So gut wie jeder und jede kennt es. Sei es, dass sich engere Beziehungen automatisch vielleicht schon in Jugendjahren ergeben haben und sich dann erhalten haben. Ohne größere Reflexion, aber mit einem Gefühl über die Jahre, dass da vielleicht was nicht stimmig ist.
Oder sich Menschen einfach geändert haben, die Macht der Gewohnheit aber über vieles hinweggesehen hat, was im Lauf der Zeit reibend hinzugetreten ist.
Oder über die Arbeit, bei der man sich das soziale Umfeld meistens nicht selbst auswählen kann, Beziehungen in den Raum treten, die belasten. Manchmal, ohne dass man genau den Finger darauflegen könnte, was genau da mitschwingt an unangenehmen Impulsen.
Bis hin, natürlich, zu ganz offenkundig übergriffigen Menschen, denen man bei der Arbeit nicht wirklich entfliehen kann.
Oder, auch das passiert, dass eine Bindung oder Beziehung überschwänglich beginnt, alles wunderbar zu sein scheint, zunächst „kleinere Irritationen“ ignoriert werden, bis dann eine Gemengelage entsteht, die massiv belastet. Und aus der es nicht einfach ist, auch aufgrund der eigenen Gefühle, zu entkommen.
Bis es zu einer „täglichen Dosis Gift“ (ein gut gewählter Ausdruck der Autorinnen) für die eigene Seele kommt.
Alexandra Lüthen und Alexandra Stock, erfahrene Coaches, gehen diesen unguten sozialen Bindungen strukturiert nach und bieten zum einen nicht wenige „Aha-Erkenntnisse“ über Verhaltensweisen, die man selbst nicht griffig zu fassen bekommen hat bisher, wie auch Strategien benannt werden, eine Trennung oder, zumindest, eine solide Distanz für sich selber einnehmen zu können, um an Ende gerade im sozialen Bereich einen guten und pfleglichen Umgang mit sich selbst in den Raum des Lebens zu setzten.
Wobei die Autorinnen zunächst ruhig und fundiert Die Gründe benennen, die Menschen anfällig machen für schwierige Konstellationen.
Dass der Mensch ein grundsoziales Wesen ist und Einsamkeit nicht zu einem gesunden Leben führt. Dass die eigenen Bilder, die man sich von oft von anderen macht, auch ihre Ursache in eigenen Sehnsüchten oder einer gewissen „Blindheit“ für Warnsignale im Verhalten anderer haben könnten. Und das Beziehungsmuster und eine Anfälligkeit für „toxische Mustre“ früh im Leben geprägt wurden.
Wobei die Autorinnen in guter Weise darauf verweisen, dass eine manchmal notwendige Reaktion bis hin zu Trennungen weitaus früher schon „gefühlt“ werden, bevor man sich selbst darüber wirklich klar wird.
Wenn Kontakte leer zurücklassen. Wenn das „Saldo“ in Beziehungen (Eric Bernes „Strokes“) dauerhaft einseitig unausgeglichen ist. Mit plakativen Situationen (Muttertag, Fasching, Urlaubsplanungen im Betrieb/Büro) und das Ganze im Buch, interessant zunächst und ganz einsichtig bei der Lektüre, auf „Jahreszeiten“ aufgeteilt vor Augen geführt wird. Um mit klar erkennbaren und immer wiederkehrenden Anlässen und Situationen grundsätzlich „Toxisch“ vor Augen zu stellen, was dann auf kleinerer Ebene in den Alltag herunterdekliniert werden kann. Um am Ende auf Basis der klaren Erkenntnisse die „eingebrannten Muster“ einer „Neuausrichtung“, die durchaus auch schmerzlich zunächst sein kann (und wird), der Weg bereitet wird.
Eine hochinteressante Lektüre über eine am Ende alltägliche Problematik, die tiefe Wunden reißen kann, aber nicht „einfach so“ bestehen bleiben muss.
Und wichtig, weil einfach stimmt, was als Leitgedanke und roter Faden sich durch das Buch zieht: „Die Charakteristika toxischer Beziehungsmuster lassen sich mit …… oft lange anhaltenden Auswirkungen von chemischen Giften vergleichen“.
Schleichend, schwer zu erkennen zunächst, mit langfristig schädlichen bis tödlichen Folgen“.


