Alexander Demandt Das Attentatt in der Geschichte

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Inhaltsangabe zu „Das Attentatt in der Geschichte“ von Alexander Demandt

Attentate sind meistens historische Ereignisse, in denen lange aufgestaute Spannungen aufbrechen, Kräfte sich melden, die den Gang der Dinge aufzuhalten oder zu beschleunigen versuchen. Der gezielte Terrorakt erscheint als Gewalt des Tyrannen gegen Widersacher, als Gegengewalt zu seiner Beseitigung und als Kampfmittel der Mächtigen untereinander. Der Attentäter ist oft ein Fanatiker, er handelt widerrechtlich, glaubt aber an höheres Recht. Das Motiv ist politisch oder religiös, die Absicht subjektiv gut, die Form objektiv kriminell. Attentäter für eine gerechte Sache werden zu Märtyrern, ihre Opfer erhalten im Falle der Unschuld eine Gloriole. §Die Aufsätze dieses Bands reichen von der Antike bis zur Gegenwart; sie beleuchten das Ereignis "Attentat" selbst und legen seine historische Bedeutung dar: über Smerdis, Papst Bonifaz VIII., Heinrich IV., Wallenstein, Marat, Abraham Lincoln, Elisabeth von Österreich, Walther Rathenau, Mahatma Gandhi, John F. Kennedy, Itzhak Rabin u.a.

Eine interessante Aufsatzsammlung, die kompakt die unterschiedlichsten Attentate aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet.

— Admiral

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  • Demandt (Hg.): Attentate in der europäischen Geschichte.

    Das Attentatt in der Geschichte

    Admiral

    22. March 2015 um 00:16

    Auf über 500 Seiten erzählt der Sammelband (eine Verschriftlichung einer universitären Ringvorlesung ?) "Das Attentat in der Geschichte" des Herausgebers Alexander Demandt aus dem Jahr 2000 die Geschichte mehrerer Attentate, wobei Personen unterschiedlichster Fachbereiche zu Wort kommen. Zeitlich reichen die Attentatsbeschreibungen von der Antike (Darius, Caesar) bis in die Neuzeit (Gandhi, Kennedy). Thematisch betrachtet reichen die Aufsätze auch relativ weit, betrachtet man beispielsweise das Endkapitel (von Alexander Demandt selbst) über das Ereignis des Attentats an sich, in dem er von der Etymologie (lat. attemptare, nicht dt. Tat !) ausgeht, anschließend die unterschiedlichsten Motivationen differenziert betrachtet, unterschiedliche Rezeptionen andeutet und auf den interessanten Aspekt der kontrafaktischen Geschichtsschreibung hindeutet (S. 503-518). Ein anderes thematisches Feld berührt Halm (S. 75-89) mit seinem Aufsatz, da er kein spezielles Attentat beschriebt, sondern eine Attentatsgruppe, nämlich die Assassinen. Besonders interessant sind jedoch die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen heraus die einzelnen Themen betrachtet werden. Überraschend war da der kunsthistorische Ansatz Gaethgens (S. 211-240), der das Attentat auf Marat mit einer Analyse des Gemäldes "Marat" von David verknüpft. Besonders interessant hat auch Steinbach (S. 406-441) in seiner Darstellung zum 20. Juli 1944 methodische und strukturelle Exkurse zum Ereignis des Attentats speziell in einer Diktatur und zur Abhängigkeit der nachträglichen Bewertung der Attentäter von moralisierenden Wertvorstellungen und persönlichen Tendenzen untergemischt. Etwas enttäuschend andererseits waren die Aufsätze von Krippendorff (Sand, Kotzebue und das Blut des Verräters. 1819, S. 241-260) und Barbara Demandt (Das Attentat auf Kaiserin Elisabeth von Österreich am 10. September 1989, S. 299-329, die entweder eine eigenartige religiös/spirituelle Perspektive einnehmen (Krippendorff), oder sich auf eine prosopographische (ohne Quellenverweise wohlgemerkt) und biographische Sicht beschränken, ohne eine Struturanalyse zu betreiben, den Kontext zu erläutern, oder Auswirkungen ausführlich darzustellen (Barbara Demandt). Was fast allen Aufsätzen positiv anzumerken ist, ist die mehr oder weniger wissenschaftliche Herangehensweise und gute Lesbarkeit. Auch ist durch die (oben angedeutete) thematische und perspektivische Vielfalt eine Herausfilterung von eigenen "Lieblingen" (mir mangelt es gerade an treffenderen Formulierungen, aber ihr versteht schon !) möglich. Leider beschränkt sich der Band größtenteils auf europäische Attentate und einige Ereignisse (Pulververschwörung von 1605 !) fehlten schmerzlich. Doch lässt sich das verkraften.

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