Alexandra Kui

(163)

Lovelybooks Bewertung

  • 327 Bibliotheken
  • 4 Follower
  • 6 Leser
  • 83 Rezensionen
(39)
(58)
(45)
(15)
(6)

Interview mit Alexandra Kui

Interview zwischen LovelyBooks und Alexandra Kui, Juli 2011

1) Wie bist Du zum Schreiben gekommen und wie hat sich Deine Arbeit als Schriftstellerin mit der Zeit verändert?

Als Kind habe ich mir gern Geschichten ausgedacht und als wahre Erlebnisse ausgegeben. Bis meine Mutter mir den Rat gab, das Ganze lieber aufzuschreiben. Dabei half dann, dass ich immer gern gelesen habe. Zur Schriftstellerei als Beruf kam ich wie so viele über den Umweg des Journalismus. Mit der Zeit hat sich mein Blick auf die eigenen Texte verändert: Ich bin viel kritischer, aber auch experimentierfreudiger geworden, was zur Folge hat, dass ich heute langsamer schreibe als früher. Aber der Spaß an der Arbeit ist derselbe geblieben.

2) Welche Vorteile bietet für Dich das Internet und wie nutzt Du hier den Kontakt zum Leser, wie z.B. in einer Literaturcommunity wie LovelyBooks.de

Ich bin kein Digital Native. Das Internet nutze ich bislang nur für Recherchen und klassischen Emailverkehr, die Möglichkeiten zum Austausch mit den Lesern muss ich noch erkunden. Ich bin gespannt.

3) Welche Bücher/Autoren liest Du selbst gern und wo findest bzw. suchst Du Empfehlungen für den privaten Buchstapel?

Meine Lieblingsautoren sind Max Frisch, Arnon Grünberg, Leon de Winter, Jonathan Frantzen, Stewart O’Nan und viele mehr. Unter den Jugendbuchautoren gefallen mir Michael Ende, Kevin Brooks und Markus Zusak besonders gut. Beim Buchkauf vertraue ich meistens auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten oder engagierten Buchhändlern. Ziemlich „old school“ also, da das Netz kaum eine Rolle spielt.

4) Von welchem Autor würdest Du Dir mal ein Vorwort für eines Deiner Bücher wünschen und warum?

Von jedem meiner Lieblingsschriftsteller, einfach, weil ich sie für ihre Kunst bewundere. Daher wäre ich auch ziemlich nervös, wenn einer dieser Autoren tatsächlich eines meiner Bücher lesen und kommentieren würde.

5) Man wird als Schriftsteller schnell in Schubladen gesteckt. Würdest Du gerne mal das Genre wechseln und Deine Leser mit einer völlig neuen Seite überraschen?

Unbedingt. Und das wird auch passieren...

6) Wo holst Du Dir die Ideen und Inspiration für Deine Bücher?

So ziemlich überall. Beim Einkaufen, beim Hundespaziergang, in Gesprächen mit Nachbarn und Freunden, bei der Zeitungslektüre, auf Reisen. Wie die meisten Autoren beobachte ich sehr genau, man ist sozusagen ständig auf Empfang, da sich im Alltäglichen oft die besten Geschichten verbergen. Außerdem spielen Naturbeobachtungen in meinem Leben wie in meinen Büchern eine wichtige Rolle. Besonders liebe ich das Meer.

7) Wie und wann schreibst Du normalerweise, kannst Du dabei diszipliniert vorgehen oder wartest, bis Dich in einer schlaflosen Nacht die Muse küsst?

Ich glaube, es kommt auf das richtige Verhältnis zwischen kreativem Chaos und Disziplin an. Manchmal ist es nötig, sich selbst Druck zu machen. An anderen Tagen hilft es mehr, einfach den Computer auszuschalten, ans Meer zu fahren oder auf einen Berg zu steigen und auf eine Eingebung zu warten. Jedenfalls habe ich keine festen Arbeitszeiten und will auch keine. Die Abgabetermine reichen völlig.

8) Gibt es eine lustige Anekdote aus Deinem Schriftstellerdasein, die Du uns erzählen möchtest?

Nachdem zum ersten Mal in der Zeitung über mich berichtet worden ist, fuhr ich mit dem Auto durch die Stadt und alle Passanten gafften mich an. Ich hielt mich für sehr berühmt, bis ich bemerkte, dass ich in der falschen Richtung in einer Einbahnstraße unterwegs war. Auch lustig: Gerade erst bekam ich statt der sonst üblichen Blumen nach einer Lesung eine fleischfressende Pflanze geschenkt, weil meine Prologe immer so düster sind.

9) Welche Wünsche hast Du im Bezug auf Deine Bücher und Deine Arbeit für die kommenden Jahre?

Ich wünsche mir, dass alles weiter so gut läuft wie bisher. Ich habe eine treue Fangemeinde, die hoffentlich immer weiter wächst, arbeite in zwei Verlagen mit gescheiten, tollen Leuten zusammen und kann jederzeit über alles schreiben, was mich interessiert. Ziemlich ideal.

10) Was gefällt dir besonders daran für Jugendliche zu schreiben und wie viel Spannung braucht es, um junge Leser so richtig zu fesseln? Was unterscheidet für dich das Schreiben eines Jugendthrillers zu einem Krimi oder Thriller für Erwachsene?

Mit Lügensommer habe ich ja gerade erst einen Thriller für Jugendliche geschrieben, bin also ein Neuling in dem Genre. Ich bin froh, dass im Jugendbuch allzu ausführlich beschriebene Gewaltexzesse tabu sind, so etwas liegt mir ohnehin nicht. Es geht vielmehr darum, die Spannung sorgfältig aufzubauen. Jugendliche als Publikum sind ein bisschen heißblütiger als Erwachsene: einerseits kritisch, andererseits extrem begeisterungsfähig, was mir natürlich gefällt.