Alexander Stapper

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Alexander StapperZwei Seiten einer Mauer
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Zwei Seiten einer Mauer
Zwei Seiten einer Mauer
 (16)
Erschienen am 14.12.2015

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Rezension zu "Zwei Seiten einer Mauer" von Alexander Stapper

Interessante Idee, Umsetzung allerdings ausbaufähig
Aer1thvor 2 Jahren

Worum geht’s?

»Unter Theos Füßen, die von der Mauer herabbaumeln, haben sich einige von ihnen angesammelt. Sehen kann er sie nicht. Einzig das leise Kratzen am Stein und das Röcheln sagen ihm, dass sie da sind. Bestimmt greifen ihre Hände nach seinen Füßen. Ob sie wohl irgendwann begreifen, dass ihre Bemühungen völlig sinnlos sind? Sie können es noch so oft versuchen, die letzten Meter fehlen am Ende doch. Die obere Kante bleibt für sie unerreichbar.«
Nach einer weltweiten Epidemie wächst Theo hinter einer hohen Mauer auf, die ihn vor den Infizierten beschützt. Die Katastrophe liegt weit zurück, Ordnung und Struktur sind wieder eingekehrt. Doch eines Abends macht er eine Entdeckung, durch die sein gesamtes Weltbild ins Wanken gerät. (Quelle)

Meine Meinung

Mauern haben immer zwei Seiten. Auf der einen bieten sie Sicherheit, auf der anderen sperren sie aus. (Zwei Seiten einer Mauer)

Kratzen, röcheln, Infizierte – das alles klingt nach einem waschechten postapokalyptischen Zombieroman, doch um die wandelnden Toten geht es in “Zwei Seiten einer Mauer” nur bedingt. Vielmehr steht für den Autor die Gesellschaftskritik an erster Stelle.

Theo sitzt jeden Abend auf der Mauer. Der Mauer, die alle Gesunden vor den Infizierten schützen soll. Theo kennt gar keine Zeit ohne Mauer mehr. Er wurde lange nach der weltweiten Epidemie geboren und kennt nur die Gesellschaft und ihre Struktur, wie sie jetzt ist. Hinter der Mauer ist es sicher, vor der Mauer lauert der Tod.
Berufe werden den einzelnen Personen zugeordnet, das Essen ist rationiert und es gibt eine Ausgangssperre. Für Theo ist das Alltag. Um diesem Alltag kurze Zeit zu entfliehen, haben sich Theo und seine Freunde ein Spiel ausgedacht, das sie in den alten Ruinen der Stadt spielen. Als es eines Tages dazu kommt, dass sich die Freunde nachts, nach der Ausgangssperre herausschleichen, um eben dieses Spiel zu spielen, machen die Drei eine Entdeckung, die jede Menge Fragen aufwirft.

Wie bereits erwähnt, spielen die Infizierten in “Zwei Seiten einer Mauer” nur eine untergeordnete Rolle. Ja, sie kommen kurz vor und einer fällt sogar mal einen Menschen an, aber das war es auch schon. Wer sich menschenfressende Zombies in der Hauptrolle wünscht, der sollte weiter suchen. Meiner Meinung nach geht es Alexander Stapper mehr darum aufzuzeigen, wie sich die Gesellschaft und insbesondere einzelne Individuen verändern, wenn Struktur und Ordnung, wie wir sie kennen, nicht mehr gelten und ein neues System auf den Plan gerufen werden muss.

Gut dreiviertel des Buches geht es um Theo. Ich habe ihn auf seinen Streifzügen begleitet und machte mich mit ihm gemeinsam auf die Suche nach der Wahrheit. Im letzten Drittel taucht Theo gar nicht mehr auf und die Erzählperspektive wechselt zu einem neuen Protagonisten, der mir bis dahin allerdings völlig unbekannt war. Das hat mich mächtig irritiert und leider ist diese Irritation auch bis zum Ende des Buches hin nicht verschwunden.
Wie die meisten von euch bin ich ein Fan von Happy Ends. Es muss nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen sein, aber ich hätte gerne zumindest ein bisschen Hoffnung und den Ausblick auf etwas Positives. “Zwei Seiten einer Mauer” wird euch nicht mit einem Happy End dienen. Vielmehr ist das Ende offen gehalten, gibt Raum für eigene Gedanken und Spekulationen, lässt einen aber auch ganz klar verstehen, dass die Geschichte nicht ganz so ausgegangen ist, wie der Großteil der Leser es gerne gehabt hätte. Nichtsdestotrotz ist es ein passendes Ende, auch wenn ich erst einmal ein wenig gebraucht habe, um es zu verdauen.

Der Schreibstil Stappers ist recht einfach gehalten und wirkt mitunter ein wenig plump. Zu viele Hauptsätze, zu wenige Nebensätze. So ist die Geschichte natürlich leicht und flüssig zu lesen, doch ich hätte mir, angesichts der Thematik, einen etwas ausgefeilteren Schreibstil gewünscht. Leider sind mir auch die Charaktere zu oberflächlich beschrieben worden. Ich konnte keine wirkliche emotionale Bindung aufbauen, so dass mir das Schicksal der Einzelnen gar nicht wirklich nahe gegangen ist. Mehr Tiefe hätte den Charakteren hier sehr gut getan.

Fazit

“Zwei Seiten einer Mauer” ist ein postapokalyptischer Roman, kein Zombieroman. Gesellschaftskritik steht an erster Stelle und regt durchaus zum Nachdenken an, wenn man sich als Leser denn drauf einlassen möchte. Ich muss zugeben, dass ich eine andere Art von Geschichte erwartet, das Buch aber dennoch gern gelesen habe. Daher gibt es von mir 3,5 von 5 Sternen.

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Romanfressers avatar

Rezension zu "Zwei Seiten einer Mauer" von Alexander Stapper

Gelungene Dystopie - nicht nur für Jugendliche
Romanfresservor 2 Jahren

Alexander Stapper schrieb mir eine Mail, ob ich nicht Lust hätte, seinen Debütroman zu rezensieren. Er beschrieb ihn als eine Dystopie, die das Mauermotiv auf eine etwas andere Art und Weise aufgreifen würde, gleichsam für Jugendliche wie für Erwachsene geeignet. Weil das Thema Dystopie ja auch hier im Blog immer mal wieder aufgegriffen wird, dachte ich mir, dass das ein durchaus reizvolles Buch sein könnte und ich sagte zu. Und enttäuscht wurde ich wahrlich nicht.

Wir befinden uns in einer kleinen Stadt. Nach einer großen Epidemie wurde eine Mauer gebaut, um die Infizierten aus der Stadt fernzuhalten; die Bewohner organisieren sich selbstständig und versuchen – durch Ackerbau, Arbeit und Selbstverwaltung – ihre Zukunft zu sichern. Dabei werden sie von einem hohen Rat regiert. Eine Gruppe Jugendlicher, unter ihnen Theo, fängt an Fragen zu stellen. Nicht laut, aber im Geheimen fragen sie sich, warum so viele scheinbar sinnlose Regeln das Leben der Bewohner einschränken, vor allem aber, warum niemand je den hohen Rat sah und warum sie wirklich nach Abschluss der Schule 12 Stunden am Tag arbeiten müssen. Sie stoßen darauf, dass es nächtliche Transporte gibt und dass im Krankenhaus ziemliches Schweigen in Bezug auf die Patienten gibt. Und dort verschwand einer ihrer guten Freunde und kehrte nie wieder zurück. Schließlich stoßen sie auf eine Reihe von Lügen und Geheimnissen, die ihre gesamte Existenz in Frage stellt.

Zwar ist Stappers Dystopie für ein Jugendbuch schon relativ umfangreich, dennoch war mir dieses Buch entschieden zu kurz. In einer solchen neuen Welt ist einfach alles erklärungsbedürftig, weil das gesamte Leben auf eine völlig andere Weise organisiert ist, als es bei uns funktioniert. Stapper nimmt sich für die Beschreibung des Alltags und des Lebens innerhalb der Mauer viel Zeit und schafft es, ein konsistentes Bild dieser postapokalyptischen Welt zu zeichnen. Es liegt dann ein bisschen in der Natur der Sache, dass die Dekonstruktion der Welt, die darauf folgt, dann etwas kurz geraten ist. Die zahlreichen neuen Ebenen, die dann im zweiten Teil des Buches eingeführt werden, werden teilweise dann nur so weit wie nötig beschrieben, dabei wäre es unglaublich spannend gewesen, dort noch viel mehr Details zu erfahren.

Dafür jetzt aber große Abstriche in der Bewertung zu machen, wäre schlichtweg nicht angemessen. Stapper schreibt modern und lebendig, die Protagonisten, die sogar noch eine kleine Liebesgeschichte umgibt, sind durchweg in sich schlüssig und handeln nachvollziehbar, sie sind mehr als nur Mittel zur Handlung, sondern harmonieren gut mit der Geschichte. Der Roman lässt sich gut lesen, er ist spannend geschrieben und die Thematik des Romans ist höchst brisant. Ich hatte schon mehrmals davon gesprochen, dass im Moment die Jugenddystopien wie Pilze aus dem Boden schießen und es liegt Nahe, auch Zwei Seiten einer Mauer dieser Strömung zuzuordnen. Die Thematik einer Gesellschaftslüge, in der eine ganze Gruppe von Menschen gelassen wird, ist eine, die nicht grundsätzlich neu ist, aber die hier in einer Perspektive aufgegriffen wird, die ungewöhnlich ist. Der Fokus liegt hier auf der Mauer. Mauern finden sich in vielen dieser Dystopien, sie sind fast schon notwendiges Element einer Dystopie, aber oft ist die Mauer metaphorisch, in den Köpfen vorhanden oder nur Beiwerk. Hier ist sie von Anfang an handlungstragend; aus ihr entwickelt sich die Handlung und sie ist es, die den Konflikt zum Ausdruck bringt. Es ist weniger ein Roman über das Eingesperrt sein, als einer über das Herausfinden von Widersprüchen eines gesellschaftlichen Narrativs – denn nichts anderes unternehmen die Jugendlichen.

Ich denke, es ist offensichtlich geworden, dass ich mit Stappers Debütroman einiges anfangen konnte. Als ich den Titel las, dachte ich zunächst an eine Art Wenderoman, damit hat der Roman jedoch gar nichts zu tun. Wer also eine gut geschriebene Jugenddystopie sucht – und vielleicht nicht immer bei den großen Publikumsverlagen einkaufen möchte – ist mit diesem Indie-Roman gut bedient. Denn die für Bücher im Selbstverlag typischen Kinderkrankheiten sind praktisch nicht vorhanden, der Roman hätte genauso gut einen großen Verlag finden können. Und mit knapp drei Euro für das eBook ist das überdies noch ein Schnäppchen. In diesem Sinne vergebe ich gerne 4/5 Sternen für die gelungene Dystopie und freue mich schon auf mögliche weitere Romane des Autors.

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rudi_nussbaumers avatar

Rezension zu "Zwei Seiten einer Mauer" von Alexander Stapper

Von Enid Blyton's zu Orwell & Bradbury
rudi_nussbaumervor 2 Jahren

In der ersten Hälfte hatte ich ein kleines Problem mit dem Buch, es hat   etwas von Enid Blyton's fünf Freunden in der Endzeit, aber die zweite Hälfte kehrte meine Meinung um. Deshalb bekommt es einen Platz in meinem #Buchregal der ihm, meiner Meinung nach, zusteht. In Nachbarschaft zu Georg Orwell und  Ray Bradbury. 

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