Cover des Buches Magdalena Sonnbichler (ISBN: 9783967410631)E
Rezension zu Magdalena Sonnbichler von Alexandra Scherer

Spannend und gut gemacht

von EMHobbs vor einem Jahr

Review

E
EMHobbsvor einem Jahr

Der Krimi liest sich wirklich gut und fast durchgängig flüssig. Ich mag die Dialektpassagen, mit denen möglicherweise der/die eine oder andere ein wenige gehadert haben mag, sehr gerne, wahrscheinlich auch, weil ich ebenfalls am Land lebe und hier die Umgangsprache ebenfalls ein rusikaler Dialekt ist, den ich im Alltagsleben ebenfalls spreche (interessanterweise mit der einen oder anderen Überscheidung, trotz größerer räumlicher Distanz). Das gibt dem Buch deutliche Lebendigkeit.

Man merkt der Autorin an, dass sie Lieblingsthemen hat, für die sie brennt und die darf ihre Leni als Eigenschaften bzw. Vorlieben ebenfalls erben, macht beide sympathisch. Mir persönlich waren die Narren als Thema allerdings fast ein wenig zu präsent, aber das ist wohl Geschmackssache. Dieses Brauchtum gibts in unserer Gegens so gut wie gar nicht, daher hab ich auch keinerlei Bezug dazu.

Ein wenig unrealistisch fand ich, dass sich unzählige Obdachlose, hier beschönigend als "Landstreicher" bezeichnet, sich in der tiefsten Einöde, weit weg vom Ballungraum ein Überwinterungslager anlachen, wo sie kaum Chance auf erbetteltes Geld oder sonstige Zuwendung haben. Aber ich verstehe, dass das für die Geschichte wahrscheinlich notwendig war.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig war für mich auch zu Beginn der ständige Diskurs, den Leni mit ihrer inneren Stimme austrägt, aber mit zunehmender Lektüre hab ich dieses auf weiten Strecken doch recht präsente Zwiegespräch zunehmend gemocht.

Überhaupt schließt man die Leni Sonnbichler recht schnell ins Herz, besonders, weil sie sich erfolgreich gegen die Inbesitznahme durch ihren Freund Schorsch zur Wehr setzt.

Die gesamten Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders geglückt ist Bad Cop Jürgen, ein unglaubliches Ekelpaket. Die beiden ungleichen Brüder hätte ich mir noch ein wenig intensiver vorgestellt gewünscht. Warum sich der vom religiösen Wahn befallene Vater bei Katti allerdings zu entschuldigen wünschte, kam für mich nicht eindeutig genug heraus.

Ach ja: Aus Erfahrung mit meinen hiesigen Landwirten möchte ich anmerken, dass sich von denen so gut wie niemand (auch nicht die der jungen Generation) Zeit nehmen würden, mehrmals in der Woche oder zumindest häufig, Adventmärkte oder Kaffeehäuser mit nicht bäuerlichen Freunden zu besuchen ;-), vielleicht sind die Allgäuer Bauern ja anders, aber bei uns ist das ein No-Go.

In Summe jedenfalls ein schönes, gut geglücktes Debut im Reigen der Lokalkrimis.

Einziger, dafür bitterer Wermutstropfen: Das Lektorat/Korrektorat hat geschlampt und zwar ordentlich. Ich hab im Laufe des Buches mindestens fünf das-dass-Fehler gefunden und zwar solche, wo "dass" stand und ein "das" hingehört hätte (meistens ist es ja umgekehrt). Abgesehen davon gab es Buchstabendreher und einige Grammatikfehler (Fallfehler). Für künftige Romane würde ich mir einen anderen Korrektor/Lektor suchen, es ist schade, wenn ein an sich solides Werk gerade in dieser Hinsicht qualitativ leidet. Deswegen nur vier von fünf Sternen.

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