Alexander Poraj

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von AllEin, EntTäuschung und weiteren Büchern.

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Erscheint am 18.02.2019 als Taschenbuch bei Verlag Herder.

Alle Bücher von Alexander Poraj

AllEin

AllEin

 (1)
Erschienen am 25.06.2018
EntTäuschung

EntTäuschung

 (1)
Erschienen am 27.06.2016
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 (0)
Erschienen am 18.02.2019

Neue Rezensionen zu Alexander Poraj

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Rezension zu "AllEin" von Alexander Poraj

Zen für Fortgeschrittene
michael_lehmann-papevor 5 Monaten

Zen für Fortgeschrittene

Das Wort „Allein“ dient in diesem tiefreichenden Werk von Alexander Pojai als Zentrum und Ausgangspunkt und greift damit eine Zen-Kompetenz (und wesentliche Grundhaltung) auf, die dem westlichen Denken (immer noch) eher fremd ist und, in den letzten Jahrzehnten, auch erkennbar fremder geworden ist.

Denn durchaus gängig war es in breiter Form (und ist es in Teilen immer noch) „Alleinsein als Strafe“ mit ins Feld zu führen.

„Geh auf Dein Zimmer“ bei unbotmäßig sich verhaltenen Kindern drückt allein schon aus, dass Alleinsein, verbunden mit Stille, mangelnder Ablenkung und eingeschränkter Aktivitätsmöglichkeit gründlich negativ belegt wird. Eine Linie, die sich durch das „erwachsene Leben“ konsequent durchzieht.

Aktiv sein, Fit, beschäftigt, wichtig, tätig, das sind die „seriösen“ Elemente eines (vermeintlich) guten Lebens in den modernen Gesellschaften des Westens, mit denen man „etwas schafft“ um sich dann, wenn „etwas aktiv geschafft wurde“ dem entsprechenden Belohnungssystem hinzugeben. Was wiederum mit Aktivität und Konsum als Aktivität verbunden wird. Dinge „sich leisten zu können“, Freizeitaktivitäten zu gestalten, möglichst dem Alleinsein, der Stille zu entkommen, die nicht sonderlich gut ertragen werden kann. Davon kündet allein schon die umfassende Breite der „Unterhaltungsindustrie“, die einen fundierten Rückschluss auf die Schwierigkeiten des modernen Menschen mit der Abwesenheit äußerer Reize, eines „All-Ein-Seins“ und damit nur sich selbst ausgesetzt sein deutlich benennt.

Das Leben wendet sich mit hoher Geschwindigkeit weiterhin dem Äußeren zu, so kann man konstatieren. Kontemplation, Meditation, sich selbst spüren sind Fähigkeiten, die kaum mehr gesellschaftliche Relevanz im Alltag besitzen.

„Das Reden Silber und Schweigen Gold sei“, wie es Poraj zur Einleitung anführt, ist somit eine alte Sentenz mit offenkundig wenig Wirksamkeit. Denn sich zeigen, darstellen, am Image feilen, laut sein, fordern können, das sind aktuell die scheinbar „wahren Kompetenzen“ eines erfolgreichen Lebens.

Dem setzt Pojai nun einen interessanten, tief durchdachten, aber auch nicht einfachen Weg in einer Welt des „mit-sich-seins“ gegenüber, der, recht verstanden, gar nicht einsam oder allein sein kann, da am Ende „alles mit allem verbunden ist“. Sei man laut oder leise, mit anderen beisammen oder für sich ganz allein, diese Verbindung kann gefunden und gespürt werden und führt, am Ende, zu einer Form innerer Reife, die dem Menschen wohltut.

Aber nicht einfach beschrieben oder in kurzen Abfolgen „angewiesen“ werden kann, sondern, wie alles, was wertvoll ist, eine Entwicklung und ein Üben benötigt.

„Der überwiegende Teil des Buches beschreibt das Suchen und das Ringen um die Frucht. Nicht die Frucht selbst. Diese kann nämlich nur im Lesenden zur Reife gelangen“.

Es braucht eben eine andere Herangehensweise im Denken und Fühlen, die dem „normalen“ Leser zunächst befremdlich ist und zu Geduld und reflektierendem Lesen aufruft.

„Wir fühlen uns oft allein….Sind wir dann tatsächlich allein? Es lohnt sich, unser Konzept des Alleinseins infrage zu stellen, denn häufig fühlen wir uns allein, ohne uns dieses Zustands in seiner Tiefe bewusst zu sein“.

Stellt man aber anhand dieses Buches (in Ruhe) das vorherrschende Konzept in Frage und wendet sich der Verbundenheit mit dem Leben und dem ganzen restlichen Sein zu, dann ergibt sich im Lauf der Lektüre und es Ringens um das rechte Verständnis allmählich tatsächlich jenes „Gewahr-Werden“ des „All-Ein-Sein“, das Poraj ruhig und bedächtig vor Augen stellt.

„Rühe, Glück und Offenheit“, einhergehend mit Achtsamkeit, dass ist die „Frucht“, die sich einstellen kann, wenn man sich „sich selbst aussetzt“ und Ablenkungen von außen samt dem eigenen, unruhigen Geist mehr und mehr hintenanstellt.

Natürlich ist das fremd und schwer. Zumindest der erste Schritt eines sich darauf Einlassens. Gerade weil Poraj so wenig von „Übungen“ hält.

„Zen Leben – aber nicht Zen üben. Sein und immer wieder nichts werden wollen“.

Aber es lohnt, sich den Inhalten dieses Buches auszusetzen. Denn die Geschichte lehr durchaus, dass „im Außen“ das „innere Glück“ wohl noch nie zu finden war und die spirituelle Ebene innerer Reife für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit des Menschen wohl doch deutlich wichtiger ist, als all das Streben (und in Teilen erreichen) der „äußeren Ziele“. Für diesen Weg eignen sich die Überlegungen im Buch sehr gut. Wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, Schritt für Schritt.

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Rezension zu "EntTäuschung" von Alexander Poraj

Ruhige Hinführung zu einem wesentlichen Kern des Zen
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Ruhige Hinführung zu einem wesentlichen Kern des Zen

Schon Erich Fromm hat in „Haben oder Sein“ sehr grundsätzlich betont, dass „Erwachsen werden“ mit „Ent-Täuschung“ beginnt. Ein Aufräumen mit den (auch selbst kreierten) Täuschungen und Illusionen des Lebens, ein „Hinter die Fassade“ der Dinge und des Verhaltens schauende Einstellung, die im Gegenzug dem Menschen einen deutlich solideren und, vor allem „wahrhaftigeren“ Boden unter die Füße des eigenen Lebens dann stellt.

Von anderer Seite her, der des ZEN, nähert sich in diesem Werl nun Alexander Poraj her der Notwendigkeit und des Aktes der Enttäuschung (letztlich im Fromm´schen Verständnis) zu. Mit dem eher wörtlichen Sinne des Begriffes beginnend, rekurriert Poraj hier zunächst auf den Zustand der „Enttäuschung“, das Gefühl des „Enttäuscht-Seins“, das durch vielfache Ereignisse ausgelöst werden kann und keinem Menschen fremd sein dürfte.

„Wir sind enttäuscht, wenn das, was wir erwartet, erhofft oder vorausgesetzt haben, sich nicht auf gleiche Weise ergibt“.

Warum aber ist der Mensch in der Regel in negativer Weise berührt, wenn eigentlich doch „die Wahrheit“ über Dinge, Verhältnisse, Bindungen und Beziehungen in den Raum tritt? Eigentlich müsste das Gefühl doch eher ein positives sein auf dem Weg zu einer realeren, der Wahrheit der Umstände entsprechenden Betrachtung der Welt und des eigenen Seins.

Das „Täuschung“ eine wichtige Funktion hat, das Menschen gar eine „filmreife Vorstellungskraft“ besitzen („Wir führen eine Leinwand-Existenz“) und damit auch ein persönlicher Schutzraum generiert wird (ein Art „Heimkino“ als Strategie der Angstüberwindung und zur Herstellung eines Gefühls der Sicherheit in aller Unsicherheit der Existenz), all dem geht Poraj ausführlich und im Einzelnen zunächst nach, um den Begriff der „Enttäuschung“ und den Akt der „Täuschung“ umfassend zu füllen.

Und rekurriert dabei im Hintergrund durchgehend auf die Bedeutung von „Täuschung“ und „Ent-Täuschung“ in Bezug zum ZEN. Denn all dies entsteht aus dem „Ich“, mithin aus dem „Denken“ und verweist auf die Notwendigkeit, die „Leere“ im Zen, das „Nicht-Denken“ achtsam mehr und mehr als andere Art des Zugangs, als tieferes Verständnis hinter aller Täuschung und Enttäuschung zu erleben und zu spüren.

„Leben wir in Vorstellungen, so sind wir gelebte Vorstellungen“. Und auch der nächste, mögliche Schritt, in der Ent-Täuschung sich dem ZEN zuzuwenden ist wiederum eine Vorstellung. Dies zu erkennen führt einerseits dann zu einem Verschwinden von Täuschung, Enttäuschung und gar des ZEN selbst, „und wir gleich mit ihm“, macht aber dann. Dem Denken paradox, den Weg erst frei für das ZEN, das von allen Vorstellungen und allem „Ich“ befreit ist.

Keine einfachen Gedankengänge, ein dem Denken und der Vorstellungskraft sich entziehender Zustand, der von Poraj im zweiten Teil des Buches immer wieder auch durch seine Ausdrucksweise, seine Herangehensweise dem Leser emotional nahegebracht wird.

So entsteht eine kluge Betrachtung des Sinns (und Unsinns) von Täuschungen und Enttäuschungen, eine Überwindung des „bewussten ZEN“ selbst und ein ständiger Verweis auf ein „achtsames Sein in Leere“, das sich dem „Naheliegenden“ zuwenden kann und damit im „Hier und jetzt“ je ankommt und lebt.

Interessant zu lesen, nicht immer einfach zu verstehen, in der Schlussfolgerung eher ernüchternd und doch wieder in eine „ganz einfache“ Existenz führend, das Buch enthält eine ganze Reihe von lesenswerten Anregungen, hinterlässt aber auch ein leicht unbefriedigtes Gefühl. Was gewollt scheint, um den Leser anders und neu auf den Weg zu setzen.

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