Alexander Münninghoff

 4.2 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Der Stammhalter.

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Alexander MünninghoffDer Stammhalter
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Der Stammhalter
Der Stammhalter
 (9)
Erschienen am 20.07.2018

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Rezension zu "Der Stammhalter" von Alexander Münninghoff

Spannende Familienchronik
solveigvor einem Monat

Eine wichtige Funktion soll er ausfüllen, der Enkelsohn von Joannes Münninghoff. Enttäuscht von seinem ältesten Sprössling Frans, hofft der niederländische Kaufmann nämlich, in dessen Sohn Alexander einen würdigen Nachfolger für sein Imperium zu finden. Dreh- und Angelpunkt dieser Familiengeschichte ist der „Alte Herr“, wie er von der Familie genannt wird. Er ist unzweifelhaft das Oberhaupt, Firmengründer und stets derjenige, der die Fäden in der Hand hält. Alexander (geboren 1944), als Schriftsteller und Journalist in Den Haag tätig, präsentiert nun eine Chronik der Familie Münninghoff vor dem Hintergrund der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sehr offen schildert er, wie der Großvater als Kaufmann ein Vermögen verdient hat, vom Gutsherrenleben der Familie in Riga, der Rückkehr in die Niederlande bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges und dem neu erwirtschafteten Erfolg Münninghoffs nach Kriegsende. Ehrlich schreibt er über Differenzen und Zerwürfnisse innerhalb der Familie und beschönigt nichts. In seiner romanhaft gestalteten Geschichte vermischen sich eigene Erinnerungen und detaillierte Recherche. Obwohl er natürlich selbst involviert ist und einige Schicksalsschläge erlitten hat, wirkt seine Erzählung abgeklärt, distanziert, was sicher der ruhigen und sachlichen Sprache zu verdanken ist, derer er sich bedient. Übrigens ist eine Fernsehserie geplant, die das Thema dieses Buches aufnehmen soll.

Mein Fazit: Eine Familienchronik, die spannend zu lesen ist, sensibel geschrieben, aber keineswegs sentimental.

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Sigismunds avatar

Rezension zu "Der Stammhalter" von Alexander Münninghoff

Abenteuerliche Familiengeschichte, interessant auch für deutsche Leser
Sigismundvor 2 Monaten

Eine solche Familiengeschichte kann sich ein Autor fiktiver Romane kaum ausdenken; das muss man einfach erlebt haben: Auf eine Zeitspanne von hundert Jahren oder drei Generationen blickt der niederländische, 1944 noch in Posen geborene Journalist und Autor Alexander Münninghoff (74) in seiner Autobiografie „Der Stammhalter“ zurück, deren holländisches Original (2015) zweifach prämiert wurde, in den Niederlanden gerade als zehnteilige TV-Serie verfilmt wird und im Juli beim C.H. Beck-Verlag in deutscher Übersetzung erschien. Es ist eine abenteuerliche Familiensaga über den teils historisch bedingten, größtenteils aber selbst verschuldeten Niedergang seiner einst wohlhabenden Industriellenfamilie.
Mitten im Ersten Weltkrieg baut sich Großvater Joannes Münninghoff als Niederländer im lettischen Riga ein mächtiges Industrie-Imperium, wozu vermutlich auch der Waffenhandel gehört, sowie ein weit verzweigtes Netzwerk in den deutsch-baltischen Adel auf. Mit Ehefrau Erica, einer russischen Gräfin, führt er in den Jahren zwischen den Kriegen ein entsprechend mondänes Leben auf eigenem Gutshof. Erst durch die sowjetische Okkupation verliert die Familie alles und muss in die Niederlande zurückkehren. Joan ist es in diesen Jahren nicht gelungen, seinen Erstgeborenen Frans zu einem echten Niederländer zu machen, um ihn zum Stammhalter seines in den Niederlanden neu geschaffenen Imperiums zu machen, das er sich dank seiner alten Verbindungen in höchste katholische und politische Gesellschaftskreise sowie nicht immer mit legalen Mitteln aufbauen konnte.
Denn Frans Münninghoff fühlt sich trotz niederländischer Staatsangehörigkeit als echter Deutscher, bedingt durch seine Jugend im deutsch-baltischen Adel. Er tritt als der Waffen-SS bei, kämpft an der Ostfront und heiratet gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters eine Deutsche. Da Frans demnach nicht zum Erben taugt, sieht Joan bald seinen Enkel Alexander als Stammhalter. Doch seine Mutter, inzwischen von Frans geschieden, flieht mit ihrem kleinen Sohn nach Deutschland zu ihrer Mutter. Allerdings lässt ihn sein Großvater in die Niederlande entführen, wo der „Stammhalter“ zunächst beim Vater Frans aufwächst.
Alexander Münninghoff beschreibt einerseits spannend, andererseits sachlich den Niedergang seiner Familie, die durch familiäre Verbindungen nach Dänemark, Russland und in den deutsch-baltischen Adels und nach Wohlstandsleben in Lettland nun in den wirren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erfolglos versucht, in den Niederlanden neue Wurzeln zu schlagen. Aber gerade diese Wurzellosigkeit des Autors, der zudem fern der leiblichen Mutter und ungeliebt vom Vater von Kindesbeinen an auf sich allein gestellt ist, macht es ihm wohl möglich, mit erstaunlichem Abstand und völlig unaufgeregt, gelegentlich sogar mit humoristischem oder satirischem Unterton, den Lebensweg seiner beiden Vorfahren und ihres familiären Umfeldes wie fremde Personen in den geschichtlichen Turbulenzen des 20. Jahrhunderts zu beschreiben. Vieles ist von ihm selbst beobachtet, vieles aus Briefen angelesen, manches von Angehörigen zugetragen. Münninghoff lässt die Leser seiner Autobiographie nachempfinden, wie sich seine Familie spätestens nach dem Tod ihres Patriarchen, seines Großvaters, allmählich auflöst und die in einst besseren Zeiten noch eingeschworene Gemeinschaft zerfällt.
Nicht immer ist es als unbeteiligter Leser einfach, dem Geschehen in jeder Konsequenz zu folgen und alle Ereignisse in ihren chronologischen oder causalen Zusammenhang zu stellen, da Münninghoff allzu viele Nebenfiguren – entfernte Verwandte und Freunde, Schul- oder Kriegskameraden – in seine Familiengeschichte einbezieht. Manche Fakten, die für seine eigene Biografie und die seiner Familie wichtig sein mögen, sind für uns unbeteiligte Leser verzichtbar. Der Spannungsbogen wäre dichter gewesen, hätte der Autor auf solche Abschweifungen verzichtet. Davon abgesehen, ist „Der Stammhalter“ eine lesenswerte Autobiographie und Familiengeschichte auch für deutsche Leser, zumal vor allem das politische Verhältnis in den Nachkriegsjahren zwischen den Niederlanden und Belgien auf der einen und Deutschland als einstige Besatzungsmacht auf der anderen Seite treffend geschildert wird.

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Sikals avatar

Rezension zu "Der Stammhalter" von Alexander Münninghoff

Eine erschütternde Familienchronik
Sikalvor 2 Monaten


 

Der niederländische Autor Alexander Münninghoff, Journalist, Schriftsteller und Schachspieler lässt uns hier in seine Familienchronik eintauchen, die zum Teil bedrückende Details aufzuweisen hat. Eine Geschichte, die über mehrere Generationen ihre Netzwerke zieht und die hervorhebt, welche Auswirkungen es haben kann, wenn alle „nur das Beste“ wollen.

 

Im Zentrum der Familie steht der tonangebende Großvater des Autors – Joannes Münnighoff, der im baltischen Riga zu Wohlstand kommt. Mit seiner russischen Frau Erica führt die Familie ein angenehmes Leben, die Geschäfte laufen gut, der Zweite Weltkrieg treibt den Erfolg weiter voran. Doch obwohl das Baltikum gut fürs Geschäft ist, bleibt Joannes Münnighoff im Herzen Niederländer – und das verlangt er auch von seiner restlichen Familie, die er mit harter Hand und scheinbar gefühllos führt. Dabei merkt er erst spät, dass sein Sohn Frans dagegen rebelliert. Erst versteckt, danach ganz offen durch seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS, stellt er sich gegen seinen Vater, der sich seinerseits nun verraten fühlt. Frans scheidet somit als Erbe des Familienunternehmens aus, was den Großvater veranlasst, seinen Enkel Alexander Münninghoff (den Stammhalter) ins Nachfolge-Visier zu nehmen. Als Alexanders Mutter mit dem Kleinen nach Deutschland flieht und es scheint, dass die beiden dem Netzwerk des Großvaters entkommen sind, greift dieser zu einer drastischen Maßnahme…

 

Der Autor (und Stammhalter) erzählt hier eine unglaubliche Geschichte über Intrigen, Verwicklungen, dubiose Machenschaften und langsames Zerbrechen einer Familie. Vielschichtige Familienstrukturen geben hier einen spannenden Einblick und lassen den Leser in eine besondere Atmosphäre eintauchen. Man versucht Handlungsweisen zu verstehen und auch Verständnis für den Großvater aufzubringen – der zu seiner Zeit ja dachte, das Richtige und Beste zu tun. Alexander und seine Mutter mussten beide vieles ertragen und können einem leidtun.

 

Alexander Münninghoff schaffte es mit dieser Familienchronik, eine spannende, fesselnde Geschichte zu schreiben, die ich sehr gerne gelesen habe. Zwischendurch eingeflochten findet man interessante historische Begebenheiten.

Gerne vergebe ich 4 Sterne für diese Romanbiografie.

 

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