Alexander Kissler

 4 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Widerworte, Alles über Patrick Süskinds Das Parfum und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Alexander Kissler

Alexander Kissler, Dr. phil., ist Kulturjournalist und Sachbuchautor. Seit Januar 2013 leitet er das Kulturressort "Salon" beim Cicero, dem Magazin für politische Kultur. 2015 erschien sein erfolgreiches Buch "Keine Toleranz den Intoleranten".

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Alexander Kissler

Sortieren:
Buchformat:
Cover des Buches Widerworte9783579014746

Widerworte

 (4)
Erschienen am 25.02.2019
Cover des Buches Alles über Patrick Süskinds Das Parfum9783453810891

Alles über Patrick Süskinds Das Parfum

 (3)
Erschienen am 28.09.2006
Cover des Buches Dummgeglotzt9783579068862

Dummgeglotzt

 (2)
Erschienen am 20.07.2009
Cover des Buches Papst im Widerspruch9783629022158

Papst im Widerspruch

 (1)
Erschienen am 14.03.2013
Cover des Buches "Wo bin ich denn behaust?"9783892446316

"Wo bin ich denn behaust?"

 (1)
Erschienen am 01.09.2003
Cover des Buches Der Jahrhundertpapst9783629023049

Der Jahrhundertpapst

 (0)
Erschienen am 04.04.2011

Neue Rezensionen zu Alexander Kissler

Neu

Rezension zu "Widerworte" von Alexander Kissler

Ist nun endlich Schluss mit den Phrasen?
R_Mantheyvor einem Jahr

Der Untertitel zu Kisslers Widerworten besitzt etwas Witziges. Glaubt dieser kluge Mann allen Ernstes, sein Buch würde zur finalen Abschaffung der Phrase beitragen? So viel Selbstüberschätzung möchte man ihm nicht unterstellen. Mit der scharfen Logik seines Textes könnte man sogar behaupten, dass die Phrase im Politischen genauso alternativlos ist, wie ein eingängiger Spruch in der Werbung. Sonst würde es sie nämlich nicht geben.

Dass man sich über das intellektuelle Niveau von Kisslers Text begeistert äußern kann, wundert ebenso wenig wie die Lobpreisungen seiner gnadenlosen Entlarvungen der von ihm ausgewählten politischen Plattitüden. Allerdings wollten die Erfinder solcher Phrasen keineswegs den Preis für den Spruch mit dem höchsten geistigen Niveau einheimsen. Auf diese Weise hätten sie ihr Ziel völlig verfehlt. Eine Phrase muss eingängig und glatt sein. Sie soll schließlich keineswegs zum Nachdenken führen, sondern es gerade vermeiden. Eine Phrase muss so konstruiert sein, dass sie die Wächter des Zweifels im Gehirn einschläfert und so möglichst schnell als Wahrheit akzeptiert werden kann. Nur wenn sie vordergründig einsichtig erscheint, ist sie nützlich. Und ihr Nutzen besteht in einer möglichst andauernden Manipulation des Empfängers. Dafür ist sie gemacht.

Man muss auch davon ausgehen, dass bis auf einige geistige Ausrutscher einer alternativlosen Kanzlerin hinter den meisten der im Buch sezierten Phrasen eine Agentur steht, die sich mit den betreffenden Formulierungen und ihrer Eingängigkeit professionell beschäftigt hat. Kissler wählte für dieses Buch 15 Phrasen aus, "denen widersprochen werden muss". Auch bei dieser Formulierung kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als hätte er den Sinn der politischen Phrase nicht verstanden. Er möchte einfach beweisen, wie unrecht die Politiker hätten, die sie benutzen. Damit hebt er diese Phrasen auf ein geistiges Niveau, das sie gewiss nicht haben und auch nicht haben wollen. Vielleicht meint Kissler auch, Politiker hätten intellektuell nicht begriffen, was sie mit ihren Phrasen von sich geben. Das mag sogar so sein. Sie werden trotzdem garantiert auf ihnen beharren, selbst wenn sie sein Buch lesen würden.

Was bleibt also von diesem Text? Zunächst einmal ist er lehrreich, und mitunter, nicht immer eben, auch ein intellektueller Genuss. Es macht Spaß, zuzusehen, wie Kissler die Grobschlächtigkeit politischer Phrasen enttarnt. Leider fehlt seinem Text etwas der Humor. Kissler nimmt die Phrase einfach zu ernst, versteht nicht ihren wenig intellektuellen Anspruch. Im Text stehen einige kurze Auslassungen von politischen Kabarettisten, die spitzzüngiger als Kissler den gewollten Schwachsinn von Phrasen auf den Punkt bringen.

