DER TRAURIGE ZAUBERER...
Lua ist vaterseelenallein, seit das Herz ihres Vaters aufgehört hat zu schlagen. Erst als sie mit Hilfe einer Zaubermurmel den Weg in den Zirkus findet und sich in die magische Welt der Zirkuskünstler begibt, kommt der Vater ihr wieder näher. Alexandra Helmig erzählt in ihrem Kinderbuchdebüt eine warmherzige Geschichte über Lua und die Suche nach dem richtigen Platz in der Welt. (Verlagsbeschreibung)
Dies ist ein ungewöhnliches Kinderbuch über Trauer, Hoffnung und die Kraft der Fantasie. Alexandra Helmig erzählt die Geschichte der neunjährigen Lua, die seit dem Tod ihres Vaters vor einem Jahr das Gefühl hat, von niemandem wirklich verstanden zu werden. Als sie auf einem Spielplatz eine geheimnisvolle Murmel findet, ist sie überzeugt, dass diese von ihrem Vater aus dem Himmel zu ihr geschickt wurde. Die Murmel führt sie zu einem magischen Zirkus im Wald – und damit in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie immer mehr verschwimmen.
Besonders gelungen ist der Einstieg in die Geschichte. Luas Einsamkeit und ihre Sehnsucht nach dem Vater werden einfühlsam dargestellt, sodass man ihre Gefühle sofort nachvollziehen kann. Das Auftauchen der Zaubermurmel und des geheimnisvollen Zirkus erzeugt dann aber eine stark märchenhafte Atmosphäre. Im weiteren Verlauf entwickelt sich die Handlung deutlich anders, als man womöglich zunächst erwarten könnte. Statt eines fröhlich-magischen Abenteuers begegnet Lua einer Welt voller Melancholie. Der berühmte Zauberer Mo hat seine Fähigkeiten verloren, wirkt resigniert und niedergeschlagen, und nach und nach verlieren auch die anderen Artisten ihre Fähigkeiten. Diese Grundstimmung passt zwar zum Thema Trauer und Verlust, macht die Geschichte aber stellenweise überraschend düster. Einige Figuren bleiben zudem recht distanziert oder wirken sogar unsympathisch, sodass die emotionale Bindung nicht immer leichtfällt.
Gerade darin liegt aber auch eine Stärke des Buches: Es bietet keine einfache Wunderheilung. Lua muss erkennen, dass selbst die größte Magie ihren Vater nicht zurückbringen kann. Stattdessen lernt sie, mit ihrem Verlust zu leben und die Erinnerung an ihn als Teil ihres Lebens zu bewahren. Die Botschaft, trotz Schmerz und Enttäuschung nicht aufzugeben und den Glauben an sich selbst zu bewahren, wirkt ehrlich und glaubwürdig.
Die poetische Sprache, die berührende Darstellung von Trauer und die heilende Kraft der Fantasie haben mir gut gefallen. Die Verbindung von Magie und emotionaler Entwicklung konnte mich letztlich überzeugen - eine zauberhaft-magische Welt, in der Kinderseelen heilen können. Ein weiterer Pluspunkt sind die stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Anemone Kloos, die den märchenhaften Charakter der Geschichte wunderbar unterstreichen. Die kurzen Kapitel eignen sich sowohl zum Vorlesen als auch zum Selberlesen für geübte Leseanfängerinnen und Leseanfänger (Altersempfehlung lt. Verlag: 9-11 Jahre).
"Lua und die Zaubermurmel" ist ein poetisches, sensibles Kinderbuch über Trauerbewältigung und Hoffnung. Wer eine fröhliche Zirkusfantasie erwartet, könnte von der melancholischen Stimmung überrascht werden. Wer sich jedoch auf die ruhige, märchenhafte Erzählweise einlässt, findet eine berührende Geschichte mit einer wichtigen Botschaft: Verlust lässt sich nicht wegzaubern, aber man kann lernen, mit ihm weiterzuleben.
© Parden






















