Alexander Kästner Tödliche Geschichte(n)

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Inhaltsangabe zu „Tödliche Geschichte(n)“ von Alexander Kästner

Selbsttötungen provozieren. Sie stellen das menschliche Leben in Frage, erfordern eine Reaktion und bedürfen der Deutung. Warum hat sich ein Mensch das Leben genommen? Wie stehen wir als Gesellschaft dazu … und was sagt Gott? Noch heute zeigt die gängige Bezeichnung ›Selbstmord‹ an, dass Selbsttötungen einst als Sünde und Verbrechen gesehen wurden. Am Beispiel Kursachsens wird gezeigt, wie Menschen in der Frühen Neuzeit Selbsttötungen deuteten und auf diese in ihrer Lebenswelt reagierten. Dabei wird gefragt, in welchem Verhältnis Praktiken und Normen zueinander standen und wie sich diese vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert veränderten. Der Autor wurde mit vorliegender Studie im Jahr 2010 an der Technischen Universität Dresden promoviert.

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  • Rezension zu "Tödliche Geschichte(n)" von Alexander Kästner

    Tödliche Geschichte(n)

    michael_lehmann-pape

    20. December 2011 um 10:28

    Dissertation zu Suizid von 1550-1800 Ein durchaus außergewöhnliches und dabei interessantes Thema hat sich Alexander Kästner für seine Dissertation im Rahmen der Geschichtswissenschaften gesetzt. Im Blick auf eine relativ breite Zeitspanne von 1547 bis 1815 innerhalb eines umgrenzten geographischen Gebietes (das ehemalige Kursachsen)geht er hierin einerseits den Praktiken der Selbsttötungen nach, hinterfragt und stellt zugleich die Werte der damaligen Zeit in breiter Form dar. Gerade diese Interdependenz von Normen und Praktiken bildet den roten Faden der gut 560 Seiten des Werkes. Im Verlauf seiner Untersuchung weist Kästner nach, das und wieweit sich der ordnungspolitische zugriff der Landesherrschaft auf das Thema der Selbsttötung und die Körper der Selbstmörder intensivierte. Interessant zu beobachten ist, dass sich diese Intensivierung tatsächlich eher auf den ordnungspolitischen Bereich konzentrierte, eine veränderte innere Haltung folgt in den betrachteten Jahrhunderten bis zur Neuzeit nur zäh. Auch natürlich, ebenso differenziert in der Arbeit dargestellt, durch die klare Haltung einerseits und die durchaus vorhandene weltliche Macht der Kirche andererseits. Auch „neue“ Einsichten durch aufklärerisch-reformatorische Argumente vermochten es lange Zeit nicht, an der Haltung der Sanktionen gegenüber Selbsttötungen Änderungen in Bewegung zu setzen. Faktisch blieben Selbsttötungen bis weit in das 19 Jh. hinein kriminalisiert. Letztlich war und blieb es doch breite Überzeugung, dass der „Teufel“ die Hand des jeweiligen Selbstmörders „führte“. Interessanterweise bietet gerade diese „religiöse“ Deutung dann aber auch (in Ausnahmen) Anlässe zu Beerdigungen auf „geweihtem Boden“. Luther selbst, noch in seinem Amt als katholischer Priester, hat für einen Selbstmörder ein Grab auf dem Friedhof aufgehoben, weil dieser eben nichts dafür könne, wenn der „Teufel ihn übermannt“. Wobei auch Luther und die protestantischen Theologen der Zeit ein Suizidalverbot grundlegend vertraten, in Fragen der Beerdigung eines Selbstmörders dann aber individuelle Kriterien gelten ließen, die unter Umständen für eine Bestattung in „geweihter Erde“ ins Felde geführt werden konnten. Eine letztlich doch durchgängig ablehnende Haltung zum Suizid stellt Kästner eindeutig fest und legt in seiner Dissertation dann offen, wie sich die herrschenden Normen in landeshoheitliches Recht und Verfahren implementierten. Die Frage nach dem Ort der Bestattung stellt sich übrigens in solchen Fällen allein deswegen oft gar nicht mehr, da die Leichen von Selbstmördern umgehend der medizinischen Ausbildung und der Anatomie zugeführt wurden. Zudem zeigt Kästner auf, wie offizielle „Programme zur Rettung versuchten Selbstmördern“ gegen solch „unnatürliche“ Todesursachen Wirkung zeigen sollten, ebenso, wie gefährdete Personen einerseits abgeschreckt werden sollten und andererseits, so bekannt, Objekte besonderer Fürsorge des Staates wurden. Den Erfolg solcher Maßnahmen stellt Kästner dann allerdings zu recht auch in Frage. Als allgemein Lektüre zur Geschichte des Suizids und des Umgangs mit Selbstmördern ist das Buch ob seines hohen wissenschaftlichen Anspruches, der geographischen Enge der Untersuchung und seiner komplexen Sprache eher nicht zu empfehlen. Insofern bezieht sich die Bewertung des Buches rein auf seinen wissenschaftlichen Wert und nicht auf die Eignung als Lektüre. Als wissenschaftlicher Beitrag zur Geschichte des Suizids in Haltung, Normen und Rechtssprechung, sowie im Blick auf das allgemeine Verhalten der Obrigkeit allerdings legt Alexander Kästner eine durchaus gelungene Untersuchung vor, innerhalb derer er fundiert nachweist, dass weder im Blick auf herrschende Normen noch im tatsächlich allgemein praktischen Umgang mit Selbstmördern eine Entkriminalisierung im betrachteten Zeitraum stattgefunden hat. Für die wissenschaftliche Arbeit zum Thema setzt Alexander Kästner hier durchaus Maßstäbe.

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