Alexander Kluge

 4.5 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Chronik der Gefühle, Das Bohren harter Bretter und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Alexander Kluge

Alexander Kluge wurde am 14. Februar 1932 in Halberstadt geboren. Er studierte in Marburg und Frankfurt/Main Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik. Nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt absolvierte er ein Volontariat bei dem Filmregisseur Fritz Lang und betätigte sich mit Erfolg als Filmemacher und literarischer Autor. Er erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Deutschen Filmpreis 2008 (Ehrenpreis). In der filmedition suhrkamp erschien zuletzt Nachrichten aus der ideologischen Antike. Marx – Eisenstein – Das Kapital. »Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor, auch wenn ich Filme hergestellt habe oder Fernsehmagazine. Das liegt daran, daß Bücher Geduld haben und warten können, da das Wort die einzige Aufbewahrungsform menschlicher Erfahrung darstellt, die von der Zeit unabhängig ist und nicht in den Lebensläufen einzelner Menschen eingekerkert bleibt. Die Bücher sind ein großzügiges Medium und ich trauere noch heute, wenn ich daran denke, daß die Bibliothek in Alexandria verbrannte. Ich fühle in mir eine spontane Lust, die Bücher neu zu schreiben, die damals untergingen.« Alexander Kluge, (Dankesrede zum Heinrich-Böll-Preis, 1993)

Alle Bücher von Alexander Kluge

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Chronik der Gefühle

Chronik der Gefühle

 (5)
Erschienen am 29.11.2004
Das Bohren harter Bretter

Das Bohren harter Bretter

 (3)
Erschienen am 14.03.2011
Die Lücke, die der Teufel läßt

Die Lücke, die der Teufel läßt

 (2)
Erschienen am 28.11.2005
Geschichten vom Kino

Geschichten vom Kino

 (2)
Erschienen am 14.02.2007
Das fünfte Buch

Das fünfte Buch

 (1)
Erschienen am 23.01.2012
30. April 1945

30. April 1945

 (1)
Erschienen am 14.04.2014

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Neue Rezensionen zu Alexander Kluge

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complitses avatar

Rezension zu "Geschichten vom Kino" von Alexander Kluge

Filme schreiben im Korallenriff
complitsevor 2 Jahren

Als der promovierte Jurist Alexander Kluge Ende der 50er Jahre ein Volontariat bei Fritz Lang machte, der gerade Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal drehte, saß er viel in der Kantine und schrieb Geschichten, die später unter dem Titel Lebensläufe bei Suhrkamp erschienen. Kluge ist in beide Professionen, als literarischer Autor und als Filmemacher, auf höchstem Niveau eingestiegen und führt beide bis heute extensiv fort. Dabei ist ein wahrhaft einzigartiges Werk entstanden.

Die große Faszination, die Alexander Kluges Werk insgesamt auf mich ausübt, hat sich nicht gleich auf den ersten Seiten entwickelt. Ich fing erst an, seine Literatur zu begreifen, nachdem ich seine Filme Abschied von gestern (1966) und besonders Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos (1968) gesehen hatte. Für Kluge konstitutive Konzepte – die Kategorie Zusammenhang, der Antirealismus des Gefühls, das spezielle Montageprinzip – erschließen sich nicht im einzelnen Text, sondern nur über die Vielfalt seines Werks, das Kluge selbst mit einem Korallenriff vergleicht und das den Ausmaßen des Great Barrier Reef entspricht.

Der 2007 bei Suhrkamp erschienene Band Geschichten vom Kino ist ein besonders schöner Abschnitt dieses kaum zu überblickenden Ökosystems, weil es zwei der wesentlichen Ausdrucksformen Kluges – Literatur und Film – verbindet, und dabei zugleich die individuelle Form vor Augen führt, die sein literarisches Werk unverwechselbar charakterisiert: Was Kluge lakonisch Geschichten nennt, sind autonome, oft sehr kurze Erzählungen, Dokumentationen, Beschreibungen, Gespräche ohne Inquitformeln, bei denen der Sprecherwechsel lediglich durch Gedankenstriche angezeigt wird. Kleine Einheiten, die, in der Literatur wie im Film, zu größeren Einheiten montiert werden und so Zusammenhang entstehen lassen. Kluges ewige Themen – Krieg, Krisen, persönliches Unglück, die Kälte der gesellschaftlichen Institutionen; aber auch Rettung in letzter Sekunde und glückliche Zufälle – finden sich natürlich auch in den Geschichten vom Kino, immer in ihrem Bezug zum Film. Seine knappen, sachlichen Geschichten zeigen, erzeugen und reflektieren große Gefühle ohne falsche Sentimentalitäten.

