Alejo Carpentier

 4.1 Sterne bei 40 Bewertungen
Autor von Explosion in der Kathedrale, Die verlorenen Spuren und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Alejo Carpentier

Alejo Carpentier wurde 1904 als Sohn eines französischen Architekten und einer Russin in Havanna geboren. Zweisprachig mit Französisch und Spanisch erzogen, ging er in Havanna und Paris zur Schule, studierte Architektur, Literatur und Musikwissenschaften. Er war Mitarbeiter und Herausgeber verschiedener Zeitungen und Zeitschriften, organisierte sich in der Opposition und kam 1927 wegen rebellischer Aktivitäten für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Kurze Zeit später ging Carpentier für 11 Jahre ins Exil nach Paris, wo er als Musikkritiker, Komponist und Journalist arbeitete. Das Exil machte ihn mit aktuellen Strömungen, vor allem mit dem Surrealismus, und mit vielen spanischen und lateinamerikanischen Schriftstellern vertraut und sensibilisierte ihn für seine lateinamerikanischen Wurzeln. Das Aufeinanderprallen von moderner Zivilisation und mythischen Kulturen Lateinamerikas bestimmte schon seinen ersten, dokumentarischen Roman ¡Ecué-Yamba-O! von 1933. Von 1939 an lebte Carpentier wieder in Havanna. Er fand schnell Anschluß an die intellektuellen Kreise, lehrte als Professor für Musikwissenschaft an der Universität, schrieb Zeitungsbeiträge und arbeitete für eine staatliche Rundfunkanstalt. 1945 floh er vor dem Terror der Batista-Diktatur ins venezolanische Exil nach Caracas, wo ihm eine gut bezahlte Stelle bei einer Werbeagentur finanzielle Unabhängigkeit sicherte; gleichzeitig hatte er den Lehrstuhl für Kulturgeschichte an der dortigen Kunsthochschule inne. Die Eindrücke und Erfahrungen einer Haiti-Reise verarbeitete er in dem Roman El reino de este mundo von 1949 (dt. Das Reich von dieser Welt, 1964) über den Aufstand der Haitianer gegen die französischen Unterdrücker in Napoleonischer Zeit. Zu einem Manifest lateinamerikanischer Kultur wurde das Vorwort zu diesem Buch, in dem Carpentier sein Konzept des »Wunderbar Wirklichen« darlegte. Mit La música en Cuba von 1946 machte er sich einen Namen als einer der führenden Musikwissenschaftler Lateinamerikas. Musik spielte in seinem Leben und in seinen Büchern eine große Rolle, so in den Romanen Los pasos perdidos von 1953 (dt. Die verlorenen Spuren, 1982) und El acoso von 1956 (dt. Finale auf Kuba, 1960; Hetzjagd, 1989). In den 50er Jahren gehörte Carpentier schon zu den bekanntesten Schriftstellern Lateinamerikas. Nach Castros Sieg kehrte er 1959 nach Kuba zurück, wo ihm viele hohe Ämter übertragen wurden. Er war außerdem Professor für Literatur an der Universität Havanna und von 1967 an Leiter des Staatsverlages. 1962 erschien der historische Roman El siglo de las luces (dt. Explosion in der Kathedrale, 1964) über die Folgen der französischen Revolution auf Kuba. Von 1966 an lebte Carpentier als Kulturattaché der kubanischen Regierung in Paris. 1974 erschienen der Roman El recurso del método, (dt. Staatsraison, 1976; Die Methode der Macht, 1989) - eine sarkastische Charakterisierung eines lateinamerikanischen Diktators - und die Novelle Concierto barroco (dt. Barockkonzert, 1976). La consagración de la primavera von 1978 (dt. Le Sacre du Printemps, 1993) gilt als eine Bilanz des 20. Jahrhunderts und trägt deutlich autobiographische Züge. 1979 erschien sein letztes Buch El arpa y la sombra (dt. Die Harfe und der Schatten, 1979). Carpentier war ein enzyklopädisch gebildeter Autor, dessen Werk als monumentales literarisches Geschichtsfresko Lateinamerikas bezeichnet wird. Es ist bestimmt von einer engagierten Verbindung von Literatur, Politik und Geschichte und dem Bekenntnis zur menschlichen und gesellschaftlichen Freiheit. Carpentier hat mit seinem Konzept des »Wunderbar Wirklichen« die Heterogenität lateinamerikanischer Kulturen in einer Konstante zusammengefaßt und den Weg geebnet für eine künstlerische und kulturelle Selbstbestimmung Lateinamerikas. Alejo Carpentier starb am 24. 04. 1980 in Paris.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Alejo Carpentier

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Buchformat:
Cover des Buches Explosion in der Kathedrale9783518394458

Explosion in der Kathedrale

 (8)
Erschienen am 17.03.1999
Cover des Buches Le Sacre du printemps9783518389805

Le Sacre du printemps

 (4)
Erschienen am 18.09.1995
Cover des Buches Das Reich von dieser Welt9783518240137

Das Reich von dieser Welt

 (3)
Erschienen am 12.03.2012
Cover des Buches Mein Havanna9783250300014

Mein Havanna

 (2)
Erschienen am 01.03.2004
Cover des Buches Farben eines Kontinents9783518399514

Farben eines Kontinents

 (2)
Erschienen am 22.01.2003
Cover des Buches Die Methode der Macht9783518402009

Die Methode der Macht

 (2)
Erschienen am 21.09.1989
Cover des Buches Barockkonzert9783518015087

Barockkonzert

 (1)
Erschienen am 23.08.2006

Neue Rezensionen zu Alejo Carpentier

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Rezension zu "Die verlorenen Spuren" von Alejo Carpentier

Mensch wird zum Tier
Kerstin_Westerbeckvor 5 Jahren

Man beachte Carpentiers´Sprache!! Die Beobachtungen und Beschreibungen der Details. Die - meiner Meinung nach - sehr gelungene Darstellung des allmählichen Verfalls von moralischen Werten mit dem Verlassen der gewohnten Umgebung. Die Verrohung des Menschen, der die sogenannte "Zivilisation" hinter sich lässt. 

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Rezension zu "Mein Havanna" von Alejo Carpentier

Rezension zu "Mein Havanna" von Alejo Carpentier
Beaglevor 11 Jahren

Ein wunderbarer Reisebericht, so könnte man das Buch zumindest bezeichnen, wäre nicht Carpentier in Havanna zuhause. Es werden die Eigenheiten der Kubaner mit einem leichten Lächeln von der Seite betrachtet, Ausführungen über die Architektur und Bebauungspläne der Hauptstadt Kubas angestellt und über die Geschichte des Landes berichtet.
Wer das Buch ließt, möchte augenblicklich selbst nach Havanna reisen und die Plätze und Stätten besuchen, die Carpentier beschreibt, sich im Hafenviertel den Klängen der Straßenmusiker hingeben, den Marktschreiern zuhören und gemütlich durch die engen Gassen dieser traditionsreichen Metropole, die im Grunde nie über den Status einer "spanischen" Provinzstadt herauskam, schlendern.
Zwar sind die Texte nicht mehr aktuell, sie beziehen sich auf die Zeit zwischen den 1920ern und 1970ern, jedoch entsteht immer noch ein sehr schönes Bild von Havanna. Für Freunde der kubanischen Literatur und Lebensart durchaus eine Alternative zum Roman.

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Rezension zu "Die Hetzjagd" von Alejo Carpentier

Rezension zu "Die Hetzjagd" von Alejo Carpentier
Wolkenatlasvor 11 Jahren

Hochvirtuose literarische Hetzjagd...

In Alejo Carpentiers "Die Hetzjagd" wird ein Mörder und Verräter in einem Konzertsaal in die Enge getrieben. Am Programm dieser zweiten Konzerthälfte, die 3. Symphonie von Ludwig van Beethoven (die wiederum eine eigene Erzählebene in diesem Roman ist). Alejo Carpentier, einer der großen kubanischen Romanciers des 20. Jahrhunderts (zusammen mit u.a. Jose Lezama Lima und Reinaldo Arenas), liefert mit "Die Hetzjagd" einen überaus virtuosen literarischen Thriller. Er verwebt die Geschichten des Kartenverkäufers, der Prostituierten Estrella, der alten Frau und des Gehetzten meisterhaft, mit manchmal atemloser Prosa, dann Gedankenströme, eine sprudelnde Quelle der Ideen, bis man erst am Ende das komplette Puzzle zusammengesetzt vor sich hat, mit dem letzten Punkt. Es gibt keine Geschehnisse, die nicht in Zusammenhang mit einem anderen Ereignis stehen würden. "Die Hetzjagd" ist nicht leicht zu lesen, da man nur mit Fortschreiten dieses Kurzromans die Zusammenhänge versteht, und immer, wenn man knapp davor ist, zu verzweifeln, gibt Alejo Carpentier eine weitere Schicht frei, ein irritierend faszinierender Lesefluss, dem man sich nicht entziehen kann. Ein spannender, hochvirtuoser, literarischer Thriller, absolute Lesempfehlung.

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