Alexandra Friedmann

 4.2 Sterne bei 40 Bewertungen

Lebenslauf von Alexandra Friedmann

Alexandra Friedmann wurde 1984 in Weißrussland geboren und wanderte 1989 mit ihrer Familie nach Deutschland aus. Nach ihrem Schulabschluss war sie acht Jahre in Paris, wo sie Literatur und Journalismus studierte. Nach einem Praktikum bei der taz, Veröffentlichungen von Anthologien und in Zeitschriften, arbeitete sie als Übersetzerin und freie Journalistin. 2014 erschien ihr erster Roman „Besserland“. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt sie in Berlin.

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Besserland

Besserland

 (40)
Erschienen am 30.09.2014

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Rezension zu "Besserland" von Alexandra Friedmann

Auswandern als Slapstick-Komödie
sursulapitschivor 2 Jahren

Als Ende der 80er Jahre in der UDSSR die Perestroika ausgerufen wird, ist man begeistert im russischen Gomel. Ungeahnte Möglichkeiten tun sich auf. 

In heiteren Episoden erzählt Alexandra Friedmann von ihrer umfangreichen Familie. Man hat sich arrangiert im sozialistischen Russland, ist das Schlangestehen gewöhnt, hat Beziehungen und wenn nicht, kennt man jemanden, der Beziehungen hat und an entscheidender Stelle ein paar Flaschen Wodka hinterlegen kann. Mit der Perestroika wird die Situation irrwitzig. Niemand weiß mit der neuen Freiheit umzugehen, versucht aber trotzdem sein Glück mit windigen Geschäftsmodellen.
Irgendwann hat die Familie Friedmann genug: Sie wandern aus. Am besten nach Amerika.

Das ist ein wirklich spannendes Thema, das hier sehr unterhaltsam dargeboten wird. Für meinen Geschmack war es fast zu unterhaltsam. Gerade der erste Teil in Russland liest sich wie eine Slapstick-Komödie, in der sich unterschiedlichste Menschen mit skurrilsten Methoden durchs Leben schlagen. Es liest sich höchst spaßig, aber in all dem Irrsinn kann man über den Grund, warum die Familie auswandern will, nur mutmaßen. Man könnte diese Idee fast für eine spontane Laune halten. Und an dieser Stelle hätte ich mir mehr Substanz erhofft. Eine Familie wandert aus ins „Besserland“, das ist kein Scherz. Dahinter sollte man Schicksalhaftes wenigstens erahnen können.
Auch die Figuren bleiben gängigen Komödien-Klischees treu. Vater Edik scheint trotz Hochschulabschluss ein Ausbund an Naivität zu sein. Immer wieder rennt er treuherzig ins Schlamassel. Oma Anna tut, was russische Omas so tun: Kochen, backen und zetern. Man ist amüsiert, aber nicht überrascht.

Von diesem Buch hatte ich mir Einblick in russisches Leben und Denken erhofft, den ich im Ansatz auch bekommen habe. Allerdings überwiegt der Eindruck, Russen sind findige Schlitzohren, die immer Wodka trinken und Auswandern ist ein Abenteuer, das man mit etwas Geduld gerne mal unternehmen kann. Gar so einfach kann es nicht sein.

