Die Hummerkönige

von Alexi Zentner 
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Die Hummerkönige
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Selten hat mich ein Roman so in seinen Bann gezogen ... mindestens fünf Sternchen von mir ...

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Die Hummerfänger-dynastie

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Inhaltsangabe zu "Die Hummerkönige"

Sie sind die Familie Kings, die Könige von Loosewood Island. Dieser ungestümen Insel zwischen Nova Scotia und Maine. Karg ist es hier, ursprünglich, rau. Doch die Kings sind mit dem Reichtum des Meeres gesegnet und widmen sich hier seit nunmehr dreihundert Jahren dem Hummerfang. Als Brumfitt Kings, der erste der Familie auf die Insel kam, konnte er, so heißt es, das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Denn es gab hier so viele Hummer, sie bildeten mit ihren Panzern eine Brücke und bahnten ihm einen Weg durch das Wasser. Heute will sich Cordelia Kings auf Loosewood Island und als Hummerfischerin behaupten. Sie will beweisen, dass sie die Königin der Insel sein kann: sich selbst, ihrem Vater – und ihrem verheirateten Steuermann. Doch das erweist sich als schwieriger als gedacht, denn seit jeher lastet ein Fluch auf den Kings – und der fordert Opfer, und beeinflusst das Leben der Familie nicht minder als das unergründliche, alles verschlingende Meer …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442715442
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:09.05.2017

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    engineerwifes avatar
    engineerwifevor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Selten hat mich ein Roman so in seinen Bann gezogen ... mindestens fünf Sternchen von mir ...
    Das Meer kennt keine Gnade ...

    Schon nach den ersten gelesenen Zeilen konnte ich sie riechen, die Meeresluft, die, oft gepaart mit rauen Winden, über die Insel pfeift. In Gedanken konnte ich die Möwen kreischen hören, die auf der Suche nach Nahrung die Oberfläche des Meeres absuchen. Aber vor allem sieht man Eines, die Hummerfischer und ihre Bojen. Allen voran natürlich der König der Insel mit seinem Gefolge, Mr. Woody Kings, der Nachfahre des berühmt berüchtigten Brumfitt Kings. Wie schon im Klappentext beschrieben, versucht die Familie sich zu behaupten, in erster Linie natürlich gegen die Natur aber auch gegen Konkurrenten und den Gevatter Tod.
    Ich kann sie gar nicht richtig beschreiben, die wunderbare Atmosphäre, die in diesem Roman vorherrscht. Mir kamen sofort Bilder aus einem meiner Lieblingsfilme in den Kopf – „The Perfect Storm“ mit George Clooney. Es scheint ein besonderes Blut durch die Adern dieser Fischer zu fließen, das man als stiller Zuschauer wohl nicht nachvollziehen kann. Sehr gut beschreibt der Autor das, wenn er von den Touristen spricht, die jeden Sommer wieder auf die Insel pilgern, angezogen vom Abenteuer aber auch von den Bildern, die Brumfitt Kings vor vielen Jahren hinterlassen hat. Diese Bilder begleiteten mich als Leserin wie ein roter Faden durch das Buch und erlaubten es mir, die Familie Kings durch seine Augen zu sehen.
    Besonders im letzten Drittel nahm der Roman so rasant an Fahrt auf, dass ich regelrecht mitgelitten und – gefiebert habe und das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Eine wunderbare Story, die vielleicht nicht jeden so begeistern wird wie mich, die aber auf jeden Fall meine absolute Empfehlung hat.
    Übrigens lernt man so ganz nebenbei auch noch eine Menge über Hummer. Ich hatte ja keine Ahnung, dass die zwischendurch immer mal wieder ihren Panzer abwerfen!

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    bootedkats avatar
    bootedkatvor einem Jahr
    Die Königinnen von Loosewood Island

    Eine Familiengeschichte, Legenden von der See und eine Geschichte, die sich zu wiederholen scheint. Das sind die Zutaten zu Alexi Zentners Roman „Die Hummerkönige“.

    Die Kings leben schon seit Generationen auf Loosewood Island, genauer gesagt, seit sich Brumfitt Kings vor etwa 300 Jahren dort niederließ und mit dem Hummerfang begann. Der Beginn eines Familienunternehmens. Aus den Königen sollen, wenn es nach Cordelia Kings geht, auch Königinnen werden und sie selbst wäre gerne die erste in dieser Reihe. Doch der Hummerfang gilt als Männerdomäne und obwohl Cordelia fähiger ist als so mancher Mann, muss sie sich immer wieder behaupten.

    Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive Cordelias erzählt und verläuft von ihrer Kindheit bis zur Gegenwart. Dazwischen gibt es immer wieder Einschübe, in denen Brumfitt Kings Bilder beschrieben oder Erinnerungen aus seinen Tagebüchern wiedergegeben werden. Spätestens nach der dritten Erinnerung bzw. Bildbeschreibung wird deutlich: Hier besteht kein Zufall. Die von Brumfitt dargestellten Ereignissen geben dem Leser gerade soviel Informationen, um die nächste Erinnerung von Cordelia auf eine bestimmte Art und Weise zu interpretieren und in den Kontext einzuordnen. Ein bisschen liest sich der Roman dabei wie eine Detektivgeschichte, die den Leser implizit dazu auffordert, das Puzzle während des Lesens selbst zusammenzusetzen. Die stückweise Enthüllung neuer Informationen sorgt für Spannung, so dass selbst der Beginn eines neuen Kapitels keine wirkliche Zäsur im Leseprozess verursacht. Die etwa 400 Seiten lassen sich gut herunterlesen, wobei Alexi Zentner die eine oder andere überraschende Wendung in die Handlung einbaut. Hinzu kommt eine kluge Inszenierung und Gestaltung der Protagonistin, die einem am Ende nicht mehr so uneingeschränkt sympathisch erscheint, wie zu Beginn der Lektüre. Und letztendlich steht hinter allem die Erkenntnis, dass sich unter der Oberfläche mehr verbirgt als zunächst angenommen, was nicht nur auf das Meer zutrifft.

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    lesefreude_books avatar
    lesefreude_bookvor einem Jahr
    Mit dem Meer leben und sterben


    Seit dreihundert Jahren lebt die Familie Kings auf Loosewood Island. Die Familie lebt mit dem Meer und vom Hummerfang. Dabei ist das Meer nicht nur Lebensquelle sondern auch Fluch. Ein Fluch, der immer wieder schmerzhafte Verluste für die Familie Kings bedeutet. Mit Cordelia Kings wird nun erstmal eine Frau in die großen männlichen Fußstapfen ihrer Ahnen treten.


    Brumfitt Kings hat sich vor dreihundert Jahren als erster Mensch dauerhaft auf der Insel niedergelassen. Das raue Inselleben ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Brumfitt liebt es zum Malen und zeigt die tragischen sowie fröhlichen Seiten des Insellebens und des Hummerfangs in seinen Bildern. Alexi Zentner hat die Geschichten rund um Brumfitt und sein Bilder derart eindrücklich beschrieben, dass ich sie deutlich vor mir sehen konnte. Enttäuscht stellte ich bei meiner Internetrecherche fest, das Brumfitt Kings den Gedanken von Alexi Zentner entsprungen ist.


    Ich liebe es im Moment Familiengeschichten zu lesen, bei denen ich ganz nebenbei noch etwas lernen kann. Da ich selbst recht schnell an Seekrankheit leide, versuche ich meine Zeit auf Booten und Schiffen auf ein Minimum zu reduzieren. Dennoch geht vom Meer und seinen unendlichen Weiten eine gewisse Faszination aus. Mit „Die Hummerkönige“ konnte ich eingekuschelt auf meiner Decke selbst bei widrigen Bedingungen auf die hohe See fahren und lernte einiges über den Hummerfang.


