Novecento

von Alessandro Baricco 
4,1 Sterne bei149 Bewertungen
Novecento
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A

Hier hätte ich gerne eine ausführlichere Geschichte gelesen!

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Poetisch, bezaubernd, lesenswert!

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Inhaltsangabe zu "Novecento"

Anfang des 20. Jahrhunderts wird auf dem Passagierschiff »Virginian« ein Findelkind entdeckt. Der Maschinist Danny Boodman nimmt sich des kleinen Jungen an und nennt ihn Novecento. Das Kind entwickelt sich nach und nach zu einem Klaviertalent und begeistert auf den Rundreisen die Passagiere der »Virginian« auf sämtlichen Meeren. Doch eines tut der Virtuose dabei nie: sein Zuhause, das Passagierschiff, verlassen. Als die »Virginian« Jahre später verschrottet zu werden droht, muss sich Novecento jedoch entscheiden …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455000955
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:80 Seiten
Verlag:Atlantik Verlag
Erscheinungsdatum:20.02.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 07.03.2013 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    buchjunkies avatar
    buchjunkievor einem Jahr
    Kurzmeinung: Poetisch, bezaubernd, lesenswert!
    Novecento

    Auf dem luxuriösen Ozeandampfer 'Virginian“ , der zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zwischen der Alten und der Neuen Welt pendelt, findet der Matrose Danny Boodmann im Ballsaal ein etwa zehn Tage altes Baby in einer Pappschachtel , die laut Aufdruck irgendwann mal Zitronen enthalten hat .
    Danny beschliesst , sich um dieses Baby zu kümmern und gibt ihm den Namen Danny Boodmann T.D. Lemon Novecento. Zeit seines Lebens wird dieses Findelkind nicht mehr von Bord gehen.
    Novecento entwickelt zu einem Ausnahmetalent am Klavier und als sagenhafter Ozeanpianist wird er zur Legende.
    Doch irgendwann sind die Tage  der “Virginian“ gezählt und Novecento muss  eine Entscheidung treffen.




    Zuerst war diese Geschichte für ein Theaterstück konzipiert, erst danach entstand die Erzählung.  
    So wird die Geschichte vom Trompeter der Schiffskapelle  in Monologform erzählt. Zwischendrin stehen in Klammer gesetzte kurze Regieanweisungen.


    Diese Geschichte hat mich verzaubert. Sie umfasst nur 80 Seiten und beinhaltet doch so viel.


    Es ist mein zweites Buch des italienischen Autors Alessandro Baricco. 
    Er schafft mit seiner Phantasie  und seiner poetischen Sprache eine ganz zauberhafte Atmosphäre. Er verwendet so schöne Worte und besondere Stilmittel, die den Leser einfangen. 
    Es ist ein Buch, das langsam gelesen werden will, damit man nichts der stimmungvollen Erzählweise übersieht.
    Durchaus ein Buch, das man zweimal lesen kann .


    Eine empfehlenswerte und besondere kleine Lektüre mit einer großen Geschichte!

    Kommentare: 6
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    Irves avatar
    Irvevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Das Schiff des Lebens-Lesens! http://irveliest.wordpress.com
    *+* Das Schiff des Lebens-Lesens *+*



    .
    Danny Boodmann T.D. Lemon Novecento kennt die Welt wie seine Westentasche – jeden kleinen Winkel kann er beschreiben. Und das, obwohl er den Ozeanriesen „Virginian“, auf dem er einst geboren wurde, nie verlassen hat.

    „Er hatte die Welt tatsächlich wohl nie gesehen. Aber seit siebenzundzwanzig Jahren kam die Welt auf dieses Schiff. Und seit siebenundzwanzig Jahren spionierte er sie auf diesem Schiff aus. Und stahl ihr die Seele.“

    Novecento wurde von Danny Boodmann auf einem Klavier gefunden, gebettet in eine Zitronenkiste mit der Aufschrift „T.D. Lemon“ – und das im Jahre 1900, so lässt sich sein Name herleiten. Es ist ein besonderer Name, ebenso wie der Mensch, der ihn trägt.

    „Novecento war der größte Pianist, der je auf einem Schiff gespielt hat.“

    Die Musik ist seine Welt, der Ozeanriese seine Heimat, den Ort des Glücks, aber auch des Verderbens vereinigend. Denn der einzige Versuch, das Schiff zu verlassen, scheitert kläglich. Die Unendlichkeit des Meeres barg über lange Zeit ein großartiges Versprechen für den jungen Mann. Als dieser aber begreift, dass die Unendlichkeit gar nicht unendlich ist und unkalkulierbar sein kann, dreht er um – in mehrerlei Hinsicht. Somit wird das Ende der Erzählung plausibel und schlüssig.

    „Du musst nicht denken, dass ich unglücklich bin: Ich werde es niemals mehr sein.“

    Die Erzählung Bariccos ist umgesetzt in eine Kombination aus dem Monolog des Erzählers – einem der Mitglieder der Schiffsband – und einem Theaterstück, dessen Szenen die Schilderungen immer wieder unterstreichen.

    Novecentos Sein wird mit dieser berührenden Geschichte lebendig. Häufig konnte ich das Verhalten und die Gedankengänge sowie die Lebensphilosophie des Schiffs-Eremiten gut nachvollziehen. Sein Leben hallte klar in mir wieder. Die Besprechung ist meinem LitBlog entnommen: https://irveliest.wordpress.com/2016/06/07/alessandro-baricco-novecento/ Das Ende warf jedoch unendliche Echos, verzerrt in ihrer Akustik, sodass ich bei der letzten Passage Novecentos noch genauer hinhören muss, um sie begreifen zu können. Nicht der Weg, den er gegangen ist, sondern wie er ihn gegangen ist, zaubert in mir zudem kaleidoskopartige, facettenreiche Bilder, die mir aber immer wieder entgleiten und deren Schärfe ich erst noch justieren muss.

    „Die Wünsche haben mir die Seele zerrissen. Ich hätte sie ausleben können, aber ich habe es nicht geschafft. Also habe ich sie verzaubert.“

    Die Erzählung ist durchzogen von Musik und dem Takt der Wellen, auf denen die Virginian ihre Passagen nimmt. Baricco schwingt äußerst poetisch, faszinierend und sehr einnehmend seinen Taktstock des Schreibens, um seine Erzählung philosophisch, geheimnisvoll, zum Teil auch kryptisch an der Leser heranzutragen. Die stellenweise lyrischen, manchmal auch surreal anmutenden Textstellen bieten eine großartige Vorlage, um sich über dieses wundervolle Büchlein auszutauschen.

    Inhalt
    Anfang des 20. Jahrhunderts wird auf dem Passagierschiff »Virginian« ein Findelkind entdeckt. Der Maschinist Danny Boodman nimmt sich des kleinen Jungen an und nennt ihn Novecento. Das Kind entwickelt sich nach und nach zu einem Klaviertalent und begeistert auf den Rundreisen die Passagiere der »Virginian« auf sämtlichen Meeren. Doch eines tut der Virtuose dabei nie: sein Zuhause, das Passagierschiff, verlassen. Als die »Virginian« Jahre später verschrottet zu werden droht, muss sich Novecento jedoch entscheiden …

    Autor
    Alessandro Baricco, 1958 in Turin geboren, studierte Philosophie und Musikwissenschaft. Er ist Mitherausgeber verschiedener Literaturzeitschriften und von La Repubblica. 1994 gründete Baricco zusammen mit Freunden eine Privatuniversität, an der er Kreatives Schreiben unterrichtet. Neben seinen Romanen hat Baricco zahlreiche Essays, Erzählungen und Theaterstücke verfasst. Sein Roman Seide wurde zum internationalen Bestseller. Er wurde mit dem Premio Campiello, dem Premio Viareggio und dem Prix Médicis Étranger ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Roman Mr. Gwyn (2015).
    Quelle: Hoffmann und Campe

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    BluevanMeers avatar
    BluevanMeervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine wunderschöne Erzählung in geschliffenster Sprache, außergewöhnlich und schön.
    Unendlichkeit in einer Zitronenkiste


    Danny Boodmann T.D. Lemon Novecento ist der größte Pianist, der je auf dem Ozean gespielt hat. Das sagt zumindest der Trompeter, der mit ihm auf dem Ozeanriesen Virginia spielt und der muss es wissen. Novecento ist ein Virtuose am Klavier, ein Jazzkünstler, dessen Leben so außergewöhnlich ist, wie sein Talent. Novecento ist ein Findelkind, gefunden in einer Zitronenkiste, deren Firmenaufdruck (T.D. Lemon) ihm fortan seinen Namen gibt. Den Ozean hat er noch nie verlassen, seit Jahren spielt er auf demselben Schiff - bis er irgendwann auf einer Bombe sitzt. Und das ist eine ziemlich lange und gleichzeitig wahnsinnig kurze Geschichte. Auf knapp 80 Seiten entfaltet Baricco Novecentos Leben. Poetisch, gefühlvoll und wunderschön erzählt er von Novecento, der im Jahr 1900 von einem Seebären gefunden wurde und dessen Heimat der Ozean wird. Und der Jazz. Denn die Musik und die große Weite des Meeres bieten die größte Freiheit, die Novecento sich vorstellen kann: Unendlichkeit.

    Stell dir vor: ein Klavier. Die Tasten fangen an. Die Tasten hören auf. Du weißt, daß es achtundachtzig sind, da kann dir keiner etwas vormachen. Sie sind nicht unendlich. Du bist unendlich, und in diesen Tasten ist die Musik unendlich, die du machen kannst. Sie sind achtundachtzig. Du bist unendlich. Das gefällt mir. Damit kann man leben. (S.72)


    Barico ist ein Wortkünstler, seine Geschichte ist wie ein kleines Geschenk. Ich lasse sie leise auf mich wirken und merke, dass ich gar nicht mehr aufhören kann zu lächeln. Ich möchte Baricco gerne verschenken und hoffe, dass sich noch mehr Menschen über diese kleine Erzählung freuen. Und vielleicht verraten, wie sie das Ende verstehen. Als Erlösung, als miesen Trick oder als Herausforderung an einen großen Künstler.


    Ich finde, es ist eine schöne Geschichte, die es wert war, erzählt zu werden. Und der Gedanke, daß sie jemand lesen wird, gefällt mir. (A.B., September 1994)





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    gsts avatar
    gstvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Wie soll ich dieser wundervollen Erzählung nur gerecht werden?
    Auf dem Meer zu Hause

    „Wenn einer ganz genau erklären kann, wie es sommertags in der Bertham Street riecht, wenn es aufhört zu regnen, kann man nicht einfach behaupten, er sei verrückt, nur weil er nie in der Bertham Street gewesen ist. In irgend jemandes Augen oder Worten hatte er diesen Geruch tatsächlich eingeatmet. Auf seine Weise, aber tatsächlich. Gut, die Welt selbst hatte er nie gesehen. Aber seit siebenundzwanzig Jahren war die Welt auf dem Schiff, und seit ebendiesen siebenundzwanzig Jahren beobachtete er die Welt auf dem Schiff. Und saugte sie in sich auf.“ (Seite 42)


    Novecento, im Jahr 1900 auf einem Schiff geboren und von seiner Mutter ausgesetzt, wurde von einem Matrosen in einem Pappkarton auf einem Klavier gefunden. Sein ganzes Leben verbrachte er auf diesem Ozeandampfer, wo ihn seine offenen Sinne zu einem Ausnahmepianisten werden ließen.


    „Das Publikum sog alles mit angehaltenem Atem ein. Atemlos stierten sie auf das Klavier, mit offenen Mündern, wie völlige Idioten. So verharrten sie, ganz stumm, wie in Trance, selbst nach dem Finale mit den Fortissimo-Akkorden, bei dem man glauben musste, er hätte hundert Hände und das Klavier müsste jeden Augenblick explodieren. In diese völlige Stille hinein erhob sich Novecento, nahm die Zigarette, beugte sich etwas vor und hielt sie an die Saiten.

    Ein leises Zischen.

    Er holte die Zigarette hervor , sie brannte.“ (Seite 55)


    Was sich anfangs wie ein Theaterstück liest, entwickelt sich auf wenigen Seiten zu einer wundervollen Erzählung. Nachdem ich einmal eingetaucht war, trug sie mich von Seite zu Seite und ließ in mir eine hinreißende Musik erklingen. In lyrischen Worten beschreibt der italienische Schriftsteller das außergewöhnliche Leben dieses höchst begabten Findelkindes, das eine unbändige Angst vor der Unendlichkeit hat.


    Wahrscheinlich wird mir Novecento bei jedem künftigen Klavierkonzert in den Sinn kommen. Außerdem bin ich sicher, dass diese Erzählung, die man gut und gerne mehrmals lesen kann, nicht mein einziges Werk von Alessandro Baricco bleiben wird.  

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    Duffys avatar
    Duffyvor 5 Jahren
    Wundervolle Erzählung

    Novocento wird als Findelkind auf dem Ozeandampfer "Virginia" von den Matrosen "adoptiert". Er wird dieses Schiff sein ganzes Leben lang nicht mehr verlassen. Dafür wird er aber zu einer Pianistenlegende, die Musik spielen kann, die die Menschen verzaubert. Sein ganzes Leben konzentriert sich auf diese Fähigkeit und auf das Leben auf dem Schiff. Er verlässt es auch nicht, als es nach dem Krieg gesprengt werden soll.
    Baricco ist eine wundervolle Erzählung gelungen, ein gerade mal 80 Seiten langes Meisterwerk, in dem sich Poesie und Musik verbinden, aus einer eher kuriosen Begebenheit ein sensibles Stück Literatur geworden ist.
    Wer sich die Mühe macht, HIntersinn und Bedeutsames interpretieren zu wollen, bitte schön, man wird daran niemanden hindern können. Allen anderen, die beim Lesen einfach nur fühlen wollen, steht es offen, wie sehr sie sich berühren lassen von Novocento, der ein Leben an Land als Bedrohung durch das Unendliche fürchtet und sich für die Sicherheit des überschaubaren Schiffes und die Magie der Klaviertasten entscheidet. Dann mag der Leser auch für sich entscheiden, ob er das Ende der Geschichte eher als traurig oder tröstlich empfindet.

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    dicketillas avatar
    dicketillavor 5 Jahren
    Die Legende vom Ozeanpianisten

    1927 betrat er mit seiner Trompete das Kreuzfahrtschiff “ Virginian “ heuerte als Jazzmusiker an . Und am Klavier spielte Danny BoodmannT.D.Lemon Novecento. Genannt nach seinem Vater, der ihn einst als Säugling in einer T.D.Lemon Kiste fand , deren Mutter von Bord ging, da es für sie schon allein als Auswanderin schwer genug war .
    Danny war ein Schwarzer aus Philadelphia, und sie schrieben das Jahr 1900, daher nannte er ihn Novecento. Als er acht Jahre alt war, verstarb sein Ziehvater, und der Junge hatte noch nie das Schiff verlassen .
    Dank seiner ungewöhnlichen Gabe des Klavierspielens entwickelte er sich zu einer Legende . Er beobachtete die Menschen und hörte ihnen zu, und schilderte die verschiedensten Orte voller Begeisterung,
    ohne sie jemals gesehen zu haben . Dann kam der Tag, an dem er das Meer von der Seite des Landes sehen wollte.

    Barricco hat diese Geschichte für einen Schauspieler und deren Regisseur geschrieben, und diese machten ein Schauspiel daraus .
    So wird sie aus Erinnerungen des Jazzmusikers erzählt, immer mit Hinweisen der Spielweise des Schauspielers .
    Eine wie schon in seinem Buch “ Seide “ in wunderbar gefassten Worten erzählte Geschichte .

    Ein kleines Büchlein, der Reihe BOOKS TO GO ,
    Lesesnacks für unterwegs . Und wieder ein literarischer Genuss, leider nur 80 Seiten lang .

    “Jetzt da ich es in Buchform sehe, scheint es mir eher ein Text zu sein,
    der auf dem schmalen Grat zwischen einem richtigen Bühnenstück
    und einer laut zu lesenden Erzählung schwankt. Ich glaube nicht, dass es einen Namen für diese Art von Texten gibt. Aber egal. Ich finde, es ist eine schöne Geschichte, die es wert war, erzählt zu werden. Und der Gedanke, dass sie jemand lesen wird, gefällt mir .
    A.B. “



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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Empfehlenswert für jeden, der sich mit einem Schmunzeln im Gesicht auf ein Schiff zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellen möchte.
    Zwischen Seemännern und Maschinen

    Tim Tooney, Jazz-Trompeter, stellt sich im Monolog „Novecento“ auf die Bühne, um eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen. Es ist die Lebensgeschichte von Danny Boltman T.D. Lemon Novecento, den sein Ziehvater Danny am Neujahrstag 1900 in der ersten Klasse in einer Kiste findet. Das Waisenkind wächst auf dem Schiff heran, zwischen den Seemännern und Maschinen, und ist dabei von Danny wohl behütet. Der Flügel im großen Festsaal wirkt eine scheinbar magische Anziehung auf ihn aus: wie sich herausstellt ist Novecento einer der begabtesten Pianisten seiner Zeit. Obwohl Novecento die „Virginian“ niemals verlässt, eilt sein Ruf ihm voraus, und Jelly Roll Morton, der „Erfinder des Jazz“, fordert ihn zum Duell heraus. Und dann ist da noch die Tochter dieses einen Einwanderers, von der Novecento völlig hingerissen ist…

    Obwohl „Novecento“ ein Theaterstück ist, liest sich der in Prosa gehaltene Monolog wie ein Buch. Es handelt von Träumen und von der unendlichen Welt, die sich hinter den 88 Tasten des Klaviers verbergen. Empfehlenswert für jeden, der sich mit einem Schmunzeln im Gesicht auf ein Schiff zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellen möchte, um Amerika in weiter Ferne zu erblicken.
    Der 1994 erschienene Monolog Alessandro Bariccos wurde 1995 bei den Festspielen in Asti uraufgeführt, 1998 adaptierte Giuseppe Tornatore den Monolog als Film, mit Filmmusik von Enrico Moricone.

    Erika

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    Ulenfluchts avatar
    Ulenfluchtvor 5 Jahren
    80 Seiten Atemlosigkeit

    Man könnte sich wie der Autor im Vorwort fragen, ob es sich um ein Theaterstück handelt oder nicht. Tatsächlich aber lohnt es nicht, dieser Frage während des Lesens nachzugehen, denn man hat nicht die Zeit dazu. Zu sehr nimmt einen die Sprache ein, mit der diese wunderschönen, skurillen, ungewöhnlichen und im Grunde unglaublichen Szenen erzählt werden, von denen man sich eher fragt, ob sie nicht zu unglaubwürdig sind, um zumindest im Ansatz wahr sein zu können. Die klingen wie in einem Traum, etwa der Tanz mit dem Klavier oder wie Novecento im Duell mit Jerry Roll Morton siegt und die Zigarette alleine durch das Klavier zum brennen bringt. Und schon ist man mitten drin, gefangen von dem, was der Untertitel verspricht: Eine Legende. Man wünscht sich so, dass sie wahr wäre, oder zumindest die überwiegend schönen Seiten, aber sie kann es nicht sein.

    Neben den Szenen, die wie Fotos wirken, die durch irgendetwas verbunden sind, wie das eben so ist mit Erinnerungen, ist die Sprache, in der sie erzählt sind, das große Plus. Sie ist schnörkellos und authentisch aber dennoch nie gewöhnlich. Baricco schafft es so, die Spannung eines Theaterstückes zu erzielen, ohne dass jemand spielen muss. Ich mag auch, wie das Meer hier wieder eine große Rolle bekommt und wie es in Worte gegossen wird. Interessant, aber ein bisschen schwierig finde ich nur, dass Novecento als Charakter nicht greifbar ist, nicht rund. Man könnte es so deuten, dass er das als Legende auch nicht sein soll und dadurch in jeder Szene auch die Spannung, die Überraschung erhalten bleibt, aber es kann auch sein wie es wirkt: Ein Schwachpunkt.

    Insgesamt ist es eine schöne Geschichte, in schönen Szenen und schönen Worten dargestellt, ohne dass es kitschig wirkt. Ein schönes, dünnes Buch, zwar ohne Tiefe oder sonstige Bedeutung, aber immer wieder gern gelesen und sehr empfehlenswert.

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    HarIequins avatar
    HarIequinvor 5 Jahren
    Die Legende vom Ozeanpianisten

    Auf dem Ozeandampfer „Virginian“ wird 1900 ein Kind von seinen Eltern in einer Zitronenkiste ausgesetzt und von einem Mitarbeiter gefunden. Er zieht es auf und nennt es fortan Danny Boodmann T.D. Lemon Novecento. Als Novecento 8 ist, stirbt sein Ziehvater und er verschwindet einige Tage von der Bildfläche, um daraufhin als Klaviertalent zurückzukehren und später als Ozeanpianist zur Legende zu werden. Bis zu seinem Tod wird er das Schiff nie verlassen.

    Die kurze Erzählung ist ein Monolog und Theaterstück in einem, die von Tim Tooney, der mit Novecento in einer Band spielt rückblickend erzählt wird. Baricco's Sprache ist gewohnt poetisch, verschnörkelt und wahnsinnig bildhaft und plastisch - zusätzlich von Regieanweisungen unterstützt. Man hat das Meer und die Personen direkt vor Gesicht und die Musik in den Ohren.

    Novecento's Geschichte ist berührend, man gewinnt ihn sofort lieb und dann ist das Buch leider auch schon zu Ende. Wobei es das Ende nochmal gewaltig in sich hat - eine wunderschöne Passage, die offen bleibt.

    Für mich sind es klare 5 Sterne und vollste Leseempfehlung für alle, die Baricco sowieso schon lieben; eine philosophische, amüsante und schöne Geschichte wollen und mit dem einzigartigen Schreibstil auskommen. Definitiv ein Buch, das ich noch öfter lesen und lieben werde.

    Kommentare: 1
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    Sheilyns avatar
    Sheilynvor 6 Jahren
    Rezension zu "Novecento" von Alessandro Baricco

    Novecento - italienisch für Neunzehnhundert - ist kein Titel eines Buches oder Musikstückes, es ist der Name eines Menschen, genaugenommen eines Pianisten. Ein Virtuose der Meere, denn T.D. Limone Novecento, wie sein voller Name lautet ist ein Pianist der auf einem Kreuzfahrtschiff lebt und noch nie in seinem Leben einen Schritt auf festem Boden getan hat. Er wurde auf dem Schiff geboren und lebt, solange wir ihn in dem Buch begleiten auf dem Schiff. Er wurde als Baby, vermutlich unter Deck in einer dunklen Ecke als Sohn von Auswanderern geboren, welche aus Armut und in der Hoffnung auf ein besseres Leben, das Neugeborene in eine leere Zitronen - Spanholzschachtel legten und ihn seinem Schicksal überlassend auf einem Piano auf dem Kreuzfahrtschiff abgestellt haben. Sie wollten ein neues, besseres Leben im reichen Amerika leben, aber die Armut und Ungewissheit ließen sie ihr Kind zurücklassen. Und so wächst er heran, aufgezogen von dem Seemann Danny Boodman, der dem Kind lesen und schreiben beibrachte und ihm von fremden Ländern erzählte die am Horizont mit all ihren Schätzen und Kulturen Städten und Landschaften auf ihn warteten. Alles was er tun müsste, wäre das Schiff zu velassen.

    Das Buch ist eigentlich eine Abschrift eines Theaterstücks, ein Monolog. Es ist gerademal 80 Seiten lang und sehr kurzweilig geschriben. Zwischen den Absätzen, sind Informationen zum Bühnenablauf zu finden, also wer die Bühne verlässt oder Betritt, was man hört oder was man sieht. Ein typisches Theaterstück eben. Und doch schafft es Alessandro Baricco, so viel Gefühl und Details in diese wenigen Seiten zu packen, dass es einem teilweise den Atem raubt. Dieses kurze Büchlein ist poetischer als so mancher 800 Seiten Wälzer und schafft es, dass sinnbildlich die Musiknoten aus den Seiten purzeln. Man spürt die Musik, man spürt den Jazz, die Sehnsüchte und Träume, aber auch die Ängste. Einer meiner Lieblingsätze aus dem Buch ist:
    " Heute war ich in einem wunderschönen Land, die Haare der Frauen duften so gut, überall war es hell und voller Tiger"
    Nach diesem Satz musste ich erstmal von dem Buch aufschauen, die Augen schliessen und schmunzeln. Es war ein richtig schöner Satz. Inhaltlich fragwürdig bis absurd, jedoch lingusitisch voller Schönheit, dass man ihn immer wieder aufsagen möchte. Ich werde ihn wohl nie wieder vergessen.

    Wie bereits erwähnt ist es ein kurzes Buch. Ich habe keine dreiviertelstunde gebraucht um es zu lesen. Und habe mich hinterher laut gefragt, wozu ein Lesebändchen an dem Buch zu finden ist.
    Ganz klare Empfehlung für alle die sich nach großartiger Prosa lächzen.

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