzählung „Tantalia“ die tragende Rolle spielt, nun von Julio selbst in seinen eigenen Roman eingespannt wird, und – ebenfalls von Julio – als Erinnerungsstück an Emilia herangezüchtet wird. Der Bonsai als wiederkehrendes Element der Verbindung zwischen zwei Liebenden. Gleichzeitig verknüpft Zambra mehrere Metaebenen: er selbst wurde von „Tantalia“ zu Bonsai inspiriert, ebenso wird Julio von „Tantalia“ zu seinem Roman inspiriert. Gleichzeitig ist „Tantalia“ aber auch die Geschichte von Julio und Emilia, und auch Julios Roman spiegelt ihre Liebesgeschichte – ohne Happy End – wider. Grandios verbindet Zambra diese verschiedenen Ebenen miteinander.

Dann weißt du nicht, wovon ich rede, kennst diesen Impuls nicht. Das Schreiben auf dem Papier, das Geräusch des Bleistifts löst einen Impuls aus. Das seltsame Gleichgewicht zwischen Ellbogen, Hand und Bleistift.

Alejandro Zambras Bonsai ist ein reduzierter Roman, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Er ist präzise, aber dennoch auf seine ganz eigene Art eindringlich. Auch wenn nicht viel geschieht, ist es die im Zeitraffer erzählte Liebesgeschichte von Julio und Emilia, von ihrem unausweichlichen Untergang, die diesem kleinen Büchlein, dem Miniroman, dem Bonsai-Roman, einen besonderen Zauber verleiht.

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Rezension zu "Ferngespräch" von Alejandro Zambra

Lebenslustig, experimentierfreudig, wortgewaltig und verdammt talentiert.
Wedmavor einem Jahr

Klappentext passt wunderbar zum Inhalt: „In diesem Buch wird zurückgeschaut: auf die allerletzte Zigarette, den ersten eigenen Computer, auf Rückeroberungsversuche, hirnverbrannte Jobs, die Schule. Von liebenden, lügenden, kriminellen Männern, die die Paraderollen versäumt haben, die niemand Papa nennt, Chef oder Schatz. In einem Chile, für dessen Heldengeschichten sie zu allem Überfluss auch noch zu spät kamen. Ihre elf Stories finden sich in diesem Buch, jede ein Ferngespräch mit der eigenen Vergangenheit und eine Suche nach der Zeit, als Ängste wie Träume maßlos und unbegründet waren.

Alejandro Zambra schreibt die neueste Weltliteratur, und Ferngespräch ist ein schillerndes Meisterwerk. Mit einer Art des Erzählens, die kein Vorbild kennt, führt er uns an den Abgrundkanten von Alltag und Geschichte entlang – lässig, witzig und wehmütig.“

Zum Autor: „Alejandro Zambra, geboren 1975 in Santiago de Chile, gilt als einer der wichtigsten Autoren seiner Generation. Er ist für seine Lyrik, Essays und sechs Romane mit vielen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden. Im Suhrkamp Verlag erschien zuletzt Bonsai (2015).“

In elf Erzählungen erzählt Zambra nicht nur über sich selbst, sein Aufwachsen in Pinochet Chile, seine Freunde, dessen Kindheit und Jugend, wie das Leben insg., zum Opfer des Regimes gefallen waren, über seine sinnfreie Brotjobs nach dem Literaturstudium, oder über all die Frauen und die Affären. Er erzählt vielmehr über sein Land und die Menschen, die sich Chilenen nennen, über ihre Träume und Ängste, über ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl, über ihre Suche nach dem richtigen Platz im Leben, über die scheinbare Unmöglichkeit glücklich im eigenen Land zu werden und die Unfähigkeit das Glück im Ausland zu finden, uvm. Er zeigt seine Landleute so, wie sie sind, wie sie die Welt und ihr Leben sehen, was sie bewegt, was ihnen wichtig erscheint, und warum sie das tun, was sie tun.

Dass Zambra toll erzählen und das Wesen seiner Protagonisten den Lesern spielerisch leicht nahebringen kann, hat er auch in „Bonsai“ bewiesen. Mit präzisen Worten schafft er klare, eindrucksvolle Bilder, die noch eine Weile nachhallen. Auch im „Ferngespräch“ offenbart er seine Meisterschaft und zeigt sich weltgewandt, lebenslustig, experimentierfreudig, draufgängerisch, wortgewaltig und verdammt talentiert.

Das Buch ist schön gemacht: Festeinband in Rot, Umschlagblatt aus glattem, festem Papier. Es liegt gut in der Hand, hat angenehmes Format, ist leicht, lässt sich gut mitnehmen. Ein Prima Geschenk für Freunde und Familie.

Fazit: Ein schönes Stück Literatur. Auf dem Umschlag liest man:„Wenn ich an Zambra denke, freue ich mich einfach für die Zukunft der Literatur.“ The Guardian. Das sehe ich auch so.

 

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Rezension zu "Bonsai" von Alejandro Zambra

Ein lesenswertes Werk
Wedmavor 3 Jahren

Das Werk von Alejandro Zambra umfasst 79 Seiten (reiner Text), die sich in fünf in etwa ähnlich große Abschnitte aufteilen: Knäuel, Tantalia, Leihgaben, Überreste, Zwei Zeichnungen.

Im ersten Satz ist gleich vom Ende die Rede. Und im Vierten wird angekündigt, dass der Rest Literatur ist.

Im ersten Teil wird eine kaum romantisierte Geschichte zweier jungen Studenten vor Augen der Leser ausgebreitet, die zufällig zusammenkommen und eine Zeit lang eine Beziehung führen. Das Erzählen geschieht so gekonnt, so realistisch wie ungekünstelt, dass man sofort im Geschehen ist und die Ereignisse wie die Gedankengänge des Erzählers unmittelbar erlebt. Emilia und Julio schienen wie zwei Archetypen der heutigen jungen Leute in Chile: der junge Mann, der die Ernsthaftigkeit in den Beziehungen meidet und die junge Frau, die ihre Freiheit auf sexueller Ebene genießen und das Leben auf diese Weise erkunden will. Um die Gefühle oder ähnliches geht es hier nicht. Schon seltsam, denn die beiden haben Etliches gelesen, sind gebildete Menschen, trotzdem schaffen sie nicht, ihre Beziehung mit so etwas wie Liebe zu füllen. Wie zufällig sie zusammenkommen, so unspektakulär gehen sie irgendwann auseinander. Zu einer Familie mit Kindern, wie es bei Emilias Freundin Anita der Fall ist, kommt es nie.

Im zweiten Teil wird mit psychologischer Genauigkeit analysiert und Hintergründe erläutert, wie es zum Bruch dieser Beziehung kam. Hier werden die literarischen Werke herangezogen, die sich die beiden vor dem Sex jedes Mal vorlesen und der Bruch auf diese Weise erklärt.

In vierten Teil schreibt Julio u.a. an einem Roman und lernt eine andere Frau, Maria, kennen.

Im letzten Teil beschäftigt sich Julio, der nun allein in einer kleinen Wohnung im Souterrain lebt, mit dem Aufziehen der Bonsai. Ein solches Bäumchen ist nur dann von Wert, wenn es in der für ihn passenden Schale steckt. Ohne Schale ist es kein Bonsai, erfährt er. Also schafft sich Julio ein neues Bild der idealen Frau und kommt zu einer Einsicht, was das Schreiben und Bonsai-Aufziehen verbindet.

Mit wenigen, aber präzisen Worten schafft der Autor klare wie eindrucksvolle Bilder, die noch eine Weile nachhallen. Man kann etliches dort hineininterpretieren, oder es sein lassen, den kurzen Roman einfach wie eine romantikfreie Sexgeschichte, die keine Zukunft hat – über die Gründe kann man lange und ausgiebig spekulieren, ansehen oder ihn als Hilferuf, als Gesellschaftskritik am heutigen Chile verstehen, in dem junge Frauen keinen Platz im Leben finden und sich gezwungen sehen, nach Madrid auszuwandern, um auch dort ebendiesen Platz nicht finden zu können. Und die verantwortungsscheuen Männer, die bleiben, können nichts weiter als sich vor lauter unlösbarer Probleme in das Aufziehen der Bonsais flüchten und sich ideale Frauen ausmalen, usw.

Je länger die Bilder auf einen einwirken, desto mehr an Assoziationen, Ideen, möglichen Hintergründen und Erklärungen des Geschehens auftauchen und zum Nachdenken über das Leben und die Liebe anregen.

Fazit: Der vierte Satz stimmt. Dieses Werk ist Literatur. Am Buchrücken ist Folgendes von Rolling Stone zu lesen: „Ein dunkles Buch, das seine Leser erleuchtet.“ Gut möglich. Eine klare Leseempfehlung, auch der Sprache wegen.

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