Die 15 Phrasen, die von Kissler in diesem Buch auseinandergenommen werden, lauten so:
- Heimat gibt es auch im Plural
- Vielfalt ist unsere Stärke
- Wir schaffen das
- Jeder verdient Respekt
- Religion ist Privatsache
- Europas Werte ertrinken im Mittelmeer
- Willkommenskultur ist der beste Schutz vor Terror
- Solidarität ist keine Einbahnstraße
- Unser Reichtum ist die Armut der Anderen
- Menschlichkeit kennt keine Obergrenze
- Angst hat man vor dem, was man nicht kennt
- Gewalt ist keine Lösung
- Haltung zeigen
- Das ist alternativlos
- Wir müssen zur Sacharbeit zurückkehren.

Offenbar ist die politische Phrase für den in Westdeutschland aufgewachsenen Autor eine neue Erfahrung. Je mehr Menschen manipuliert werden müssen, weil ihre Lebenswirklichkeit und ihr Wollen nicht mehr von der Politik reflektiert werden, desto aufdringlicher werden die politischen Phrasen. Und irgendwann mutieren sie dann schließlich zum Bumerang.

Was mir an Kisslers Buch besonders gefallen hat, war die Logik, mit der er die Phrasen seziert hat. Noch besser hätte mir gefallen, wenn er sich darauf beschränkt und das dann mit Humor und Ironie gewürzt hätte. Mir erschien sein Buch ein wenig zu intellektuell. Eine Phrase entlarvt man am besten mit beißendem Witz. Der fehlt Kissler leider. 

Kommentieren0
6
Teilen
Z

Rezension zu "Widerworte" von Alexander Kissler

Ein einziges Thema in zahlreichen Varianten
Zhou-Yivor einem Jahr

Am Anfang dieses Buchs heißt es:

„Wer über die Worte bestimmt, der beherrscht das Denken.“

Das kann man so stehen lassen. Framing nennt man das auf Neudeutsch.

Im Klappentext wird das Thema so umrissen:

„Phrasen regieren uns. Sie täuschen etwas vor, was nicht da ist: einen klugen Gedanken, eine tiefe Einsicht, eine hohe Moral. Sie sind Sie sind Behauptungen, denen nicht auf den Grund gegangen werden soll, rhetorisches Lametta fast ohne Substanz.“

Kissler arbeitet sich an der Flüchtlingskrise ab. Er erregte sich im Jahr 2015 über Merkels Satz zur Flüchtlingskrise: „Wir schaffen das.“

Für Kissler ist das: „Ein reiner Behauptungssatz, man weiß nicht, wer WIR ist, man weiß nicht, was DAS ist und auch nicht, was SCHAFFEN meint.“

Das kann man so stehen lassen.

Im Interview mit „The European“ sagt Kissler frei heraus, was er von Angela Merkel hält:

„Frau Merkel ist die Phrasenkönigin unserer Republik. Merkel setzt sehr bewusst das Mittel des schlechten Deutsch ein, weil sie a) kein Deutsch kann, aber auch b) ihr das zugutekommt, weil sie fast nie auf den Sinn ihrer Sätze festgenagelt wird. […] Frau Merkel will sich nicht erklären, muss aber reden. Deshalb greift sie zu Phrasen.“

In der Weltwoche bemängelte Kissler die Arbeit der Journalisten, die oft aus blanker Not zu Phrasen greifen, denn Dinge zu begreifen, kostet Zeit:

„Journalisten sind heute mehr denn je willige Abnehmer von Phrasen ebenso wie Produzenten und Händler von Phrasen. Das liegt auch am ökonomischen Druck. Immer weniger Journalisten schreiben unter immer größerem Druck immer schlechtere Texte. Das Diktat der Zeit trifft auch Politiker. Je weniger Zeit ich habe, um nachzudenken, desto leichter greife ich zum Satzbaukasten der Phrase. Indem Journalisten die Phrasen der Politiker ungeprüft weiter tragen, geben sie Phrasen die falsche  Weihe des Arguments.“

Weiter führt er aus:

„Phrasen sind strategisch eingesetzte rhetorische Operationen, mit denen man ein Basta bemäntelt als Diskussionsbeitrag. Politische Phrasen sind Basta-Wörter. Sie simulieren Nachdenklichkeit, sie geben vor, dass sie eine Debatte eröffnen wollen, dabei wollen sie diese schließen oder erst gar nicht entstehen lassen.“

Fazit:

Bis auf einige treffende Definitionen ist das Buch eine Enttäuschung. Selbst wenn der Autor stellenweise Recht hat. Es macht keinen Spaß, ständig Kisslers Analyse der Flüchtlingskrise vorgekaut zu bekommen. Ich hätte gerne etwas zum Thema Alltagsphrasen gelesen.

Kissler behandelt die folgenden 15 Phrasen:

Heimat gibt es auch im Plural

Vielfalt ist unsere Stärke

Wir schaffen das

Jeder verdient Respekt

Religion ist Privatsache

Europas Werte ertrinken im Mittelmeer

Willkommenskultur ist der beste Schutz vor Terror

Solidarität ist keine Einbahnstraße

Unser Reichtum ist die Armut der Anderen

Menschlichkeit kennt keine Obergrenze

Angst hat man vor dem, was man nicht kennt

Gewalt ist keine Lösung

Haltung zeigen

Das ist alternativlos

Wir müssen zur Sacharbeit zurückkehren.

Wer will, soll das Buch lesen. Mir reicht es. Ich werde nichts mehr von Kissler lesen. Wahrscheinlich haut er auch da in die immer gleiche Kerbe.

Kissler ist der Autor von Sachbüchern wie „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Widerworte" von Alexander Kissler

Politische Widerworte
breathingwordsvor einem Jahr

Rezensionsexemplar

Inhalt: In seinem Sachbuch „Widerworte“ erklärt der Alexander Kissler, dass manche Sprüche eine Tiefe vorgeben, die sie eigentlich nicht besitzen. Phrasen sind Totschlagargumente, denn ihr Zentrum ist „unerklärlich, unbeschreiblich, unbeweisbar“ (S. 8). Dabei klafft in ihrer Mitte eine Leere des Denkens. Diesem Mangel an Gedanken geht Alexander Kissler auf den Grund, indem er fünfzehn Phrasen auseinandernimmt. Von „Wir schaffen das“ über „Jeder verdient Respekt“ bis hin zu „Das ist alternativlos“ wird ihnen jeweils ein Kapitel gewidmet.


Eigene Meinung: Kisslers Definitionen der Phrasen haben mir gut gefallen. Sie stellen das Grundproblem solch leerer Worten dar: „Die Phrase beginnt dort, wo das Denken endet.“ (S. 171) Eine gefährliche Kombination mit „tausendfach erprobte[m...] Kopfnicken“ (S. 71).

Allerdings entwickelte sich das Buch etwas anders, als von mir erwartet. Wenn man den Autor und sein Engagement für politische Kultur bereits kennt, dann überrascht die Richtung vermutlich nicht. Ich jedoch hatte mir etwas Ausgeglicheneres zwischen politischen und zwischenmenschlichen Phrasen vorgestellt. Es ist schwer, beim Auseinandernehmen politischer Phrasen neutral zu bleiben. Wie erwartet, gibt sich im Verlauf des Buches eine politische Stellungnahme zu erkennen. Der Autor kommt immer wieder auf das Thema Flüchtlingskrise zurück und lässt klar durchscheinen, dass er Merkels Handeln missbilligte. Darüber hinaus verabsolutiert er seine eigene Meinung. Es hinterließ bei mir einen üblen Nachgeschmack, wenn er z. B. entschied, wessen Weltanschauung die Richtige sei. Beispiel, Kapitel 12 „Gewalt ist keine Lösung“, S. 143: „Realisten wie der Historiker Jörg Baberowski bescheiden sich mit dem generellen Hinweis, »wer Gewalt eindämmen will, muss Gewalt ausüben.«“


Fazit: Wer das Buch zur Hand nimmt, sollte sich auf eine politische Lektüre einstellen. Die Erklärung von Phrasen ist gelungen, die Beispiele jedoch von einem festen Standpunkt aus erläutert. Wer bereits von Alexander Kissler gelesen hat, wird sich diese Lektüre sicher bewusst aussuchen und Gefallen finden.

Kommentieren0
4
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 29 Bibliotheken

von 2 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks