Alexander Kissler

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Alles über Patrick Süskinds Das Parfum

Alles über Patrick Süskinds Das Parfum

 (3)
Erschienen am 28.09.2006
Dummgeglotzt

Dummgeglotzt

 (2)
Erschienen am 20.07.2009
Papst im Widerspruch

Papst im Widerspruch

 (1)
Erschienen am 14.03.2013
"Wo bin ich denn behaust?"

"Wo bin ich denn behaust?"

 (1)
Erschienen am 01.09.2003
Der Jahrhundertpapst

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 (0)
Erschienen am 04.04.2011
Der aufgeklärte Gott

Der aufgeklärte Gott

 (0)
Erschienen am 19.03.2008

Neue Rezensionen zu Alexander Kissler

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Rezension zu "Keine Toleranz den Intoleranten: Warum der Westen seine Werte verteidigen muss" von Alexander Kissler

Eine Streitschrift im besten Sinne des Wortes
WinfriedStanzickvor 3 Jahren



Dieses Buch ist eine Streitschrift im besten Sinne des Wortes. Der Publizist Alexander Kissler, der in der Vergangenheit sich schon oft mit differenzierten und pointierten Beiträgen in die politischen und kulturellen Debatten in unserem Land eingemischt hat, nimmt in seinem neuen Buch die Reaktionen der Öffentlichkeit und Politik der westlichen Gesellschaften und Kulturen nach den Pariser Anschlägen auf Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 genau unter seine kritische Lupe.

Dass schon wenig später ein noch viel schwererer Anschlag von fanatischen Islamisten die französische Weltmetropole treffen würde, konnte er beim Schreiben dieses Buches noch nicht ahnen. Aber ich bin sicher, es hat ihn nicht überrascht. Denn die Reaktionen bisher unterscheiden sich nicht wesentlich von denen im Januar.

Da wird verbal aufgerüstet, es wird nach schärferen Gesetzen gerufen und so die über eine lange Zeit erkämpfte Freiheit der westlichen Demokratien in Frage gestellt. Und damit wird genau in die Falle getappt, die die Islamisten aufgestellt haben.

Doch Alexander Kissler geht es um mehr als nur die aktuelle Analyse. Er verfolgt mit stellenweise bissigen und auch bitteren Kommentaren,  hauptsächlich natürlich mit dem Fokus auf Deutschland, wie die Medien, die Politiker, die Kirchen und die Intellektuellen, wenn sie sich denn überhaupt zu Wort melden, lieber eine Position und einen Wert nach dem anderen verwässern oder gar ganz aufgeben, als klar und deutlich zu erkennen und es dann auch auszusprechen,  dass durch immer mehr Verständnis dem Islam gegenüber die nötigen Abgrenzungen und Distanzierung ausbleiben und eine Werteposition nach der anderen aufgegeben wird.

Mir persönlich etwa ärgert es zunehmend, dass meine evangelische Kirche, auf deren Liberalität und Humanität ich stolz bin im Zusammenhang mit den Flüchtlingen zur Zeit nur von ihrer genuinen Aufgabe spricht, Fremde aufzunehmen anstatt darauf hinzuweisen, dass sich schon bald moslemische Parallel-Gesellschaften und Kulturen herausbilden werden, die unsere christlichen Werte nicht anerkennen und das auch niemals tun werden. Es gibt kein einziges Beispiel, dass in irgendeinem Land islamische Migranten das getan hätten.  Der Reflex, den Kissler scharf angreift, ist der, jede solcher Entwicklungen zu erklären und zu entschuldigen mit Verweisen auf den Kolonialismus und die Unrechtsgeschichte des Westens und seiner jüdisch-christlich geprägten Kultur. Kein Wort hingegen zu Angriffen von Moslems auf Christen in vielen Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge.

Kissler zitiert mehrfach unter anderen den linken Philosophen Slavo Zizek, der in seinem Buch "Blasphemische Gedanken. Islam und   Moderne " immer wieder betont, dass die auf ihre Sünden regelrecht stolze Larmoyanz des Westens den Feinden des Westens in die Karten spielt. Als Hauptsatz der "politisch korrekten Selbstbezichtigung des Westens" identifiziert er den Satz: "Wenn etwas Schreckliches in der Dritten Welt geschieht, dann muss es auf irgendeine Weise eine Folge des (Neo-) Kolonialismus sein. "

Viele weitere Stimmen von Zeitgenossen ruft Kissler auf, die allesamt stehen für eine aufgeklärte und liberale, demokratische begründete Haltung und Philosophie.

Es ist sowas wie ein Schuldkomplex und stellenweise bis zum Selbsthass sich steigernde der Öffentlichkeit der westlichen Gesellschaften,  die seinen erklärten Feinden ein zunehmend leichtes Seite bieten.

Ein Wandel ist dringend nötig: "Der Westen muss wieder fähig werden Auskunft zu geben,  jedem und jeder, ueber die Genesen seiner Freiheiten. Er muss neu ausbuchstabieren und verteidigen können,  wie er wurde, was er ist: ein Versprechen auf Glück, eine Geschichte von der Würde eines jeden Menschen, die unverlierbar ist, weil jeder Mensch gleich geboren wird, weil jeder Mensch als Person mit einem Schrei ins Leben tritt und noch immer weiß,  was er zu Voltaires Zeiten wusste,  'was du nicht willst, das man dir tun soll, das tue du auch nicht.'"

Das, darauf weist der Rezensent hin,  steht schon im Neuen Testament. Auch so ein Dokument unserer Kultur, das uns
Orientierung geben könnte, von  dem aber immer mehr immer weniger wissen.

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Monika58097s avatar

Äußerst lesenswert! Toleranz oder doch eher Ignoranz – diese Frage stellt der Autor in den Raum. Anfang 2015 müssen 12 Menschen in Frankreich sterben, weil religiöse Fanatiker nicht mit den Satirezeichnungen der Zeitschrift Charlie Hebdo einverstanden waren. Sie sind nicht die einzigen Opfer. Wie reagiert die Politik, die Öffentlichkeit? Gibt es tatsächlich keine Beschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit? Immer mehr antisemitische Straftaten werden begangen – von Muslimen. Der Autor stellt die Frage, warum man Tatsachen nicht beim Namen nennt, wo doch die Täter selbst skandieren, dass sie im Namen ihrer Religion töten und verfolgen? In Dänemark wurde von ganz oben angeordnet, dass niemand sagen dürfe, dass der Terrorist ein Muslim war. Doch wieso muss die Meinungs- und Redefreiheit nach Taten von Extremisten eingeschränkt werden? Dem Westen sei alles egal. Hauptsache, man wird nicht weiter gestört. Bloß nicht den Islam kritisieren. Dabei müssen auch wir, der Westen, unsere Geschichte weiter erzählen dürfen. Alexander Kissler fragt nach, regt zu Überlegungen und Diskussionen an. Er schreibt über den Islam im Allgemeinen ohne zu verallgemeinern. Er schafft Fakten, keine Vorurteile. Wieso werden Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umbenannt? Der Sankt Martins-Umzug wird plötzlich zum Sonne-Mond-und-Sterne-Fest. Wieso verschwinden Seifen mit einer Moschee als Aufdruck aus den Regalen, nur weil sich ein paar wenige Muslime darüber aufregen? Was hat das mit Toleranz zu tun? Warum stehen wir nicht zu unseren Werten, unseren Vorstellungen, unseren Rechten? „Keine Toleranz den Intoleranten“ regt zum Nachdenken an. Keineswegs wirft der Autor alle Muslime in einen Topf. Ganz im Gegenteil! Es geht darum, warum der Westen seine eigenen Werte nicht mehr genügend verteidigt, die eigenen Werte nicht mehr lebt. Ein sehr interessantes, sehr spannendes Buch!

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HeikeGs avatar

Rezension zu "Dummgeglotzt" von Alexander Kissler

Rezension zu "Dummgeglotzt" von Alexander Kissler
HeikeGvor 9 Jahren

Ordnung, Übersichtlichkeit und Zufallslosigkeit - Die Angelhaken im Bilderteich
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Eine Expedition in die Untiefen deutscher Fernsehkultur
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Fernsehen ist mittlerweile die unangefochten wichtigste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. 208 Minuten, also täglich 3 Stunden und 28 Minuten verbrachte 2008 durchschnittlich jeder Bürger in Deutschland seine Zeit vor dem Fernseher. Und der Durchschnitt erfasst hierbei auch jene, die kaum oder gar nicht den Fingerdruck auf der Fernbedienung ausüben. Ergo liegt der Schnitt des Fernsehkonsums noch deutlich höher.
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In den sechziger Jahren begann das Fernsehen seinen Siegeszug, wurde Lebensmittelpunkt vieler Familien. Seine Anschaffung war meist wichtiger als die einer Waschmaschine. Seither steht der Flimmerkasten im Zentrum und strahlt pure Zuverlässigkeit aus, ein klar durchschaubares Reich im sonst so ungewissen Leben. "Jede Sendung ist ein Hinabtauchen an genau berechneten Stellen in einen nur scheinbar unauslotbaren Teich.", stellt der Kulturjournalist, Medien- und Literaturwissenschaftler Alexander Kissler fest. Und der treue Betrachter glaubt, was das Fernsehen normal vorführt, sei auch normal und echte Probleme von echten Menschen würden verhandelt. "Wer das Fernsehen also wahrnimmt, wie es wahrgenommen werden will", so der Autor, "der kriecht ihm auf den Leim; der lässt es zu, dass das Fernsehen den Rahmen setzt für das, was normal oder real sein soll; der gibt, weil die Freude am Schauen zum Glauben an das Geschaute führt, sein Recht auf Selbstbestimmung schleichend aus der Hand. Wer den vom Fernsehen rund um die Uhr hinaus posaunten Katalog der Werte und der Haltungen akzeptiert, der lässt sich verblöden. Er tritt die Gabe der Unterscheidung ab an das Fernsehen."
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Das Erschreckende daran ist, dass auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten in den Quotenkrieg um das "höchste Erregungspotential" eingetreten sind. Deren Sendungen unterscheiden sich immer weniger von denen der Privaten. So haben sie zum Beispiel ihre ehemalige Nachrichtenkompetenz eindeutig dem Trend zur Gefühligkeit und Sucht nach Zerstreuung geopfert. "Weder das 'heute-journal' noch die angeblich politische Debatte bei 'Anne Will' sind vom Boulevard der Privaten zu trennen. Hier wie dort sollen bunte Filmchen über bekannte Gesichter das politische oder auch nur eigenständige Urteil ersetzen.", stellt Kissler fest.
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Alexander Kissler teilt die "großen Erzählungen" des Fernsehens in kleine Geschichten und nimmt den Leser mit in die Hölle der stöckelnden Topmodels, der schwitzenden Dschungelhelden oder krächzenden Superstars. Er berichtet aus Schönheits-OP-Sälen von wegoperierten "Fettschürzen", den glorreichen Hilfeleistungen bei sogenannten "Unterschichtenfamilien" aus dem "Hartz-IV-Sumpf" oder aber von der kaum zu entziehenden Kochschwemme jedweder couleur. Er offeriert das kitschige Schmalzangebot und die Metamorphose von Journalismus in Gefühlsmanagement (so geschehen u. a. nach dem Amoklauf in Winnenden) der mit jährlich über sieben Milliarden Euro subventionierten Öffentlich-Rechtlichen. Auch die Dritten kommen bei ihm wenig schmeichelhaft weg.
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Kissler kredenzt eine amüsante, manchmal schockierende, dann wieder zum Schmunzeln oder Lachen verführende kleine Chronik der jüngsten Fernsehgeschichte. "Schaut man [...] in den Unterhaltungsmüll, den die Überzeugungstäter zusammenscharren, dann erschrickt man vor so viel Dumpfheit, Grellheit, Dummheit.", zitiert er den Literatur- und Musikkritiker Joachim Kaiser. Die Wutrede Marcel Reich-Ranickis bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises und das Beipflichten Elke Heidenreichs untermauerten diese Aussage öffentlich. "Dummgeglotzt" offeriert als weitere Bestätigung.
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Gelegentlich ist man versucht, die Fernbedienung zur Hand zu nehmen und Kisslers Ausführungen einfach wegzuzappen, so haarsträubend detailliert walzt er bestimmte Sendungen aus. Ob diese Ausführlichkeit, dieser mitunter allzu intime Blick, dieses Vorführen in extenso sein muss, mag bezweifelt werden. Für den Fernsehverweigerer ist er einmal mehr Bestätigung. Ob der Dauer-Konsument erreicht wird und sein TV-Verhalten vielleicht überdenkt oder gar reduziert, ist fraglich. Einen Denkanstoß jedoch, sein eigenes Verhalten fortwährend zu reflektieren und somit einen Ausgang aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu finden, vermag dieses Buch durchaus zu geben.
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"Wer denken will, der muss aussteigen aus dem Audienceflow, der die Bilder aneinander kettet und in dem der Betrachter sich verfangen soll, naschsüchtigen Kindern gleich.", so Alexander Kissler.

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