Ich habe das Karriereende von Alexander Pointner damals aufmerksam verfolgt. Ich war eine junge Frau und konnte diese zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit nicht verstehen. Jemand, der für so viele außergewöhnliche Erfolge verantwortlich war und den Skisprungsport maßgeblich weiterentwickelt hatte, auf eine derart respektlose Art und Weise zu entmachten, erschien mir völlig unverständlich.
Die Starallüren mancher Sportler und ihrer Manager waren allgemein bekannt und trugen nicht ohne Grund zu einem schlechten Ruf bei. Umso überraschter war ich über die grottenschlechte journalistische Aufarbeitung dieser Ereignisse- ebenso darüber, dass sich einige frühere Größen des ÖSV nicht klar positionierten. Meines Wissens gab es bis dahin keinen vergleichbaren Fall, in dem jemand mit einer derartigen Erfolgsbilanz keinen Spitzenposten im Verband angeboten bekam.
Das Buch bestätigt vieles von dem, was ich damals empfunden habe. Die Aufgabe eines Cheftrainers kann es nicht sein, dauerhaft als Kindergartenpädagoge fungieren zu müssen, wenn interne Machtkämpfe unter den Athleten den sportlichen Fokus verdrängen. Nach all den Jahren wäre es mehr als angebracht, dass manche Beteiligte ihr Verhalten reflektieren und den Mut aufbringen, sich für ihren Anteil an den Intrigen zu entschuldigen, die letztlich zum Verlust des Trainerpostens führten.
Große sportliche Erfolge entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis von Innovation, klaren Strukturen und einer hohen Adaptabilität. Es braucht Engagement, eine klare Vision und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Der Erfolg gab Alexander Pointner in all diesen Punkten recht und machte deutlich, wie sehr seine Arbeit den Skisprung nachhaltig geprägt hat.
Besonders berührend sind die persönlichen Einblicke, die das Buch gewährt. Offen schildert er seine Depression, den Mut, sich Hilfe zu suchen und den Weg zurück zu innerer Stärke. Dass ihm diese Phase und sein offener Umgang damit, innerhalb des Systems als Schwäche ausgelegt wurde, ist beschämend und längst nicht mehr zeitgemäß. Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen sollte im Spitzensport und überhaupt keinen Platz haben.
Darüber hinaus wird deutlich, wie viele nachhaltige Impulse er gesetzt hat. Vor allem das Thema Neurocoaching zeigt, wie weit sein Denken seiner zeit voraus war und wie wichtig mentale Stärke für dauerhaften Erfolg im Leistungssport ist.
Bitter bleibt der Umstand, dass sein Nachfolger Erfolge verbuchen konnte, die in Wahrheit noch auf der Arbeit des damaligen Cheftrainers basierten. Doch so funktioniert das System Spitzensport oft und Leistungen werden schnell vergessen, wenn andere Interessen überwiegen.
Dieses Buch ist mehr als eine Sportbiografie. Es ist ein ehrlicher, bewegender Blick hinter die Kulissen des Spitzensports und zeigt eindrucksvoll, welchen Preis Erfolg haben kann. Ich kann dieses Buch allen wirklich ans Herz legen.






