Eine Frage der Zeit

von Alex Capus 
4,1 Sterne bei134 Bewertungen
Eine Frage der Zeit
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

graphidas avatar

Präzise Beschreibungen eines absurden Unterfangens in Zeiten des 1. Weltkrieges: lesenswert

leserins avatar

Gut geschrieben, mal ein anderes Thema

Alle 134 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Eine Frage der Zeit"

Der Longseller von Alex Capus jetzt bei dtv

Eine unglaubliche, doch wahre Geschichte: 1913 beauftragt Kaiser Wilhelm II. drei norddeutsche Werftarbeiter, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen, aber liebenswerten Oberstleutnant Spicer Simson, zwei Kanonenboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schleppen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen vor der pittoresken Kulisse des tropischen Sees. Alle sind sie Gefangene der Zeit, in der sie leben, und jeder hat seine eigene Art, damit fertig zu werden.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423146630
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:30.11.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 15.10.2007 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,1 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne47
  • 4 Sterne59
  • 3 Sterne22
  • 2 Sterne5
  • 1 Stern1
  • Sortieren:
    graphidas avatar
    graphidavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Präzise Beschreibungen eines absurden Unterfangens in Zeiten des 1. Weltkrieges: lesenswert
    Ein Dampfschiff in Einzelteilen auf dem Weg nach Afrika

    Alex Capus beschreibt in seinem Buch ‚Eine Frage der Zeit‘ die Reise dreier deutscher Werftarbeiter nach Zentralafrika.

    Verlagsinfo:

    Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst, lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse und der schönen Gouverneurin, geraten aber rasch in das gewalttätige Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt. 

    Die Schwierigkeiten dieses Unterfangen auszuführen werden gut beschrieben und es gelingt dem Autor die Personen, ihre Hintergründe und Eigenarten dem Leser näher zu bringen.

    Zur gleichen Zeit kommt auch Churchill auf die Idee, seine Machtansprüche geltend zu machen und so wird Spicer Simson mit zwei Kanonenbooten auf den Weg geschickt – über Land, quer durch das Land, durch den Dschungel und einen mehr als unwegsamen Landweg. Spicer Simon ist erfüllt von seiner Aufgabe und setzt das scheinbar unmögliche um. Endlich kann er seine Talente beweisen, endlich darf er sich aus der ständigen Unterforderung befreien.

    In Zeiten des ersten Weltkrieges stoßen deutsche Interesse auf Widerstand. Geschildert wird der Alltag der einzelnen Personen, ihr Versuch sich zu behaupten und sich in einer fremden Welt einzurichten.

    Deutsche und Briten befinden sich in einem ungewollten Konflikt, während die Einheimischen zwischen das Räderwerk geraten.

    Rüter, Wendt und Tellmann aus Papenburg werden dem Leser vertraut und  ihr Versuch den Massai mit Würde und Respekt zu begegnen scheitert oft genug am Machtgehabe am späteren Vorgesetzten, der glaubt, mit harter Hand durchgreifen zu müssen.

    Deutsche und Briten stehen sich am Tanganikasee in Zentralafrika schließlich als Feinde gegenüber, keiner will den Krieg, keiner will diese Auseinandersetzung, aber jeder wird ungewollt zu einem Teil im großen Machtspiel.

    Die unglaubliche, manchmal absurd anmutende Geschichte beruht auf tatsächlichen Begebenheiten und  gibt ein kurioses Kapitel deutsch-afrikanischer Kolonialgeschichte wieder.

    Mir hat das Buch gut gefallen, nicht zuletzt durch die  präzisen und detailgenauen Beobachtungen und die Landschaftsbeschreibungen, den kritischen Blick auf das Thema, der die Absurdität eines Konfliktes zwischen Parteien, die instrumentalisiert wurden, deutlich macht.

    Kommentare: 1
    3
    Teilen
    ErleseneBuechers avatar
    ErleseneBuechervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Es ist eine Geschichte voller genialer, absurder, einzigartiger Charaktere, die den Wahnsinn des Krieges miterleben.
    Nieten, Hirsebier & Paradieren

    Es ist schon seltsam. Ich hätte mir das Buch wohl nie von selbst gekauft oder wäre auf die Idee gekommen, es zu lesen, da der Klappentext sich zwar schon interessant anhört, mich aber nie richtig angesprochen hätte. Nun habe ich das Buch aber von meinem Vater geschenkt bekommen, der meinte, ich solle es mal lesen. Also verstaubte es erst einmal auf meinem SuB und wurde jetzt durch meine SuB-Leichen Challenge herausgekramt. Nun habe ich es gelesen und denke, dass ich wohl mal öfter auf meinen Vater hören sollte. Allerdings ist mein SuB ja immer noch sooo hoch.

    Das Buch spielt zur Zeit des Ersten Weltkrieges vor allem in Afrika, aber auch in London. Es geht um drei deutsche Schiffsbauer, die ein Schiff in Kleinteilen nach Afrika begleiten und dort wieder zusammen setzen. Währenddessen erfährt man einiges über die damalige Zeit und die Kolonialisierung. Ihr Gegenspieler ist auf englischer Seite der exzentrische Commander Spicer Simson, welcher auf seinen Einsatz für den Krieg wartet. Dieser bringt in einer Mammutaufgabe zwei Dampfer nach Afrika und kämpft auf dem Tanganikasee gegen die deutsche Marine.

    Es ist eine Geschichte voller genialer, absurder, einzigartiger Charaktere, die den Wahnsinn des Krieges – vor allem an diesen meilenweit entfernten Ort ist der Krieg umso abstruser – miterleben. Die Protagonisten sind wunderbar ausgearbeitet und voller seltsamer, liebenswerter und bildlich vorstellbarer Eigenarten.

    Sehr interessant war, dass die Geschichte einen historisch wahren Hintergrund hat, und man auf YouTube einige Dokumentationen dazu finden, die ich mir nebenbei angesehen habe. Das hat das ganze noch phänomenaler gemacht.

    Etwas ernüchternd fand ich das Ende, vor allem da einige Gegebenheiten und Entstehung von Freundschaften plötzlich gar nicht mehr nachvollziehbar dargestellt wurden und ich es dann sehr abrupt fand.

    Bewertung: 4 von 5 Punkten

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Historischer Roman und Abenteuergeschichte und im Mittelpunkt steht ein Dampfer, die Götzen.
    Das Schicksal der Götzen

    Nachdem ich den Roman León und Louise 2011 sehr gerne gelesen hatte, habe ich mich damals auf die Suche nach weiteren Büchern des Schweizers Alex Capus begeben und bin dabei auf das erstmals 2007 erschienene Eine Frage der Zeit gestoßen, aber diese Geschichte um den Export eines Dampfschiffs aus dem deutschen Kaiserreich nach Tansania schien mir damals nicht attraktiv. Nun, nachdem ich vor kurzem bei einem Besuch der Meyerwerft in Papenburg erneut auf die Geschichte dieses Schiffes stieß, habe ich meine Meinung geändert und dies nicht bereut, auch wenn ich aus der Begeisterung meines Mannes für das Buch schließe, dass der Roman noch mehr ein Männerbuch ist.

    Die Geschichte des Dampfers Götzen klingt mehr als unglaublich. Am 20. November 1913 wurde er auf der Meyerwerft in Papenburg getauft, doch anstatt vom Stapel zu laufen, wurde das Schiff wieder zerlegt, in 5000 Kisten verpackt und auf abenteuerlichen Wegen per Schiff und Eisenbahn nach Deutsch-Ostafrika, heute Tansania, an den Tanganikasee transportiert, wo es den deutschen Machtanspruch in Afrika festigen und als Fähr- und Transportschiff eingesetzt werden sollte. Drei Werftangestellte begleiteten die ungewöhnliche Fracht: der Schiffsbaumeister Anton Rüter und zwei Gehilfen, deren Motivation allerdings nicht Abenteuerlust, sondern die Aussicht auf einen lukrativen Lohn war.

    Noch während die Götzen auf der eigens zu diesem Zweck errichteten Werft in Kigome unter widrigsten Bedingungen erneut erstand, brach der Erste Weltkrieg aus, und die Belgier und Briten, mit denen man vorher friedlich zusammenlebte, wurden zu Feinden. Nun brauchte man kein Fähr- und Transportschiff mehr, sondern ein Kriegsschiff.

    Auch die Briten strebten die Herrschaft über den Tanganikasee an, deshalb wurde in London der überaus schrullige Commander Geoffrey Spicer Simson von der Royal Navy damit beauftragt, ebenfalls zwei Schiffe nach Zentralafrika zu transportieren, diesmal für eine Seeschlacht.

    Eine Frage der Zeit ist zugleich historischer Roman und Abenteuergeschichte. Er basiert auf historischen Tatsachen und führt gekonnt die Absurdität nicht nur des Krieges, in dem die "Seehoheit" über den Tanganikasee plötzlich strategisch bedeutend sein sollte, sondern auch die Absurdität der Kolonialpolitik  vor Augen. Gerade letzteres hat mir gut gefallen, denn Rüters Skrupel und seine Empfindung, sich allein durch seine Anwesenheit bereits mitschuldig zu machen, sind eindrucksvoll geschildert.

    Kommentare: 1
    103
    Teilen
    engineerwifes avatar
    engineerwifevor 2 Jahren
    Die wahnwitzigen Entscheidungen der Machtträger ...

    Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich den Inhalt quasi riechen, schmecken und hören lies. Alex Capus beschreibt seine Figuren sowie Land und Leute um sie herum so bildhaft und facettenreich, dass man meinen könnte, direkt neben ihnen zu stehen. Die afrikanische Hitze, die beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt aber auch die Gefahr von Krankheiten bedingt durch Insekten- und Schlangenbisse meint man als Leser direkt zu spüren.

    Gleichzeitig bringt er uns Herr Capus die Geschichte um das Dampfschiff Goetzen nahe, die auf wahren Tatsachen beruht und dem Leser bewusst macht, wie viele unsinnige Dinge doch während des ersten Weltkriegs veranstaltet wurden. Im fernen Afrika beschießen sich Engländer und Deutsche ohne wirklich zu verstehen warum. Das Kaiserreich Deutschland und das Königsreich England sind in weiter Ferne, die Beschlüsse der Herrscher können schwer nachvollzogen werden. Sicher trifft diese Tatsache auf alle Kriege zu. Entschieden werden sie von ganz oben, ausführendes Element ist der kleine Mann.

    Mich hat das Buch sehr beeindruckt. Dennoch gibt es einen kleinen Abzug für die Tatsache, dass es dem Autor meiner Meinung nach oft nicht gelungen ist, etwas Wärme und tiefere Gefühle rüber zu bringen. Er schreibt teilweise etwas trocken. Wenn ich den Schreibstil beschreiben müsste, würde ich sagen, hier schrieb ein männlicher Autor für ein eher männliches Publikum.

    Kommentieren0
    32
    Teilen
    lesemauss avatar
    lesemausvor 3 Jahren
    Eine Frage der Zeit

    In Papenburg entsteht das Schiff „Götzen“. Aber es ist kein gewöhnliches Schiff, denn nur Schrauben halten die Einzelteile zusammen. Damit der Transport nach Afrika zum Tanganikasse funktioniert, muss das Schiff in Kisten passen. Drei Werftarbeiter gehen mit, um am Tanganikasee das Schiff wieder zusammenzusetzen und zu vernieten. Alle Drei erleben ein exotisches, heißes Afrika. Bis der 1. Weltkrieg kommt…

    In der Zeit, wo das Buch veröffentlicht wurde, hatte ich reingelesen und weggelegt. Grund dafür, dass ich zu dieser Zeit mit der Sprache von Capus nicht klar kam. So machte in Anfang des Jahres nochmal den Versuch und war begeistert.

    Die Sprache ist klasse, leicht dichterisch und voller Neuheiten. Besonders haben mir die Dialog von Rüter und Herr von Zimmer zugesagt, da musst ich immer lachen. Und beim Engländer Spicer Simson musste ich immer den Kopf schütteln, so dämlich wie er sich immer angestellt hat *grins*. 

    Ich kann mit heutiger Sicht das Buch herzlich empfehlen.

    Kommentieren0
    18
    Teilen
    buchjunkies avatar
    buchjunkievor 3 Jahren
    Drei Werftarbeiter in Afrika

    Drei Männer transportieren 1913  für Kaiser Wilhelm das Dampfschiff „Götzen“ in Einzelteilen nach Afrika, um es am Tanganikasee zusammenzubauen.
    Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst und lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse. Doch rasch geraten sie in das Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt.
    Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen, aber durchaus liebenswerten Oberleutnant Spicer Simson, zwei Kanonenboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schleppen.
    Als der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen.
    Alle sind sie Gefangene der Zeit, in der sie leben. Und jeder hat seine eigene Art, damit fertig zu werden.


    Ruhig und beschaulich schreitet diese Geschichte voran, ohne dabei langweilig zu sein.
    Sie kommt auch ohne übermäßige Spannung aus und ist sehr unterhaltsam.
    Sie besticht durch eine wunderbare ,fast poetische Sprache und glänzende Dialoge. Alex Capus lässt mit seiner Ausdrucksweise die Bilder dieses Romanes entstehen.
    Sogar ich, die von Schiffsbau gar keine Ahnung hat, sah die „Götzen“ dann vor meinem geistigen Auge , und ich konnte die auftretenden Probleme der Werftarbeiter verstehen.

    Auch die Protagonisten werden vorstellbar dargestellt. Sehr gemocht habe ich Spicer Simson, dessen großer Traum es ist, als Marinesoldat eine heroische, in die Weltgeschichte eingehende Tat zu vollbringen.

    Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil Alex Capus bald eine Lesung bei uns in der Nähe gibt und ich bisher nur „Lèon und Louise“ kannte.
    Mir gefällt seine Art zu schreiben sehr gut und ich freue mich schon auf die Lesung, die auch meine erste sein wird!



    Kommentare: 5
    49
    Teilen
    reader2s avatar
    reader2vor 5 Jahren
    zäh flüssig

    irgendwie packt mich dieses Buch nicht - die Geschichte aus dem historischen Gesichtspunkt scheint mir sehr spannend zu sein - doch irgendwie kommt keine Spannung auf - lediglich ein dahin geklimper -
    Muss es weg legen - vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder......

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Günter-ChristianMöllers avatar
    Günter-ChristianMöllervor 5 Jahren
    Eine Frage der Zeit

    Drei Werftarbeiter aus Norddeutschland sollen bei Beginn des ersten Weltkrieg ihren Beitrag für den Endsieg des deutschen Reiches am Tanganjikasee liefern.
    Wunderbare Darstellung des deutschen Kommandeus, der aus seiner biblisch anmutenden Dienstvorschrift einige eherne Parolen zaubert und damit die zunächst unwilligen Zivilisten in seine Durchhalteparolen einspinnt. Und ebenso rücksichtslos den passiven Widerstand der unwilligen Einheimischen bricht.
    Noch besser dargestellt, dass am Schluss davon nicht einmal mehr ein stetiger Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung übrigbleibt, sondern nur noch der tierische Überlebenswille nicht zu verhungern.


    Kommentare: 1
    25
    Teilen
    D
    doktormabusevor 5 Jahren
    ungenaue Recherchen

    Ganz nett geschrieben, aber eben nur das: nett. Nicht packend, recht seichte Geschichte, in der zuviel Füllmaterial einen spannenden Erzählverlauf verhindert. Dazu eine ganze Menge historischer und ethnologischer Unkorrektheiten, die nerven. Von 'Wehrmacht' und 'Luftwaffe' konnte 1914 noch keine Rede sein. 'Kapitänleutnant' von Zimmer war Korvettenkapitän (diesen kleinen Lapsus ließe ich durchgehen). Papenburg gehörte zu Preußen, Provinz Hannover, nicht 'Niedersachsen', das es damals noch gar nicht gab. Die Maasai sind keine Jäger. Um nur einiges zu nennen.

    Immerhin ist das verwendete Swahili korrekt.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    L
    Lesemanievor 5 Jahren
    Schön!

    Alex Capus beginnt sein Buch mit dem Ende der Geschichte: „blind und irr vor Erschöpfung“ begegnet uns hier Anton Rüter. Da liegt schon eine ganze Menge hinter ihm, und nach wenigen Seiten tritt Capus einen Schritt zurück und beginnt am Anfang: Im November 1913 erhalten drei Angestellte der Meyer Werft in Papenburg einen Auftrag. Sie sollen die Götzen, ein imposantes Dampfschiff, im Auftrag des Reichskolonialamtes auseinanderbauen, es nach Deutsch-Ostafrika bringen, und es dort am Tanganikasee wieder zusammenbauen. Der Schiffbaumeister Rüter, der Handwerksbursche Hermann Wendt, und Nieter Rudolf Tellmann, nehmen den Auftrag an und machen sich auf den Weg.

    Während die drei Untertanen des deutschen Kaisers auf dem Weg nach Afrika sind, stellt Capus uns kurz eine weitere Person vor, die für den Verlauf der Geschichte von großer Wichtigkeit ist: Leutnant Geoffrey Spicer Simson, der im Auftrag der britischen Marine auf einem heruntergekommenen kleinen Dampfboot (oder auch Dampfbötchen), den Gambia-Fluss hinauf- und hinabfährt, um die Gegend zu kartographieren. Simson ist „Fachmann auf allen Gebieten und stets gern bereit, auch ausgewiesene Experten an seinem Wissen teilhaben zu lassen.“

    Später wird es so sein, dass Simson ebenfalls einen Auftrag erhält: er soll sich auf den Weg nach Deutsch-Ostafrika machen, und dort ein Dampfschiff mit einer Dreipfund-Kanone versenken. Schließlich steht der erste Weltkrieg vor der Tür.
    Bevor es so weit kommt, begleiten wir die drei Papenburger Werftarbeiter auf ihrem Weg nach Afrika. Mit ihnen erleben und bestaunen wir dieses andere Leben und betrachten, wie sie alle ein kleines bisschen der Frau des deutschen Gouverneurs vor Ort verfallen, und sich an ihr neues Leben gewöhnen. Als dann tatsächlich Krieg ausbricht, der auch hier, soweit abseits von Europa, zu spüren ist, muss plötzlich jeder selbst sehen, wie er mit der ungewohnten Situation fertig wird.

    Der Stoff, den Capus hier behandelt, könnte schwer im Magen liegen. Doch erzählt er die Geschichten der Menschen in diesem Buch ganz leicht und unbeschwert, sodass das Buch ein Vergnügen ist. Ein Buch voller Menschen, von denen jeder für sich das Herz des Lesers ein bisschen erobert. 


    Diese Rezension wurde auch auf lesemanie.com veröffentlicht.

    Kommentieren0
    3
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks