Alex Acht

 4.3 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von SpielRaum.

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SpielRaum

SpielRaum

 (10)
Erschienen am 11.08.2017

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Rezension zu "SpielRaum" von Alex Acht

Unterhaltsamer Krimi mit tollen Figuren
AgnesDietervor 2 Monaten

Unterhaltsam und klug. Ein dynamischer Krimi, der in München spielt. Das Oktoberfest erzeugt einen Strudel an Ereignissen. Ein Mord passiert, ein altes Verbrechen hat damit zu tun. Tolle Geschichte, tolle Figuren.


Ein buntes Panorama von Figuren bevölkert den Roman, gemeinsam ist den Figuren ein aktiver Umgang mit den kleinen und großen Dramen des Lebens - Gejammert wird hier gar nicht.

Neben einem interessanten Kommissar “ermitteln” zwei junge Game-Designer und ein Pensionist  - der unterschiedliche Blick der Generationen ist ein wiederkehrender Quell der Unterhaltsamkeit.

Als Münchner Seminargruppe im Schwerpunkt Literaturwissenschaften hat uns (Agnes, Jenny, Alexander, Sabrina, Birte, Dieter) der Roman “SpielRaum” von Alex Acht großen Spaß gemacht. Nach 2 Monaten gemeinsamer Exegese und abgegebener Seminararbeit sollen nun auch die Ergebnisse für die Öffentlichkeit posten. Bitte sehr. Das Ende wird natürlich nicht verraten.


FIGUREN: Die Hauptfiguren Ruth, Kommissar Hell und Kristina sind sehr gut geglückt: Bodenständige Leute mit Humor und Selbstironie, sie befinden sich in einem ansprechenden Beziehungsgeflecht.

Die Nebenfiguren haben uns als Gruppe allerdings mehr interessiert:

Ian, Victoria, Wolf: Die drei Personen sind bereits tot, dennoch sind sie es, die den Lebenden im Kopf herumspuken. Auch als Leser entwickelt man schnell eine Beziehung zu ihnen und sehnt sich danach, sie lebend kennenzulernen.

Da gibt es den Schank-Kellner Wate (von Stürmen???). Eine  Anspielung auf den großen Helden der Gudrunliedes, zumal er den wunderbaren Sänger Hjarne (der dänische Horand?) zum Freund hat. Der Held, der in der alten Sage alles rächt und richtet, hat im modernen Leben nur mehr wenig Funktion. Sein großer Treueschwur geht mangels Feinden ins Leere.

Bora, ein junger Mann, spielt den Sonnenschein für die Biergarten-Bedienungen. Sein Trauma erzählt er nur den beiden Game-Designern: Diese hören nämlich gut zu, sie sind an der Welt interessiert. Sie wollen die Welt im Spiel “richtig” abbilden. Bora und Hjarne begegnen einander auf einer weiteren Ebene: Der nordische Sänger singt für das bosnische Kriegskind “Emina”, eines der schönsten Sevdalinka.

Alfons und Rulfo, so heißen die Game-Designer. Mit Rulfo, einem Verweis auf den großen mexikanischen Autor Juan Rulfo, hat Alex Acht eine Figur geschaffen, die immer zwischen Literatur und Spielwelt, zwischen Buch und eGame oszilliert. Mit ihm erfahren wir auch von den Ähnlichkeiten und Unterschieden, die Literatur und Games aufweisen. Zunächst waren wir in der Seminararbeit daran nicht interessiert (Wir sind alle keine Gamer), bis uns die Frage schließlich doch gefangen nahm: Wer sind wir als Leser eines Buchs? Was unterscheidet Buchlesen von Gamespielen?
Eine Pointe, die wir schon verraten dürfen: Am Ende bringen die zwei Game-Designer den Kommissar auf die richtige Spur: Sie sind es, die das Leben richtig “lesen” können.

Sloraczny, ein Herr im Rollstuhl und Vater einer der Kellnerinnen: Endlich mal ein Rollstuhlfahrer in einem Roman, der ein ganz normaler Typ ist. Er ist weder hochbegabt, noch super-cool, noch “von seinem Schicksal gezeichnet”. We like him!

Maria und Lisa: Zwei Bedienungen: direkt, lakonisch, abgebrüht, geerdet. So kennen wir das Oktoberfest.

Gina, Marietta, der Ostermeier: Alex Acht umreißt in wenigen Sätzen ganze Leben. Die Personen (eine Studentin, eine Kellnerin, ein illegaler Glücksspiel-Veranstalter) entstehen vor unseren Augen, ohne dass der Autor lang rumreden muss.

Es gibt noch mehr Figuren! Ein Chinese mit Kampfkunstvergangenheit, ein Manager vom Schlag eines Strauss-Kahn, eine Journalistin unter Druck und viele andere runden das Panorama ab und generieren im lesenden Publikum den Wunsch, solche Menschen kennenlernen zu wollen.


Arbeitswelt in der Literatur:

Background Oktoberfest: Der Roman SpielRaum von Alex Acht steht ganz im Zeichen des “Arbeiterliteratur”. Zum ersten Mal überhaupt hat ein Autor die Routinen, Abhängigkeiten, Härten und Freuden der Arbeit von Bierzelt-Bedienungen so eindringlich dargestellt. Wider alle Erwartungen handelt es sich um unterhaltsame Arbeiterliteratur.


Background Journalismus: Ein kleiner Nebenstrang des Krimis beschreibt, wie eine Sensationsmeldung entsteht. Wie sehr Mitarbeiter einer Zeitung unter Druck stehen und so auf Seite 1 der Boulevardzeitung die Fake-News  “Hochschwangere Wiesn-Bedienung, in Klammern 60” landen kann.


Literatur in der Literatur in der Literatur: Für die Krimihandlung haben die netten Anspielungen an große Werke der Weltliteratur keine Bedeutung. Aber: Was für den Krimi und seine Protagonisten unwichtig ist, ist für kundige LeserInnen ein Vergnügen: Die Ilias wird von einem Game-Designer namens Rulfo zitiert! Der Ort, in dem die Toten aufeinander treffen, heißt “Maritornes” und verweist damit auf den größten aller Romane, den Don Quijote.

Über die nordischen Sagengestalten im aktuellen Roman und die Verflechtung mit den Sevdallinka haben wir oben schon geschrieben.


#MeToo: Das Thema nervt ja schon ein wenig. In SpielRaum haben wir eine interessante Passage, in der eine Intellektuelle den Kellnerinnen eine Art Opferstatus aufdrückt, weil diese vermeintlich Opfer der männlichen Gäste seien. Reaktion der Kellnerin: “Das hätten Sie wohl gern.” So viel zur Arroganz der Mittelschicht.

Im Krimi gibt es auch entsetzliche physische Gewalt und unterschiedliche Varianten der Gegenreaktion darauf. Von Selbstjustiz bis subversivem Unterlaufen.


Fazti: Unterhaltsamer Indie-Roman, flotter Krimi, große Themen.

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Rezension zu "SpielRaum" von Alex Acht

Das Oktoberfest zum Lesen - Empfehlung
DerBergvor 5 Monaten

Gerade ausgelesen - bin begeistert:
1. Die Story spielt auf der Wiesn - Spannungsbogen und Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite.
2. Zurechtrücken von #metoo: Ernsthafte Gewalt UND akademische Zuschreibung von Gewalt stehen nebeneinander.
3. Hübsche Anspielungen an Weltliteratur (für die Leser*nnen, die es mögen)

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Rezension zu "SpielRaum" von Alex Acht

5 Sterne für "Spielraum" von Alex Acht - 5 Sterne für München
DerAugustinervor einem Jahr

Leidenschaft, Verlust & Schwerarbeit paaren sich in diesem Roman erstaunlich gut mit Humor, Gelassenheit & Verwandlung. 

Im Roman "SpielRaum" geht es um Tod und Spiele vor dem Hintergrund des Oktoberfests 2009. 

Die Kellnerinnen & Co. kriegen bei Alex Acht ein richtig interessantes Leben und müssen nicht als Nebenfiguren rumkrebsen. Der Roman, der während des Oktoberfests spielt, hat auch eine Kriminalhandlung, die sich gewaschen hat: Auslöser ist eine Messerstecherei, während der Ermittlung lernt der Leser wunderbare Figuren kennen, die er gar nicht so schnell wieder verlieren möchte, am Ende sehen wir, wie in einzelner Mensch ein furchtbares Trauma bewältigen konnte und in eine mögliche Zukunft blickt.

Empfehlung!!! 

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Gespräche aus der Community

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A
Oktoberfest - Krimi - Game-Design

Hi, wir haben vor uns: einen Roman über das Oktoberfest mit Krimihandlung.Wir  könnten während des Oktoberfests über das Buch diskutieren : )
Wir Ich bin in München vor Ort und kann jeden Tag mal reinschauen und mit euch reden. Bin schon sehr gespannt!
Ich freu mich schon!

Habe leider nur mehr 7 Bücher hier : |
Wer kriegt ein Exemplar?  Du solltest schon mindestens eine Rezension auf Lovelybooks haben und natürlich einen Bezug zum Oktoberfest haben.
Bis bald, Alex Acht
A
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Zusätzliche Informationen

Alex Acht wurde am 07. Januar 1964 in Bochum (Deutschland) geboren.

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