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AenHens avatar

Rezension zu "Besserland" von Alexandra Friedmann

Reise in den Westen
AenHenvor 2 Jahren

Besserland erzählt die Geschichte der Autorin Alexandra Friedmann. Ihre Familie stammt aus der weißrussischen Stadt Gomel.
Handlung (enthält Spoiler...)
Mitte der 1980er Jahre wird das Leben in der Sowjetrepublik für die Friedmanns zunehmend schwieriger. Von der misswirtschaftenden Planerfüllung geraten sie durch die ersten Gehversuche unter der Perestroika ins Straucheln. Mutter Lena gibt ihre Anstellung auf, um Vater Edik in der Selbständigkeit als Maler und Lackierer zu unterstützen, doch das Unternehmen scheitert. Arbeits- und perspektivlos beschließt die Familie wie einige andere aus ihrem Umfeld noch vor dem Fall des eisernen Vorhangs das Glück im Westen zu suchen. Ziel ist New York, da einige der jüdischen Familien dort Verwandtschaft besitzen. Nach den skurrilen Beschaffungsmaßnahmen für Visa und Zugtickets geht es also los, Familie Friedmann macht sich auf, den Westen zu erobern. Zurück bleibt unter anderem Oma Anna, Ediks Mutter, die jüdisch-fatalistisch davon überzeugt ist, ihren Edik niemals mehr wieder zu sehen und einen einsamen Tod in der weißrussischen Provinz zu erleiden. Nach einigen Hindernissen während der Reise landet die Familie schließlich in einem Auffanglager in Deutschland und beschließt, das das wohl Westen genug sein könnte und bleibt. Da sich die Option ergibt, durch ein Gesetz zur erleichterten Asylbewilligung für jüdische Immigranten, eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Nordrhein-Westfalen zu erlangen, endet die Reise der Familie in Krefeld. Dort finden sie ein neues Zuhause und nach und nach, allen voran Oma Anna, kommen Eltern und Cousinen den Pionieren nach und beginnen ein neues Leben am Niederrhein.
Besserland ist ein flüssig zu lesender, sehr bildhaft erzählender und unterhaltsamer Roman. Am besten ist er immer dann, wenn Oma Anna im Raum ist oder mindestens 7 Tanten um die Wette mit den Kindern (und Eisbär Mischka) durch die Bude toben. Herrlich auch die Schilderungen der sowjetischen Bürokratie und dann andererseits die erste Begegnung mit Nutella und die Überquerung der A2… Der Roman hat mir gut gefallen, ist aber auch schnell durch gelesen. Da er auch tatsächlich eine Geschichte zu erzählen hat, ist das mitunter anrührend und nicht nur eine rein humorvolle Schilderung. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, und es wäre sicher interessant, von ihr bald weiteres - auch fiktives - zu lesen.

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uli123s avatar

Rezension zu "Besserland" von Alexandra Friedmann

Neue Heimat im Westen
uli123vor 3 Jahren

Die Autorin erzählt in ihrem ersten Roman von der Auswanderung mit ihren Eltern aus dem weißrussischen Gomel nach Deutschland im Jahr 1987. Ihre Eltern Edik  und Lena sind das Leben in dem von Korruption, Mangel und staatlicher Bevormundung geprägten Russland leid. Erste Ausreiseerleichterungen des sich langsam öffnenden Landes nutzen sie, um es Richtung „Besserland“ zu verlassen. Das sind für sie die USA, wo sie aber nie ankommen. Stattdessen landen sie in Westdeutschland. Sie bauen sich eine Zukunft auf und lassen ihre Angehörigen nachkommen. Aber ergeht es ihnen hier wirklich besser als in ihrer alten Heimat?

Auf wahren Begebenheiten beruhend und aus der Perspektive einer Fünfjährigen erzählt die kleine Alexandra von ihrer Reise in den Westen und die Anfangszeit dort mit sich auftuenden Schwierigkeiten und viel Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie schildert viele groteske Situationen und bedient sich einer Reihe von Anekdoten. Als Beispiel sei der erste Supermarkteinkauf genannt, zu dem die Familie in Unkenntnis  erst durch das Überqueren einer sechsspurigen Autobahn gelangt. Der Schreibstil wirkt sehr lebendig. Die Geschichte vermittelt einen guten Einblick in die Zeit der Perestroika in Russland und die Situation derer, die dem Land den Rücken kehrten. Es ist vieles darüber zu erfahren, was Menschen dazu bringt, ihre Heimat verlassen. Das ist ein derzeit brandaktuelles Thema.

Das Buch erhält von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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