Alexander Görlach Wir wollen Euch scheitern sehen!

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Inhaltsangabe zu „Wir wollen Euch scheitern sehen!“ von Alexander Görlach

Von der Schadenfreude als Volkssport

Wer als Prominenter öffentlich in Ungnade gefallen ist, der hat von der Gesellschaft nichts mehr zu erwarten. Deutschlands Bürger spielen sich als Richter auf und treten gerne noch mal nach, sobald ihre Vorbilder zu Fall gebracht wurden. Alexander Görlach zeigt, wie das Anprangern zum Normalzustand werden konnte, und ergründet die Ursachen deutscher Häme. In einer solchen Gesellschaft wird sich niemand mehr engagieren wollen.

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    Wir wollen Euch scheitern sehen!

    R_Manthey

    13. August 2015 um 10:19

    Der Autor dieses schmalen Buches schreibt gegen Ende: "Die Häme hat unseren sozialen Zusammenhalt zerstört, aufgefressen." Ist das tatsächlich so? In kleinen Gemeinschaften, so ist jedenfalls mein Eindruck, stimmt das überhaupt nicht. Dort haben sich die Menschen nicht so verändert, wie man nach dem Lesen dieses Textes vermuten könnte. Häme erwächst aus Neid oder Verletzungen. Neu ist das nicht. Neu sind aber die Möglichkeiten seiner Häme Ausdruck zu verleihen. Aber darum geht es in diesem Buch höchstens am Rande. Im Mittelpunkt steht der öffentliche Pranger, der besonders von den nach Skandalen suchenden Medien immer wieder neu besetzt wird. Obwohl in diesem Buch viel Wahres steht, vermag es der Autor leider nicht, dieser neuen Entwicklung wirklich auf den Grund zu gehen. Er erkennt auch bestimmte Zusammenhänge nicht. Merkwürdigerweise vermittelt auch das Vorwort von Christian Wulff nicht den Eindruck einer tiefer gehenden Analyse. Doch gerade von Wulff müsste man doch solche Einsichten erwarten können, schließlich war er eines der prominentesten Opfer solcher medialer Vernichtungsfeldzüge. Leider muss man den Eindruck gewinnen, dass der ehemalige Bundespräsident nicht zwischen einem Mobbing unter Schülern und einer Medienkampagne unterscheiden kann. Es ist doch ein kardinaler Unterschied, ob jemand Häme gegen einen anderen Menschen verbreitet oder ob Massenmedien ganz gezielt zur Häme der Massen gegen einen Menschen anstacheln. Ein solches Klima, in dem solche widerwärtigen Aktionen gedeihen können, muss erst einmal erzeugt werden. Leider geht der Autor auch darauf nur am Rande ein. Er fordert einen respektvollen Umgang miteinander. Was aber, wenn ein solcher Umgang von den Darstellern auf der politischen Bühne nicht vorgelebt wird, sondern das blanke Gegenteil passiert? Ein respektvoller Austausch von Ideen zur Lösung akuter Probleme findet schon lange nicht mehr statt. Vielmehr wird eine solcher Prozess ganz bewusst verhindert und durch Skandalisierungen auf einer extra dafür erfundenen Moral- und Tugendebene ersetzt. Der Autor stellt zwar solche Beispiele durchaus in den Vordergrund und nennt die entsprechenden Namen. Er sieht aber aus welchen Gründen auch immer die Methode dahinter nicht. Das ersetzt er durch theologische oder philosophische Diskussionen und Begriffsfindungen, die zwar sicher interessant sind, aber dann nicht auf die tatsächliche Lage heruntergebrochen werden. Am Ende mündet das bei ihm dann in naiven Aufrufen an die Bürgerschaft, sich mehr engagieren und der Häme entgegenstellen soll. Das scheint jedoch gar nicht das Problem zu sein. Es hat genug Menschen aus der Mittelschicht, an die sich der Autor eigentlich wendet, gegeben, die beispielsweise die kleinkarierte und verlogene Kampagne gegen einen Bundespräsidenten durchschaut und sich angewidert abgewandt haben. Was dieses Land wirklich braucht, ist eine andere politische Kultur, in der nicht ständig ganz gezielt Neiddebatten unter dem Deckmantel einer selbstdefinierten Gerechtigkeit geführt werden, sondern die Probleme gelöst werden, die den Bürgern auf den Nägeln brennen. Obwohl der Autor auch davon einiges benennt, leidet sein Buch etwas unter Weitschweifigkeit und Diffusität. Der Titel verspricht leider mehr als er hält. Obwohl vieles richtig benannt wird, bleibt eine eigenartige Unzufriedenheit zurück, die immer dann entsteht, wenn man hinterher auch nicht schlauer ist als vorher.

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