Alex Capus Eine Frage der Zeit

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Inhaltsangabe zu „Eine Frage der Zeit“ von Alex Capus

Drei deutsche Werftarbeiter und ihre Odyssee im Herzen Afrikas Drei Männer transportieren für Kaiser Wilhelm ein Dampfschiff in Einzelteilen nach Afrika, um es am Tanganikasee zusammenzubauen. Zu Beginn der Odyssee sind die drei norddeutschen Werftarbeiter fasziniert vom kolonialen Charme Deutsch-Ostafrikas, aber dann bricht der Erste Weltkrieg aus. Plötzlich werden Nachbarn zu Feinden und Gegner zu Freunden. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen vor der pittoresken Kulisse des tropischen Sees. Und jeder versucht, mit heiler Haut davonzukommen in einer aus den Fugen geratenden Welt.

Es ist eine Geschichte voller genialer, absurder, einzigartiger Charaktere, die den Wahnsinn des Krieges miterleben.

— ErleseneBuecher

Augenzwinkernder Antikriegsroman über eine militärische Groteske am Tanganjikasee

— Beust

Historischer Roman und Abenteuergeschichte und im Mittelpunkt steht ein Dampfer, die Götzen.

— Barbara62

Super spannende Geschichte einer wahren Begebenheit. Echt Top

— Theodorik

Eine spannende Geschichte über das Erbauen, die Zerlegung & den Wiederaufbau eines Dampfschiffes & den Alltag im feindlichen Gebiet: Afrika.

— MyNameIsNobody

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    Eine Frage der Zeit

    ErleseneBuecher

    10. November 2017 um 22:18

    Es ist schon seltsam. Ich hätte mir das Buch wohl nie von selbst gekauft oder wäre auf die Idee gekommen, es zu lesen, da der Klappentext sich zwar schon interessant anhört, mich aber nie richtig angesprochen hätte. Nun habe ich das Buch aber von meinem Vater geschenkt bekommen, der meinte, ich solle es mal lesen. Also verstaubte es erst einmal auf meinem SuB und wurde jetzt durch meine SuB-Leichen Challenge herausgekramt. Nun habe ich es gelesen und denke, dass ich wohl mal öfter auf meinen Vater hören sollte. Allerdings ist mein SuB ja immer noch sooo hoch. Das Buch spielt zur Zeit des Ersten Weltkrieges vor allem in Afrika, aber auch in London. Es geht um drei deutsche Schiffsbauer, die ein Schiff in Kleinteilen nach Afrika begleiten und dort wieder zusammen setzen. Währenddessen erfährt man einiges über die damalige Zeit und die Kolonialisierung. Ihr Gegenspieler ist auf englischer Seite der exzentrische Commander Spicer Simson, welcher auf seinen Einsatz für den Krieg wartet. Dieser bringt in einer Mammutaufgabe zwei Dampfer nach Afrika und kämpft auf dem Tanganikasee gegen die deutsche Marine. Es ist eine Geschichte voller genialer, absurder, einzigartiger Charaktere, die den Wahnsinn des Krieges – vor allem an diesen meilenweit entfernten Ort ist der Krieg umso abstruser – miterleben. Die Protagonisten sind wunderbar ausgearbeitet und voller seltsamer, liebenswerter und bildlich vorstellbarer Eigenarten. Sehr interessant war, dass die Geschichte einen historisch wahren Hintergrund hat, und man auf YouTube einige Dokumentationen dazu finden, die ich mir nebenbei angesehen habe. Das hat das ganze noch phänomenaler gemacht. Etwas ernüchternd fand ich das Ende, vor allem da einige Gegebenheiten und Entstehung von Freundschaften plötzlich gar nicht mehr nachvollziehbar dargestellt wurden und ich es dann sehr abrupt fand. Bewertung: 4 von 5 Punkten

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  • Das Schicksal der Götzen

