Zugegeben - der sehr kurze Roman hat einige nette Passagen... aber in weiten Teilen fand ich ihn lediglich versatzstückartig zusammengeschrieben. Wird wohl mein erstes & letztes Buch dieses Autors gewesen sein. Und die große Frage "Was will der Autor uns mit seinem Werk eigentlich sagern?" bleibt weitgehend unbeantwortet. Klar, man könnte einiges hineininterpretieren... mein liebster Ansatz hierzu, um es rückblickend nicht als vertane Lesezeit einordnen zu müssen, ist, dass es sich bei "Bonsai" um einen dadaistischen Versuch handelt... etwas spät, auf dieser Welle surfen zu wollen, ist der Kurzroman doch zuerst im Jahre 2006 im Herkunftsland des Autors erschienen...
Alejandro Zambra
Lebenslauf
Einer der bedeutendsten lateinamerikanischern Autoren der Gegenwart: Alejandro Zambra wurde 1975 in Santiago de Chile geboren. Dort schloss er 1997 sein Hispanistik-Studium am Instituto Nacional General José Miguel Carrera an der Universität von Chile ab und wurde dafür mit einem Stipendium ausgezeichnet, das ihm sein Masterstudium an der Universität von Madrid ermöglichte. Zurück in Chile promovierte er anschließend in spanischer Literatur an der Universidad Católica. Heute leitet er den Studiengang Editionswissenschaften an der Diego Portales-Universität in Santiago de Chile. Außerdem betätigt er sich regelmäßig als Literaturkritiker für namenhafte spanischsprachige Tages- und Wochenzeitungen, wie das chilenische El Mercurio, das spanische El País oder das Satiremagazin The Clinic. Zambras literarischer Durchbruch gelang ihm 2006 mit seinem Debütroman „Bonsai“. Dieser erschien in zwanzig verschiedenen Ländern und ist neben der englischen Übersetzung seit 2015 auch in deutscher Sprache bei Suhrkamp erhältlich. Das erfolgreiche Debüt wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet und unter der Regie von Christian Jiménez für die Leinwand adaptiert. Die Uraufführung des Films fand 2011 bei den Filmfestspielen in Cannes statt. Zu den wichtigsten Veröffentlichungen gehört beispielsweise auch der Roman „Die Erfindung der Kindheit“, der 2012 auf Deutsch erschien. Außerdem schreibt Zambra Gedichte, die in Gedichtbänden wie „Mudanza“ (2003) veröffentlicht wurden, sowie Essays. 2013 erschien auch eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel „Mis documentos“.
Alle Bücher von Alejandro Zambra
Bonsai
Ferngespräch
Die Erfindung der Kindheit
Fast ein Vater
Multiple Choice
Nachrichten an meinen Sohn
Bonsai
Neue Rezensionen zu Alejandro Zambra
Ich liebe es, wenn Autoren einen ganz individuellen und besonderen Einstieg in ihr Werk wählen. Bonsai beginnt mit einem fetten Spoiler:
„Am Ende stirbt sie, und er bleibt allein, doch allein war er schon mehrere Jahre vor ihrem Tod, vor dem Tod Emilias. Sagen wir, sie heißt oder hieß Emilia, und er heißt, hieß und heißt immer noch Julio. Julio und Emilia. Der Rest ist Literatur:“
Der Plot ist nebensächlich, der Autor fasst ihn schon zu Beginn zusammen, weil der Leser wissen muss, dass es nicht um die Handlung geht. Die Personen sind austauschbar, sie heißen hier Julio und Emilia, doch im Grunde geht es um Liebe und Literatur. Eine große Liebesgeschichte im Miniaturformat. Ein Bonsai. Wenn ich „Bonsai“ nachschlage, so lerne ich, dass es eine Art der Gartenkunst sei, bei der Sträucher und Bäume in kleinen Gefäßen zur Wuchsbegrenzung gezogen und ästhetisch durchgeformt werden. Und genau das ist hier der Fall. Ein winziges, wunderschönes Meisterwerk mit einem ganz besonderen, eigenwilligen und individuellen Stil. Ein Bonsai hört außerhalb seines Gefäßes auf zu existieren und Julio und Emilia existieren nur im begrenzten Rahmen dieses Romans.
Es geht also um Emilia und Julio, zwei Literaturstudenten in Chile und um ihre Liebesgeschichte, die nur beginnt, weil Julio behauptet, Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gelesen zu haben, das siebenbändige Werk des französischen Autors. Emilia hat es selbst nicht gelesen.
„Mit der Zeit, die nicht lange, aber ausreichend war, vertrauten sie einander ihre intimeren Wünsche und Sehnsüchte an, ihre Maßlosen Gefühle, ihr kurzes übertriebenes Leben. Julio offenbarte Emilia Dinge, die man nur seinem Psychologen erzählt und Emilia machte Julio rückwirkend zum Komplizen jeder einzelnen Entscheidung, die sie im Laufe ihres Lebens getroffen hatte.“ (23)
„Seitdem vögelten sie eifrig miteinander, in fremden Wohnungen und in Motels, wo die Betttücher nach Pisco Sour rochen. So vögelten sie ein Jahr lang, ein Jahr, das ihnen kurz vorkam, auch wenn es lang war (…)“ (27)
Sie lesen gemeinsam Gedichte und Kurzgeschichten und finden immer wieder Passagen, die sie erotisieren, um einen Aufhänger zu haben, um zu vögeln. Sie lesen Romane und sie spielen Rollenspiele. Doch, wie bereits zu Beginn geschrieben, ist ihre Beziehung nicht von Dauer. Julios Liebe zu ihr schon, denn sie speist sich aus der Sehnsucht. Im zweiten Teil vermischen sich Geschichten, ist dies der Roman, ist es der Roman, den Julio abtippt oder doch der Roman, den er selbst im zweiten Teil des Romans schreibt?
Für wen ist dieser Roman etwas?
Ich würde diesen Roman jemandem schenken, in den ich verliebt bin. Wenn er ihn nicht mag, dann ist sein Herz tot, wenn er ihn nicht versteht, dann ist sein Hirn tot, wenn er ihn nicht erotisch findet, ist seine Hose tot.
Es ist ein kleines schmales Büchlein, das man in einer Stunde lesen kann, eines, das man gut verschenken und mitnehmen kann auf eine Zugfahrt, oder an den Strand, es ist ein Buch, das nachhallt, das man lesen kann und lange darüber nachdenken und diskutieren kann.
Es beginnt mit einem starken Einstieg. Als ich das erste Drittel des Buches lass, war ich völlig von den Socken: Ein meisterlicher Stil und eine außergewöhnliche und gute Geschichte. Faszinierend, wie der Autor die Beziehung zwischen Stiefvater und Stiefsohn schildert. Ein Genuss zu lesen. Innovativ und auch zu Herzen gehend.
Wo kam der Bruch?
Ich glaube, schon zum Ende dieser Erzähleinheit. Doch ganz gewiss ab Seite 198. „Poetry in motion“. Plötzlich waren die chilenischen Dichter im Fokus und der erwachsene Stiefsohn, der auch zu ihnen zu zählen ist. Wohin ist der schöne Schreibstil verschwunden? Wohin der schöne Fluss der Erzählung?
Ich machte weiter, aber mit weniger Muse. Es kamen Passagen, wo mir bei all den unbekannten Namen leicht schwindelig wurde. Auch bei der erneuten Begegnung zwischen den anfänglichen Hauptfiguren zum Ende hin, hat der Roman aus meiner Sicht leider nicht mehr die Kurve bekommen.
Fazit: Kein wirklich schlechter Roman. Aber mal wieder ein Beispiel dafür, dass Herr Reich-R. doch recht hat, dass ein gutes Buch nicht über 150 Seiten hinausragen muss. Was soll das mit dieser Nebenhandlung von Pru? Schade, schade, schade ...
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Zusätzliche Informationen
Alejandro Zambra wurde am 24. September 1975 in Santiago de Chile (Chile) geboren.
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