Alexander Gorkow Hotel Laguna

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Inhaltsangabe zu „Hotel Laguna“ von Alexander Gorkow

'Ein guter Urlaub ist keine Pause vom Leben. Sondern eine Einstellung zum Leben.'
Gibt es sie wirklich, die Traumorte unserer Kindheit? Nach mehr als 30 Jahren Abwesenheit kehrt Alexander Gorkow ins Paradies zurück; in das Dorf Canyamel, an die Nordostküste Mallorcas. Gemeinsam mit Mutter, Schwester und Vater – einem gütigen wie exzentrischen Patriarchen – verbrachte das Kind hier prägende Urlaube. Nun reist Alexander Gorkow wieder an, als preisgekrönter Reporter und vom Leben gezeichneter Familienvater. Eine moderne Tragikomödie nimmt ihren Lauf, über unsere Urlaube, damals und heute, die Menschen unseres Lebens – und unsere ewige Sehnsucht nach dem Meer.
'Jemand, der so beneidenswert gut schreiben kann wie Alexander Gorkow, schafft es, mir seine Familie so nah zu bringen, als hätten wir schon ein ganzes Leben miteinander verbracht und würden uns jetzt gemeinsam daran erinnern. Und er zeigt, dass
die Kompliziertheit – Familie ist immer kompliziert – eine sehr liebenswerte Eigenschaft sein kann. Das Buch hat Herz und Witz und: eine große Seele.' Matthias Brandt

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    Hotel Laguna

    Sigismund

    05. February 2018 um 20:02

    Ein sehr kluges, oft sentimentales, meist aber heiteres Buch sind die im August 2017 beim Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlichten Erinnerungen des mit Preisen ausgezeichneten Journalisten Alexander Gorkow (51) an das „Hotel Laguna“ auf Mallorca. „Meine Familie am Strand“, wie der Untertitel lautet, ist eine überaus unterhaltsame, zum Lachen animierende, stellenweise doch auch nachdenklich stimmende Mischung aus Familiensaga, Autobiographie, Reisebericht und Liebesroman – eine Liebeserklärung an die liebste Ferieninsel der Deutschen, insbesondere an die Bucht des Dorfes Canyamell und das 1963 direkt am Strand gebaute Hotel Laguna. Nicht chronologisch, sondern dem jeweiligen Thema angepasst, springt der Autor zwischen Kindheitserlebnissen und Gegenwart hin und her. 1967 stand der damals Einjährige zum ersten Mal mit Eltern und Schwester an dieser Bucht mit türkisblauen Wasser – nein, er stand nicht, sondern saß auf dem Arm seines Vaters. Damals konnte sich die Familie das neue Strandhotel nicht leisten und wohnte in der benachbarten Pension. Bis zu Gorkows 14. Lebensjahr verbrachte die Familie dort alljährlich ihre Urlaubswochen. Nach Jahrzehnten der Abwesenheit kehrt nun der einst kleine Alexander, inzwischen selbst Vater einer siebenjährigen Tochter, nach Canyamel auf die „Insel der überfahrenen Kaninchen“ zurück und wohnt endlich in seinem Traumhotel Laguna. Täglich paddelt er „mit dem Kajak weit heraus aus der Kindheitsbuch – und wieder zurück.“ Und so wechseln sich in Gorkows Buch gegenwärtige Beobachtungen mit Versatzstücken der Erinnerung ab - manchmal ironisch, manchmal sarkastisch, manchmal voller Liebe kommentiert. Wir lernen Gorkows Eltern in den 1960ern kennen, ein vom Krieg gebeuteltes Ehepaar, das sich in den Jahren des Leids und der Entbehrungen nicht hat unterkriegen lassen und jetzt die Urlaubswochen genießt. Wir erfahren die Unterschiede, wie man vor 50 Jahren Ferien machte, als man noch im Flugzeug rauchen durfte, und wie es heute mit Sichtung von Bewertungsportalen und Jagd nach Schnäppchen sowie der Suche nach Erlebnissen am Urlaubsort mehrheitlich üblich zu sein. War der Urlaub früher schöner? Es war eine andere Zeit: „Die alte Telefonzelle neben dem Laguna ist jetzt eine Telefonhaube. Sie war sinnvoll, jetzt ist sie sinnlos. Die Drachenhöhlen in Porto Christo waren eine halb rustikale, halb wirre Attraktion. Heute sind die Drachenhöhlen eine auf der ganzen Insel beworbene Fun-Explosion, nur sind es halt immer noch Höhlen.“ Damals war man noch Gast bei Gastgebern, es „machten „Menschen auf Mallorca Urlaub, keine Zielgruppen“. Gerade die aus der Sicht des Erwachsenen geschilderten Kindheitserlebnisse lassen beim Lesen schmunzeln, erinnert doch der Vater irgendwie an Loriots „Papa ante portas“. Jahrzehnte sind vergangen, der Vater inzwischen gestorben. Jetzt steht der erwachsene Sohn an seiner Stelle: „Ich habe mich im Meer in die Spur meines Vaters gelegt, und diesen Weg bin ich nun allein geschwommen.“ Alexander Gorkows „Hotel Laguna“ ist ein Buch der Erinnerung und des Vergleichens, ein Buch für zwei Generationen – nicht nur, aber besonders für Mallorca-Fans. Und so manches Mal wird man an die eigenen Ferien mit den Eltern erinnert - oder als inzwischen Erwachsener an die Urlaube mit eigenen Kindern.

