Alexandra Senfft

 4.6 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Der lange Schatten der Täter, Schweigen tut weh und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Alexandra Senfft

Der lange Schatten der Täter

Der lange Schatten der Täter

 (4)
Erschienen am 12.01.2018
Schweigen tut weh

Schweigen tut weh

 (3)
Erschienen am 13.08.2008
Fremder Feind, so nah

Fremder Feind, so nah

 (0)
Erschienen am 07.10.2009

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Rezension zu "Der lange Schatten der Täter" von Alexandra Senfft

Lockeres Geplauder
Starbucksvor 7 Monaten

Lockeres Geplauder

Von den eher verhaltenen Rezensionen wollte ich mich nicht davon abhalten lassen, Alexandra Senfft Sachbuch „Der lange Schatten der Täter“ zu lesen. Das Thema interessiert mich sehr, spätestens, seit ich mit den Büchern von Sabine Bode auf die Nachwirkungen des Krieges auf die Folgegenerationen aufmerksam geworden sind. Diese verlaufen oft nach erstaunlich ähnlichen Mustern und sind nicht nur hochinteressant, sondern auch sehr plausibel. Bei Alexandra Senfft sieht dies anders aus, und vielleicht ist es auch nur ihre Art der Aufbereitung des Themas 'Täterkinder' oder 'Täterenkel', die den Leser etwas ratlos und auch etwas verärgert zurücklässt.

Zum Inhalt: Alexandra Senfft, selbst die Enkelin eines Kriegsverbrechers, hat viele Menschen, getroffen, die sich mit der Tatsache auseinandergesetzt haben, dass es in ihrer Familie, oft unter den Großeltern, einen Täter mit Nazivergangenheit gibt. Sie hat auch Opfer des Nationalsozialismus getroffen. Jeder Begegnung widmet sie ein Kapitel im Buch. Dabei beschreibt sie die Tätervergangenheiten ebenso wie die Aufarbeitung (oder auch manchmal das Schweigen) der Kinder- und Enkelgeneration. Die Lebenswege der Täternachkommen, meist enkel, wird in direkten Kausalzusammenhang mit der Familienvergangenheit gestellt. Das heißt: Egal, was die Nachkommen machen, Senfft findet eine Erklärung in der Vergangenheit, auch, wenn die Nachkommen m.E. doch alle sehr verschiedene Wege eingeschlagen haben. Dabei sind die Rückschlüsse schon nachvollziehbar, und die Schilderungen sind spannend und aufschlussreich, aber ob z.B. eine Enkelin nur als Wiedergutmachung oder aus dem Ausgleichsgedanken heraus zur Wohltäterin wird, finde ich fraglich.

Soweit ist die Idee hinter dem Buch dennoch gerechtfertigt. Die Aufbereitung des Stoffes hat mich allerdings nicht überzeugt. Senfft schildert Details rund um die Treffen, die mit dem Thema nichts zu tun haben, z.B. dass die Frau des Besuchten Tee und Kekse bringt, obwohl sie doch soviel zu tun hat. Für laute Schulklassen im KZ hat Frau Senfft leider auch kein Verständnis. Stattdessen schilder sie in jedem Kapitel, was für eine tolle Freundschaft und Vertrautheit sich mit den Interviewten über die Jahre ergeben hat. Jedes Kapitel zeugt quasi davon, wie sehr die gemeinsame Tätervergangenheit der Großeltern zusammenschweißt, während sich die Familie der Autorin gänzlich von ihr abgewandt hat. Schön für die Autorin, dass sie sich so getragen fühlt, aber in diesem Buch hat das m.E. nichts verloren.

Wie sehr die Autorin sich hier selbst darstellen möchte und wie wenig sie scheinbar von der Vergangenheit verstanden hat, zeigt sich mir vor allem darin, dass sie ihre eigene Zivilcourage demonstriert, indem sie die Polizei ruft, weil sie in ihrer Straße ein verdächtiges Fahrzeug gesehen hat. Dabei möchte ich ihr nicht absprechen, dass sie sich intensiv mit dem Leben im Dritten Reich auseinandergesetzt hat;doch dort etwas verweigern oder Zivilcourage zeigen hatte doch meist andere Folgen.

Fazit: „Der lange Schatten der Täter“ dient der Autorin wohl nur zur Selbstdarstellung, vielleicht zum eigenen Reinwaschen im Hinblick auf die Vergangenheit. Doch das müsste die Autorin gar nicht, denn mit den Taten ihres Großvaters hat sie ja nichts zu tun, und eine Wiedergutmachung ist auch nicht möglich, schon gar nicht durch einen Telefonanruf bei der Polizei. Ohne die Selbstdarstellungsversuche und viele unwichtige Details hätte dieses Buch Potential gehabt. Ich habe sehr lange an diesem Buch gelesen; es ging schleppend vorwärts, aber viele Aspekte waren wirklich auch sehr interessant. Man sollte sich dennoch auch nach anderen Sachbüchern umsehen, wenn man sich für das Thema interessiert. 

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Rezension zu "Der lange Schatten der Täter" von Alexandra Senfft

Nahgehende Schicksale
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Nahgehende Schicksale

Es sind nicht nur die Opfer expliziter Täter, die gesamte nach dem Krieg aufgewachsene Generation sah sich einem weiten Teil durch Kriegserlebnisse traumatisierter Männer und Frauen gegenüber. Erlebnisse, Traumata, die in die Erziehung einflossen, die für so manches „männliche Schweigen“, für so manche Härte an Erziehung verantwortlich waren.

„Nur weil die Ursachen fortbestehen, wird sein Bann bis heute nicht gebrochen“ (Adorno“.

Und daher gilt auch was Senfft formuliert: „So vorbildhaft die NS Zeit in Deutschland akademisch und politisch bearbeitet wurde, so wenig ist sie bis heute im Privatem aufgeklärt“.

Was Senfft als Arbeitsauftrag für ihr Buch zu Grunde legt und dem sie mit vielfachen Beispielen in Ruhe, emotional dicht und empathisch Umgeht.

Ein Buch, wichtig gerade jetzt, wo die letzten Zeitzeugen hochbetagt sind, gestorben sind oder in absehbarer Zeit sterben werden.

„Die ältere Generation hat einen Dialog mit der jüngeren in der Regel geflissentlich vermieden“.

„Menschen wie Du und ich“ sind es dabei, die Senfft zu Worte kommen lässt, Nachkommen nicht „prominentere NS Größen“, sondern einfach Nachkommen dieser Generation. Menschen, die berichten, wie sie konstruktiv mit der „Last des Schweigens“ Umgang gefunden haben.

Ao, wie exemplarisch für die vielen Stimmen im Buch Stefan Ocheba für sich formuliert: „Ich bin kein Kriegsenkel, ich bin ein Nazi-Enkel!“.

Der dies in mühsamer Kleinarbeit innerhalb von Jahren recherchiert hat. Ein offenes Wort gerade von seinem Vater fand nicht statt, Aufklärung von Familienseite aus nur scheibchenweise. Zudem war er der augenscheinlich einzige, der sich in der Familie für die Vergangenheit und die Rolle seines Großvaters in dieser interessierte. Der einzige, der bohrenden Fragen nachging, warum die Fabrik seines Großvaters unmittelbar vor diesem jüdische Besitzer hatte, welches 1942 in Salibor ermordet wurde.

Schritt für Schritt folgt der Text in diesem Kapitel der Recherche Ochebas, lässt ihn vom schwierigen, distanzierten Verhältnis zu den Eltern erzählen, die Verbindungen zu ferneren Teilen der Familie, um an Informationen zu kommen. Eltern, gerade der Vater, der von „unnennbaren“ Ängsten stark betroffen ist. Bis hin dann zu Folgen zunächst für das eigene Erleben von Beziehungen bei Stefan Ocheba.

Ebenso wie bei allen anderen biographischen Erinnerungen im Buch lässt Senfft dabei grundlegende psychologische Erkenntnisse je mit Einfließen und verweist auf Organisationen, die mit dem Feld intensiv vertraut sind.

Wie „innere Versöhnung“ möglich ist, wie zermürbend aber auch der Weg dahin sein kann, wie die Großeltern gelebt haben und welche Traumata deren Kinder dann an die Enkel mit weitergaben, welche auch innere Distanz das alles mit sich brachte und bringt, davon erzählen die, nicht immer einfach zu lesenden und teils auch befremdlich wirkenden, Schicksale und Haltungen im Buch umfassend und klar.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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