    Eine Frage der Zeit

    Barbara62

    10. September 2016 um 09:06

    Nachdem ich den Roman León und Louise 2011 sehr gerne gelesen hatte, habe ich mich damals auf die Suche nach weiteren Büchern des Schweizers Alex Capus begeben und bin dabei auf das erstmals 2007 erschienene Eine Frage der Zeit gestoßen, aber diese Geschichte um den Export eines Dampfschiffs aus dem deutschen Kaiserreich nach Tansania schien mir damals nicht attraktiv. Nun, nachdem ich vor kurzem bei einem Besuch der Meyerwerft in Papenburg erneut auf die Geschichte dieses Schiffes stieß, habe ich meine Meinung geändert und dies nicht bereut, auch wenn ich aus der Begeisterung meines Mannes für das Buch schließe, dass der Roman noch mehr ein Männerbuch ist. Die Geschichte des Dampfers Götzen klingt mehr als unglaublich. Am 20. November 1913 wurde er auf der Meyerwerft in Papenburg getauft, doch anstatt vom Stapel zu laufen, wurde das Schiff wieder zerlegt, in 5000 Kisten verpackt und auf abenteuerlichen Wegen per Schiff und Eisenbahn nach Deutsch-Ostafrika, heute Tansania, an den Tanganikasee transportiert, wo es den deutschen Machtanspruch in Afrika festigen und als Fähr- und Transportschiff eingesetzt werden sollte. Drei Werftangestellte begleiteten die ungewöhnliche Fracht: der Schiffsbaumeister Anton Rüter und zwei Gehilfen, deren Motivation allerdings nicht Abenteuerlust, sondern die Aussicht auf einen lukrativen Lohn war. Noch während die Götzen auf der eigens zu diesem Zweck errichteten Werft in Kigome unter widrigsten Bedingungen erneut erstand, brach der Erste Weltkrieg aus, und die Belgier und Briten, mit denen man vorher friedlich zusammenlebte, wurden zu Feinden. Nun brauchte man kein Fähr- und Transportschiff mehr, sondern ein Kriegsschiff. Auch die Briten strebten die Herrschaft über den Tanganikasee an, deshalb wurde in London der überaus schrullige Commander Geoffrey Spicer Simson von der Royal Navy damit beauftragt, ebenfalls zwei Schiffe nach Zentralafrika zu transportieren, diesmal für eine Seeschlacht. Eine Frage der Zeit ist zugleich historischer Roman und Abenteuergeschichte. Er basiert auf historischen Tatsachen und führt gekonnt die Absurdität nicht nur des Krieges, in dem die "Seehoheit" über den Tanganikasee plötzlich strategisch bedeutend sein sollte, sondern auch die Absurdität der Kolonialpolitik vor Augen. Gerade letzteres hat mir gut gefallen, denn Rüters Skrupel und seine Empfindung, sich allein durch seine Anwesenheit bereits mitschuldig zu machen, sind eindrucksvoll geschildert.

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    • 2
  • Die wahnwitzigen Entscheidungen der Machtträger ...

    Eine Frage der Zeit

    engineerwife

    21. August 2016 um 16:20

    Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich den Inhalt quasi riechen, schmecken und hören lies. Alex Capus beschreibt seine Figuren sowie Land und Leute um sie herum so bildhaft und facettenreich, dass man meinen könnte, direkt neben ihnen zu stehen. Die afrikanische Hitze, die beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt aber auch die Gefahr von Krankheiten bedingt durch Insekten- und Schlangenbisse meint man als Leser direkt zu spüren. Gleichzeitig bringt er uns Herr Capus die Geschichte um das Dampfschiff Goetzen nahe, die auf wahren Tatsachen beruht und dem Leser bewusst macht, wie viele unsinnige Dinge doch während des ersten Weltkriegs veranstaltet wurden. Im fernen Afrika beschießen sich Engländer und Deutsche ohne wirklich zu verstehen warum. Das Kaiserreich Deutschland und das Königsreich England sind in weiter Ferne, die Beschlüsse der Herrscher können schwer nachvollzogen werden. Sicher trifft diese Tatsache auf alle Kriege zu. Entschieden werden sie von ganz oben, ausführendes Element ist der kleine Mann. Mich hat das Buch sehr beeindruckt. Dennoch gibt es einen kleinen Abzug für die Tatsache, dass es dem Autor meiner Meinung nach oft nicht gelungen ist, etwas Wärme und tiefere Gefühle rüber zu bringen. Er schreibt teilweise etwas trocken. Wenn ich den Schreibstil beschreiben müsste, würde ich sagen, hier schrieb ein männlicher Autor für ein eher männliches Publikum.

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  • Drei Werftarbeiter in Afrika

    Eine Frage der Zeit

    buchjunkie

    Drei Männer transportieren 1913 für Kaiser Wilhelm das Dampfschiff „Götzen“ in Einzelteilen nach Afrika, um es am Tanganikasee zusammenzubauen. Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst und lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse. Doch rasch geraten sie in das Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt. Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen, aber durchaus liebenswerten Oberleutnant Spicer Simson, zwei Kanonenboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schleppen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen. Alle sind sie Gefangene der Zeit, in der sie leben. Und jeder hat seine eigene Art, damit fertig zu werden. Ruhig und beschaulich schreitet diese Geschichte voran, ohne dabei langweilig zu sein. Sie kommt auch ohne übermäßige Spannung aus und ist sehr unterhaltsam. Sie besticht durch eine wunderbare ,fast poetische Sprache und glänzende Dialoge. Alex Capus lässt mit seiner Ausdrucksweise die Bilder dieses Romanes entstehen. Sogar ich, die von Schiffsbau gar keine Ahnung hat, sah die „Götzen“ dann vor meinem geistigen Auge , und ich konnte die auftretenden Probleme der Werftarbeiter verstehen. Auch die Protagonisten werden vorstellbar dargestellt. Sehr gemocht habe ich Spicer Simson, dessen großer Traum es ist, als Marinesoldat eine heroische, in die Weltgeschichte eingehende Tat zu vollbringen. Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil Alex Capus bald eine Lesung bei uns in der Nähe gibt und ich bisher nur „Lèon und Louise“ kannte. Mir gefällt seine Art zu schreiben sehr gut und ich freue mich schon auf die Lesung, die auch meine erste sein wird!

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    • 6
  • Eine Frage der Zeit

    Eine Frage der Zeit

    lesemaus

    10. January 2016 um 16:38

    In Papenburg entsteht das Schiff „Götzen“. Aber es ist kein gewöhnliches Schiff, denn nur Schrauben halten die Einzelteile zusammen. Damit der Transport nach Afrika zum Tanganikasse funktioniert, muss das Schiff in Kisten passen. Drei Werftarbeiter gehen mit, um am Tanganikasee das Schiff wieder zusammenzusetzen und zu vernieten. Alle Drei erleben ein exotisches, heißes Afrika. Bis der 1. Weltkrieg kommt… In der Zeit, wo das Buch veröffentlicht wurde, hatte ich reingelesen und weggelegt. Grund dafür, dass ich zu dieser Zeit mit der Sprache von Capus nicht klar kam. So machte in Anfang des Jahres nochmal den Versuch und war begeistert. Die Sprache ist klasse, leicht dichterisch und voller Neuheiten. Besonders haben mir die Dialog von Rüter und Herr von Zimmer zugesagt, da musst ich immer lachen. Und beim Engländer Spicer Simson musste ich immer den Kopf schütteln, so dämlich wie er sich immer angestellt hat *grins*.  Ich kann mit heutiger Sicht das Buch herzlich empfehlen.

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  • Eine Frage der Zeit

    Eine Frage der Zeit

    Günter-ChristianMöller

    Drei Werftarbeiter aus Norddeutschland sollen bei Beginn des ersten Weltkrieg ihren Beitrag für den Endsieg des deutschen Reiches am Tanganjikasee liefern. Wunderbare Darstellung des deutschen Kommandeus, der aus seiner biblisch anmutenden Dienstvorschrift einige eherne Parolen zaubert und damit die zunächst unwilligen Zivilisten in seine Durchhalteparolen einspinnt. Und ebenso rücksichtslos den passiven Widerstand der unwilligen Einheimischen bricht. Noch besser dargestellt, dass am Schluss davon nicht einmal mehr ein stetiger Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung übrigbleibt, sondern nur noch der tierische Überlebenswille nicht zu verhungern.

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    • 2
  • Rezension zu "Eine Frage der Zeit" von Alex Capus

    Eine Frage der Zeit

    bond

    Hat mir überhaupt nicht gefallen_flache Story_Meiner Meinung nach keine Rezitation Wert!

    • 3

    tinderness

    07. October 2014 um 20:27
  • zäh flüssig

    Eine Frage der Zeit

    reader2

    02. March 2014 um 11:38

    irgendwie packt mich dieses Buch nicht - die Geschichte aus dem historischen Gesichtspunkt scheint mir sehr spannend zu sein - doch irgendwie kommt keine Spannung auf - lediglich ein dahin geklimper -
    Muss es weg legen - vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder......

  • ungenaue Recherchen

    Eine Frage der Zeit

    doktormabuse

    06. October 2013 um 20:59

    Ganz nett geschrieben, aber eben nur das: nett. Nicht packend, recht seichte Geschichte, in der zuviel Füllmaterial einen spannenden Erzählverlauf verhindert. Dazu eine ganze Menge historischer und ethnologischer Unkorrektheiten, die nerven. Von 'Wehrmacht' und 'Luftwaffe' konnte 1914 noch keine Rede sein. 'Kapitänleutnant' von Zimmer war Korvettenkapitän (diesen kleinen Lapsus ließe ich durchgehen). Papenburg gehörte zu Preußen, Provinz Hannover, nicht 'Niedersachsen', das es damals noch gar nicht gab. Die Maasai sind keine Jäger. Um nur einiges zu nennen.Immerhin ist das verwendete Swahili korrekt.

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  • Schön!

    Eine Frage der Zeit

    Lesemanie

    09. May 2013 um 20:29

    Alex Capus beginnt sein Buch mit dem Ende der Geschichte: „blind und irr vor Erschöpfung“ begegnet uns hier Anton Rüter. Da liegt schon eine ganze Menge hinter ihm, und nach wenigen Seiten tritt Capus einen Schritt zurück und beginnt am Anfang: Im November 1913 erhalten drei Angestellte der Meyer Werft in Papenburg einen Auftrag. Sie sollen die Götzen, ein imposantes Dampfschiff, im Auftrag des Reichskolonialamtes auseinanderbauen, es nach Deutsch-Ostafrika bringen, und es dort am Tanganikasee wieder zusammenbauen. Der Schiffbaumeister Rüter, der Handwerksbursche Hermann Wendt, und Nieter Rudolf Tellmann, nehmen den Auftrag an und machen sich auf den Weg. Während die drei Untertanen des deutschen Kaisers auf dem Weg nach Afrika sind, stellt Capus uns kurz eine weitere Person vor, die für den Verlauf der Geschichte von großer Wichtigkeit ist: Leutnant Geoffrey Spicer Simson, der im Auftrag der britischen Marine auf einem heruntergekommenen kleinen Dampfboot (oder auch Dampfbötchen), den Gambia-Fluss hinauf- und hinabfährt, um die Gegend zu kartographieren. Simson ist „Fachmann auf allen Gebieten und stets gern bereit, auch ausgewiesene Experten an seinem Wissen teilhaben zu lassen.“ Später wird es so sein, dass Simson ebenfalls einen Auftrag erhält: er soll sich auf den Weg nach Deutsch-Ostafrika machen, und dort ein Dampfschiff mit einer Dreipfund-Kanone versenken. Schließlich steht der erste Weltkrieg vor der Tür. Bevor es so weit kommt, begleiten wir die drei Papenburger Werftarbeiter auf ihrem Weg nach Afrika. Mit ihnen erleben und bestaunen wir dieses andere Leben und betrachten, wie sie alle ein kleines bisschen der Frau des deutschen Gouverneurs vor Ort verfallen, und sich an ihr neues Leben gewöhnen. Als dann tatsächlich Krieg ausbricht, der auch hier, soweit abseits von Europa, zu spüren ist, muss plötzlich jeder selbst sehen, wie er mit der ungewohnten Situation fertig wird. Der Stoff, den Capus hier behandelt, könnte schwer im Magen liegen. Doch erzählt er die Geschichten der Menschen in diesem Buch ganz leicht und unbeschwert, sodass das Buch ein Vergnügen ist. Ein Buch voller Menschen, von denen jeder für sich das Herz des Lesers ein bisschen erobert.  Mehr Rezensionen unter: http://lesemanie.blogspot.de/

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  • Rezension zu "Eine Frage der Zeit" von Alex Capus

    Eine Frage der Zeit

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. October 2012 um 11:35

    das war nix. Die Zeit der Geschichte hat mich einfach nicht gefesselt.

  • Vom Irrsinn des Krieges

    Eine Frage der Zeit

    Stefan83

    07. October 2011 um 12:48

    Dass Alex Capus ein Händchen dafür hat, geschichtliche Themen mit Fiktion zu verbinden, hat er nun schon in mehreren seiner Romane bewiesen. Und auch bei seinem neuesten Werk, "Eine Frage der Zeit", ist dies nicht anders, liefert er sogar seine meiner Meinung nach beste Leistung ab. Wäre die von ihm gewählte Geschichte dabei nicht auch hieb- und stichfest verbürgt und in Militärarchiven nachzulesen, man müsste ihm vorwerfen jegliches Maß verloren zu haben und zur Übertreibung zu neigen. Doch die Hintergründe sind nicht erfunden, sondern basieren auf unumstößlichen Fakten und Tatsachen, die Kaiser Wilhelm II., der unter größenwahnsinnigen Halluzinationen von einem deutschen Kolonialreich Afrika träumte, seiner Zeit selber schuf. Alex Capus nimmt nun den Faden auf und verwebt ihn zu einer ebenso fesselnden wie ziemlich verrückten Erzählung, die im Jahre 1913 ihren Anfang nimmt. Auf Befehl eben jenes Kaisers Wilhelm II. ist in der Meyer-Werft in Papenburg das Dampfschiff "Graf Götzen" erbaut worden, das auf dem Tanganjikasee in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika die deutsche Präsenz erhöhen und die Seehoheit auf dem Gewässer sicherstellen soll. Dort, wo sich die Gebiete der Kolonialmächte Deutschland, England und Belgien berühren, bedeutet ein Schiff strategischen Vorteil und so bekommen drei folgsame Papenburger Schiffsbauer den abenteuerlichen Auftrag, die "Graf Götzen" in ihre Einzelteile zu zerlegen und in 5.000 Kisten verpackt zu ihrem Zielort zu bringen. Über Hamburg, Daressalam und eine Bahn im Inneren des Landes gelangt sie schließlich zum Tanganjikasee, wo im Februar 1915 der Stapellauf erfolgt. Gleichzeitig schlägt in London die Stunde des Oberstleutnants Spicer Simson, eines erfolglosen Hasadeuers und begnadeten Aufschneiders, der von der Royal Navy dazu berufen wird, unter strengster Geheimhaltung zwei ehemalige Ausflugsschiffe zu Kanonenbooten umzubauen und gleichfalls ins Herz Afrikas zu transportieren, wo sie die britische Präsenz verstärken sollen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verwandelt die Idylle des Sees schließlich in einem absurden Schauplatz des tödlichen Kampfes... Capus schildert, ohne in den oftmals üblichen "Anti-Kriegs"-Jargon zu verfallen, das Leben von vier unterschiedlichen Männern, die sich in einem ausbrechenden Konflikt plötzlich auf verschiedenen Seiten gegenüberstehen. Feinde durch den Willen ihrer jeweiligen Herrscher und Figuren im Ränkespiel der großen Politik, sind sie dennoch vereint in ihrem Erleben des widersinnigen Krieges, den keiner will, aber ein jeder führen muss. Der Autor nimmt hier nicht nur kolonialen Dünkel sowie europäisches Herrendenken und Großspurigkeit aufs Korn, sondern zeigt gleichzeitig die grausamen Auswirkungen der so genannten zivilisierten Völker auf einen bis dahin unberührten Flecken der Erde. Einfach fantastisch, wie Capus mit wortwitziger und bildreicher Sprache den Leser von Beginn an zu packen vermag und ihn hundert Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Derart lebendig und realistisch erzählt, meint man bald die tropische Glut selbst zu spüren, das Donnern der Kanonen hören zu können. Hinzu kommen die wunderbaren Figuren, insbesondere der liebenswerte Aufschneider Spencer, die der Autor mit Humor, feinem Spott und Augenzwinkern gezeichnet hat, und die doch so nachvollziehbar und verständlich für den Leser bleiben. So lächelt man doch nie ganz, steckt hinter jedem Schmunzeln doch die Gewissheit, dass diese abstruse Geschichte wirkliche geschehen ist und ihre tödlichen Auswirkungen hatte. Insgesamt ist "Eine Frage der Zeit" ein herrliches Lesevergnügen nach einer wahren Begebenheit, das blendend unterhält und leise, aber eindringlich, gegen die Sinnlosigkeit des Kriegsführens appelliert. Ein literarisches Kleinod, das ein großes Lesepublikum verdient hat.

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  • Rezension zu "Eine Frage der Zeit" von Alex Capus

    Eine Frage der Zeit

    sabatayn76

    31. August 2011 um 18:23

    Der 'Zwang zur bösen Tat' Inhalt: Anton Rüter kämpft sich durch das überschwemmte Ostafrika. Er ist hungrig, erschöpft, verzweifelt und ohne große Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet. Vier Jahre zuvor hat er die 'Götzen' gebaut und sie nach der Schiffstaufe wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Vom norddeutschen Papenburg aus wurde das Schiff schließlich in 5000 Holzkisten nach Deutsch-Ostafrika gebracht. Rüter soll die 'Götzen' vor Ort - am Tanganikasee - wieder zusammenbauen. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und die Welt - und damit auch das Leben in den Kolonien - gerät aus den Fugen. Mein Eindruck: Alex Capus gelingt eine atmosphärische Beschreibung Deutsch-Ostafrikas zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 'Eine Frage der Zeit' hat mich somit von den ersten Seiten an ins koloniale Afrika versetzt und vermittelt einen lebendigen Eindruck der Situation in den (deutschen) Kolonien. Dabei ist Capus' Sprache einfach und deutlich weniger anspruchsvoll als beispielsweise Joseph Conrads 'Herz der Finsternis' (ein Buch, das ich sehr schätze). Die Charakterisierung der Protagonisten ist dennoch überzeugend, die Schilderungen wirken authentisch. Das erste und das letzte Drittel des Buches haben mir sehr gut gefallen, das mittlere Drittel wies meiner Meinung nach einige Längen auf, weshalb ich einen Stern abgezogen habe. Mein Resümee: Wer sich für Kolonialismus und Afrika interessiert und ein einfaches und leicht zugängliches Buch sucht, ist hier meiner Meinung nach genau richtig.

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  • Rezension zu "Eine Frage der Zeit" von Alex Capus

    Eine Frage der Zeit

    jala68

    05. June 2011 um 15:00

    Es war ein wenig anders, als die Bücher, die ich sonst so lese.
    Es hat mich jetzt nicht umgehauen, aber es war auch nicht schlecht.

  • Rezension zu "Eine Frage der Zeit" von Alex Capus

    Eine Frage der Zeit

    BertieWooster

    12. March 2011 um 19:03

    Nach Meinung von Willi II sollte ja die Welt am deutschen Wesen genesen. Da er auch ein bekennender Flottenfreund war, beschlossen die Preußen ihre Flotte in der deutschen Kolonie in Ostafrika zu verstärken. Deshalb wurde die Meyer-Werft in Papenburg mit dem Bau eines Dampfers beauftragt. Dieser Dampfer sollte jedoch nicht die Meere durchkreuzen, sondern im Herzen Afrikas auf dem Tanganijka-See schippern. So kam es, dass 1913 am Vorabend des 1. Weltkriegs drei Papenburger Werftarbeiter nach Kigoma geschickt wurden, um dort den Dampfer zusammenzunieten. Was zunächst nur ein Jahr dauern sollte, dauerte dann doch länger, da bekanntlich in 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach. Und so wurden die drei Handwerker unvermittelt in diesen Krieg hineingezogen. Vor diesem historischen Hintergrund schildert der Autor, wie die drei Werftarbeiter die Absurditäten des Krieges und des Kolonialismus erleben. Dies ist aber nur die eine Seite. Denn der Autor beleuchtet auch die andere Seite der Kriegsteilnehmer, indem er die Abenteuer eines etwas durchgeknallten englischen Marineoffiziers, einem tätowierten FKK-Anhänger, schildert, der versuchen soll, die deutschen Schiffe auf dem See zu vernichten. Mit diesem flüssig zu lesenden Buch gelingt es dem Autor die Sinnlosigkeit des Krieges und auch die Grausamkeit des Kolonialismus, in der die Überheblichkeit der Europäer und ihr Unverständnis für die Kultur Afrikas zum Vorschein kommt, klar zu machen.

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