Die Barbaren

von Alessandro Baricco 
3,0 Sterne bei3 Bewertungen
Die Barbaren
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Gedanken eines Literaten zu den Luxusproblemen dieser Welt. Muss man nicht lesen

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So vielschichtig Bariccos Gedanken auch sein mögen, so ungenügend und wenig zielorientiert wurden sie zu Ende geführt.

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Inhaltsangabe zu "Die Barbaren"

Stehen wir vor einem epochalen Umbruch ähnlich dem der Aufklärung, jetzt, da die Computerisierung und Kommerzialisierung nahezu aller Lebensbereiche unsere kulturellen Errungenschaften nach und nach verschlingen? Ja, lautet Alessandro Bariccos – wertfreie – Antwort. Die weitgreifende Popularisierung von Kulturphänomenen nimmt er zum Anlass, so unvoreingenommen wie originell darüber nachzudenken, wie sich unser aller Art, die Welt zu erfahren, durch moderne Technologien und unsere ständige Vernetzung via Internet grundlegend verändert. Geistreich, mit einer gehörigen Prise Humor und stets unterhaltsam entfaltet Alessandro Baricco eine bestechend hellsichtige Analyse unserer Epoche, die ihrerseits zum Denken anstiftet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455405804
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum:14.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    sternchennagelvor einem Monat
    Kurzmeinung: Gedanken eines Literaten zu den Luxusproblemen dieser Welt. Muss man nicht lesen
    Muss man nicht lesen

    Wenn Alessandro Baricco, einer meiner liebsten Autoren, ein Buch über Kultur schreibt, muss ich es einfach lesen. Der Inhalt dieses Essaybandes, setzt sich aus zusammenhängenden Artikeln zusammen, die er 2006 in einer Italienischen Zeitung veröffentlichte. Geschrieben wurde es also für ein breites Publikum, mit nicht unbedingt literarischen Ansprüchen. Es geht um unsere Gesellschaft und anhand von verschiedenen Themenbereichen, möchte er hier aufzeigen wie sie sich verändert. Am präsentesten sind die Themen Wein, Fussball, Bücher und Google. Es folgen viele weitere, kleinere Themen. Ein roter Faden geht trotz rück- und vorgriffen leider völlig in seinen ins leere führenden und viel zu langen Ausführungen, verloren. Nicht selten habe ich mich gefragt was er damit bezwecken will und ob er überhaupt weiß wovon er da redet. Stellenweise noch ganz unterhaltsam, auch vor allem aufgrund des Stils, war es doch insgesamt wenig Zielführend. im Epilog wurde mir dann klar was er eigentlich sagen wollte.: „Was auch immer mit uns gerade geschieht, die Strategie für die wir uns entschieden haben, war der Bau einer Großen Mauer. Die Wahrheit ist jedoch, dass wir keine Grenze verteidigen - wir erfinden sie.“(S.214). Trotz unterhaltsamer Passagen fand ich dieses Werk doch eher überflüssig. Keine Empfehlung meinerseits, nur etwas für harte Baricco Fans, die jeden seiner Ergüsse lesen wollen.

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    michael_lehmann-papevor einem Monat
    Ganz eigene, sehr schön zu lesende „Spurensuche“ nach den Ursachen der Veränderungen in der modernen

    Ganz eigene, sehr schön zu lesende „Spurensuche“ nach den Ursachen der Veränderungen in der modernen Welt

    Es ist der „amerikanische Wein“ und es ist der Fußball, der Baricco mit auf die Spur führt und mittels derer Beispiele er dem Leser in aller Ruhe, griffig und überzeugend, zum einen darzustellen vermag, dass sich etwas Wesentliches im kulturell-sozialen Leben verändert hat und, zum anderen, wo genau eigentlich die Ursachen für diese Veränderungen zu lokalisieren wären (jene Barbaren eben, die das Gewohnte unterwandern, ersetzten, okkupieren und der Welt nun umfassend ihre Prägung angedeihen lassen).

    Dabei greift Baricco eben nicht zu kurz, lässt sich nicht ein auf rein plakative Vorwürfe gegen einen grassierende Kapitalismus ein (immer schon wollten Menschen Gewinne machen) und auch nicht gegen eine „Verrohung der Sitten“ durch Migration oder digitale Techniken.

    Baricco gelingt es tatsächlich, zurückhaltend und ohne erhobenen Zeigefinger, tiefer zu blicken.

    „Hier aber schienen die Angreifer etwas viel Radikaleres, Grundlegenderes zu tun: Sie verändern die Landkarte. Es waren Mutanten, die eine Landschaft durch eine andere ersetzten und dort ihre Lebenswelt gründeten“.

    Eine Welt, das arbeitet Baricco wunderbar getroffen heraus, die ihre Zielrichtung nicht mehr auf „Qualität“ im kreativen, individuellen, tieferen Sinne ausrichtet, nicht mehr auf Spezialisten, traditionell erworbene hohe, individuelle Fertigkeiten, sondern nurmehr auf eine Breite abzielt.
    Jeder soll alles können um umfassend und effektiv einsetzbar zu sein, alles soll allen munden um umfassend und weitgehend „an den Mann“ gebracht werden zu können.

    Das Erlebnis eines „Weines mit Charakter“, an den man sich erst einmal gewöhnen muss, der individuelle Klasse durch jahrhundertalte Erfahrungen in sich trägt, für den man bereit sein muss und Wissen benötigt. Oder eben die „moderne Welt“, in der vielfach Menschen Wein trinken, der allerdings industriell erzeugt, austauschbar im Charakter und auf Breite statt auf kunstvolle Tiefe hin erzeugt wird.

    Oder der Moment, als Roberto Baggio auf der Ersatzbank zu sitzen begann. Weil der einzelne Kreative, das Genie auf dem Platz, der Raum und Zeit benötigt für den einen oder den anderen Geistesblitz mit dem Ball, nicht mehr in den modernen Fußball der „Breite“ passt, in der alle zugleich alles bearbeiten, Verteidigen und Stürmen, Räume eng machen und umgehend nach vorne dann stürmen.

    Es ist der Kommerz, ja, einerseits, aber eben auch eine „Mutation“.

    „Wenn eine Sportart sich aus vielen Gründen so verändert, dass es sinnvoll wird, ihre Spitze (das Talent, den Künstler, das Außergewöhnliche, die Unvernunft) nicht aufs Feld zu lassen, dann ist etwas passiert“.

    Fernsehgerecht, schnell, kollektiv, das sind die modernen Werte des Fußballs, weil eine Gruppe Zutritt genommen hat, die vorher nicht maßgeblich bestimmend war. Wie das auch auf dem Feld des Weinbaus und der Literatur geschehen ist). Mit hohem, kommerziellen Erfolg (dem inzwischen alles untergeordnet wird und zwar nicht von Wirtschaftsführern und Politikern, sondern von „der Gesellschaft“, die gerne den neuen Regeln zu folgen scheint).

    Unter „Verlust der Seele“, wie es Baricco melancholisch formuliert.

    „Die Barbaren neigen dazu, die Heiligkeit der Traditionen, die sie angreifen, zu zerstören und sie durch ein scheinbar weltlicheres Konsumverhalten zu ersetzten. Sie zerlegen das Totem auf dem Feld der Erfahrungen“.

    Ein ruhiger, stringenter Aufbau ist es, dem Baricco folgt, mit dem er zunächst die Veränderungen verortet, Deutungswerkzeuge formuliert um dann jene „mutierten Barbaren“ konkret ausfindig zu machen und damit die rasanten Veränderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der kulturellen Werte dem Leser vor Augen zu führen. Mit Bedauern, sicherlich, aber ohne Verbitterung oder Panik. Auch wenn man, natürlich, das Bedauern über den „Sieg der Mittelmäßigkeit“ aus jeder Zeile herauslesen kann.

    „Mittelmäßigkeit ist ein Bauwerk ohne Ecken und Kanten, in das die größte Anzahl Traditionen hineinpasst“. Um den Preis, dass Qualität verloren geht und nur mehr eine Ahnung der alten Traditionen rein äußerlich erhalten bleibt.

    Was der einzelne für sich dagegen tun kann, auch davon wird Baricco am Ende sprechen, ohne damit zu behaupten, die „alte Welt“ zurückholen zu können.

    Ein ruhiger, tiefschürfender, philosophischer Ansatz der Erklärung der modernen Welt und der vielfachen, erschütternden und überaus schnellen Veränderungen im alltäglichen Leben, das den Leser sehr nachdenklich und um einiges klüger zurücklässt. Mit einer Sehnsucht, die nun eindeutig formuliert werden kann.

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    seschatvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: So vielschichtig Bariccos Gedanken auch sein mögen, so ungenügend und wenig zielorientiert wurden sie zu Ende geführt.
    Weniger Feuereifer als erwartet

    Ich habe Alessandro Bariccos Essayband "Die Barbaren: Über die Mutation der Kultur" mit großer Neugier entgegengefiebert. Vor allem auf die kritischen Töne gegenüber der zunehmenden Popularisierung von Kultur- und Medienwelt war ich gespannt.

    Doch was habe ich bekommen? Der italienische Journalist und Autor (*1958) hat mitnichten ein feuriges Streitpamphlet abgeliefert, sondern eher eine laue Brise durch unsere derzeitige Lebenswelt wehen lassen. Obschon Baricco um die mangelnde Beobachtungsgabe und Reflexionsfähgkeit der heutigen Generation weiß, hält er einen anhaltenden kulturellen Abstieg für fragwürdig. Er ist und bleibt ein Optimist der alten Schule. Mehr noch. Er argumentiert damit, dass es im Bereich Kultur immer schon Vereinfachungen und Kapitalinteressen gegeben habe. Sprich, was sich gut verkauft, ist per se Kultur. Oder etwa nicht? Jedenfalls werden die derzeitigen Bestsellerlisten, so Baricco, hauptsächlich von Erfahrungsberichten der Prominenz angeführt und nicht von literarisch anspruchsvollen Werken. Da muss man ihm leider zustimmen, auch in Hinblick auf das oft zu Marketingzwecken vernachlässigte Lektorat. Musikalisch setzt sich dieser Trend fort. Und doch seien es nach Baricco wir selbst, die es in der Hand hätten. Gerade daran zweifle ich, wenn man die momentane Politik, Wirtschaft etc. betrachtet.

    Insgesamt hatte ich mir von Bariccos 30 Essays, die allesamt 2006 in der La Repubblica erschienen sind, mehr versprochen. Mir fehlte nicht nur der kämpferische Geist, sondern auch der Alltagsbezug. Denn viel zu oft glitt der studierte Philosoph und Musikwissenschaftler in ihm bekannte Erfahrenswelten ab. D. h., die klassischen Philosophen und Musiker, wie Walter Benjamin oder Ludwig van Beethoven, wurden geradezu regelmäßig als Gegenbeispiele und Mahnungen herangezogen. Zudem empfand ich es anstrengend und nervig, dass er seine Aufsätze stets mit dem immer gleichen Barbarenpassus beginnen ließ. Sicher ist die Angst vor Überfremdung ein zeitloser Topos. Doch deswegen muss man ihn nicht fortwährend auch bemühen. Sprachlich vermisste ich Klarheit und Witz, was z. T. auch an der Textform gelegen haben mag. Kritikpunkte gingen im literarischen Durcheinander oft unter.

    FAZIT
    So vielschichtig Bariccos Gedanken auch sein mögen, so ungenügend und wenig zielorientiert wurden sie zu Ende geführt. Mir fehlte schlussendlich der rote Faden. 

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