Alexander Litwinenko Eiszeit im Kreml

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Inhaltsangabe zu „Eiszeit im Kreml“ von Alexander Litwinenko

»Musste Litwinenko wegen dieses Buches sterben?« Irish Independent Ein in Russland verbotenes Buch, in Litauen gedruckt, nach Moskau geschmuggelt, wo es seitdem im Untergrund kursiert. Der Kreml schweigt oder wiegelt ab, wenn Journalisten um einen Kommentar zu Litwinenkos Anklagen bitten. Der Krieg in Tschetschenien werde geführt, um den dort um sich greifenden Terror zu bekämpfen, der die Sicherheit der russischen Bevölkerung bedrohe. So lautet die amtliche Standardversion. Litwinenko und Felshtinsky treten ihr entschieden entgegen. Ihre Hauptthese: Die blutigen Bombenanschläge auf Wohnhäuser, Schulen und Discos in Moskau und anderen Städten waren nicht das Werk radikaler Separatisten aus einer aufmüpfigen Republik, sondern wurden vom russischen Geheimdienst inszeniert mit dem Ziel, seine Macht zu bewahren und auszubauen. Eine Verschwörungsfantasie? Ein Hirngespinst? Das behaupten offizielle Verlautbarungen, aber die Tatsachen widersetzen sich allen Beschwichtigungsversuchen.

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  • Rezension zu "Eiszeit im Kreml Das Komplott der russischen Geheimdienste" von Alexander Litwinenko

    Eiszeit im Kreml

    MichaelSterzik

    18. April 2012 um 15:06

    Warum musste der ehemalige Agent und Offizier des FSB Alexander Litwinenko sterben? Wer hatte Interesse daran, den jungen Mann mit der radioaktiven Substanz Polonium zu liquidieren? Nach dem Zerfall des Sowjetreiches und nach Gorbatschows Perestroika wurden viele kleine Staaten der ehemaligen Großmacht in eine Arena der politischen und wirtschaftlichen Konflikte gestoßen. Hochmotiviert beschlossen viele dieser Vielvölkerstaaten, einen eigenen Staat gründen zu wollen, um unabhängig zu sein von der Willkür des Moskauer Regimes. Aber eine Organisation der Eigenstaatlichkeit führte in dieser Region immer zu flächenausbreitenden Konflikten und Provokationen. 1990 rief der Volkskongress der Tschetschenen die unabhängige Republik aus und verabschiedete eine Resolution über ihre staatliche Souveränität. Wirtschaftlich betrachtet, ist Tschetschenien durchaus in der Lage, unabhängig vom Kreml zu existieren, und da der Agrarstaat zudem noch über beachtliche Erdölvorräte verfügt, konnte sich der freie Gedanke des Volkskongresses schnell in den Köpfen der Politiker entfalten. Doch es hatten sich schon zu viele Völker des alten Sowjetreiches gegen den Kreml aufgebäumt; trotz aller Reformen und Revolutionen, der offiziellen Akzeptanz von Menschenrechten und der scheinbaren Billigung der freien Presse ist der Kreml nicht gewillt, ehemals angeschlossenen Ländern ihre Freiheit zu gewähren. Wo käme man schließlich hin, wenn das ehemals mächtige und größte Land der Erde in viele kleine und unbedeutende Stücke zerbräche? Transparenz und Offenheit der Staatsführung sind scheinbar Grenzen gesetzt. Die neue demokratische Basis eines Boris Jelzin verfehlte ihr Ziel. Große Teile der Wirtschaft wurden zu schnell privatisiert, was zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft und hoher Inflation führte, was wiederum eine politische Destabilisierung zur Folge hatte. Bis zum Amtsantritt von Wladimir Putin gab es viele innerpolitische Konflikte, aber hat sich seitdem wirklich alles zum Guten entwickelt? Der Kreml war jedenfalls nicht gewillt, Tschetschenen in die Unabhängigkeit ziehen zu lassen. Ein Konflikt, der in einen Krieg münden würde, war in den Augen vieler Analysten und politischen Beobachter unausweichlich. Am 11. Dezember 1994 erteilte der russische Präsident Boris Jelzin den Befehlt zur militärischen Intervention. Als Grund für das Eingreifen russischer Truppen wurde der Schutz der nicht tschetschenischen Bevölkerung genannt, die seit der erklärten Unabhängigkeit der alltäglichen Rechtlosigkeit und Kriminalität schutzlos ausgeliefert ist. 1997 endete ein Krieg, der etwa 80.000 Menschen das Leben kostete, mit einem Friedensvertrag zwischen Tschetschenien und Russland. Ein brüchiger und sensibler Frieden, der immer wieder von beiden Seiten durch Anschläge und Vergeltungsmaßnahmen überschattet wurde. Selbst die Warlords unter den Tschetschenen waren sich uneinig um Gebiete, Vorräte und Interessen. Auch nach dem ersten Krieg gab es Personen und Gruppen mit ganz eigenen Motivationen, den Krieg gegen die tschetschenischen Rebellen weiterzuführen. Um dies zu erreichen, sind die Grenzen zwischen Legalität und Verbrechen fließend, ja sogar in einer Koexistenz gefördert worden. "Eiszeit im Kreml" von Alexander Litwinenko versucht diese Thesen zu manifestieren. Laut der Theorie des Geheimdienstmitarbeiters haben die inländischen Geheimdienste Terroranschläge auf russischem Territorium und auch anderweitig verübt, um diese den radikalen separatistischen Terrorgruppen der Tschetschenen in die Schuhe zu schieben. Aufgrund dieser Anschläge könnte man als Vergeltungsaktion einen zweiten Krieg entfachen, um zu Ende zu bringen, was im ersten offenen Konflikt scheinbar nicht abgeschlossen werden konnte. Inhalte Mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft in Russland und der neuen Armut sowie dem zugleich einseitig wachsenden Reichtum hatte das organisierte Verbrechen eine wahre Hochkonjunktur zu verzeichnen, losgelöst von staatlichen Institutionen, die kontrolliert und auf höchster politischer Ebene manipuliert haben. Die Geheimdienste - allein in der Hauptstadt Moskau gibt es wohl an die dreißig - haben sehr schnell gelernt, ihre Macht zu stärken und auszubauen. Für den Westen war und ist Russland zurzeit einfach nicht transparent und nachvollziehbar genug. Glaubt man dem derzeitigen Präsidenten, gibt es nicht viele innerpolitische Probleme. Schenkt man aber den Kritikern Putins Glauben, so ist das Land durchsetzt von Korruption und Kriminalität, auch von staatlicher Seite aus. Reporter, Staatsanwälte, Richter und Politiker werden bedroht, eingeschüchtert und nicht wenige Male trauern ihre Familien um sie, oftmals verschwinden diese Kritiker auch, ohne Spuren zu hinterlassen. Schwerverbrecher, die von Abteilungen der Geheimdienste gefasst werden, stellt man vor die Wahl, entweder für den "Staat" scheinbar legale Aktionen zu leiten oder aber für die nächsten Jahre oder für immer in einem Arbeitslager inhaftiert zu werden. Vielen fällt die Wahl nicht schwer, und schon finden beide Seiten Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Kriminelle Kanäle werden genutzt, um unliebsame Personen zu liquidieren, Waffen und Drogen zu schmuggeln oder aber verdeckte Kriegsverbrechen in Tschetschenien zu begehen. Wer aber kontrollierte diese dem Anschein nach willkürlich handelnden Geheimdiensten? Wer zog die Fäden hinter dem politischen Vorhang und verantwortete diese Vorgänge? Aus den verschiedenen Medien und Berichten wissen wir, dass es in Russland eine Reihe von Bombenanschlägen sowie weitere terroristische Aktionen gab. Von offizieller staatlicher Seite aus wurden immer wieder separatistische Gruppierungen der Tschetschenen beschuldigt. Doch verfügten solche Gruppen über eine derartig professionelle Logistik, um Waffen, Sprengstoff und auch die Terroristen selbst nach Russland zu bringen? Selbst die finanziellen Mittel stehen hier zur Debatte. Und vor allem: Ist es bei so vielen aktiven Geheimdiensten glaubhaft, dass kein Informant von diesen exakt geplanten Anschlägen gewusst haben soll? Am 4. September 1999 explodierte in Buinakask eine Autobombe vor einem Wohnhaus. Es gab offiziell 64 Tote. Bis zum 22. September 1999 gab es eine regelrechte Serie von Terroranschlägen in Russland, selbst die Hauptstadt Moskau blieb von diesen Anschlägen nicht verschont. Die offiziellen Statements des Kremls verurteilten immer wieder tschetschenische Rebellen für die Anschläge. In Rjasan ereignete sich dann am 22. September 1999 etwas sehr Fragwürdiges. Einem aufmerksamen Bewohner eines Wohnhauses fiel ein Mann auf, der schwere Zuckersäcke aus seinem Auto in den Keller schleppte. Er rief die zuständige Miliz, die das Gebäude evakuieren ließ; eine erste Analyse der Säcke erbrachte das Ergebnis, dass es sich hierbei um Sprengstoff handelte. Alle Straßen wurden abgesperrt und überwacht, allerdings ohne Ergebnis. Ein Mitarbeiter der Telefongesellschaft hört ein Gespräch mit, in dem der Anrufer jemanden aufforderte, vorsichtig zu sein, denn die Straßen in Rjasan seien gesperrt und überwacht. Die Telefonnummer gehörte zu einem FSB-Büro, also dem Geheimdienst in Rjasan. 48 Stunden später erklärte der FSB offiziell, dass es bei diesem Vorfall um einen Test, ein Training gegangen sein soll. Offiziell sei die sichergestellte Substanz kein Sprengstoff gewesen. Der Untersuchungsausschuss widersprach sich letztlich in seinen Aussagen und es gab kein abschließendes Ergebnis. Selbst als die Duma zwei Anträge auf eine parlamentarische Untersuchung stellte, wurden diese von Kreml abgewiesen. Trotzdem ließen die Mitglieder des Volksrates nicht in ihrem Interesse nach und bildeten einen Ausschuss, um die Bombenanschläge zu untersuchen. Zwei von vier führenden Mitgliedern wurden ermordet – sie hatten die These vertreten, der FSB stecke hinter diesen Anschlägen. Kritik Alexander Litwinenko unterstützt mit seinen Aussagen viele Thesen westlicher und auch nationaler Journalisten. Nicht wenige Kritiker, wie auch Litwinenko selbst, wurden wegen solcher Spekulationen verfolgt und umgebracht; Theorien, die zwar nicht zweifelsfrei beweisbar sind, aber doch unzählige und kritische Fragen aufwerfen, die den russischen Machtapparat in keinem guten Licht dastehen lassen Die sehr bekannte russische Journalistin Anna Politkowskaja, die am 7.Oktober 2006 von einem Auftragskiller mit zwei Schüssen in den Kopf getötet wurde, wurde in einem ihrer letzten Interviews gefragt, warum sie sich solcher einer Gefahr aussetze. Ruhig und überlegt beantwortete die Journalisten die ihr gestellte Frage: "Weil ich es muß." Was trieb den Ex-Agenten und Familienvater dazu an, eine solche kritische Meinung gegenüber dem Kreml, insbesondere gegenüber Putin zu vertreten? Warum hat man - unabhängig davon, welche Fraktion die Ausführung zu verantworten hat - Litwinenko auf solch eine spektakuläre Art umbringen lassen? Eines ist klar geworden, wenn man recherchiert und hinterfragt: Der Geheimdienst FSB steckt tief in kriminelle Machenschaften, die weit in die Politik und Wirtschaft hineinreichen. Sehen wir dies mit rationeller Distanz, so bleibt einzig und alleine die Möglichkeit stehen, dass der Geheimdienst gleich mehrere Interessen vertritt: - den nächsten Tschetschenien-Krieg auszulösen, - die Kriminalität staatlich zu organisieren und kontrollieren, - Kritiker des Machtapparates zu überwachen, einzuschüchtern und ggf. zu liquidieren. - Kontrolle der Medien auf russischer Seite auszuüben. Doch was hat Wladimir Putin für eine Rolle in diesem gefährlichen Spiel inne? Er selbst war ein hoher Offizier des KGB und später des FSB. Viele Strukturen und Positionen innerhalb der Geheimdienste hat er selbst geschaffen, und durch seine Präsidentschaft ist er faktisch eine diktatorische Herrschaftsform eingegangen. "Eiszeit im Kreml" ist explosiver Stoff in Buchform, der für die russische Regierung mehr als nur unbequem ist. In Russland natürlich verboten, gelangt dieses Buch nur über schwarze Kanäle direkt in das Land, doch nicht nur durch die Lektüre dieses Buches werden zweifelnde Stimmen in der Bevölkerung laut. Doch ist es still geworden, ein angstvolles Schweigen breitet sich aus, denn so viele mysteriöse Todes- und Unfälle kann es gar nicht geben. Wer regiert Russland? Alexander Litwinenko sagte aus, dass allein Putin die politischen Weichen stellt, und mitsamt seinen Kontakten in Geheimdienstkreisen entwickelte Putin sich in den letzten Jahren zu einem 'harten', abgeklärten und kalten Politiker. Nach der Lektüre des Buches muss man großen Respekt für alle Kritiker vom Schlage eines Litwinenko empfinden. Er wusste ganz genau, dass es für ihn nach seiner Flucht kein ruhiges Leben mehr geben würde, sondern nur noch die Flucht nach vorne, die Konfrontation mit dem Regime, das offenkundig jegliche Reformen wie Menschenrechte und Pressefreiheit mit Füßen tritt. Es muss solche Menschen geben, die wissen, in welche Gefahr sie sich begeben, sich aber nicht einschüchtern lassen, die aufbegehren und Diskussionen suchen, die hinterfragen und Zweifel schüren. Ich zolle Alexander Litwinenko und der ebenfalls ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja hohen und aufrichtig gemeinten Respekt, in der Hoffnung, dass die westlichen Länder vorsichtiger und skeptischer gegenüber der russischen Regierung werden, dass unabhängige und internationale Gremien die Todesfälle aufklären und Zeichen setzen. Ich kann das Buch ähnlich wie "Tod eines Dissidenten" jedem empfehlen, der einen skeptischen Blick hinter die politische Bühne des Terrorismus und der Nachrichtendienste werfen möchte. Ich bin mir sicher, dass sich vieles aufklären wird und wir später vielleicht auch sagen können: Siehst du, er hatte Recht und ist dafür gestorben, aber nicht umsonst, denn er hat vielen die Augen und Ohren geöffnet. Die Autoren Alexander W. Litwinenko, 1962 in Woronesch geboren, war ab 1988 in der Spionageabwehr des KGB tätig und an Einsätzen in verschiedenen Konfliktherden der Sowjetunion und später Russlands beteiligt. In der KGB-Nachfolgeorganisation FSB wurde die Bekämpfung von Terrorismus und organisiertem Verbrechen zu seinem Spezialgebiet. 1998 trat er erstmals als Kritiker des russischen Machtapparats an die Öffentlichkeit. Nach mehreren Verhaftungen und Strafverfahren floh er 2000 nach London, wo ihm politisches Asyl gewährt wurde und er schließlich im Oktober 2006 die britische Staatsbürgerschaft erhielt. Bis zu seiner Ermordung im November 2006 arbeitete er in England als Journalist und Autor. Yuri G. Felshtinsky (Juri G. Felschtinski) wurde 1956 in Moskau geboren. Er begann 1974 ein Geschichtsstudium in seiner Geburtsstadt. Nach seiner Emigration in die USA setzte er sein Studium 1978 an der Brandeis University fort. An der Rutgers University erhielt er den Doktorgrad im Fach Geschichte. 1993 verteidigte er eine weitere Doktorarbeit am Historischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften. In der Folgezeit trat Felshtinsky als Herausgeber und Buchautor in Erscheinung. Udo Rennert, Jahrgang 1938, übersetzt vorwiegend aus dem Englischen Bücher zur europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zu den von ihm übersetzten Autoren zählen Robert Conquest, Richard Pipes, Harold James, Francis Fukuyama, Eric Hobsbawm, Raul Hilberg, Richard Evans, Richard Overy und David Blackbourn. http://www.hoffmann-und-campe.de Michael Sterzik [10.10.2007]

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