Mr Gwyn

von Alessandro Baricco 
5,0 Sterne bei2 Bewertungen
Mr Gwyn
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Svenjas_BookChallengess avatar

Eine so leichte, zauberhaft melancholische Geschichte, dass man sie gleich noch einmal lesen möchte.

Farbwirbels avatar

Behutsam, kreativ und intensiv. Wer hätte vermutet, dass man ein Portrait so schreiben kann?

Alle 2 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Mr Gwyn"

Jasper Gwyn, ein berühmter englischer Schriftsteller Anfang vierzig, fasst eines Tages einen weitreichenden Entschluss. In einem Zeitungsartikel listet er 52 Dinge auf, die er fortan nicht mehr zu tun gedenkt, darunter auch: Bücher schreiben. Stattdessen beschließt er, in seinem neuen Leben als "Kopist" zu arbeiten und Porträts anzufertigen - dies allerdings nicht mit Pinsel und Palette, sondern in geschriebener Form. Er mietet ein Atelier an, wo ihm fortan Menschen Modell sitzen, die sich später in seinen Porträts gänzlich wiederfinden werden. Bis eine junge Frau auftaucht, die sich den strengen Regeln des Kopisten entzieht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455000429
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Atlantik Verlag
Erscheinungsdatum:17.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne2
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Svenjas_BookChallengess avatar
    Svenjas_BookChallengesvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Eine so leichte, zauberhaft melancholische Geschichte, dass man sie gleich noch einmal lesen möchte.
    Zauberhaft, leicht und atemberaubend melancholisch

    Obwohl mein SuB aus allen Nähten platzt und ich (theoretisch) genug zu lesen für die nächsten drei bis fünf Jahre hätte, lasse ich mir unheimlich gern Bücher empfehlen, um meine Fühler genretechnisch immer weiter auszustrecken. Auf diese Weise schaffte es auch Mr. Gwyn von Alessandro Baricco in mein Regal, denn es ist eines der Lieblingsbücher meines Kollegen und irgendwie ist es doch so: Nenne mir dein Lieblingsbuch und ich sag dir, wer du bist. Ich mag es, durch die literarischen Vorlieben eines Menschen seiner wahren Natur ein Stück näher zu kommen. Und irgendwie passt das auch ganz fabelhaft zu Mr. Gwyn, der Hauptfigur in Bariccos gleichnamigem Roman.

    Mr. Gwyn nämlich ist ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Mann. Ein etwas verschrobener Schriftsteller, der das Schreiben braucht wie die Luft zum Atmen, den das Schreiben von Büchern für die breite Masse aber irgendwann nicht mehr ausfüllt. Und Mr. Gwyn ist ein Mensch, der Nägel mit Köpfen macht - das mag ich sehr an ihm. Während überall auf der Welt die Menschen in ihrem Alltag, in ihrem oftmals mittelmäßigen Leben gefangen sind und aus Bequemlichkeit nichts daran ändern (ernsthaft, ich spreche aus Erfahrung), zieht Mr. Gwyn einen klaren Schlussstrich. Er hängt das Schreiben von Büchern an den Nagel, um das zu tun, von dem er glaubt, dass er es gut kann und dass es ihn zufriedener und glücklicher macht.

    Das also ist die Ausgangsposition von Mr. Gwyn und sie führt hinein in eine ganz zauberhafte, gleichsam zarte und starke Geschichte voller Leichtigkeit, Melancholie und Glück. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie vieles unausgesprochen lässt - dass sie dem Leser in gewisser Weise nur den Rahmen liefert und die Farben und Pinsel, damit er ihn ausfüllen kann. Man hat beim Lesen das Gefühl zu schweben und fertigt dabei in seinem Kopf ein Bild von Mr. Gwyn und seiner Tätigkeit an, das lediglich eine Version von Bariccos Geschichte ist. Eine Version von unendlich vielen, denn jeder wird dieses Buch anders lesen, erleben und interpretieren. Mir hat es unheimlich viel gegeben, Mr. Gwyn dabei zu beobachten, wie er konzentriert und diszipliniert arbeitet und dabei etwas ganz Neues erschafft, denn schließlich hat noch nie jemand Porträts geschrieben. Das Ganze ist so absurd, verrückt und am Ende doch so logisch und genial, dass man Mr. Gwyn nur bewundern kann für seinen Einfallsreichtum, seine Detailgenauigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der er anderen Menschen erklärt, was er tut. Ich mochte die durchgehend träumerische Atmosphäre und die Intimität des Ateliers, in dem Mr. Gwyn arbeitet. Ich mochte die Figuren und die Tiefe der Geschichte - ich mochte einfach alles an diesem Buch.

    Die Geschichte ist von Anfang bis Ende von Poesie durchdrungen - von dieser Art Poesie, die einen leicht berührt und fliegen lässt. Ihr seht schon, es fällt mir schwer, eindeutige Worte zu Bariccos Roman zu finden, weil er einfach so besonders, so außergewöhnlich, so bezaubernd und träumerisch ist. Auch Bariccos Erzählstil hat mich absolut überzeugt, denn er harmoniert so atemberaubend gut mit der Geschichte, wie ich es bisher selten erlebt habe. Ich würde Bariccos Stil als poetisch, blumig, fantasievoll und doch klar beschreiben, als zart und kraftvoll. Einfach wunder-, wunderschön!

