Alexandra Endres Wer singt erzählt - wer tanzt überlebt (DuMont Reiseabenteuer)

(2)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Wer singt erzählt - wer tanzt überlebt (DuMont Reiseabenteuer)“ von Alexandra Endres

Von der Karibikküste über die Anden bis an den Pazifik – Alexandra Endres taucht ein in den Alltag und die Rhythmen Kolumbiens. Sie lauscht den Cantaoras von Cali und den Rappern von Medellín, die Geburten, Tote und das ganze Leben besingen. Sie folgt den Spuren von Gabriel García Márquez in Cartagena und durch den Dschungel des Chocó. Und immer wieder trifft sie auf Menschen, die sie tief beeindrucken: mutige Frauen, wie die Englischlehrerin Mónica, die im Bürgerkrieg durch eine Schussverletzung ihr Augenlicht verlor, oder die heiligen Männer vom Volk der Arhuaco, die im Gebirge von Santa Marta das Gleichgewicht der Welt bewahren. Ein Reiseabenteuer für jeden, der Kolumbien in seiner ganzen Vielfalt verstehen möchte.

Kolumbien hautnah, Reise mit wachem Blick, eindrucksvoll erzählt!

— Kerstin_Westerbeck

Stöbern in Sachbuch

Das Sizilien-Kochbuch

Ein leidenschaftliches und sehnsuchtsvolles Buch an die Küche und die Kultur Siziliens

Hexchen123

Gemüseliebe

Großartiges, frisches und neues vegetarisches Kochbuch! Großartig! Ich liebe es!

Gluehsternchen

Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

Ein kleines und unscheinbares Buch, dessen Thema in unserer heutigen Zeit so gewichtig ist.

Reisenomadin

Das verborgene Leben der Meisen

Die Bibel für ausgemachte Meisenliebhaber. Ausführlicher geht fast nicht.

thursdaynext

Kann weg!

Herrliche Lachflashs garantiert!

Lieblingsleseplatz

Zwei Schwestern

Ein wichtiges Buch.

jamal_tuschick

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Modulierte Klänge und das Gleichgewicht der Erde

    Wer singt erzählt - wer tanzt überlebt (DuMont Reiseabenteuer)

