Alexander Solschenizyn Warnung

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Inhaltsangabe zu „Warnung“ von Alexander Solschenizyn

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  • Ein verzweifelter Ruf nach Freiheit

    Warnung

    Makollatur

    17. February 2016 um 15:41

    In diesem knapp einhundert Seiten starken Essay seziert der russische Literaturnobelpreisträger des Jahres 1970 das politische Missverhältnis zwischen sowjetischem Kommunismus und seiner öffentlichen Wahrnehmung, vor allem in der westlichen Presse und Wissenschaft. Ausgehend von einer ablehnenden Haltung des Westens gegenüber dem aufkeimenden russischen Nationalismus innerhalb der UdSSR stellt der Autor das tradierte Geschichtsbild des russischen Volkes infrage. Die lange Geschichte des russischen Volkes würde von westlichen Historikern an einigen wenigen Punkten exemplarisch abgehandelt, ohne die Unterdrückung des russischen Volksgeistes durch die sowjetischen Machthaber zu thematisieren. Klar zieht Solschenizyn die semantische Grenze zwischen „Sowjets“ und „Russen“, wobei erstere die Aggressoren, letztere die Unterdrückten darstellen. Entgegen der öffentlichen Meinung dieser Zeit liege das Schicksal des Westens nicht mehr in seiner eigenen Hand, sondern sei von den Entwicklungen im sowjetisch-chinesischen Verhältnis abhängig. Gleichzeitig wird der postulierte friedliche Charakter des Kommunismus gänzlich negiert und durch die Warnung ersetzt, die Welt würde sich in eine Situation begeben, in der weitere Eroberungen im Zuge einer Ausweitung des Kommunismus die logische Folge wären. Damit sei das Ende des Westens besiegelt, nur der ideologische Zwist zwischen der UdSSR und China halte den Weltkommunismus davon ab, diesen imperialistischen Plan in die Tat umzusetzen. Statt den russischen Nationalismus zu bekämpfen und zu diskreditieren, solle der Westen vielmehr diese Strömungen unterstützen, und so zum Sturz des sowjetischen Kommunismus entscheidend beitragen. Denn in den inneren Kräften, die seit nunmehr sechzig Jahren von den Sowjets unterdrückt werden, bestünde die einzige Option auf eine Zerstörung des Kommunismus und auf eine Neuordnung der Dinge. Solschenizyn hat während seines Lebens häufig Bekanntschaft mit den Repressalien des sowjetischen Systems gemacht: mehrfach verbannt, als politischer Gefangener in ein GULag eingesperrt, hat er aber nie damit aufgehört, politisch aufgeladene Texte zu verfassen. Seine persönliche Abrechnung mit den unmenschlichen Methoden der Zwangslager lässt sich in Der Archipel GULag nachlesen. In Krebstation treffen Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft zusammen und fördern die Spannungen innerhalb der Gesellschaft zutage. Weitere Werke und Essays zeugen von einem zutiefst humanistisch geprägten Mann, dessen ständige Angst vor dem sowjetischen Polizeiapparat in kreative Energie umgeschlagen ist, und der stets den Blick auf das große Ganze gerichtet hält. Der Text eignet sich als Zeitdokument, dass bei der Betrachtung oppositioneller Kräfte des Sowjetregimes Aufschluss darüber geben kann, wie sich das Kräfteverhältnis im Kalten Krieg historisch gewandelt hat. Nach Auffassung Solschenizyns steht die Weltgemeinschaft zu jenem Zeitpunkt vor einer Wende, die entweder den Sieg des Kommunismus über die gesamte Welt oder seinen Untergang bedeuten würde. Alarmiert durch die ihm feindlich gesinnte Presse und akademische Welt formuliert er in Warnung. Die tödliche Gefahr des Kommunismus sein persönliches Manifest zur Entmystifizierung der kommunistischen Ideale, die er als absolut feindlich und opportun entlarvt. Demgegenüber entwirft der Autor das Bild eines zaghaften, auf sich selbst bezogenen und feigen Westens, der die Chance, den Kommunismus zu besiegen, mehr als einmal verstreichen ließ. Als neutraler Leser fällt auf, dass der Ton der Schrift häufig anschwillt, mitunter zu einer schrillen Anklage wird, was der Authentizität der Aussagen nicht guttut. Nicht, dass die geschilderten Missstände nicht so vorhanden waren, doch leidet die Glaubwürdigkeit eines Argumentes, wenn es in einer allzu stark pathetischen Form vorgetragen wird. In Solschenizyns Worten schwingt die unendlich große Angst vor der Vernichtung seiner Volksgenossen mit, ebenso das Unglauben über die fatale Haltung der westlichen Welt. Hiermit ist der mitunter sehr polarisierende Tenor der Schrift erklärbar. Dennoch hätte mehr Ruhe und Überlegtheit dem Werk mehr Durchschlagskraft verliehen. Einmal mehr hat sich der Autor als wahrer Kenner seines Landes und der politischen Umstände in der Welt erwiesen. Schade nur, dass er diesen scharfen Blick an der einen oder anderen Stelle vermissen lässt.

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