Alex Haley Wurzeln.

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Inhaltsangabe zu „Wurzeln.“ von Alex Haley

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  • Rezension zu "Wurzeln." von Alex Haley

    Wurzeln.
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    15. April 2012 um 20:38

    Wurzeln Wenn ich gefragt würde, welche Bücher besonderen Eindruck bei mir hinterlassen haben, zählte ich „Wurzeln“ auf jeden Fall dazu. Allerdings war es ein ein sehr zwiespältiger Eindruck. Ich will nicht behaupten, dass ich das Erkannte umsetzen konnte, aber dieses Buch war ein besonders abschreckendes Beispiel, wie stark eine politische Botschaft eine erzählte Geschichte zerstören kann. Haleys „Wurzeln“ begann für mich extrem fesselnd.Obwohl ich die Verfilmung nicht gesehen hatte, sah ich die Geschichte des Kunta Kinte wie einen ergreifenden Film vor mir. Dieser Junge, der aus seine afrikanischen Gemeinschaft herausgerissen wird und hilflos einer überlegenen Macht ausgeliefert nach Amerika verschifft jahrelang um seine Identität kämpft. Und sei es nur sein Name, den er vergeblich vor dem Sklavennamen zu schützen versucht. Immer wieder Versuche zu fliehen, immer wieder die Erkenntnis der eigenen Ohnmacht, immer wieder das Lauern auf die nächste Gelegenheit. Bis eine spontane Handbewegung des Mannes zur Selbstverurteilung wird: Von den Weißen, die ihn wieder eingefangen hatten, vor die Wahl gestellt, ob sie ihm die Geschlechtsteile oder ein Knie zertrümmern sollten, hält er die Hand vor … und kann nun nicht mehr weglaufen … aber mit einer gutmütigen Frau ein Kind zeugen, eine Tochter, ein kleines privates Glück für späte Lebensjahre. Idyllisch wächst die Kleine auf, in trügerischer Sicherheit. Eine Herrschaft ist gefunden, die es persönlich nicht schlecht meint mit den bedingt nützlichen Sklaven. Wenn da nicht die Liebe gewesen wäre zu einem anderen Schwarzen, dem sich das Mädchen eigentlich gern hingegeben hätte, es sich dann aber doch aufspart … um für eine Verfehlung verkauft zu werden. Sie landet bei einem perversen Säufer, der sie zur Begrüßung vergewaltigt, schändet, sie gerade, weil sie es zuvor relativ gut gehabt hatte, in besonders tiefes Unglück stößt. Bis hierher war ich als Leser total bei oder mit den Helden, fühlte mich eins mit ihnen, selbst geschlagen, geschändet, aufwachend in den eigenen Exkrementen. Was gesagt werden konnte, schimmerte durch das Erleben. Leider war das nur die eine Hälfte. Nun aber folgte die Aufreihung der Generationen bis in die Gegenwart. Jedes Schicksal sollte benannt sein. Für die, die eine Geneaologie lieben … meinetwegen. Im Wesentlichen werden aber nur noch Schicksale benannt, nicht mehr erlebt. Und dann wird es penetrant. Oh, wie schön, dass sie nun beten können. Oh, wie schön, es wird immer besser: die bittstellenden schwarzen Gläubigen werden frei, sind keine Sklaven mehr, können ihrem höheren Herrn danken. Ich sehe keinen der vielen Menschen mehr vor mir, nur noch eine christlich schwarze Dankesgottesdienstgemeinde. Welch Schreck, wäre das Werk erst nach der Wahl des Obama geschrieben worden. Es wäre wohl eine Chronik de Entführung in ein sich erst offenbarendes Reich Gottes auf Erden für die armen Schwarzen geworden. Das war die Lehre: Die erste Hälfte war eine andauernde Anklage gegen die Sklaverei ohne Anklage, die zweite ein Lamento der positiven Rührung. So sollte man es nicht machen. Das Buch hat ja auch viele Seiten. Ohne die vielen Generationen wäre es spannend und mitreißend geblieben. So zehrt es wahrscheinlich je nach Temperament vom aufgebauten Mitgefühl der Leser mit diesen Vorfahren.

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