Anlässlich seiner Retrospektive in der Cinématèque Française bezeichnete Kluge sich selbst als „Patriot der Filmgeschichte“, die er ganz offenkundig liebt, die er seit 50 Jahren mitgestaltet und über die er sehr viel zu erzählen hat: Das macht Geschichten vom Kino für mich zu Kluges schönstem Buch.

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dieFlos avatar

Rezension zu "Die Wächter des Sarkophags" von Alexander Kluge

Tschernobyl
dieFlovor 5 Jahren

Wir alle wissen, was dieses Unglück war aber dieses Buch besticht durch Details, durch Informationen und Interviews all der Leute die vor Ort waren.

Grausam und ehrlich taucht der Leser ein, liest von der Unwissenheit der Bewohner von Prypjet und den Schicksalen die folgen. Fotos verstärken die ohnehin schon heftigen Texte und man schaut Richtung Himmel und fragt warum....

Man liest von Kämpfen untereinander, von Raub  und Verlust und kann sich nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die freiwillig in dieses Gebiet zurück wollen, nur weil es ihre Heimat ist.

Ich kann euch nicht mehr sagen - mir fehlen die Worte! Wir kennen die Auswirkungen und müssen heute noch unter den Folgen leiden und doch werden weitere Atomkraftwerke in unsere Welt gesetzt!  Das Buch ist schnell zu lesen und lässt mich schockiert zurück!

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W

Rezension zu "Das fünfte Buch" von Alexander Kluge

Rezension zu "Das fünfte Buch" von Alexander Kluge
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

„Das Rumoren der verschluckten Welt, die Unverwüstlichkeit von menschlicher Arbeit und von love politics, der Kältestrom, die unsichtbare Schrift der Vorfahren – das sind die Themen. DAS FÜNFTE BUCH heißt dieser Band, weil er im Dialog mit den vorangegangenen vier Bänden meiner Erzählungen steht. Wie in meinem ersten Buch, das ich 1962 veröffentlichte, geht es um LEBENSLÄUFE. Die Geschichten sind teils erfunden, teils nicht erfunden.“ (Aus dem Vorwort des Buches.)

Alexander Kluge ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten und originellsten Intellektuellen in Deutschland. In seinem letzten, 2011 erschienenen Buch „Das Bohren harter Bretter“ fragte er in "133 politischen Geschichten" nach den Werkzeugen, die politisch agierenden Menschen in der Vergangenheit und der Gegenwart zur Verfügung standen und stehen. Er fragt sich als Literat, wie man davon erzählen kann, wie sich das "Politische", mit dem er sich auch in seinem Gesamtwerk immer wieder beschäftigt (vgl. vor allem das mit Oskar Negt geschriebene große Werk "Geschichte und Eigensinn") beschreiben lässt. Dabei benutzt er wie schon damals einen weiten Politikbegriff. Kluge nennt die Politik einen "besonderen Aggregatzustand alltäglicher Gefühle". Sie sei überall anzutreffen und bewege die privaten Lebensläufe genauso wie die Öffentlichkeit.

In seinem hier vorliegenden, mit zahlreichen schwarz-weiß-Fotos versehenen neuen Buch „Das fünfte Buch.Lebensläufe. 402 Geschichten“ erzählt er, einen weiten Bogen von der Antike bis zur aktuellen Gegenwart spannend, und berühmte wie unbekannte Menschen beschreibend, davon.
Er nennt seine Lebensläufe „Behausungen, wenn draußen Krise herrscht.“ Wie in seinen bisherigen Geschichten auch, treibt Alexander Kluge der Gedanke um, wie er durch sein Erzählen die Bereitschaft von Menschen, aus dem eigenen Leben und dem Leben anderer Menschen etwas zu lernen, fördern kann. In allen seinen Büchern, auch den eher philosophischen mit Oskar Negt, geht es immer darum, diese Lernbereitschaft wach zu halten und weiterzuerzählen. Hier liegt wohl auch der Grund seiner docta spes verborgen, mit der er immer wieder gegen den von Ernst Bloch so genannten Kältestrom in der Geschichte anschreibt. Geschichten sind das, voller Überraschungen und tiefer Erkenntnis, auf sprachlich hohem Niveau. Ihre Lektüre ist, wie bei Kluge immer, ein intellektueller Genuss.

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Alexander Kluge wurde am 14. Februar 1932 in Halberstadt (Deutschland) geboren.

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