Alex van Galen

 3,6 Sterne bei 14 Bewertungen

Lebenslauf von Alex van Galen

Alex van Galen, 1965 geboren, studierte Literaturwissenschaft an der Universität in Utrecht und arbeitete als erfolgreicher Drehbuchschreiber für das Fernsehen. Die Teufelssonate (2010) ist der zweite Roman des Autors und wurde in den Niederlanden in kürzester Zeit zum Bestseller.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Alex van Galen

Cover des Buches Die Teufelssonate (ISBN: 9783458732532)

Die Teufelssonate

 (14)
Erschienen am 15.04.2013

Neue Rezensionen zu Alex van Galen

Cover des Buches Die Teufelssonate (ISBN: 9783458732532)Nymphenbads avatar

Rezension zu "Die Teufelssonate" von Alex van Galen

Verhunzter Künstlerroman
Nymphenbadvor 4 Monaten

Dieser Roman erschien 2010 bei Suhrkamp, einst eine große Adresse für einen gewissen Anspruch. Nachdem man in Deutschland jegliche Qualität komplett runtergefahren hat, um überhaupt noch Bücher verkaufen zu können, ist das auch an diesem Verlag nicht spurlos vorbeigegangen. Selbstverständlich hat man da längst ein Krimi-Thriller-Segmet. Das Problem ist nur, dass dieses schon lange von anderen Verlagen besetzt wird und es den Eindruck macht, als müsse man sich mit zweitklassigen Abschlüssen zufrieden geben. Alex Van Galens “Teufelssonate” ist so ein typischer Thriller aus der hinteren Reihe – und er soll an dieser Stelle nur exemplarisch genannt werden. Warum aber die Mühe einer Erwähnung? Weil das Mittelmaß, das stets an einem Reißbrett entsteht, hier fast schon Schulcharakter hat.

Die ursprüngliche “Teufelssonate” wird dem italienischen Komponisten Guiseppe Tartini (1692-1770) zugeschrieben. Tartini hatte einen Traum, in dem er den Teufel eine höllisch schwierige, aber brillante Sonate spielen hörte. Er wachte auf und schrieb alles auf, woran er sich erinnerte.

Alex van Galen schreibt in seiner “Teufelssonate” das Ereignis Franz Liszt (1811-1886) zu, dem berühmtesten und berüchtigtsten Pianisten seiner Zeit. Der verliebte sich in Marie d’Agoult, die mit einem Grafen verheiratet war. Ihre Beziehung mit dem Pianisten galt damals als eine Sünde. Gemeinsam flohen sie aus Paris und reisten durch Europa. Ein anderer Pianist und Zeitgenosse von Liszt, Sigismund Thalberg, trat an seine Stelle. Liszts Name wurde vergessen, Thalberg feierte an seiner Stelle Erfolge.

Sobald Liszt aber von Thalbergs Erfolg hörte, nahm er den ersten Zug nach Paris, um sich mit ihm zu treffen. Dann traten sie in einem Konzertsaal am Klavier gegeneinander an. Pianisten waren die Popstars des neunzehnten Jahrhunderts. Frauen stritten sich um ihre weißen Handschuhe, die sie absichtlich liegen ließen. Außerdem waren sie so herausragende Künstler, dass die Leute dachten, sie hätten ihre Seelen dem Teufel verkauft. Anders konnte sich das Konzertpublikum die Virtuosität der Pianisten nicht erklären.

Van Galens Grundidee stammt nun aus dieser Geschichte der rivalisierenden Klaviervirtuosen, und es ist eine verlockende Idee, das sei ins Feld geführt (sozusagen “per campus”). Van Galen hat erwähnt, dass er während seiner Recherche mit vielen Musikern aus dem Konzertbereich gesprochen hat und dabei feststellte, dass über die Hälfte von ihnen manisch-depressiv ist, so viele nämlich, dass es geradezu eine Grundvoraussetzung zu sein scheint, um überhaupt ein guter Künstler zu sein. Eines der Probleme, mit denen manische Künstler zu kämpfen haben, sei, dass ihre Medikamente ihnen zwar helfen, aber auch ihre Emotionen stark abflachen, wodurch sie weniger in der Lage sind, in ihrer Kunst zu brillieren. Das Dilemma ist: Nehme ich meine Pillen und bin ein mittelmäßiger Künstler, oder nehme ich sie nicht – mit allen Konsequenzen?

