„Die Kälte des Zorns“ von Alexander Hartung ist ein spannender, gut konstruierter Kriminalroman, der Jan Tommen und sein Team diesmal an ihre Grenzen bringt. Der Fall wirkt von Beginn an aktuell und brisant, weil ein vermeintlicher Unfall schnell als gezielter Mord entlarvt wird.
Als die Reise-Influencerin Hannah Koor nachts in Berlin-Treptow von einem SUV überfahren wird, sieht alles zunächst nach einem tragischen Unfall aus. Doch Jan Tommen und sein Team entdecken bald, dass das Fahrzeug gestohlen war und Koor offenbar gezielt getötet wurde. Kurz darauf wird ein ägyptischer Diplomat in einem Berliner Nobelrestaurant ermordet, und die Ermittler fragen sich, ob es einen Zusammenhang gibt – auch wegen Koors Werbung für Reisen nach Ägypten.
Besonders gelungen ist die ruhige, präzise Ermittlungsarbeit, die Alexander Hartung mit viel Gespür für Spannung erzählt. Der Roman lebt von der Frage, wie die Fälle zusammenhängen, und davon, dass Jan Tommen und sein Team ständig gegen die Grenze ihrer Befugnisse arbeiten müssen. Dabei gefällt vor allem, wie individuell und eigenständig die Mitglieder des Teams wirken und trotzdem als Einheit sehr gut funktionieren. Das sorgt für zusätzlichen Druck und macht den Krimi angenehm ernsthaft und konzentriert.
Als kleine Schwäche bleibt, dass die Handlung eher auf saubere Ermittlungsarbeit als auf große Überraschungseffekte setzt. Wer sehr wilde Wendungen erwartet, bekommt hier eher solide, kluge Spannung als spektakuläres Chaos. Genau das passt aber gut zum Ton des Romans.
„Die Kälte des Zorns“ ist eine klare Empfehlung für alle, die klassische Ermittlerkrimis mit aktueller Thematik und einem zuverlässigen Spannungsaufbau mögen. Alexander Hartung liefert einen überzeugenden Fall, der bis zum Ende trägt.

































