Viel zu oft wird über die Menschen im Osten Deutschlands geredet, aber viel zu selten wird ihnen zugehört. Ich wusste schon durch Johannes Nichelmanns Buch "Nachwendekinder", dass es nicht die eine Ost-Biografie gibt, sondern jede Familie ihre eigene Geschichte hat. Dennoch eint viele Menschen in den "neuen Bundesländern", dass sie in Armut aufgewachsen sind, sozial benachteiligt, ohne Rücklagen und ohne Kontakte zu Menschen mit Vermögen. Im Osten werden keine Reichtümer vererbt. Viele Firmen im Osten gehören Leuten aus dem Westen. Auch viele Wohnungen und Häuser im Osten gehören Vermietern aus dem Westen. Dazu kommen Abwertungen wegen des Dialekts, der Herkunft und des schlechten Bildungsniveaus. Wer sich dermaßen benachteiligt fühlt, schlägt irgendwann um sich, egal welche Folgen das für ihn selbst hat. Und der Blick auf die sozialen Brennpunkte im Westen zeigt, dass es weder an der Geografie noch an der DDR-Vergangenheit liegt, sondern an Armut, schlechter Infrastruktur und Hoffnungslosigkeit. Und diese Faktoren wachsen überall in Deutschland, weil die Schere zwischen Arm und Reich immer stärker wird. Der Osten ist quasi das Trendbarometer für den Westen.
Ich habe bewusst die Hörbuchfassung gehört, weil auch ich Vorurteile gegenüber ostdeutschen Dialekten habe, die ich abbauen will. Ich kannte Alexander Prinz vorher nicht. Anfangs hat mich sein Dialekt tatsächlich genervt, aber ich habe einfach weiter gehört und am Ende habe ich ihn zwar noch wahrgenommen, aber nicht mehr als störend empfunden. Dieses kluge Buch ist sehr gut geschrieben, die persönlichen Geschichten sind sehr berührend und der Autor transportiert dabei mit seiner Stimme genau die Richtige Dosis Emotionen.
Ich wünsche diesem (Hör-)Buch viele Leser'innen/Höhrer'innen aus allen Bundesländern, Jung und Alt, Arm und Reich.














