Alexander Kabakow Moskauer Märchen

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Inhaltsangabe zu „Moskauer Märchen“ von Alexander Kabakow

Der Besitzer eines Moskauer Nachtklubs und ein Neureicher, in seinem protzigen japanischen Geländewagen viel zu schnell unterwegs, ein Verkehrspolizist und die reizende Olessja Grunt, aber auch der bekannte Politiker N., dessen Namen wir nicht zu nennen brauchen, oder ein stadtbekannter junger Mann mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten, sind einige der Personen, die in den Moskauer Märchen unglaubliche Abenteuer und Schicksale erleben und erleiden. Wir werden an alte Geschichten wie etwa Rotkäppchen, den fliegenden Holländer, den Turmbau zu Babel, den Froschkönig, den Flug des Ikarus oder den fliegenden Teppich erinnert. Doch hier nehmen sie völlig überraschende Wendungen und führen zu einem unerwarteten Ende. In guter russischer, an die Werke von Nikolaj Gogol erinnernder Tradition, verpackt Kabakow seine kritische Schilderung der Moskauer Gesellschaft in schaurig-schöne, unterhaltsame Geschichten von Geistern, übernatürlichen Mächten und seltsamen Begebenheiten.

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  • Rezension zu "Moskauer Märchen" von Alexander Kabakow

    Moskauer Märchen
    HeikeG

    HeikeG

    15. August 2008 um 11:59

    Märchen sind grausam, vor allem die russischen Was hat "Schneewittchen" mit Lenin und "Der fliegende Teppich" mit russischen Abfangjägern zu tun? Die einen sind beliebte Kindermärchen, die anderen tangieren tendenziell Historie und Politik des ehemaligen Vielvölkerstaates. Bringt man allerdings Aleksander Kabakow, den russischen Schriftsteller, ins Spiel, vereinen sich diese Kontroverse in ein und derselben Geschichte. "Moskauer Märchen" heißt sein Erzählband, in dem er authentische Begebenheiten, die alles andere als märchenhaft, sondern eher erschreckend und diabolisch sind, mythologisch verwebt. Seine "Märchen" spiegeln das heutige Leben in Russland wider. Bei Aleksander Kabakow geht "Rotkäppchen" nicht mehr mit einem liebevoll zusammengestellten Korb voller Leckereien zu ihrer Großmutter, sondern hier besucht eine aufstrebende Bahnwärterin eine betagte Bekannte, um deren Wohnung zu "beerben". Da entsteigt nach seinem erlösenden Kuss keineswegs Schneewittchen seinem Glassarg, sondern ein alter Militär im Ruhestand erweckt Lenin auf orale Art zum Leben. Und Wassilissa, die Wunderschöne, ist bei Kabakow auch nur ein intrigantes, leichtes Mädchen, das ihren Körper für Wohlstand verkauft und dem Ende der Jugend im Wodka-Rausch nachtrauert. Tatsächlich begegnen dem Leser bekannte Märchen und mythologische Geschichten: von Rotkäppchen bis zum Bau des Babylonischen Turms, vom Froschkönig bis zum fliegenden Teppich, vom Flug des Ikarus bis hin zu Prometheus, der einem kleinen aufrührerischen, "apfelsinenfarbig" gekleideten Volk das Feuer bringt, als sie wegen ihres aufrührerischen Verhaltens kurzerhand vom Stromnetz genommen werden. Und wenn einer meint, man müsse nur die glitschige Haut der in einen Laubfrosch verwandelten grünen Zarentochter küssen, und schon könnte man mit ihr den Thron besteigen, tja, der landet gleich in der geschlossenen Anstalt, denn niemand wird heutzutage solch eine Philosophie verstehen. Aleksander Kabakow hat die guten, alten Märchen und Mythen aus aller Welt umgeschrieben. Er hat sie modernisiert, ihnen eine ganz eigene Tonart verpasst und sie nach Moskau verlegt. Doch das Gute siegt hier kaum noch über das Böse. Erzähler ist der Autor selbst. Er berichtet dem Leser von Personen auf ihrem Karriereweg vom ehemaligen Komsomol-Sekretär zum Millionär, er spricht über Korruption und ausgeprägten Antisemitismus im kommunistischen Russland. Alle seine Geschichten offenbaren eine äußerst präzise Beobachtungsgabe, obwohl er nach seinen "märchenhaften" Protagonisten nie lange suchen musste, erzählt der Autor in einem Interview. Es sind Menschen, von denen er in seiner Heimat tagtäglich umgeben ist, und auch die Handlungen sind der Realität entnommen. Mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie unterlegt, berichtet Kabakow mit sarkastischer Leichtigkeit über grausame Kindheitserlebnisse, Alkoholismus, Armut, Brutalität und spart auch die Kriegsereignisse in Tschetschenien und das leichte Leben der neuen, geltungsbedürftigen russischen "Elite" nicht aus. Nicht nur Dostojewski, sondern auch Aleksander Kabakow schreibt über die Russen "Sachen (...), die lieber kein Mensch wissen sollte". Herausgekommen ist eine Enzyklopädie des modernen russischen Lebens, mit all seinen typischen Beamten, skrupellosen Geschäftsleuten, Gangstern, leichten Mädchen, Politikern und anderen zweifelhaften, aber sehr gegenwärtigen Persönlichkeiten: auf der einen Seite sehr realistisch, auf der anderen stilistisch schrill überzeichnet und mit einer zum Teil schwermütigen Intonation. Diese Kontroverse und die großartige Kreuzung des fantastischen Genres mit der brutalen Realität seines Landes offerieren einen schaurig-schönen, unterhaltsamen, politisch brisanten und kritischen Streifzug durch 50 Jahre russische Geschichte Alle zwölf Geschichten und ihre "Helden" sind untereinander vielschichtig verwoben und miteinander verknüpft. Vergangenheit und Gegenwart fließen ständig ineinander. Durch das permanente Überschreiten der Grenze zwischen Metapher und Realität, werden beim Leser literarische Bilder und Visionen von beängstigender Realität und archetypischer Zeitlosigkeit erzeugt. Und um noch einmal auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen, was die mythischen Gestalten mit dem russischen Alltag gemein haben, kann als mögliche Antwort der Erzähler in der Geschichte "Rotkäppi und der Grauwolf" herangezogen werden: "In den Märchen hat das Gute (...) immer Fäuste, und zwar eisenharte, von denen das Böse nur träumen kann. Märchen sind allesamt grausam. Allerdings ist das Leben bis jetzt auch nicht besser", zumindest das in Russland nicht. Ein entscheidender Unterschied ist dennoch zu verzeichnen: die einstmals bekannten, liebenswert-hinreißenden Figuren entfalten sich in den "Moskauer Märchen" zu tragischen "menschlichen Komödien", die eher traurig aus dem Text herausschauen. Für den Zyklus „Moskauer Märchen“ wurde Aleksander Kabakow mit dem Preis „Prosa des Jahres“, vergeben von einer Jury aus Verlegern und Journalisten auf der Moskauer Buchmesse 2005, ausgezeichnet. Den immer mit einem Schuss Ironie unterlegten russischen Originaltext hat Hannelore Umbreit prägnant und imposant ins Deutsche übertragen.

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