    Zusätzlich zum eigentlichen Roman enthält das Buch drei kleine Kurzgeschichten, die unter dem Titel "Dreimal im Morgengrauen" zusammengefasst werden. "Dreimal im Morgengrauen" wiederum ist der Titel eines Buches, das in Mr. Gwyn eine nicht unerhebliche Rolle spielt - Baricco hat also das Buch im Buch geschrieben, was ich ziemlich cool finde. Es gelingt ihm unglaublich gut, eine fiktive Autorfigur und mit seinen Worten eine ganz andere Atmosphäre zu erschaffen als in Mr. Gwyn. Die Kurzgeschichten selbst treffen zwar nicht hundertprozentig meinen Geschmack, sie heben den Roman jedoch noch einmal auf eine völlig neue Stufe und sind einfach eine schöne Zugabe.

    Mein Fazit:

    Alessandro Bariccos Roman Mr. Gwyn besitzt eine Tiefe, die mich sehr beeindruckt und fasziniert hat. Er ist wundervoll poetisch und dabei so raffiniert geschrieben, dass der Leser mit seinen Gedanken etwas ganz eigenes aus der Geschichte macht. Ein zartes, zauberhaftes Lesevergnügen, das ich nur jedem ans Herz legen kann.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Farbwirbels avatar
    Farbwirbelvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Behutsam, kreativ und intensiv. Wer hätte vermutet, dass man ein Portrait so schreiben kann?
    Interessante Idee - einfühlsame Umsetzung

    Jasper Gywn ist ein gefeierter Autor, der eines Tages einen Artikel veröffentlicht mit Dingen, die er in seinem weiteren Leben nicht mehr tun möchte. Dazu zählt auch, dass er kein Buch mehr schreiben will – was seinen Verleger natürlich stark irritiert.

    Lange sucht er nach einer passenden Beschäftigung für sich, bis er irgendwann eine abstruse, aber einnehmende Idee entwickelt.

    „Ich habe ein Atelier in der Nähe der Marylebone High Street gemietet, ein großer Raum, sehr ruhig. Ich habe ein Bett und zwei Stühle hineingestellt, wenig mehr. Holzfußboden, alte Mauern, es ist schön dort. Was ich möchte, ist, dass Sie vier Stunden am Tag in dieses Atelier kommen, etwa dreißig Tage lang, von vier Uhr nachmittags bis acht Uhr abends. Ohne einen Tag auszulassen, auch den Sonntag nicht. […] Sie werden nicht in einer von mir gewünschten Haltung stillstehen müssen, sondern sich so in diesem Raum aufhalten, wie es Ihnen am besten gefällt, gehend oder liegend, sitzend, wo immer Sie möchten. Sie werden nicht sprechen und keine Fragen beantworten müssen, und ich werde Sie auch niemals bitten, irgendetwas Bestimmtes zu tun.[...]“ - S. 86

    Er will Portraits schreiben. Damit sind keine Minibiographien gemeint oder Beschreibungen des äußeren Erscheinungsbild. Vielmehr will er die Person in seinem Inneren begreifen und daraufhin schreiben. Die Idee bringt ihm viel Skepsis aus seinem Umfeld ein, doch er bleibt dran, wenn er auch selbst nicht recht weiß, wohin dieses Unterfangen ihn bringt.

    Als erstes beobachtet er die Assistentin seines Verlegers, was eine intensive Begegnung für die zwei ist, wie auch für den Leser, der den Prozess nachzuvollziehen sucht.

    Später sollen noch andere Menschen von dieser Art des Portraitierens angetan sein und Gwyn wird recht erfolgreich damit.

    Nebenbei entspinnt sich eine intensive Freundschaft zwischen der Assistentin und dem Schriftsteller und immer wieder gibt Gywn versteckte Hinweise auf das, was er nebenbei tut – so ganz wird man jedoch zuerst nicht schlau daraus.

    Der Roman ist komplex gestaltet, denn immer wieder wird der Leser mit Hinweisen angefüttert, die erst zum Ende Verständnis bringen. Der Schreibstil ist klar, aber empfindsam. Das Lesen ist dabei recht genussvoll, wenn ich zu Beginn auch kleine Schwierigkeiten hatte, mich Mr. Gwyn zu nähern. Die Behutsamkeit, mit der Gwyn sein Vorhaben plant, berührte mich hingegen sehr – es war, wie dem Bericht eines Malers zuzuhören, der seine Farben selbst mischt, bevor er seine Arbeit beginnt.

    Meiner Ausgabe hinten angestellt ist noch die Kurzgeschichtensammlung „Dreimal im Morgengrauen“, die sozusagen Mr. Gwyns Selbstportrait ist und von Alessandro Barrico erst später in Italien veröffentlicht wurde. So erhält man einen Einblick in die Art und Weise eines solchen Portraits, denn ansonsten liest man kein einziges – ist in seiner Phantasie selbst gefordert.

    Diese Idee zu entwickeln und sie auf eine kunstvolle Art umzusetzen, war sicherlich kein leichtes Unterfangen. Ich war nicht darauf eingestellt, dass es sich um einen solchen Roman handeln würde, da er so gehypt wurde. Selten hat sich ein Hype berechtigter angefühlt.

    Kommentare: 4
    19
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks