Léon und Louise

von Alex Capus 
4,1 Sterne bei529 Bewertungen
Léon und Louise
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (421):
bernauerins avatar

französisches ambiente und charaktere sind sehr differenziert erfasst. oft wird mit einer prise humor geschrieben, der nie albern wirkt.

Kritisch (25):
R

War ein schönes Buch aber zeitweise etwas langweilig zum lesen. Alles in allem aber gut.

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Inhaltsangabe zu "Léon und Louise"

Der Bestseller jetzt im Großdruck

Zwei junge Menschen verlieben sich, aber der Krieg reißt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste – dann trennt sie ein Fliegerangriff. Lange halten sie einander für tot. Bis sie sich 1928 in der Pariser Métro zufällig wiederbegegnen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423253635
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:24.07.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 14.02.2011 bei Der Hörverlag erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Fortis avatar
    Fortivor 6 Monaten
    Absolute Leseempfehlung!

     Das Buch hat mich positiv überrascht. Es ist eine intelligente, ungewöhnliche, keinesfalls kitschige Liebesgeschichte, die auch das Leben in Frankreich während der Weltkriege thematisiert. Die Geschichte ist anscheinend von der Familiengeschichte des Autors, der in der Schweiz lebt und auf Deutsch schreibt, geprägt. Auch sprachlich besonders, gut lesbar, irgendwie französisch (deshalb wohl auch meine Überraschung, dass der Autor garnicht auf französisch schreibt). 

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Endlich mal wieder eine tolle Liebesgeschichte ohne Kitsch, super!
    Léon und Louise

    Mein erstes Buch von Alex Capus hat mich direkt dazu ermuntert nicht nur das andere, was noch in meinem Real wartet zu lesen, sondern auf jeden Fall auch noch mehr dieses Autors zu verschlingen. Endlich mal wieder eine tolle Liebesgeschichte ohne Kitsch, wobei natürlich allein die beiden Namen schon eher kitschig sind...
    Léon hat eigentlich keine Lust mehr auf Schule und will lieber etwas richtiges machen. Und so landet er in Saint-Luc-sur-Marne, wo er als Morser auf einem Bahnhof arbeiten soll. Und genau dort trifft er auf Louise. Sie lässt ihn zappeln, behandelt ihn von oben herab und ist frech, selbstbewusst und hat ein quietschendes Rad ohne Klingel. Für Léon ist sie einfach "sensationell".Sie verbringen einen schönen Ausflug zum Meer, doch da es 1918 ist und die beiden ein Bombenangriff unvorbereitet trifft, verlieren sie sich für Jahre aus den Augen. Sie treffen sich zufällig in Paris wieder und spätestens ab da wissen beide, dass sie zueinander gehören und das, obwohl Léon längst verheiratet ist und mehrere Kinder hat.
    Da ich französischen Geschichten generell sehr zugetan bin, haben mich die vielen Ortschaften, französischen Namen und die Liebe im Allgemeinen in diesem Buch sofort für sich eingenommen. Und doch ist das nicht alles. Eine schöne Geschichte, aber auch der Kriegshintergrund ist sehr realistisch dargestellt. Beide Figuren gefielen mir sofort und auch die Art und Weise wie einer von Léons Söhnen diese Geschichte erzählt. Mitten im Leben des Vaters tritt der Erzähler gänzlich in den Hintergrund und es liest sich wie eine Geschichte im hier und jetzt. Ich glaube jeder kann von so einer schönen, überdauernden Liebe nur träumen und wer französische Autoren und/oder Geschichten mag, dem wird auch diese sehr gut gefallen. Vive la France!

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    wortkulisses avatar
    wortkulissevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Hat mich nicht ganz so sehr von den Socken gehauen, wie ich erwartet hatte, hat mir beim Lesen aber dennoch sehr viel Freude bereitet.
    Léon und Louise - Alex Capus

    „Léon und Louise“ ist nach „Das Leben ist gut“ das zweite Buch, das ich von dem Schweizer Schriftsteller Alex Capus gelesen habe. Wie ich letzte Woche hier bereits schrieb, bin ich kein großer Liebesroman-Leser. „Léon und Louise“ habe ich dennoch sehr gemocht, nicht nur wegen der bezaubernden Louise, sondern auch aufgrund der Einbettung der Liebesbeziehung in die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

    Léon ist 17 Jahre alt, als er 1918 von Zuhause auszieht und in Saint-Luc-sur-Marne eine Stelle als Morseassistent annimmt. Dort trifft er zum ersten Mal auf Louise, eine junge Frau in gepunkteter Bluse, die ihn mit ihrem quietschenden Fahrrad überholt. Auch wenn sich Louise vorerst den Avancen Léons entzieht, stimmt sie schließlich einem Wochenendausflug ans Meer zu. Viel Zeit ist ihnen jedoch nicht vergönnt: Als sie sich gemeinsam auf den Rückweg machen, geraten sie in einen Bombenangriff. Léon wird schwer verletzt gefunden, aber Louise ist spurlos verschwunden. Jeder glaubt, dass sie bei dem Angriff gestorben ist. Bis Léon und Louise zehn Jahre später in der Pariser Métro erneut aufeinander treffen.

    „DICH KENNE ICH“, SAGTE SIE, „ABER WOHER?“ IHRE STIMME WAR NOCH BEZAUBERNDER, ALS LÉON SIE IN ERINNERUNG GEHABT HATTE. „VON DER LANDSTRASSE“, SAGTE ER. „SIE HABEN MICH AUF DEM FAHRRAD ÜBERHOLT. ZWEIMAL.“ – S 44
    Alex Capus hat eine wunderbare Art seine Geschichten zu erzählen und Figuren zum Leben zu erwecken. So einige Textstellen sprühen förmlich vor Humor, ohne die Geschichte albern wirken zu lassen. Das macht das Lesen seiner Bücher zu einem angenehmen Erlebnis. Gefallen hat mir außerdem, dass der Romans in Frankreich spielt und ich als Leserin insbesondere den zweiten Weltkrieg von einer neuen Perspektive aus betrachten konnte. Das Besondere an der Liebesgeschichte zwischen Léon und Louise ist deren Einbettung in die Zeit des ersten und zweiten Weltkrieges. So unterschiedlich wie Léon und Louise sind, ist auch deren Umgang mit dem zweiten Weltkrieg. Während Léon gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern in Paris bleibt und weiterhin seiner Arbeit nachgeht, verlässt Louise Frankreich und kehrt erst nach der Zurückeroberung Paris‘ durch die Forces Françaises Libres zurück. Während der Zeit ihres durch die Arbeit bedingten Exils erfahren die Leser nur durch gelegentliche Briefe an Léon, was in ihrem Leben passiert.

    ERST JETZT, DA EIN PAAR TAUSEND KILOMETER DISTANZ UNS VOR HEIMLICHKEITEN, LÜGEN UND NIEDERTRACHT BEWAHREN UND WIR EINANDER MIT GROSSER SICHERHEIT LANGE ZEIT NICHT MEHR SEHEN WERDEN, ERST JETZT FÜHLE ICH MICH DIR WIEDER GANZ NAH. – S. 190

    Louise ist eine außergewöhnliche Frau: Sie ist selbstbewusst, realistisch, schlagfertig und emanzipiert. Sie ist diejenige, die in meinen Augen die Liebesgeschichte zu etwas Besonderem macht, denn sie ermöglicht, dass sich beide Partner auf Augenhöhe begegnen. Neckereien und kleine Spötteleien frischen die Beziehung der beiden auf. So sehr wie ich Louise geliebt habe, so fern blieb mir Léon als Charakter. Er ist besonders als erwachsener Mann recht farblos. Dadurch wird die Geschichte, wenn Louise nicht mehr in Paris ist und der Fokus fast ausschließlich auf Léon liegt langatmiger. In diesem Teil des Romans wird vor allem der Umgang Léons mit dem nationalsozialistischen Regime in Paris dargestellt. Er ist zwar kein großer Aufwiegler, verweigert seine Arbeit nicht und verlässt nicht das Land, aber er sabotiert seine Arbeit durch Unsauberkeiten. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt und die schon bald einsetzenden subtilen Drohungen des Vorgesetzten zeigen, wie schwer es gewesen sein muss, sich in dieser Zeit gegen die Nationalsozialisten aufzulehnen.
    Merkwürdig fand ich unterdessen Yvonne, die Frau Léons. Sie ist ein farbloser Charakter, der zu wenig Tiefe besitzt. Sie war in meinen Augen hauptsächlich ein Mittel zum Zweck, der Sündenbock, um begründen zu können, warum es okay ist, wenn Léon nicht treu ist. Das finde ich sehr schade, denn gerade eine authentischere Spannung in der Ehe hätte den Roman noch besser gemacht.

    „Léon und Louise“ ist ein süßer und gleichzeitig tiefgründiger Roman, in dem Alex Capus ohne Kitsch, dafür aber mit einer guten Prise Humor die Liebesgeschichte zweier Menschen erzählt. Die Einbettung dieser in den Hintergrund des ersten und zweiten Weltkrieges und Louise machen die Geschichte zu etwas Besonderem. Der Roman hat mich nicht ganz so sehr von den Socken gehauen, wie ich es erwartet hatte, hat mir beim Lesen aber dennoch sehr viel Freude bereitet.


    Weitere Rezensionen von mir findest du auf Wortkulisse.net

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    Maeusekinds avatar
    Maeusekindvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderbares Buch über eine nie vergessene Liebe!
    Alte Liebe rostet nie


    Bei "Léon und Louise" handelt es sich nicht nur um Kriegsliteratur, sondern auch davon, die große Liebe des Lebens zu finden, sie wieder zu verlieren und in dem Bewusstsein zu leben, nebeneinander her zu existieren. Klingt total nach Klischee und Schnulze? Ist es grundsätzlich auch. Das Buch redet auch gar nicht groß um den heißen Brei herum, sondern macht von vorn herein deutlich, dass es eine Liebesgeschichte nach allen Möglichkeiten der Kunst werden wird.
    Dabei ist es gar nicht so klischeehaft wie vermutet, denn es wird nicht großartig rumgeschmachet, wie man es von klassischen Schnulzen kennt, vielmehr wird die Liebe (insofern das überhaupt möglich ist) relativ rational betrachtet und melodramatische Textabschnitte keck unterbrochen. Obwohl das Buch eine Zeitspanne von über 30 jahren behandelt und die Charakteristika des 20. Jahrhunderts sehr gut einfängt, wird der Leser von keiner Informationsflut erschlagen und kommt schnell im Lesen voran. Hauptthema bleibt immer noch die nie versiegende Liebe zwischen Léon und Louise; die Kriege und deren Umstände bilden lediglich die Rahmenbedingungen, die die Geschichte abrunden. 
    Gegen den normkonformen und stillen Léon wirkt die freche Louise, die ständig mit ihren eigenen Vorsätzen bricht wie eine frische Brise, die buchstäblich Schwung in die Bude bringt. Léon ist dagegen ein sehr ernsthafter Charakter, der seine Versprechen ernst nimmt und seine Aufgabe im Leben kennt. Erzählt wird die Geschichte von Léons Urenkel, der nach der Beerdigung seines Großvaters, bei der Louise plötzlich erscheint, die Notwendigkeit sieht, von der großen Liebe seines Urgroßvaters zu erzählen.
    Die Handung ist nicht sonderlich spannend und die geschichtlichen Rahmenbedingen plätschern im Hintergrund eigentlich nur so vor sich hin. Trotzdem oder gerade deswegen muss ich sagen, dass die Geschichte einfach nur schön ist. Aufgrund dieser "Unaufgeregtheit" strahlt die Geschcihte eine entspannende Ruhe aus. Man kann die Ereignisse nicht ändern, das Leben der Protagonisten ist gelebt und wird uns Lesern nach dessen Ableben weitergegeben. Die Geschichte steht und wirkt für sich und der Leser kann sie so lesen und verstehen, wie er sie zu lesen und zu verstehen gedenkt. 


    Nicht umsonst für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert, erzählt dieses Buch still und leise die wunderschöne Geschichte von der Macht einer nie versiegenden Liebe, die Jahrzente und Kriege überdauert und am Ende doch gewinnt. Wohl möglich ging es so wie Léon und Louise tausenden von Menschen und ist gerade aus diesem Grund so berührend und realistisch.

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    Argentumverdevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine wunderbare Geschichte die sich beschwingt hinwegliest
    Mehr als nur eine Liebsgeschichte

    Der Leser begleitet Leon durch sein gesamtes Leben. Den jungen Leon in der beginnenden Kriegszeit lernt er als Träumer kennen der unbekümmert in den Tag lebt. Er begleitet ihn auf seinem recht ungewöhnlichen Werdegang und lernt mit ihm gemeinsam Louise kennen. Den erwachsenen Mann begleitet er durch Paris während der Hauptkriegsjahre und begegnet mit ihm zusammen eben jener Louise wieder, die ihn als Jugendlichen so gefesselt hat. Die Geschichte wird leicht und beschwingt erzählt, trotz vieler widriger Umstände in ihren Leben, sind beide Protagonisten immer wieder positiv und lebensfroh. Capus gelingt eine Leichtigkeit in seinem Schreibstil, die den Leser gar nicht merken lässt wie die Zeit beim Lesen verrinnt. Verpackt in einer Liebesgeschichte über zwei ganze Menschenleben erzählt der Autor gleichzeitig von Frankreich in den Jahren des 2ten Weltkrieges und gibt ein starkes Bild von Menschen wieder, die sich mutig und intelligent ihren Weg suchen. Ein absolut lesenswertes Buch, das viel mehr ist als nur eine einfache Liebesgeschichte, es ist eine ganze Liebeserklärung an das Leben und auch an die Menschen selbst.

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    Rumbuddels avatar
    Rumbuddelvor 3 Jahren
    leicht zu lesende Kost mit hohem Nährwert

    Capus hat einen Stil, den ich als beschwingt bezeichnen möchte. Man kommt mühelos vorwärts, trotzdem darf man sehr gehaltvolle Sätze genießen, die unverkrampft dargeboten werden. Als Liebesgeschichte wahrscheinlich tatsächlich ungewöhnlich, aber man muß es gar nicht als Liebesgeschichte lesen, sondern hat die Freiheit, sich was auszusuchen. Bislang kannte ich Capus eher als Übersetzer von "Die Verschwörung der Idioten", den Schriftsteller möchte ich gerne noch näher kennenlernen.

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    Aoibheanns avatar
    Aoibheannvor 3 Jahren
    Alex Capus - Léon und Louise

    "Léon und Louise" ist mein erstes Buch dieses Autors und da ich nahezu nur Positives dazu gehört habe, war ich natürlich sehr gespannt darauf.
    Jeder, der es bereits gelesen hatte, schwärmte mir von dieser Liebesgeschichte vor. Da wurde es nun aber wirklich Zeit das Buch aus dem SUB zu fischen!

    Es wurde den Lobeshymnen teilweise gerecht aus meiner Sicht. Sprachlich und vom Schreibstil gesehen fand ich es einfach wunderbar. Alex Capus hat eine tolle Art (s)eine Geschichte zu erzählen. Und auch während der ersten Kapitel war ich ganz verliebt in das Buch. Die Art, wie beide sich einander annähern, wie sie sich mit Wortgeplänkeln necken und ihre Gegensätzlichkeiten mit kleinen Spötteleien akzeptieren hat mir sehr gut gefallen.

    Lediglich ab dem Punkt des Wiedersehens nach über 10 Jahren hatte ich dann teilweise den Eindruck, ein anderes Buch zu lesen. Die jeweiligen Zeitsprünge haben mich nicht weiter gestört, aber der erwachsene Lèon, der Mann, zu dem er geworden war - der blieb mir immer distanziert, leider auch sehr farblos. Von Louise erfährt man außer in ihren Briefen so gut wie nichts. Gut, ich weiß, dass dies der Kern der unerreichbaren Liebe zwischen den beiden ist. Dennoch war mir Sprung zwischen beiden als Jugendliche und dann als Erwachsene einfach zu weit.

    "Léon und Louise" konnte mich zwar nicht so aus den Socken hauen, wie mir prophezeit wurde, es hinterlässt aber einen insgesamt sehr positiven Eindruck bei mir und hat mir eine wirklich schöne Lesezeit beschert.

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    Janine2610s avatar
    Janine2610vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Es erzählt die Geschichte einer Liebe, zwischen zwei Menschen, die sich einander näher fühlen, je weiter sie voneinander entfernt sind.
    Eine ganz und gar ungewöhnliche Liebe

    Worum geht's?

    Eine erheiternde erste Begegnung zwischen Léon Le Gall und Louise Janvier findet während dem ersten Weltkrieg statt. Es ist Louise, die Frau mit der gepunkteten Bluse auf dem quietschenden Fahrrad, die Léon seit ihrer ersten Begegnung nicht mehr aus dem Kopf geht. Und obwohl Louise erst nicht auf Léons Bitten, sich mit ihm zu treffen, eingeht, entschließt sie sich schlussendlich doch kurzerhand dazu, ihn auf einem Wochenendausflug mit dem Fahrrad zu begleiten. 24 Stunden, in denen sie sich endlich ein wenig näher kommen, sind ihnen dabei vergönnt, dann reißt sie ein Bombenangriff jäh auseinander.
    Beide in dem Glauben, der jeweils andere wäre tot, treffen sie erst ganze zehn Jahre später in der Pariser Métro zufällig wieder aufeinander ...

    Meine Meinung:

    Das Problem dabei ist, dass der gute Léon zehn Jahre später, also 1928, mit Yvonne verheiratet und zusätzlich bereits Vater ist. Und da Léon viel zu loyal und pflichtbewusst ist, käme es für ihn auch gar nicht in Frage, seine Frau für Louise zu verlassen.
    Überraschenderweise ist Louise genau derselben Ansicht, was ich erst gar nicht erwartet habe, da ich sie als laute, selbstbewusste und vor allem emanzipierte, wie der Schnabel gewachsen redende Frau kennengelernt habe, die klare Vorstellungen von ihrem Leben hat.

    ~ Für Léon, der sich schon lange daran gewöhnt hatte, zwei Frauen zu haben – eine an seiner Seite und eine im Kopf -, änderte sich damit nicht viel. ~
    (S. 229)

    Ja, für Léon ändert sich nicht viel, als er Louise wiedertrifft, denn für ihn ist klar: er wird seine Frau Yvonne und die Kinder nicht verlassen. So ein Mann ist er nicht. Dennoch denkt er ständig an Louise, was ich ihm auch gar nicht verdenken kann, schließlich war er jahrelang der Ansicht, sie sei 1918 ums Leben gekommen.

    Auch Louise akzeptiert Léons Entscheidung, sie geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt, sie sollen sich gar nicht mehr treffen. Es hat all die Jahre funktioniert, also wird es auch weiterhin funktionieren. Eine Begründung für Louises Denken gab es keine, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es für sie nur schmerzhaft gewesen wäre, weiterhin mit Léon zusammen zu sein, in dem Wissen, dass er seiner Frau versprochen hat, sie und die Kinder niemals zu verlassen.

    ~ »Ob ich auch Dich vergessen habe? Na, ein wenig schon - es hat ja keinen Sinn, sich hier Tag für Tag vor Sehnsucht zu verzehren. Und doch habe ich Dich, daran ändert sich nichts, immer bei mir.« ~
    (S. 276)

    Eine Liebe, wie sie Léon und Louise ein Leben lang verbindet, und das, obwohl sie mehr oder weniger ein fast vollständig getrenntes Dasein führen, ist meiner Ansicht nach sehr ungewöhnlich und kommt auf dieser Welt wahrscheinlich nicht häufig vor. Vor allem muss man bedenken, dass sie vor ihrer Trennung bei dem Bombenangriff gerade mal, wenn überhaupt, 24 Stunden miteinander verbracht haben. Aber in dieser Zeit dürfte irgendetwas entwachsen sein, was beide für immer aneinander gebunden hat: eine tiefe, prägende Liebe, die nie nachgelassen hat. Ich würde sogar so weit gehen und die beiden als seelenverwandt beschreiben, anders kann ich mir dieses lebenslange Aneinanderfesthalten sonst gar nicht erklären.

    So wundervoll, aber gleichzeitig ebenso bedauernswert ich diese außergewöhnliche Liebe auch empfunden habe, genauso sehr hat mir der Schreibstil Alex Capus’ zugesagt. Zwar kamen in der Geschichte kaum direkte Reden vor, was ich ein wenig vermisst habe, aber dafür hatte diese Erzählung etwas Lockeres und Leichtes an sich, das mich wunderbar an das Buch fesseln konnte. Auch den ganz eigenen Humor des Autors fand ich erfrischend und hat absolut meinen Geschmack getroffen. Hier versucht Léon zum Beispiel die wechselnden Stimmungen seiner Frau Yvonne ganz nüchtern, aber auch amüsant treffend, zu beschreiben:

    ~ Er war zu einem Mann von einiger Lebenserfahrung herangewachsen, und nach fünf Jahren Ehe war ihm bekannt, dass die Seele einer Frau auf geheimnisvolle Weise in Verbindung steht mit den Wanderungen der Gestirne, dem Wechselspiel der Gezeiten und den Zyklen ihres weiblichen Körpers, möglicherweise auch mit unterirdischen Vulkanströmen, den Flugbahnen der Zugvögel und dem Fahrplan der französischen Staatsbahnen, eventuell sogar mit den Förderquoten auf den Ölfeldern von Baku, den Herzfrequenzen der Kolibris am Amazonas und den Gesängen der Pottwale unter dem Packeis der Antarktis. ~
    (S. 99)

    Die ganze Geschichte von Léon und Louise startet auf einer Beerdigung, auf der ein Haufen Le Gall - Familienmitglieder anwesend sind: Kinder, Enkel und Urenkel. Man hat also schon die Vermutung, dass Léon es ist, um den hier getrauert wird. Hinzu kommt, dass das Buch von einem von Léons Enkeln erzählt wird.
    Aber nicht nur die Familie ist anwesend, auch eine alte Frau sitzt in den Reihen, über die munter getuschelt wird. Es ist Louise. Und genau an dieser Stelle startet für uns Leser eine der außergewöhnlichsten Liebesgeschichten zwischen zwei Menschen, die sich einander näher fühlen, je weiter sie voneinander entfernt sind …

    Kommentare: 1
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    taigalas avatar
    taigalavor 3 Jahren
    Das Wandeln um die Liebe

    Zwei Menschen, verlieben sich. Fertig? Nein.
    So richtig klappt es nicht und so richtig wollen es beide erst nicht und können dann im späteren Verlauf. Sie finden immer wieder zueinander und wir verfolgen sie auf ihrem Lebensweg.
    Das Leben mit einem anderen Partner als dem Traumpartner? Wie geht das?
    Wir erfahren es hir und beschreiten mit dem Autor die verschiedenen Wege des 'Was wäre wenn'?
    Capus Schreibweise gefällt mir sehr gut!

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    Ulenfluchts avatar
    Ulenfluchtvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ideenreiche Skizze zweier Leben
    Geschichte eines Jahrhunderts

    Was ein Krieg mit Menschen macht, vermag man sich dank zahlreicher Erzählungen und geschulter Vorstellungskraft ausmalen können. Aber was zwei Kriege mit Menschen machen, liegt einem doch ziemlich fern. Es ist aber genau die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zwei Weltkriege, die Menschen mitten aus der Moderne, aus Wohlstand und Fortschritt rissen. Eine solche Geschichte erzählt Alex Capus hier, die Geschichte einer Frau und eines Mannes, die sich kennen und lieben lernen als sie Teenager sind. Das vor dem Rahmen des Ersten Weltkriegs, der sie schließlich auch trennt und im Laufe der Zeit nur noch punktuell zusammenführt.

    Der Autor nimmt den Leser mit auf eine ruhige und anschauliche Reise durch eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist wie man manchmal denken mag. Es könnte die Geschichte unserer Ur-Großeltern sein und sie birgt alles, was auch das Leben bereit hält. Alltag, Konventionen, äußere Umstände. Métro, Boulot, Dodo in Paris. Wie sich Menschen verändern. Und dann immer wieder der Krieg. Ganz zart geht Alex Capus an dieses Projekt heran. Er zeichnet klare Linien und akzentuiert durch liebevolle und überraschende Details aus der Zeit der großen Kriege. Wirft Licht auf Dinge, die man nicht im Geschichtsunterricht lernt.

    Bei aller Tragik der Umstände lässt der Autor seine Figuren blühen, ohne sie zu enträtseln oder zu viel von ihnen preiszugeben. Er entwirft atemberaubende Szenen und Dialoge, die immer einen Überraschungsmoment parat halten und oft in wenigen Worten entweder eine Persönlichkeit oder die Zeitgeschichte wiederspiegeln. Man hat großen Spaß an den originellen Details: Eine Fahrradklingel im Sarg. Ein Vorschuss für Léons persönlichen Clochard an der Straßenecke. Wie Léon nicht weiß wohin mit dem Geld aus den illegalen Verkäufen von Mokka, den er von der deutschen Besatzung bekommt und nicht will.

    Eine einzige Enttäuschung hält dieses Buch bereit. Eine. Und es ist der letzte Absatz. Ansonsten: Ein großartiges Buch. Ein großer, kleiner Roman.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Hallo ihr Lieben,

    bei uns gibt es im Rahmen der Aktion "Blogger schenken Lesefreude"  oben genanntes Buch zu gewinnen:

    http://www.booknerds.de/2015/04/blogger-schenken-lesefreude-und-booknerds-de-ebenso-unser-grosses-gewinnspiel/

    Außerdem liegen auf dem Gewinntisch noch 19 weitere Bücher!

    Viel Glück!

    P.S.: Bitte ausschließlich auf booknerds.de kommentieren, nicht hier.
    Zur Buchverlosung
    sabrinacremers avatar
    Hallo zusammen,

    ich möchte euch hier mein Exemplar (Hardcover) als Wanderbuch zur Verfügung stellen.
     
    Wie das Wanderbuch funktioniert:
    1. Ich verschicke das Buch an den ersten Teilnehmer aus der Liste.
    2. Jeder hat 2 Wochen Zeit das Buch zu lesen. Bitte versucht das einzuhalten und meldet euch, wenn es doch ein paar Tage länger dauert.
    3. Danach wird es an den Nachfolger weiterverschickt. Die Adresse erfragt ihr bitte selbst.
    4. Meldet euch bitte kurz im Thread, wenn ihr das Buch verschickt bzw. es erhalten habt.
    5. Behandelt das Buch bitte so, als wäre es euer eigenes!
    6. Sollte das Buch verloren gehen, dann teilen sich Sender und Empfänger die Anschaffungskosten für ein neues Exemplar.
    7. Ich behalte mir vor, Leute wieder von der Liste zu streichen, wenn ich mit ihnen bereits, in welcher Form auch immer, schlechte Erfahrungen gemacht habe.
    8. Wenn alle Teilnehmer das Buch gelesen haben, geht es zurück an mich.


    Zum Inhalt:
    Zwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Leon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Leon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Metro wiederbegegnen. Alex Capus erzählt von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von diesem Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt. Die Geschichte einer großen Liebe, gelebt gegen die ganze Welt.


    Ich hoffe es finden sich einige, die Interesse daran haben. :o)

    Das Buch schicke ich ohne Schutzumschlag. Hoffe, das ist ok.

    07.11.: Buch unterwegs zu Safido

    Teilnehmerliste (erstmal 10):
    1. nicole_von_o [erhalten 23.05.] [verschickt 29.05.]
    2. Deli [erhalten 05.06.] [verschickt 19.06.]
    3. loewenkind [erhalten 25.06.] [verschickt 12.07.]
    4. Morgoth666 [erhalten 18.07.] [verschickt  26.07]
    5. Bellchen [erhalten 28.7.] [verschickt 07.08.]
    6. Lizzy1984w [erhalten 11.08.] [verschickt 20.08.]
    7. The iron butterfly [erhalten 25.08.]
    8. agnieszka [erhalten 10.09.] [verschickt 02.10.]
    9. ankedieleserin [erhalten xx]
    10. Aleena [erhalten 26.10.] [verschickt 07.11.]
    11. safido

    Viele Grüße,
    Sabrina

    Zum Thema

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