Alexander Marguier

 4,5 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor*in von Die Wokeness-Illusion, Taschenbücher / Das Luxuslexikon und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Alexander Marguier ist Chefredakteur des politischen Monatsmagazins Cicero. Der studierte Volkswirt war zuvor mehrere Jahre lang Ressortleiter bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und Politikredakteur bei der Welt am Sonntag. Er kam 1969 in Horb am Neckar zur Welt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Alexander Marguier

Cover des Buches Die Wokeness-Illusion (ISBN: 9783451395567)

Die Wokeness-Illusion

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Erschienen am 13.02.2023
Cover des Buches Taschenbücher / Das Luxuslexikon (ISBN: 9783832161576)

Taschenbücher / Das Luxuslexikon

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Erschienen am 17.02.2011
Cover des Buches Der Selbstbetrug (ISBN: 9783451396519)

Der Selbstbetrug

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Erschienen am 14.08.2023

Neue Rezensionen zu Alexander Marguier

Cover des Buches Die Wokeness-Illusion (ISBN: 9783451395567)

Rezension zu "Die Wokeness-Illusion" von Alexander Marguier

Sachlich, informativ, lesenswert
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

„Bedrückend an diesem Kampf der Identitäten – seien sie ethnischer, geschlechtlicher, religiöser, milieubezogener oder jedweder anderen Art – ist nicht nur die (Selbst-) Viktimisierung ganzer Bevölkerungsschichten, sondern die Unversöhnlichkeit, in der er gerade geführt wird.“ (Zitat Seite 11, Alexander Margulier)

 

Thema und Inhalt

„Wenn Political Correctness die Freiheit gefährdet“, so lautet der Untertitel dieser Sammlung von neun Essays von neun Autoren, die sich mit den wichtigsten Elementen von Wokeness kritisch auseinandersetzen. Die Themen der einzelnen Beiträge reichen von den Anfängen der Identitätspolitik über woke Wirtschaft, politisch korrekten Konsum, Sprache, bis zur Debatte um die kulturelle Aneignung. Am Ende des Buches werden kurz die einzelnen Autoren vorgestellt.

 

Umsetzung

Die Beiträge sind in einzelne Kapitel gegliedert, umfassen jeweils etwa zwölf Seiten und ein Quellenverzeichnis. Interessant sind die unterschiedlichen Blickwinkel, mit denen die einzelnen Autoren das jeweils gewählte Thema betrachten, einige gehen weit in die Geschichte zurück und legen so die Wurzeln der Entstehung wichtiger Elemente frei, die von der Wokeness Bewegung unbewusst oder auch bewusst falsch interpretiert und ausgelegt werden. Auch wer zum Beispiel die sprachlichen Diskussionen, die Diskussionen um kulturelle Aneignung und Diversität aktiv mitverfolgt, findet hier bisher noch nicht bekannte Ansätze und neues Wissen. Interessant, weil in den Medien wenig präsent, die Beiträge zur woken Wirtschaft und dem neuen ethischen Konsum, das Phänomen Woke Washing als Entwicklung des seit Jahren bekannten Greenwashing. Besonders eindrücklich bringt folgende Aussage von Ralf Hanselle das Dilemma der neuen Identitätspolitik in seinem Essay zu diesem Thema auf den Punkt: „Und vielleicht gäbe es hinter der eigenen Wunde der Identität etwas Größeres zu entdecken – eine Realität, die ganz unabhängig ist von Identitäten, und einen Universalismus, der weit mehr ist als die Summe einzelner Partikularinteressen. Das Ende unserer Identitätsfixierung könnte auch der Neubeginn der Gesellschaft sein.“ (Zitat Seite 24, Ralf Hanselle)

 

Fazit

Dieses Buch der Cicero-Redaktion ist ein lesenswerte Sammlung von interessanten, sachlichen Beiträgen von Publizisten und freien Journalisten zu den wichtigsten Elementen der Wokeness, eine Bewegung, die dabei ist, die Gesellschaft zu spalten. „Der woke Blick findet überall neue Symbole, an denen sich allgemeine Empörung entzünden kann. Damit hält er die Protestenergie wach und demonstriert die eigene Macht.“ (Zitat Seite 65, Bernd Stegemann). Ein Buch zum Mitdenken, zum Nachdenken und vielleicht auch zum Überdenken eigener Ansichten.

 

Cover des Buches Die Wokeness-Illusion (ISBN: 9783451395567)
Lesendglaubens avatar

Rezension zu "Die Wokeness-Illusion" von Alexander Marguier

Appell zur Vernunft
Lesendglaubenvor einem Jahr

Was passiert, wenn Political Correctness die Freiheit gefährdet? Alexander Marguier und Ben Krischke gehen darauf in „Die Wokeness Illusion“ ein.

 

Wer sind die Herausgeber?