Hat der Autor die Jahrhunderte verschlafen, oder was kommt ihm daran so aufregend vor? Abgesehen davon, dass fast jeder Citizen des 21. Jahrhunderts psychisch krank ist? Dass sogar alle westlichen Gesellschaften alle aufgestellten Symptome einer ernstzunehmenden Geisteskrankheit erfüllen?

Nicht, dass die Tatsache gestörter Künstler nicht interessant wäre, aber Van Galen bleibt dermaßen oberflächlich, dass man sofort erkennt, dass er alles aus zweiter Hand Erfahrene in seine Reißbrettzeichnung aufnimmt, ohne auch nur ein einziges Mal zu versuchen, etwas daran zu verstehen. Das trifft auch auf die anderen Motive des Romans zu: Rache, die Muse, das Doppelgängermotiv etc.

In manchen Romanen gibt es diese merkwürdigen Musen, um die herum ein Künstler seine Welt erschafft. Zwar handelt es sich durchaus um Menschenfrauen, aber sie existieren so frei für sich, so abgesondert von ihren Geschlechtsgenossinnen, dass man sich das Irrationale ihrer Präsenz in jedem Tun, in jedem Atemzug spüren kann. In diesem Roman gibt es eine solche Muse: Senna, deren Mordes der Klaviervirtuose Notovich in Paris bezichtigt wird. Da man ihm nichts nachweisen kann und es keine Leiche gibt, lässt man ihn frei und der Künstler kehrt nach Amsterdam zurück. Wir Leser wissen bis zum Ende nicht, ob Notovich Senna tatsächlich etwas angetan hat. In Rückblenden erzählt er uns diese mysteriöse Liebesgeschichte. Aber Van Galen beherrscht den unzuverlässigen Erzähler, den er in Notovich aufgrund seiner Blackouts hat, nicht. Und am Ende versemmelt er die Auflösung, bei der er die Rache seines Rivalen Valdin mit einbezieht. Der nämlich will eine einst geschehene Demütigung ausgleichen und fordert Notovich deshalb zum Duell. Zu dem kommt es zwar, aber der vermeintliche Höhepunkt des Romans ist es nicht. Auch die Frage, ob Senna denn jetzt Notovich oder Valdin zugetan war, überfordert den Autor in seiner Konzeption.

Bleibt noch das Doppelgängermotiv, namentlich Vivian, der Zwillingsschwester Sennas. Natürlich sind auch die beiden rivalisierenden Virtuosen in gewissem Sinne Doppelgänger, auch in ihrer Flachheit. Es gehört zu Valdins Plan, Vivian so erscheinen zu lassen wie Senna, um Notovich zu verunsichern. Das ist alles so unausgegoren, dass man schreien möchte. Dabei hätte der Roman alle Zutaten, die es für einen furiosen Künstler- und Racheroman bräuchte. Kurz gesagt, man könnte das vorliegende Material einem guten Schriftsteller in die Hand drücken und der könnte beileibe etwas daraus machen.

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Cover des Buches Die Teufelssonate (ISBN: 9783458357209)Krimifee86s avatar

Rezension zu "Die Teufelssonate" von Alex van Galen

Das Klavier-Duell
Krimifee86vor 3 Jahren

Inhalt: Mikhael ist ein brillianter Konzertpianist. Doch dann verschwindet seine Freundin und er kann sich nicht daran erinnern, was passiert ist. Aber er ist voller Blut. Mikhael flieht zu seiner Schwester in die Niederlande und versteckt sich dort vor der Weltöffentlichkeit, während die Polizei ermittelt. Doch dann taucht plötzlich der Pianist Valdin auf und fordert Mikhael zu einem Duell auf: Wenn Mikhael zustimmt, wird Valdin ihm erzählen, was wirklich mit Senna passiert ist. Mikhael lässt sich schließlich darauf ein. Doch sein Geisteszustand wird nicht besser...

Charaktere: Mikhael hat mir als Charakter ganz gut gefallen. Ich mochte ihn als verschrobenen Konzert-Star. Auch seinen Agenten fand ich irgendwie toll. Die anderen Charaktere haben mir hingegen gar nicht gefallen.
Valdin habe ich seinen Hass und seinen Zorn nicht abgenommen. Ich fand ihn komplett übertrieben und überhaupt nicht glaubwürdig. Seine Rache war einfach viel zu viel für das, was Mikhael im „angetan“ hat.
Senna mochte ich gar nicht. Sie war einfach so völlig abgehoben, nicht von dieser Welt. Es war ganz offensichtlich, dass sie ein psychisches Problem hatte und sie sollte einem leid tun, aber eigentlich konnte ich sie nicht ernst nehmen.

Das hat mir gut gefallen: Ich mochte es, durch das Buch in die Welt der klassischen Musik entführt zu werden. Das hat mir echt gut gefallen, denn ganz so viel verstehe ich leider nicht von klassischer Musik. Mir hat es echt gefallen, zu hören, wie andere Menschen Musik wahrnehmen.
Auch die Geschichte an sich und die Idee des Klavierduells fand ich sehr gelungen. Allerdings hat der Autor in meinen Augen zu viel gewollt und viel zu viel darum gestrickt.

Das hat mir nicht so gut gefallen: Mir hat es überhaupt nicht gefallen, dass nicht nur ein Charakter, sondern ALLE Charaktere total abgehoben waren und irgendwelche psychischen Probleme hatten. Und zwar wirklich alle. Ich meine, selbst Linda, die echt keine wichtige Rolle hatte, war irgendwie in ihren Bruder verschossen und hatte da irgendwie so eine Art „Ödipus-Komplex“ (in anderer Form). Ich bin auch irgendwann nicht mehr durchgestiegen, was wirklich war, was Wahnvorstellung war, was passiert ist und was geträumt wurde. Das war leider einfach nicht gut geschrieben. Zudem haben mich einige Charaktere (insbesondere Senna, aber auch Valdin) irgendwie total genervt und ich habe ihnen ihr Verhalten auch nicht abgenommen.
Zum Ende hin gab es in meinen Augen leider auch keine richtige Auflösung,- ja, der Mord wurde geklärt, aber was das Verhältnis von Mikhael und Senna angeht, schwimme ich noch immer im Dunkeln.

Fazit: Mir war dieses Buch viel zu verworren. Alle hatten viel zu viele psychische Probleme und waren völlig abgehoben und überhaupt nicht realistisch. Ich meine, welche Frau kommt mit einem Mann zusammen, lässt sich von ihm pausenlos misshandeln und das alles nur, um eventuell die eigene Schwester rächen zu können? Welcher Mann bemerkt nicht, dass seine Freundin offensichtlich psychisch krank ist? Ich fand das einfach alles viel zu abgehoben. Schade, denn die eigentliche Idee war gar nicht schlecht. Insgesamt nur zwei Punkte von mir.

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Cover des Buches Die Teufelssonate (ISBN: 9783458357209)Gruenentes avatar

Rezension zu "Die Teufelssonate" von Alex van Galen

Bündnis mit dem Teufel?
Gruenentevor 7 Jahren

Ein weltbekannter Pianist wird des Mordes an seiner Freundin beschuldigt, er hatte einen Blackout, der Polizei fehlen die Beweise.
In Rückblenden lässt er die seltsame Beziehung zu seiner großen Liebe Revue passieren. Seine Schwester kümmert sich zu sehr um ihn.
Da erscheint in den Niederlanden ein Pianist der ihn (und damit Liszt) kopiert. Und dann erscheint auch eine Doppelgängerin seiner toten Freundin.
Interessant an dem Roman waren für mich die Anspielungen auf Liszt, sein Leben und natürlich seine Musik. Ansonsten habe ich mich hindurchgequält.

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