    Ich mochte Cordelia Kings von der ersten Seite an. Ihr Kampf, um ihren Platz in der Familie und auf Loosewood Island zu finden, hat mich fasziniert. Die Kings-Gene schlugen bei Cordelia voll durch und so kämpft sie bereits als kleines Mädchen darum in der männerdominierten Hummerfang-Welt akzeptiert zu werden. Die Sehnsucht, aber teilweise auch Verzweiflung war deutlich zu spüren.


    Die Sprache ist sehr melodisch. Das Buch ist aus Sicht von Cordelia geschrieben und so bekommen wir tiefe Einblicke in ihre Gefühle und Ängste. Die Beschreibungen von Brumfitt Kings Bildern setzt Alexi Zentner gekonnt ein, um den Leser durchatmen zu lassen und die Spannung auf ein beinahe schon unerträgliches Maß zu treiben.


    Ein schlichtweg fantastisches Buch, das voller Lesefreude steckt. Eine mitreißende Geschichte in der man viel über das Inselleben und den Hummerfang lernen kann. „Die Hummerkönige“ bieten sich mit „Die Geschichte der Bienen“ ein Kopf an Kopf Rennen um mein Jahreshighlights 2017.

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    Aqua__s avatar
    Aqua__vor einem Jahr
    Familientradition mit Fluch

    In die Hummerkönige von Alexi Zentner geht es um die Familie Kings, die seit schon fast 300 Jahren auf der Insel Lososewood Island lebt. Die Insel befindet sich im atlantischen Ozean zwischen Kanada und den USA.
    Als erstes erfährt man, dass der erste Kings, der nach Loosewood Island kam, der Maler Brumfitt Kings war. Mit ihm hat alles begonnen, auch der Fluch.
    Den Erzählungen nach, konnte er auf den Rücken der Hummern zu der Insel gelangen, wodurch der Hummerfang nun natürlich das Familiengeschäft bestimmen sollte.
    Nun ist es an der Zeit, dass das Geschäft bald an die nächste Generation übergeben werden soll. Hierfür stellt sich Cordelia Kings zur verfügung, die das Meer und den Hummerfang liebt. Man erfährt auch, dass der Hummerfang etwas nachgelassen hat bzw. nun nicht mehr nur Hummerfang von den Arbeitern auf den Schiffen betrieben wird.
    Aber ich möchte auch nicht zu viel von dem Inhalt verraten.
    Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Cordelia, was mir sehr gut gefallen hat. Ich würde den Roman weiter empfehlen, denn er ist spannend, authentisch und schön geschrieben.
           

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    Leserin3vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Hummer klingt nach reich und schön, doch diese Kings haben jede Menge Probleme am Hals
    Keine reine Idylle auf der Insel

    Bereits der Prolog lässt uns mit offenem Mund vor dem Text sitzen. Das klingt ja märchenhaft. Aber dass Hummer früher zum Billigfisch gehörte, das stimmt, wurden doch die Häftlinge auf Sing Sing mit den «Kakerlaken der Meere» verköstigt. Der legendäre Begründer der Dynastie ist längst nicht mehr, doch seine Nachfolger sind beim einträglichen Geschäft geblieben. Zwar mit Leidenschaft, aber sie haben mit einem Fluch zu kämpfen, der die Familie permanent bedroht. Die Erbin und Kronprinzessin, Cordelia (was für ein dramatischer Name!), fährt nun mit Daddy aufs Meer hinaus und liebt die Insel Loosewood so sehr, dass sie ihr Talent, das Malen, am liebsten nur ihr widmet.

    Ein idyllischer Prolog, der aber täuscht, denn das, was ihr Vater "Gottes Zorn" nennt, dräut ebenso über der Familie wie der Drogenhandel. Das liegt aber nicht nur an der Hitze. Und schon gar nicht am Hund Trudy.

    Doch die Person der Cordelia bleibt mir bis zum Schluss fremd, sie geniesst nicht unbedingt meine Sympathie; ihre Person kommt stellenweise zu schwach rüber. Die Entwicklung der Familie und die historischen Hintergründe sind schlüssig, doch wirkt der Handlungsaufbau manchmal etwas konstruiert. Schilderungen von harten Momenten auf See, Machtkämpfe innerhalb der Familie, dazu Probleme mit dem Drogenhandel auf der Insel und poetische Passagen, farbig und plastisch geschildert: Der Leser findet viele Unterhaltsames und Kurzweiliges. Trotz einiger Längen ist das Buch "Die Hummerkönige" alles in allem ein durchaus packendes Werk, besonders für diejenigen Leser, die gern in die Welt der Fischer und der Inseln eintauchen.

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor einem Jahr
    Hartes Leben der Hummerfänger

    Der Anfang: »Wir sind die Kings, und wenn es auf Looswood Island so etwas wie eine Königsfamilie gibt, kommen wir dem am nächsten.«

    Cordelia King erzählt uns ihre Geschichte, die der Familie King, Hummerfischer auf Looswood Island. Brumfitt King, der erste Siedler auf dieser Insel vor 300 Jahren, begann mit der Hummerfischerei auf der rauen Insel zwischen Nova Scotia und Maine. Mystische Erzählungen umweben den Vorfahren, der behauptet, seine Ehefrau sei dem Meer entstiegen, eine Selkie (Wesen aus der schottischen Mythologie), wird vermutet, und er habe dem Meer für sie und dem Reichtum des Meeres etwas lassen müssen: Jeweils einen Sohn aus jeder Generation. Ein Fluch, der über der Familie liegt. Brumfitt ist aber auch ein bekannter Maler. Seinetwegen kommen Wissenschaftler auf die Insel, studieren seine Tagebücher und Aufzeichnungen über Fauna und Flora, Touristen bewundern seine ausdrucksgewaltigen Bilder.

    »Er war nur ein Baby, dachte ich, klein und laut, und hatte noch nichts verdient, und trotzdem erkannte Daddy ihm bereits zu, was doch mir als Erstgeborener zustand, Mädchen hin oder her.«

    Cordelia hat das Geschick zum Fischen, fährt mit dem Vater hinaus, sie versucht, sein Herz zu erobern, raubeinig, kräftig, mutig, so wie er sich einen Sohn wünscht. Zu Beginn blicken wir in die Vergangenheit, die Familiengeschichte ab Brumfitt, in das harte Leben der Hummerfischer. Auch der alte King, Cordelias Daddy, erzählt mystische Geschichten, von der Meerjungfrau, die er unter Wasser gesehen hat, die ihm das Leben rettete. Das wird von der Großmutter lachend kommentiert: die Nixe sei eine Krankenschwester gewesen, in deren Augen King blickte, nachdem ihn der Neufundländer aus dem Wasser gezogen hatte. Die Geschichte verdüstert sich. Ein Unfall, an dem jeder eine Teilschuld trägt, der Vater, die Schwester, der Hund.

    »Er sah es nicht und ich sagte nichts, und erst als der Korb bereits oben auf der Rehling lehnte und sich in Richtung Wasser beugte, erkannte Daddy das Fehlen meines Bruders.«

    Bis zur Mitte trägt der Roman eine feine Erzählstruktur, erzählerisch gekonnt, verwobene Erinnerungen, Mythen, drei Schwestern, ein Bruder. Mit dem Erwachsenwerden von Cordelia schlägt die Moderne ein, die Sprache kippt, die moderne Welt sieht bedrohlicher aus. Zeitgemäß sind die Methoden des Hummerfangs, elektronische Geräte an Bord, Schiffe aus Glasfieber. Daddy fährt weiter mit seinem Holzboot, hat nur die wichtigsten Neuerungen angeschafft. Aber er hat das Sagen auf der Insel. Die Fang-Claims sind gerecht auf die Fischerfamilien aufgeteilt, man hält sich daran, ebenso an die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten für die Tiere. Und nun kommt Eddie vom Festland mit seiner Gang. Sie fischen wild, kappen die Bojen der Fischer, scheren sich nicht um den Naturschutz, handeln mit Drogen. In welchem Gesetz steht geschrieben, dass die Fanggründe irgendeinem Fischer gehören? Das Meer gehört allen. Cordelia mag dem Treiben nicht zusehen.

    »Das Erstaunliche ist, dass es selbst nach dem schnellen Handgemenge und den paar Schlägen nicht eskalierte. Ich sagte Eddie, dass ich ihn, falls er morgen bei Sonnenuntergang noch auf der Insel sei und noch einem Kind auf Looswood Island Drogen verkaufe, dass ich ihn dann von den Jungs zu Boden drücken lassen und ihm höchstpersönlich die Eier abschneiden würde.«

    Die Geschichte eskaliert doch, Eddie verschwindet und taucht wieder auf. Es ist ein wenig gewöhnungsbedürftig von den hübschen Erzählungen, ein wenig verklärt, in die reale Welt einzutauchen. Die Hummerfischer sind die raue See gewöhnt, sind bärbeißige Burschen, verteidigen ihre Fanggründe. Es gibt keine gesetzliche Handhabe dafür, nur Tradition und Ehre. Auf der anderen Seite stehen die Frechen, die Dummen, die Drogendealer … Die andere Seite wird durchgehend böse, durchtrieben, kriminell dargestellt, ein wenig klischeehaft. Aber natürlich kann ich mir vorstellen, dass man sich wunderbar als Drogendealer tarnen kann, indem man weit draußen auf dem Meer Hummerkörbe hochzieht, die Polizei sich nichts denkt. Unerwünschte Neulinge, die sich nicht an Regeln halten, sind garantiert auch unerwünscht. Die amerikanische Art und Weise sich zu wehren ist bekannt: Fäuste und Gewehre.

    »Es braucht keine Ungeheuer, um das Bild so bedrückend zu machen, es reicht die ruhige See, ein leeres Boot und ein einzelnes Wort hinten auf der Leinwand, der Titel des Bildes: Verschwunden.«

    Es gibt sicher Leser, die diesen Kipp im Buch nicht gutheißen, aber die Welt ist kein Ponyhof und die moderne Welt ist auch auf dem Meer nicht nur von Nixen und Wassermännern bevölkert. Mir hat gefallen, dass die Sprache umschlägt, den Leser in die Wirklichkeit bugsiert. Die alte Welt, gemächlich, erzählerisch, verklärt. Doch Brumfitts Bilder werden zwischendurch beschrieben und zeigen, die Welt war bereits damals nicht heile, es brodelt nter der Decke bereits am Anfang. Das Bild, das den Jungen zeigt, der gleich von den Wellen an die Felswand geklatscht wird. Bilder, die schreckliche Szenen darstellen.

    Die Hauptprotagonistin Cordelia wird als Queen den King ablösen. Sie lebt ihr ganzes Leben mit einer Last, weil sie sich mitschuldig am Tod des Bruders fühlt. Sie wollte Daddys Platz einnehmen, musste immer zeigen, wie hart sie sein konnte. Sie war die erste Frau, die ein eigenes Hummerboot anführte, bei den Jungs sich die Anerkennung erkämpfte, in aller Konsequenz. Und sie liebt einen Mann, den sie nicht haben kann, der verheiratet ist. Ein feines Buch, eine spannende Familiengeschichte, atmosphärisch dicht um die harte Hummerfischerei.

    Alexi Zentner wuchs im kanadischen Kitchener, Ontario, auf. Seine Kurzgeschichten wurden u.a. mit dem O. Henry Prize und dem Narrative Prize ausgezeichnet. Sein Debütroman »Das leise Flüstern des Schnees« war für zahlreiche, der angesehensten Literaturpreise nominiert.

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    T
    TaHavor einem Jahr
    Poetische Familiensaga

    Der Roman Die Hummerkönige von Alexi Zentner  erschien im Mai 2017 bei btb.

    Eröffnet wird ganz klassisch mit einem Prolog. Die Ich-Erzählerin führt ein in die lange Familientradition des Hummerfischens der Familie Kings und deren Leben auf der fiktiven Insel Loosewood Island. Die zweite Eröffnung beginnt mit einer frühen Erinnerung der Protagonistin Cordelia. Sie fährt mit ihrem Daddy aufs Meer hinaus und wirft den Haken der vom Vater gebastelten Angelrute versehentlich in dessen Unterlippe. Seine sanfte, ruhige und bedächtige Reaktion transportiert sehr schön den Charakter der Figur. Ihre Emotionen, die sich einstellen, als der geliebte und verehrte Daddy den kleinen Bruder auf den Schoß nimmt und erklärt, der Junge werde einmal die Geschäfte des Kings übernehmen, zeichnen den Verlauf des Plots vor. Der Leser wird mitgenommen in ein intensives Familienleben der Kings. Handwerklich sehr gut gemacht wird im Epilog die Vergangenheit und Gegenwart der Story um eine Zukunft ergänzt. Die Geschichte und mit ihr die Protagonisten entwickeln sich stringent. Die Themen des Buches sind gleichermaßen Tradition, Familie und Rollenbilder, das Ganze Umrahmt von schönen Bildern, von Natur.

    Der Autor bedient sich einer sehr poetischen Sprache, die leider immer wieder ins gewollt verkünstelte abgleitet. Die Schlüssigkeit der Handlung ist nicht immer absolut gegeben. Als Beispiel muss unbedingt genannt werden, wie der „Ursprung“ der Familie, Brumfitt Kings, zu seiner Frau kam: „Es war ein Wunder. Sie wuchs aus der Gischt, und ihr Blick war auf ihn gerichtet, als wüsste sie, dass er auf sie wartet. Die unsichtbare Hand, die den Ozean zurückhiel…“  Das ist dann wohl die Kunst, die mir den Zugang zu diesem Werk erschwert hat. Die 411 Seiten haben mich leider zu keiner Zeit gefesselt.

        

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    Hennies avatar
    Hennievor einem Jahr
    Wahrheit und Legende um einen Ahnen

    Das kleine Eiland zwischen Nova Scotia und Maine wird seit ca. 300 Jahren und bis auf den heutigen Tag von den Kings beherrscht. Sie sind die Könige, die Hummerkönige von Loosewood Island!
    Im Jahr 1720 betrat der legendäre Maler Brumfitt Kings Loosewood Islands. Damals soll das Meer voller riesengroßer Hummer gewesen sein und Kings, aus Irland stammend, soll den letzten Teil des Weges auf ihren Rücken vorwärtsgeschritten sein. Die Hummer seien so riesig gewesen, dass sie zehn bis zwanzig Pfund wogen und bis zu anderthalb Meter groß waren. Wahrheit oder Ammenmärchen?
    In dem Roman „Die Hummerkönige“ von Alexi Zentner dreht sich allerhand um Brumfitt Kings, der die Kingsdynastie begründete. Die Titel seiner Bilder, seine ledergebundenen Tagebücher und die sagenumwobene Frau Brumfitts, eine angebliche „Selkie“ direkt aus dem Meer, bilden das Gerüst für die Geschichte um die Kings der Gegenwart (um 2005). Da ist zunächst Woody Kings als Familienoberhaupt. Seinen drei Töchtern vermochte er mit dem Hummergeld eine ausgezeichnete Ausbildung angedeihen zu lassen. Cordelia, die Älteste, studierte Kunst, aber sie wollte nie etwas anderes tun, als auf den Spuren ihres Ahnen zu wandeln und das zu malen, was er gemalt hat. Und natürlich aufs Meer hinaus und so leben wie alle Kings vorher. Auch als Mädchen. Sie will allen beweisen, dass sie die Königin der Insel sein kann. Das erweist sich schwieriger als gedacht...

    So ganz nach meinem Lesegeschmack war die Geschichte nicht. Der Roman ist aus der Sicht von Cordelia Kings, der Hummerfischerin, geschrieben. Sie ist die Ich-Erzählerin. Die Inselbewohner leben sehr gut vom Hummerfang und vom Tourismus um den Kings-Ahnen. Das ruft natürlich kriminelle Neider aus dem benachbarten Küstenstädtchen James Harbor auf den Plan. Kings & Co. erledigen alles selbst, ohne die Staatsmacht zu bemühen. Bis einiges zusammenkommt und die Lage eskaliert. Das geschieht ungefähr im letzten Drittel des Buches.
    Mir war es von allem ein bißchen to much: zuviel Ichbezogenheit, zuviel Legende, zuviel Überhöhung, zuviel Idealisierung, zuviel Info zu den Bildern Brumfitts, zuviel Gewalt und zuviel Selbstjustiz.

    Mein Fazit:

    Mäßig spannend
    Guter Erzählstil, aber ohne große Emotionen
    Viele Charaktere bleiben farblos, sind austauschbar
    Schönes, ansprechendes Cover

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    Q
    QPetzvor einem Jahr
    Kurzmeinung: interessante Familiengeschichte - intuitiv
    interessante Familiengeschichte - intuitiv

    Inhalt:
    Sie sind die Familie Kings, die Könige von Loosewood Island. Dieser ungestümen Insel zwischen Nova Scotia und Maine. Karg ist es hier, ursprünglich, rau. Doch die Kings sind mit dem Reichtum des Meeres gesegnet und widmen sich hier seit nunmehr dreihundert Jahren dem Hummerfang. Als Brumfitt Kings, der erste der Familie auf die Insel kam, konnte er, so heißt es, das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Denn es gab hier so viele Hummer, sie bildeten mit ihren Panzern eine Brücke und bahnten ihm einen Weg durch das Wasser. Heute will sich Cordelia Kings auf Loosewood Island und als Hummerfischerin behaupten. Sie will beweisen, dass sie die Königin der Insel sein kann: sich selbst, ihrem Vater – und ihrem verheirateten Steuermann. Doch das erweist sich als schwieriger als gedacht, denn seit jeher lastet ein Fluch auf den Kings – und der fordert Opfer, und beeinflusst das Leben der Familie nicht minder als das unergründliche, alles verschlingende Meer …



    Mein Fazit:


    Die Idee für das Buch ist ausgezeichnet und die Umsetzung des Autors hervorragend gelungen. Wunderbarer, bildlicher und detailreicher Schreibstil, der einem wunderbar durch das Buch führt. Das Thema ist äußerst interessant - eine wirklich einmalige Familiengeschichte .

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    H
    HK1951vor einem Jahr
    Bilder im Kopf

    Eine starke Frau in einer kargen Umgebung

    Die Familie Kings sind die unangefochtenen Könige der Gegend um Loosewood Island, einer sehr ursprünglichen und kargen Landschaft.

    Doch die Kings sind mit dem Reichtum des Meeres gesegnet und widmen sich hier seit nunmehr dreihundert Jahren dem Hummerfang. Als Brumfitt Kings, der erste der Familie auf die Insel kam, konnte er, so heißt es, das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Denn es gab hier so viele Hummer, sie bildeten mit ihren Panzern eine Brücke und bahnten ihm einen Weg durch das Wasser. Heute will sich Cordelia Kings auf Loosewood Island und als Hummerfischerin behaupten. Sie will beweisen, dass sie die Königin der Insel sein kann: sich selbst, ihrem Vater – und ihrem verheirateten Steuermann. Doch das erweist sich als schwieriger als gedacht, denn seit jeher lastet ein Fluch auf den Kings – und der fordert Opfer, und beeinflusst das Leben der Familie nicht minder als das unergründliche, alles verschlingende Meer …


    Wieder ein Roman um eine starke, junge Frau... Fast schon möchte man seufzen „Nicht schon wieder...“, denn diese Art Protagonistin war in den letzten Jahren wohl sehr gefragt und man war irgendwann auch fast schon „übersättigt“...

    Doch der Autor Alexi Zentner erzählt diese schöne Familiengeschichte mit soviel Hingabe zum Detail, zu seinen Personen und der Geschichte selbst, dass man sich seinem Buch gar nicht entziehen kann, selbst wenn man es aus Zeitmangel einfach auch mal müsste.

    Er beschreibt alles so anschaulich, dass man das Gefühl hat, man sei selbst schon mal da gewesen und ich mag es sehr gerne, wenn so bildhaft erzählt wird, selbst Bilder im Kopf entstehen.


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