Pat Macgregor's Liebesleben verbessert sich nicht wirklich, sondern geht einige seltsame Wege und ihr Mitbewohner, Ex-Inspector Bruce Anderson, schlägt ebenfalls eine neue Richtung in seinem Leben ein, ohne seine narzistische Natur und Unsympathie abzulegen. Auch Pat's Arbeitgeber, der Galerist Matthew Duncan, versucht soliden Boden in seinem Leben aber auch die Anerkennung seines wohlhabenden Vaters zu gewinnen. Dann ist da noch Domenica Macdonald, die Grand Dame des Hauses, bei der Pat oft Rat sucht und die stets mit ihren geistreichen und manchmal oft auch skurrilen Lebensweisheiten und bissigen Kommentaren etwas beizutragen hat. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem sechsjährigen Bertie Pollock, der mit seiner neurotischen und überambitionierten Mutter Irene seine liebe Not hat. Bertie hat aber auch mit seinem Vater Stuart nicht gerade ein inniges Verhältnis und wenn der hochbegabte Junge nicht gerade Italienischstunde hat oder Saxophon üben muss oder sein Yogalehrer wartet, dann versuchen Vater und Sohn, sich einander auf einem "Road-Trip" kennenzulernen. Überhaupt ist "kennenlernen" ein großes Thema für die Familie Pollock, denn Irene schleppt schleppt Bertie regelmäßig zu dem etwas planlosen Psychotherapeuten Dr. Fairbairn, den Bertie spielend in die Tasche steckt und sich langsam herauszukritallisieren beginnt, dass der Arzt und die Mutter sich recht gern zu sehen scheinen....
Sir Alexander McCall Smith (* 1948) ist ein sehr fleißiger Autor mit einem täglichen Output von 2.000 - 3.000 Wörtern pro Tag. Zu Hause schafft er täglich 5.000 Wörter und seine gemessene Anzahl geschriebener Wörter sind durchschnittlich 1.000 pro Stunde. Er hat unzählige Romane und Kinderbücher geschrieben und seine Auflagen gehen in die Millionen und werden in über 40 Sprachen übersetzt. Berühmt und geschätzt wurde er mit seiner 1998 gestarteten Krimiserie "The Nr. 1 Ladies' Detective Agency (auch von mir rezensiert) um Mma Precious Ramotswe, die die erste Detektivagentur in Botswana eröffnet. Die Buchreihe umfasst derzeit 26 Bände und die Geschichten wurden bereits zu einer TV-Serie verarbeitet. 2004 nahm McCall Smith das Angebot der Zeitung "The Scotsman" an, eine tägliche Fortsetzungsgeschichte zu schreiben über eine Dauer von sechs Monaten. Die Geschichten laufen heute noch und wurden bis dato zu 17 Büchern zusammengefasst und veröffentlicht.
Dies hier ist der zweite Roman und es ist unerlässlich, dass man den Erstling auch gelesen hat, denn "Hausgeflüster" führt die Werdegänge der liebenswerten Figuren des fiktiven Mietshauses Nr. 44 in der realen Scotland Street nahtlos fort. Wenn man die kurzen höchst unterhaltsamen Kapitel liest, fühlt man sich sehr an Armistead Maupin's "Stadtgeschichten" erinnert, wo sich in diesen Kapiteln immer wieder neue Plots und Twists aufmachen und man gespannt weiterliest. Der absolut liebenswerte Bertie und die Mühen und Plagen mit seinen Eltern lassen an Adrian Mole denken. Die Probleme eines Jungen mit einer Helikoptermutter lassen den Leser mitleiden aber auch mitlachen. Der zweite Band ist eine kurzweilige oftmals zum Lachen anregende Sache um das sich Annähern aber auch das Loslassen. Der Roman erzählt von den Fügungen des Schicksals und den Konsequenzen gesetzter Aktionen und ist eine noch größere Wonne als der Vorgänger und man freut sich auf den nächsten Band.
























