Aleksandar Hemon

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Autor von Lazarus, Das Buch meiner Leben und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Aleksandar Hemon

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Lazarus

Lazarus

 (7)
Erschienen am 09.11.2010
Das Buch meiner Leben

Das Buch meiner Leben

 (4)
Erschienen am 14.04.2015
Nowhere Man

Nowhere Man

 (3)
Erschienen am 03.01.2006
Zombie Wars

Zombie Wars

 (2)
Erschienen am 29.02.2016
Lazarus: Roman

Lazarus: Roman

 (1)
Erschienen am 30.11.2015
Liebe und Hindernisse

Liebe und Hindernisse

 (0)
Erschienen am 12.12.2011
Nowhere Man

Nowhere Man

 (1)
Erschienen am 02.07.2004

Neue Rezensionen zu Aleksandar Hemon

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Rezension zu "Zombie Wars" von Aleksandar Hemon

Wenn der soziale Sprengstoff zündet
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Wenn der soziale Sprengstoff zündet

Wie nun Joshua Levin, im Hauptberuf Englisch Lehrer für Migranten, darauf kommt, dass er eine wie immer geartete Begabung zum Verfassen von Drehbüchern besitzt, so richtig gezündet hat das noch nicht.

Und auch, was er als „neuen Zombie-Film“ aktuell in seinen Fantasien vor sich ablaufen lässt (und was im Buch immer wieder als Seiten dieses neuen Drehbuches dem Leser mit präsentiert wird, so richtig neu, anders, auch nur spannend, ist das alles nicht.

Vielleicht sollte Levin sich sein eigenes Leben zum Drehbuch nehmen? All die Leute, die ihn umgeben, auf die er trifft, zu Helden eines noch nicht gedrehten Films gestalten?

Denn da liegt schon genügend Stoff bereit, um zumindest den aktuellen Zustand der Welt, zumindest die individuelle und damit auch die gesellschaftliche Entwicklung Amerikas mal näher zu beleuchten.

„Keine Erinnerung aus irgendwelchen Filmen konnte ihm sagen, was er tun sollte, wenn sich tatsächlich jemand in seinem Schlafzimmer befand. Und so erstarrte er bloß, als er den Mann entdeckte, der auf dem Fußboden kniete“.

Was nun sich zunächst liest wie ein Teil eines Thrillers, einer Verschwörung, zumindest eines gefährlichen Einbruchs entpuppt sich als die Suche nach gebrauchten Männerunterhosen. Zu einem bestimmten Zweck natürlich.

Und schon hier, in einer der frühen Szenen des Romans zeigt sich, wie genau Hemon beobachtet, was mit den Menschen in seinem Umfeld, in Amerika passiert und das er ebenso die Gabe besitzt, dies in surreal wirkenden Handlungen und Szenen packend niederzulegen. Denn anscheinend reicht der Alltag noch nicht mal für einen ordentlichen Einbruch, sondern zeugt auch in solchen Momenten nur von der Verwirrtheit der einzelnen Personen im Roman. Zeugt von einer Art „insulären Lebens“, bei dem nur noch die eigene Sicht, die eigenen Verschrobenheit als Mittelpunkt der Welt gesehen werden können.

Wie auch der (eher selbsternannte) Leiter des Drehbuchseminars schon an hier und da auftretenden roten Flecken erkennen lässt, dass in ihm die ein oder andere Sicherung nicht mehr richtig geschaltet ist. Und natürlich nicht eher damit zu tun hat, dass er nicht in Hollywood sitzt. Sondern „die da“ und überhaupt seine freie Entscheidung.

Da scheint die Freundin Joshuas die einzige Konstante, der einzige Lichtblick mit festem Stand zu sein. Kimmy, Kinderpsychologin, die Joshua aus ihm (und auch aus den Augen des Lesers) eher unerfindlichen Gründen zu ihrem Auserwählten gewählt hat.

Aber ist sie wirklich die stabile und klare Person, die sie scheint? Und warum riskiert Joshua sein Glück mit einer seiner Schülerinnen (zumindest in der Fantasie), wenn er doch froh sein könnte, Halt zu finden bei all dem, was da den Bach hinuntergeht im Land.

Aktionen Joshuas, die Folgen haben werden und ihn selbst zu einem Verfolgten machen.

Und so passt es wieder, dass in Joshuas Kopf ein Zombie Film abläuft, denn nichts Anderes ist dieses Genre ja als eine blutige Darstellung der Aufweichung und Zerstörung allen Gewohnten, aller Abläufe, aller Sicherheiten, aller gesellschaftlich sichernder Rahmungen.
Mit einigen Längen versehen ist die Geschichte des Joshua Levin allerdings gerade im Mittelteil des Buches, da, wo der Leser sich zum einen im Universum der sehr eigenartigen Figuren zurechtgefunden hat und bevor die Ereignisse wirklich Fahrt aufnehmen, denn ebenso wie seine erdachte Hauptfigur sich gegen eine Zombie-Invasion zu stellen hat, sieht sich auch Joshua realen Verfolgungen und Gefahren gegenüber, die nicht einfach von der Hand zu weisen sind.

Auch wenn die Welt sich darstellt wie jene „Fahrradständer, die austauschbar vor sich hin rosten“, in einer Welt voll bunter Vielfalt an Angeboten und Kulturzugehörigen, die alle ziemlich matt und müde wirken, teils schliche Wut ausstrahlen oder „in ihren Zombiemobilen saßen und ihr madenfreundliches Fleisch mit Kaffee verbrühten“.

Da spürt der Leser auch Wut hinter den Zeilen auf eine lethargisch untergehende Welt, auf egomanischen Menschen, auf das Verstörende eines „mit sich allein gelassen Werdens“, das Hemon lesenswert, aber nicht durchgängig ohne Längen und manche Verwirrung beim Leser diesem vor Augen führt. Spielerisch und dennoch mit einem latent harten Blick auf die Welt der Gegenwart.

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Rezension zu "Das Buch meiner Leben" von Aleksandar Hemon

Aus dem Leben ins Schreiben hinein
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Schriftsteller ist Aleksandar Hemon, seinen Lebensmittelpunkt hat er in den USA, Englisch ist seine „Literatursprache“. Geboren aber wurde Hemon in Sarajevo, in den USA lebt er erst seit dem Krieg ins einer Heimat.

 

Es sind also durchaus verschiedene „Leben“, die seine Biographie ausmachen. Erlebnisse, die er in diesem Buch literarisch verdichtet und in autobiographischen Erzählungen vorlegt. Erinnerungen an die Jugend, das Aufwachsen, die alte Heimat („In den glücklichen Tagen meiner fast unbeschwerten Jugend...“), die gerahmte und sichere Lebensweise i festen Tagesablauf korrespondieren in den Texten des Buches so vor allem mit der kulturellen Anpassung, dem „ins Fremde“ geworfen werden, das Hemon erlebt hat.

 

In klarer, direkter, frischerund offener Sprache reflektiert Hemon seinen Weg, der für ihn stark vom Verlust geprägt ist. Verlust der Heimat, der unbeschwerten Tage, der Sicherheit des Lebens (innerlich und äußerlich), aber auch der tragische, persönliche Verlust seiner kleinen Tochter, das sind die Momente, denen er schreibend begegnet.

 

So ist dieser Erzählband über seine Erlebnisse auch eine tiefe Erläuterung an den Leser, wie sehr sich das „wirkliche“ Leben immer wieder im Schreiben niederschlägt, verarbeitet wird, die „Figuren der Fantasie“ Stellvertreter für Erlittenes und Erlebtes sind, an deren Ergehen sich Hemon dann wiederum selber aufzurichten vermag.

 

Trotz des teils trockenen und ironischen Humors („Für einen Amerika Aufenthalt überhaupt in Betracht gezogen zu werden war natürlich schmeichelhaft, weil man schon taubstumm und blind und komatös sein musste, um im damaligen Sarajevo nichts von amerikanischer Kultur mitzubekommen“).

 

Ein kultureller Austausch führt ihn in die USA, die politische Lage macht ihn zum Flüchtling, ein neues Leben in Amerika, in Chicago, beginnt. Mit vielen Volten, kulturellen Befremdungen, durchaus auch nicht einfachen Wegen, von denen Hemon immer wieder in Ausschnitten und konkreten Schwerpunkten erzählt.

 

Geschichten, die oft und oft um andere „Wesensverwandte“ mitkreisen, die ebenfalls ihren Platz im Gefüge suchen. Die nach jener „Patina“ (wie Hemon sie nennt) suchen, um einen nicht nur „äußeren Fluchtpunkt“ zu erlangen, sondern eine neue „innere Heimat“ zu finden. Wie „German“, der Händler oder „Lido“, der in den fünfziger Jahren bereits aus Italien nach Amerika gekommen war.


Das ist eine der Stärken dieses schnörkellosen Erzählbandes, zu verdeutlichen, wie wichtig echte Wurzeln sind (nicht nur für bosnische Schriftsteller im fremden Land).

 

Auch wenn sich die vielen kleinen Begebenheiten der „Akklimation“ in sich vielfach mit Witz und teils auch Skurrilität darstellen, immer wieder lässt Hemon den „Ernst des Lebens“ und das Ringen um eine neue, eigene, Identität durchscheinen. Bis hin zum Drama seines „neuen und alten“ Lebens,  der tödlichen Erkrankung seiner kleinen Tochter mit seiner „neuen“ amerikanischen Frau. Die in lehrt, dass das Leben brüchig ist, dass auch ein vermeintlich fester Stand immer wieder den Unwägbarkeiten des Lebens ausgesetzt ist. Die verarbeitet werden wollen. Was Hemon literarisch immer wieder wie den Sauerstoff des Lebens betrachtet und auch in diesem Buch mitreißend und berührend umsetzt.

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Rezension zu "Lazarus" von Aleksandar Hemon

Rezension zu "Lazarus" von Aleksandar Hemon
Hallogenvor 8 Jahren

Es beginnt ungemein spannend mit einem Mordfall, der dem Opfer untergeschoben wird, weil der Täter der Polizeipräsident von Chicago ist, wohingegen das Opfer dem anarchistischen Umfeld (1908) zugerechnet wird. In ständigem Wechsel zwischen der Weitererzählung der Vorgänge nach dieser Tat (mit der Schwester des Opfers als Hauptfigur) und der Recherche derselben im Jahr 2004 (mit dem Schriftsteller Vladimir Brik und dessen Freund Rora), entsteht ein Geflecht, in dem die historischen Parallelen etwas übertrieben werden, und vieles im Stil von Andric 'Brücke über die Drina' (gleiche Namen und Vorgänge zu verschiedenen Zeiten zum Beispiel) ausgeführt wird. Für Brik wird dies eine Reise in die Vergangenheit seiner Familie.

Grundkonzept: Pogrome sind immer möglich, selbst im Amerika (z. B. nach 9/11) denkbar und Geschichte wiederholt sich. Leider verliert das Buch aber über diese Konzentration auf historische Parallelen den Faden und wird zu einem klischeehaften Panoptikum Osteuropas, das nur jemand schreiben kann, der amerikanisch geprägt ist: Kleinkriminelle, Menschenschmuggel, Schlägereien, Morde in Straßencafés und ähnliche Extremfälle werden hier zum Standard erhoben. Egal ob in der Ukraine, Rumänien, Moldawien oder Bosnien: Überall herrscht die Gewalt. Nun ist das Buch weit davon entfernt schlecht zu sein. Es kommt nur völlig aus der Spur und wird eher zu einer Art Roadmovie quer durch Ost-/Südosteuropa. Gefallen haben mir nicht nur die Fantasien von Rora, de oft völlig übertrieben Ereignisse des Bosnienkriegs darstellen, und die bosnischen Witze, sondern auch die (seltenen) zarteren Momente auf dem jüdischen Friedhof in Moldawiens Hauptstadt und im Krankenhaus in Sarajevo. Völlig überflüssig fand ich Aufzählungen und detailverliebte Szenenbeschreibungen, die mit dem Fortgang nichts zu tun haben. Wohlwollend könnte man dem Autor unterstellen, dass er gerade mit der Darstellung der Tristesse der osteuropäischen Metropolen zeigen will, dass diese einstigen Zentren jüdischen Lebens durch die Pogrome ihren einst lebendigen Charakter verloren haben. Das wäre dann aber schon ziemlich aufwertend für das Buch, denn gesagt wird das nicht, sondern die Städte erscheinen nur als Schlaglichter, wohingegen die Fahrten in Bus und Taxi ausgiebig beschrieben werden.

Ein gutes Buch, aber kein sehr gutes.

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