    Kerstin_Westerbeck

    22. October 2017 um 20:06

    Wer singt erzählt … Cantaoras und Oralkulturen aus Afrika fanden über den Transatlantischen Sklavenhandel ihren (unfreiwilligen) Weg – u. a. auch – an die kolumbianische Pazifikküste, nach Cartagena; damals einer der Hauptumschlagplätze für Sklavenhändler. Die Schreie der Sklaven, die in Ketten auf Märkten als Ware zur Fleischbeschau angeboten wurden, haben wir spätestens seit Titeln wie „Onkel Toms Hütte“ (Beecher-Stowe) oder „Roots“ (Haley) im Ohr. Kein Wunder also, dass Alexandra Endres ihre Reise ausgerechnet dort startet, wo alles einen Anfang nahm. Wer tanzt überlebt … Wenn wir unsere Vorstellungen, unsere Kultur retten können, dann retten wir uns. Wenn wir den Kindern beibringen zu trommeln und sich zur Musik zu bewegen, „die Klänge zu modulieren“, dann retten sie das afrikanische Erbe, halten Verbindung zu den Wurzeln, zu unserem urafrikanischen Lebensgefühl. So könnte man die Arbeit der Trommelschule (schaut dazu mal auf Endres` Blog unter http://www.latinario.de/2014/10/die-trommler-von-la-boquilla/) interpretieren, die sie im ersten Kapitel besucht. Und von jetzt an reist der Rhythmus mit. Mir ging es zumindest so. Ich hatte beim Lesen ständig die Trommeln im Ohr. Ob beim anschließenden Besuch bei indigenen Völkern, den Arhuacos oder den Wayúu; ob in Bogotá oder im Süden des Landes, immer hatte ich das Gefühl im Hintergrund schlägt jemand die Trommel. Was vielleicht aber auch daran liegt, dass meine Abschlussarbeit an der Uni eben dieses Thema war: Afrikanische Einflüsse in Lateinamerika. Endres erste Etappe weckt bei mir Erinnerungen. Etwa wenn sie von den palenques erzählt, oder den cimarrones (den vor der Sklaverei geflohenen Afrikanern). Somit ist man gleich mittendrin – in der lateinamerikanischen Geschichte und Gegenwart; im Straßengewimmel von Bogotá, Medellín oder Cali, mitten in der politischen Realität. Und vor allem ganz nah bei den Menschen, die manchmal auch nur nonverbal zu Wort kommen. Wie zum Beispiel diese Szene in Bogotá: Ein kleines Mädchen spielt hochkonzentriert mit Sand. Ein Mann beobachtet sie dabei, passt auf, dass ihr nichts passiert, dass sie in ihrem Spiel still und ganz für sich sein kann, um all das zu verarbeiten, was sie erlebt hat. Das ist das andere Gesicht, das Alexandra Endres aufzeigt. Die junge politische Gegenwart des Landes. Der Frieden, der gerade erst mit den FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) ausgehandelt wurde, nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs. Die Hoffnungen und Ängste der Menschen nach dem gescheiterten Referendum, und die Frage: Wie geht es weiter? – das alles kann nur komplex gesehen werden; denn so ist schließlich auch das Land: vielfältig in Wurzeln/Hintergründen, Kulturen, Sprachen, Weltanschauungen, Interessen … auf dem Weg sich politisch zu spalten? "Alfonso sagt: »Der Westen versucht, es sich gut gehen zu lassen, auch wenn es anderen schlecht geht.« Das könne nicht funktionieren. Die Arhuaco seien fest davon überzeugt, dass es ihnen stets nur so gut gehen könne wie allen anderen: Menschen, Tieren, Pflanzen und sogar den unvorstellbaren Dingen. »Für uns kommt das Spirituelle zuerst. Für die Menschen im Westen das Materielle – auch wenn sie sich selber dadurch zerstören.«..." (Nachzulesen auf Endres Blog unter http://www.alexandraendres.de/sites/default/files/artikel/pdf/zeit_2017_37_00048.pdf) Trotzdem suchen die Kulturen, wie Endres schreibt, den Dialog, versuchen das andere Denken zu verstehen. Damit man weiß, wo man ansetzen muss, um zu einem Konsens zu finden. Um nicht übergangen zu werden. Der Weg ist steinig. Aber immerhin geht man ihn, trotz der Verletzungen und (ungeklärten) Identitätsfragen, die man teils seit Kolonialzeiten mit sich schleppt. Die Völker haben ihren Status, sind (offiziell) anerkannt und man versucht auch auf Seiten der Rechtsprechung Wege zu gehen, die den Kulturen ihre Rechte zurückgeben. Bei diesem Kapitel musste ich auch an die aktuellen Entwicklungen in Europa denken, die angedeutete Tendenz zur Abschottung, oder das Ziehen neuer Grenzen, der (geplante) Bau von Mauern. Was würden Länder wie Kolumbien dazu sagen(?) – Kolumbien, wo derart viele Kulturen unter einen Hut gebracht werden. Wenn man dort entschiede sich innerhalb eines Landes von den eigenen Kulturen abzugrenzen ... nahezu absurd. Vielleicht können wir von Ländern wie Kolumbien sogar lernen. Hängengeblieben sind mir aber vor allem die Menschen, die Endres so eindringlich beschreibt. Da ist der Journalist Don Alfonso, der erzählen kann wie Gabriel García Marquez – zwischen magischer Realität und fantastisch-charmanter Fantasie. Er möchte gerne Alfonsito genannt werden und ist im Übrigen noch zu haben … so lässt er die Autorin dreist-selbstbewusst wissen. Ja, ich habe ein sehr schönes Bild im Kopf, wenn ich das lese … Weiter ist da der Lohnschreiber Germán Martínez im Parque de los Poetas von Calí, der im Beisein der Autorin einem potenziellen Kunden erklärt, dass er bei seinem geringen Einkommen im Prinzip gar keine Steuererklärung abgeben müsste. Martínez arbeitet mit Mobiltelefon und – ganz traditionell – mit einer manuellen Schreibmaschine. Dabei musste ich an einen chilenischen Onkel denken, der Schreibmaschinen sammelte, weil er der Meinung war, der Trend zum Computer würde sich sicher nicht dauerhaft durchsetzen … Alles in allem, ist Wer singt, erzählt wer tanzt, überlebt definitiv eine Reise wert. Und ganz sicher hatte ich hier und da das Gefühl, einen Moment lang an der Seite von Endres zu reisen und das zu sehen, was sie sieht.