Alexander Marguier ist Chefredakteur des politischen Monatsmagazines Cicero und Verleger des Res Publica Verlages. Der studierte Volkswirt war zuvor Ressortleiter bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und Politikredakteur bei der Welt am Sonntag.

 

Ben Krischke hat Journalistik studiert und beim Magazin Focus in München und Berlin sowie an der Burda-Journalistenschule volontiert. Seit 2021 ist er Redakteur bei Cicero und seit 2023 Leiter Debatte bei Cicero Online.

 

Worum geht es in dem Buch?

Die Autoren haben gemein, dass sie die Unterwerfungsgesten von Politik und Co. gegenüber den Kulturkämpfern des „Wokeismus“ kritisch hinterfragen. Vertretern dieser Denkschule geht es darum, vermeintliche Opfergruppen immer feiner auszudifferenzieren und entsprechende Schnittmengen herauszuarbeiten. Auch sehen sie die westliche Gesellschaft nicht als ein vielschichtiges, ausuferndes, allgegenwärtiges Unterdrückungssystem. „Der Wokeismus hat mit seinem moralischen Absolutheitsanspruch vor allem das Ziel, sich die renitente Bevölkerungsmehrheit zu unterwerfen und Widerspruch dauerhaft zu unterbinden.“ Und so blicken die einzelnen Beiträge auf verschiedene Bereiche, in denen der Wokeismus aktiv ist.

 

Zunächst werden dazu die Anfänge der Identitätspolitik und die Erfindung des Selbst skizziert. Danach folgen kritische Anmerkungen zur Theorie des „strukturellen Rassismus“, bevor der Leser sich auf dem Weg in ein postfaktisches Geschlechtersystem begibt. Der Blick in die woke Wirtschaft darf dabei nicht fehlen. Kritisch geht es auch im Bereich des Woke Washings zu, das als Blendwerk für den politisch korrekten Konsum fungiert. Gerechte und schwere Sprache haben zur Folge, dass Sprache und Literatur verfälscht werden, weshalb es zu einer Identität ohne Klasse kommt, denn Wokeness privilegiert die Falschen. Abgerundet wird dieser Rundumschlag mit einer Debatte zur „kulturellen Aneignung“.

 

Wer sollte das Buch lesen?

Als Leser haben die Autoren Leser im Blick, die sich mit Wokeness und den Veränderungen beschäftigen. Dabei werden die zentralen Elemente kritisch geprüft.

 

Weshalb sollte man das Buch lesen?

 

Der objektive Beobachter erhält hier eine differenzierte Sicht auf die politische Agenda, die sich hinter der Wokeness-Bewegung versteckt. Denn es geht bei weitem nicht um die Toleranz von Minderheiten, sondern um die Umerziehung einer Gesellschaft. Deshalb sind sich die Autoren auch einig, dass die so kritisierte Identitätspolitik nicht zur Abschaffung oder Einebnung von Unterschieden beiträgt, sondern im Gegenteil diese untermauert. Die Lektüre ist eine willkommene Abwechslung und hilft, die Schattenseiten dieser Denkschule besser zu verstehen. 

Cover des Buches Die Wokeness-Illusion (ISBN: 9783451395567)
wandablues avatar

Rezension zu "Die Wokeness-Illusion" von Alexander Marguier

Ein Augenöffner. Muss man lesen!
wandabluevor einem Jahr

Ja, was soll ich sagen? Dieses Buch hat mir klargemacht, dass es sich bei der Wokeness-Bewegung um eine waschechte Ideologie handelt, deren Vorzüge und Nachteile dringend breitbandig diskutiert werden müssten. Aber dies ist nicht der Fall und von den Vertretern der Wokeness her nicht einmal gewünscht. Die neue Ideologie, die mit der Identitätsphilosophie eng verflochten ist, wünscht keine Auseinandersetzung, sondern sucht Anhänger. Zitat aus dem Vorwort: „Wenn jemandem etwa das Recht abgesprochen werden soll, überhaupt seine Meinung zu artikulieren, nur weil er nicht einer bestimmten Minderheit angehört, ist eine Diskussion nicht mehr möglich“.  

Der Herausgeber stellt acht kurze Essays vor, die sich mit dem Phänomen der Wokeness-Ideologie und deren Auswirkungen auf die Gesellschaften, mit besonderem Blick auf Deutschland, beschäftigen. Der Usprung dieser Ideologie liegt schon in den 1970igern Jahren begründet als der französische Autor Michel Foucault das Buch „Surveiller et Punir“ (Überwachen und Bestrafen) auf den Markt warf. 

Die Wokenessbewegung ist eng verwoben mit der Identitätsbewegung bzw. dem Identitätsbegriff, der - in Kürze und im Kern - fragt, was macht einen Menschen aus? Wird er bestimmt durch äußere Merkmale oder kann ein Mensch sich durch mentale Tätigkeit vollkommen selbst setzen, das heißt, „frei“ bestimmen, wer und was er sei. Michel Foucault selbst wechselte seine Identitätszuschreibungen ständig – in der letzten Ausprägung seiner Thesen gelangt man zum Genderfluidum, jeder kann sein, was er will und führt unter anderem zum für 2023 geplanten Selbstbestimmungsgesetz der Ampelregierung, das besagt, dass durch einen einfachen Sprechakt auf dem Amt jeder sein Geschlecht selbst festlegen könne. Was im ersten Moment liberal-progressiv klingt, unterhöhlt letztlich den Freiraum, den sich Frauen in einem jahrhundertelangen Kampf erworben haben und worum sie immer noch ringen, und das deshalb, weil sich ihnen nun eine Gruppe biologischer Männer anschließen könnte, die sich als Frauen „fühlen“ und dementsprechend Schutzräume für Frauen mitbesetzen wollen/können. Alice Schwarzer wirft Queer- und Transaktivisten vor, Frauen unsichtbar machen zu wollen, indem sie diese neuerdings unter FLINTA subsumieren, was für „Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinäre, Trans- und Agenderpersonen“ stehen soll. "Eine vergleichbare Schublade gibt es für Männer übrigens nicht", sagt Ben Krische. 

Wie dem auch sei, die woke Brille teilt die Welt in gut und böse ein, wobei die Woken definieren, wer gut ist. 

Beängstigend ist die These von Alice Hasters, dass nur „die Weißen Rassisten sein können, weil sie allein von ihrer eigenen Vorherrschaft profitieren“ und dass Rassismus nicht mehr an eine reale Tat durch eine Person gebunden und gesehen wird, sondern als Kollektivschuld. Letztlich hieße das, jeder Weiße ist ein Rassist. Der Gedanke der Sippenhaft und der Kollektivschuld aber trägt selbst einen faschistischen Kern in sich.
Die Theorie des strukturellen Rassismus: „ist jedoch nicht in erster Linie eine Theorie mit Wahrheitsanspruch, sondern war und ist ein Kampfinstrument gegen die ungerechtfertigte Benachteiligung Nicht-Weißer“, ein Hilfsmittel, das im politischen, berechtigten Kampf für die Rechte Schwarzer in den USA entstanden ist. Aber in Deutschland/Europa haben wir andere Verhältnisse, sagt Matthias Brodkorb und weiter: „Es handelt sich um einen Rückfall hinter die Errungenschaften der Aufklärung, um einen Absturz in die Ideologie des Rassismus“. Und woher kennen wir eine Rassenideologie? Vom Nationalsozialismus: ganz gefährlicher Boden also. 

Was mich persönlich verstört, ist die Faktengleichgültigkeit der Bewegung: Es kommt nicht mehr darauf an, was gesagt wird, sondern wer es sagt. Gut, bis zu einem gewissen Grad ist das immer schon so gewesen; aber die Wokisten treiben es zum Exzess!

Behandelt wird natürlich auch die Sprachverschlimmbesserung durch die Genderbewegung, die von einem Erziehungsgedanken (wir müssen das Volk umerziehen, woher kennen wir das bloß) getragen ist sowie andere, ökonomische Gesichtspunkte wie das Wokewashing. Bedeutet: du bist gut, wenn du dieses woke Produkt kaufst, das keinen rassistischen Namen trägt, aber seine Mitarbeiter ausbeutet. Es ist eben leichter und eine intellektuelle Spielerei, in die Sprache einzugreifen (oder es zu wollen) als real existente wirtschaftliche Bedingungen zu verändern und etwa die Paygap zwischen den Geschlechtern zu schließen, denn bei ersterem kann man in seinem Elfenbeinturm sitzen bleiben, bei letzterem muss man heruntersteigen und sich in die Niederungen der Realpolitik begeben, mit seinen spezifischen Erfolgen und eben solchen Niederlagen! 

Einen Blick auf die gängige Praxis der Cancel Culture wird ebenso geworfen wie die Opfermentalität unsere Tage angesprochen wird. Empörungskultur, wohin man schaut. Wer fühlt, hat recht. Fakten spielen kaum noch eine Rolle. Ich kann nicht umhin in der ganzen Bewegung einen Rachegedanken zu entdecken, vor allem, da schon häufig, im nachhinein als ungerechtfertige Behauptungen entlarvt, diese Cancel Culture Jobs und Ansehen anderer Menschen zerstörte. 

Fazit: Man darf indes diesen kritischen Beitrag zur Wokeness-Ideologie nicht missverstehen. Die Autoren sind nicht der Meinung, dass Rassismus gut sei und auch keineswegs dagegen, im Alltag Sensibilität zu entwickeln, was wohl notwendig gewesen ist, jedoch beschäftigen sie sich mit den Auswüchsen eines Anliegens, das, ursprünglich legitim, zu einer die Gesellschaft spaltenden Ideologie mit eigenen rassistischen Zügen geworden ist. Muss man lesen! 

Kategorie: Sachbuch. Politik und Gesellschaft
Verlag: Cicero, 2023

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