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  • Mallorca Anno 1967 und 2015

    Hotel Laguna

    Buecherschmaus

    27. December 2017 um 12:54

    „Tourismus“ ist mittlerweile ein fast schon negativ besetztes Wort, besonders wenn es mit dem Präfix „Massen“ daherkommt. Dabei war es nach dem Zweiten Weltkrieg die Erfüllung der großen Sehnsucht so vieler Deutschen, sich mit dem eigenen kleinen Auto oder, je nach Geldbeutel, mit dem Flugzeug, gen Süden zu bewegen, hin zur Sonne, zur Wärme, aber auch zu mehr Leichtigkeit und Lässigkeit im Umgang mit dem Leben. Fort von den Mühen und Sorgen des Wirtschaftswunders, raus aus dem „grauen Alltag“. Auch heute noch zählen, bei allen Veränderungen beim Reisen, die „schönsten Wochen des Jahres“ für viele Menschen zu den unverzichtbarsten Dingen im Leben.Diese Veränderungen sind ein Thema in Alexander Gorkows Buch „Hotel Laguna. Meine Familie am Strand“. Gorkows Familie, Vater, Mutter, die sieben Jahre ältere Schwester mit dem Herzfehler und der kleine Alexander, das „süße“ Kind, das es aber auch ganz faustdick hinter den Ohren haben konnte, sind in Meerbusch-Büderich beheimatet. Zusammen mit einigen anderen gut- und bildungsbürgerlichen Familien leben sie dort recht behaglich in einer Gartenwohnung, man isst gut, trinkt reichlich, raucht noch viel mehr und hört leidenschaftlich Musik, gerne auch modernen Jazz, den man sich von Stammplattenladen liefern lässt. Wäre da nicht der Flughafen Düsseldorf, der seine Einflugschneise direkt über das Haus der Gorkows führt. Ein Umstand, der zwar bei keinem der Anwohner den Gedanken am Umzug aufkommen lässt, aber so manches Gespräch unterbricht und auch prima als Grund dient, warum so mancher dort „nicht alle Tassen im Schrank hat.“„Die üblichen Lärmintervalle waren klar ausschlaggebend für einige schwere Neurosen und Maotten in meiner Familie, mindestens war die Einflugschneise ein besonders fruchtbares Gelände, um schon vorhandene neurotische Anlagen zu kultivieren. so wird die unter Mitteilungsbedürftigen schon normale sorge, nicht ausreichend zu Wort zu kommen, zu einer manifesten Angstneurose. In den bis zu dreiundfünfzig Jahren, die meine Familienmitglieder in der Gartenwohnung der Dietrich-Bonhoeffer-Straße Nummer 1verbrachten, fiel sehr oft der Satz: „Ich möchte bitte ausreden“, gerne auch sogleich im ersten Anlauf durch die gereizte Zufügung: „Ich möchte bitte ausreden dürfen.“ Bevor das nächste Flugzeug kam, musste, was gesagt werden musste, gesagt sein.“Vielleicht ist die etwas unentspannte Wohnlage auch ein Grund, weswegen es die Familie immer wieder in die Ferne zieht. Wahrscheinlich ist es aber eher die Sehnsucht nach dem Süden, nach dem anderen, dem leichteren Lebensgefühl, das die Eltern lockt. Nach Frankreich, nach Italien und dann immer wieder nach Canyamel auf Mallorca. Die Traumata der Kriegsjahre lasten immer noch schwer auf den Eltern, andererseits sind sie wild entschlossen, die schönen Seiten des Lebens auszukosten.„Schon früh solidarisiere ich mich mit den kriegsbedingten Traumata meiner Eltern, ich esse alles, was ich sehe und bis mir schlecht ist, weil es vielleicht morgen nichts mehr zu essen gibt, ich tanze, sobald wer Musik auflegt, wer weiß, ob es morgen noch Musik gibt, ich liebe Helligkeit und Raum, Dunkelheit und Enge lehne ich ab.“ „Und so geht es in einer engen Caravelle Jahr für Jahr in den kleinen Badeort an der Nordostküste Mallorcas. Damals war das Hotel Laguna, Sehnsuchtsort der Mutter, noch fest in Schweizer Hand, man selbst residierte in der kleineren „Mi vaca y yo“. Anders heute in unserer globalisierten Gegenwart. 2015 reist Alexander Gorkow für drei Monate „Sabbatical“, er konnte seinen Verleger von der Idee eines Erinnerungsbuchs überzeugen, in eben jenes Hotel Laguna direkt an der Playa de Canyamel. Das Buch ist keine Autobiografie und erst recht kein Roman. Eher mit seinem journalistischen Handwerkszeug geht Gorkow daran, von seinen Erinnerungen an die Familienurlaube, an seine Familie, die vor einigen Jahren verstorbene Schwester und vor allem den toten Vater zu erzählen. Dabei entsteht ein wirklich rührendes Porträt eines sicher auch nicht immer einfachen Mannes, des „Chefs“, der auch im Urlaub täglich mit der Firma telefoniert, hitzige Debatten mit der politisch links stehenden, pubertierenden Tochter führt und gutes Benehmen fordert, gerade in „Ländern, die man eben noch überfallen hatte.“Dieses gute Benehmen ist etwas, das Alexander Gorkow bei den meisten heutigen Urlaubern vermisst. Denn neben den Erinnerungen ist sein Bericht eine meist bittere Bestandsaufnahme der Veränderungen, die die Urlaubsinsel Mallorca, der Tourismus und generell die Menschheit so erfahren haben seit jenen Kinderjahren.Vieles ist davon zutreffend, manches auch brüllend komisch. Besonders wenn man selbst zu den Urlaubern der späten Sechziger und Siebziger Jahre gehört hat. Ich war zufälligerweise im selben Jahr wie Alexander Gorkow das erste (und leider einzige Mal) auf Mallorca, 1967. Ich war zwei Jahre alt, habe natürlich daran keine Erinnerung mehr und merkwürdigerweise gibt es nur ein einziges Foto von mir auf der Treppe zum Flugzeug. Viele der witzigen Episoden erkenne ich aber wieder von den zehn folgenden Urlauben auf dem spanischen Festland, die ich dort mit meiner Familie verbrachte. Das trifft der Autor wunderbar und hat mich nicht nur oft zum Lachen, sondern auch zu manch leicht rührseligen Erinnerung gebracht.Insgesamt ist der Rückblick sehr nostalgisch. Einiges wird naturgemäß verklärt. Ob es beispielsweise ein Ausdruck von Freiheit war, mit seinem des Schwimmens nicht mächtigen Kind auf dem Rücken weit ins Meer hinauszuschwimmen (was interessanterweise mein Vater mit mir auch gemacht hat, ich war aber schon mit Schwimmflügeln einigermaßen gesichert) ist zumindest fraglich. Gorkow macht auch recht deutlich, was ihm am heutigen Urlauben nicht gefällt. Seine Verachtung verteilt er dabei recht großzügig über Luxushotels wie über Ballermann-Touristen, über Smartphones nutzende Familien wie über Onlinebucher.Meiner Meinung nach vergisst er nur manchmal, dass er sich zeitweise gar nicht so anders verhält. Was unterscheidet den besoffenen Urlauber Gorkow groß von den Feierwütigen in Cala Ratjada, was den wegen Flugverspätung einen Aufstand anzettelnden Autor von den ihren Missmut ausgießenden Bewertungsportalnutzern?Etwas weniger Selbstgerechtigkeit und Häme hätte dem ansonsten sehr amüsant zu lesenden Buch gut getan. Ein zärtliches, rührendes Porträt für seine Familie und allen voran den Vater ist es aber dennoch geworden.

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  • Kindheitserinnerungen

    Hotel Laguna

    Gwendolyn22

    08. October 2017 um 20:04

    Mallorca pur! Ich fühlte mich zurück versetzt in meine Kindheit und Jugend. Gorkow hat m.E. diese Insel und ihre Veränderungen in den letzten Jahrzehnten genial porträtiert. Als "Bonus" gibt es einen Einblick in seine Familiengeschichte. Großartig!   Alexander Gorkow würde ich gerne einmal kennenlernen, um mit ihm gemeinsam in Erinnerungen an Mallorca zu schwelgen. In seinem Roman „Hotel Laguna“ schildert er, wie er seit 1967 regelmäßig mit seinen Eltern nach Mallorca reiste, um dort seinen Urlaub in Canyamel zu verbringen und was ihn dort geprägt hat. 2016 kehrt er auf die Insel zurück und schildert seine Erfahrungen mit den Menschen, die er antrifft, was sich seitdem verändert hat etc. Ich bin sehr gerne mit Gorkow in die Vergangenheit gereits, habe imaginär den Blick aufs Meer geworfen, Esel gestreichelt, die sich nicht vom Fleck bewegen wollten, habe die mallorquinische Landschaft und ihre Leute bestaunt und fühlte mich häufig in meine Kindheit zurück versetzt, da ich selbst seit dem Jahr 1984 fast jedes Jahr auf der Insel war. Für jeden Mallorcareisenden, der die Insel liebt und bereits länger kennt, werden Gorkows Schilderungen ein Potpourri von Nostalige und Milieustudie sein. An nicht wenigen Stellen habe ich zudem herzhaft gelacht. Zudem bekommt man ein recht genaues Bild der Familie Gorkow, allen voran wird Alexander Gorkows Vater detailliert porträtiert. Danke, Herr Gorkow, für diese tolle Zeitreise. Trotz minimaler Längen vergebe ich für die Reise in meine Kindheit volle 5 Sterne!

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  • Mallorca

    Hotel Laguna

    rallus

    23. August 2017 um 11:48

    Urlaub! Ein Zauberwort für alle hart Arbeitenden. Man nimmt sich Urlaub vom Alltag, von seiner Arbeitsstelle, vielleicht auch von seinem Partner oder einfach als Erholung von schweren durchlebten Situationen. Ein Termin, auf den man hinarbeitet und der so schön wie möglich sein soll. Unvergleichlich und unvergesslich. Dabei muss der Urlaub natürlich auch günstig sein. Billig, billig, gerade in Deutschland herrscht das Prinzip: „Geiz ist geil.“ Nicht Qualität ist gefragt, sondern soviel raffen wie es geht. Auch wenn man es zum Erholen gar nicht braucht. Wie steht man vor dem Nachbarn da, der dieselbe Reise 100 € günstiger bekam? Als jemand, der sich nicht richtig informiert oder geplant hat. Und das wollen wir Deutsche ja nicht. Denn bei uns geht es immer hoch organisiert her. Da können wir den Südländern mal zeigen wo der BIP hängt! „Urlaube sind heute eine komplizierte Sache, die Leute informieren sich monatelang vorher im Netz, sie wägen Bewertungen gegeneinander ab und stellen Forderungen und verklagen den Veranstalter, weil morgens Pedro mit dem Traktor den Strand reinigt und sie dabei weckt. Es darf nichts schiefgehen.“ Vielleicht ist die Welt ja anders geworden, aber das Problem bei solchen Urlauben ist, dass sich bei all dem Wunsch nach dem perfekten Urlaub, die Menschen gar nicht mehr erholen können. Wie war das bloß früher? Alexander Gorkow reist zurück in seine Kindheit und erzählt vom Aufwachsen in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens. Bei jedem Gespräch im Garten muss eine Pause wegen der lauten Flugzeuge eingelegt werden, die regelmäßig über den kleinen Vorort fliegen. Seine ältere Schwester, die schon früh eine etwas anarchistische Haltung einnimmt. Sein Vater der stoisch dagegen hält und die Mutter die alles zusammenhält. Die Familie fährt in Urlaub nach Mallorca, nach Canyamel. Der Ort liegt versteckt im Nordosten der Insel, weit weg von den Bettenhochburgen und den Ballermanns. Sozusagen eine unberührte und naturbelassene Ecke. Das Hotel Laguna, welches diesem teils autobiographischen Roman seinen Namen gab, ist auch eine Familiensache. Nach über dreißig Jahren kehrt Alexander Gorkow nach Canyamel zurück, entdeckt auf der Insel, dass alles beim Alten geblieben ist und sich doch viel verändert hat. Verändert hat sich die Art und Weise wie Urlaub gemacht wird. Gerade auf Mallorca trifft diese spießige deutsche Mentalität auf die gelassene Art der Mallorquiner. Mallorca ist das beliebteste Reiseziel der Deutschen, hat aber laut Umfragen mittelmäßige Bewertungen. Warum kommen trotzdem so viel Deutsche wie noch nie auf diese Insel? „‚Wie passt das zusammen, Bernd?‘, fragte ich ihn am Ende unseres Spazierganges, ‚wieso immer dieses Elend über Mallorca in den deutschen Zeitungen und dann diese schöne Insel?‘ ‚Das passt nicht zusammen‘, sagte er und lächelte das milde, weise Lächeln des fast schon Eingeborenen. ‚Aber da kannst du nichts machen. Es gibt in Deutschland diese Mono-Brille auf Mallorca. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Es ist aber eher das Problem meiner alten Heimat. Den Mallorquinern ist das, wie so vieles egal.'“ Alexander zieht sich in Canyamel zurück, um diesen Roman zu schreiben. Er hat ein Sabbatical genommen und fristet im Hotel Laguna ein täglich gleiches Programm. Schwimmen, Frühstücken, Schreiben, Kanu fahren. Seine Beobachtungen der Urlauber sind witzig, teils kumulieren sie in zwar schönen, aber doch übertriebenen, ausufernden Ausschweifungen. „Junge, schöne Eltern, ausgezehrt von Monaten der Schlaflosigkeit und der Nahrungsbeschaffung, wie Amseln die dreitausendmal pro Tag mit jeweils neuem Wurm im Schnabel zum Nest mit den Amseljungen hetzen. Sie sehen Werktätige, die sich und ihre von der Digitalisierung torpedierten Leben von daheim mitgebracht haben, immer noch bekümmert oder schon etwas erleichtert mit müden Füßen durch die Gischt spazierend. Sie sehen das, was fünfzig Berufsjahre und ein langes Familienleben ohne Personal, was Freude, Trauer, im Stau stehen, was böse Kollegen und abgefeimte Banken von diesen Werktätigen übrig gelassen haben: Menschen von endloser Würde und Weisheit mit der Patina eines erlebten, gefeierten, erlittenen Lebens, ja, mit der jeweiligen Patina von Leberschildkröten aus der Zeit Karls des Großen. Sie sehen, was man im Laguna sieht: uns. Die verdammte, grauenvolle, herrliche, hasserfüllte, liebesbedürftige, liebende Bevölkerung.“ Meist gelingen ihm aber kluge, böse und intelligente Beobachtungen, die er dann auch auf den Punkt bringt. „Vor einem Zaun stehend, schaue ich auf eine Landschaft aus deutsch verspachtelten, jeweils identischen Doppelhaushälften. Dies alles war klar die Idee eines bösen Menschen: Ich lasse es besonders leblos und gewissenlos aussehen, dann kommen sie schon, die Deutschen.“ Besonders einfühlsam beschreibt er seine Familie, seine ersten Erfahrungen im Urlaub mit dem weiblichen Geschlecht, die Urlaube im Hotel Laguna, die Freundschaften, die er dort schließt und auch nach dreißig Jahren erinnern sich die Menschen an ihn. Es ist die andere Seite des Urlaubs, der herzliche, der menschliche Standpunkt. Hotel Laguna ist eine wunderschöne Familiengeschichte und eine geistreiche Abrechnung mit dem Massentourismus. Alexander Gorkow schreibt einfühlsam, man ist mit seiner Familie sofort nach wenigen Seiten vertraut und wer schon mal auf Mallorca war, kennt diesen irritierenden Gegensatz von plattem Sauftourismus auf dem Ballermann und den wunderschönen Momenten, einsam auf dem Trumantana Gebirge mit einem Blick über die herrliche Insel. Beides wird der Urlauber nie vergessen. Insofern bringt es Alexander Gorkow dann doch auf den Punkt und schreibt eine etwas andere Familiengeschichte und ein aus der Reihe fallendes Reisebuch. Man sollte es sich nicht entgehen lassen. Von Kiepenheuer & Witsch Verlag wunderschön als Halbleinen-Buch herausgebracht, so trotzt es jedem Strand und Sand und kann, im Hotel Laguna zurückgelegt, noch vielen Urlaubern Freude bereiten.

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