    Mehr
  • '[...] wer die falsche Wahl trifft, der wird zum Drogenhändler - oder Konsumenten.‘

    Wer singt erzählt - wer tanzt überlebt (DuMont Reiseabenteuer)

    sabatayn76

    25. August 2017 um 15:20

    ‚Wenn sie Glück haben, bekommen sie einen Job als Zimmermädchen, als Kellner oder auf dem Bau. Wenn sie Pech haben, bleiben sie daheim und leben von dem, was Angehörige und Freunde nach Hause bringen. Wer Pech hat und nicht daheim bleibt, wer die falsche Wahl trifft, der wird zum Drogenhändler - oder Konsumenten.‘Alexandra Endres war schon mehrmals in Kolumbien, hat sich intensiv mit den negativen Seiten des Landes beschäftigt, doch nun möchte sie die schöne Seite Kolumbiens zeigen. Also reist sie nach Cartagena, Santa Marta, La Guajira, Bogotá, Medellín, Quibdó, Cali, Popayán und Putumayo, erzählt von Trommeln und Cantaoras, Regenwald und Gebirge, Karibik und Pazifik, Völkern und Traditionen, von Lebensfreude und - wie der Titel suggeriert - von Singen und Tanzen. Neben all den positiven Aspekten Kolumbiens, die man oft gar nicht kennt, da das Wissen über das Land von Negativschlagzeilen überschattet ist, erwähnt Endres jedoch auch Probleme, mit denen Kolumbien lange gekämpft hat bzw. immer noch kämpft: Sklaverei und Kolonialismus, Schlachten und Piratenangriffe, Armut und schlechte Gesundheitsversorgung, Folter und Vergewaltigungen, Farc und Attentate.Endres erzählt von expandierenden Städten, vom aufkommenden Tourismus, von sich verändernden Landstrichen und von Gegenden, die anscheinend noch genauso sind, wie sie Gabriel García Márquez vor Jahrzehnten in seinen Büchern beschrieben hat. García Márquez, der mit seinen stimmungsvollen Beschreibungen auch mein Interesse am Land geweckt hat, ist übrigens einer der Schwerpunkte des Buches, immer wieder wird Bezug auf ihn und seine Bücher genommen, und wer sein Werk kennt, wird in ‚Wer singt, erzählt - wer tanzt, überlebt‘ auf viel Bekanntes im ansonsten vielleicht noch unbekannten Land treffen. Dabei sind Endres‘ Schilderungen stets detailliert, bildhaft und lebendig, so dass man beim Lesen die Schwüle wahrnimmt, die Trommeln hört, das Meer riecht. Man merkt beim Lesen durchweg, dass sich die Autorin intensiv mit dem Land und seinen Bewohnern beschäftigt und sich mit einzelnen Facetten auseinandergesetzt hat, und Endres gibt ihre Faszination und Begeisterung auch an den Leser weiter, auch wenn mir einige ihrer Schilderungen bisweilen etwas zu ausschweifend waren.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks