Karl Lagerfeld war einer der ganz Großen. Außergewöhnlich auch sein Leben, dass hier als biographische Graphic Novel aufbereitet wurde. Von seiner Kindheit bis zu seinem Tod thematisch untergliedert (ein tolles Konzept) bekommt man so eine sachliche und authentische Darstellung. Der Zeichenstil ist expressiv und ausdrucksstark und hat mir gut gefallen.
Alfons Kaiser
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Lagerfeld
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Karl Lagerfeld
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So richtig doll mochte ich Karl Lagerfeld ja nicht. Aber irgendwie hat er mir auch Respekt eingeflößt. Er war undiplomatisch, gerade heraus und hat sich eigentlich nur um sich selbst gekümmert. Wer möchte nicht am liebsten genauso das gleiche tun? Wenn man dazu noch sein Geld mit Mode verdient, nur von schönen Dingen umgeben ist und sich alles erlauben kann, was man möchte - müsste doch das Paradies sein….
Er wuchs als Sohn des industriellen Lagerfeld auf der die Marke Glücksklee sein eigen nannte. Eigentlich fehlt es ihm an nichts, außer an Liebe. Seine Mutter, eine harte und kalte Person konnte ihn erst, als er schon sehr erfolgreich war näher an sich ran lassen. Lagerfelds Leben war geprägt von Beziehungen, die auf Distanz blieben. Er wollte es so oder kannte es nicht anders.
Dass er Okkultem nicht abgeneigt war, wusste ich bisher nicht und auch, dass er angeblich keine intimen Beziehungen pflegte – wer‘s glaubt!?
Simon Schwarz hat mich schon mit mehreren Graphic Novels begeistert und auch diese ist wieder sehr ansprechend gezeichnet. Der durchaus informative Text hat mir die Kunstfigur Lagerfeld noch mal transparenter gemacht. Verstehen kann ich jetzt irgendwie schon, warum er so geworden ist, wie wir ihn kennen. Dass hier vieles auf seinen eigenen Aussagen beruht, hat mich nicht wirklich gestört. Wenn er so wollte, dass wir ihn so sehen – warum nicht?
Dass er ein Genie auf seinem Gebiet war, will wohl keiner abstreiten. Er hat großes geschaffen und besonders die Sanierung von Chanel geht einzig und allein auf seine Kappe. Dass er nebenbei auch noch alles technische drumherum selber gemacht hat, ist ein weiterer Mosaikstein in seiner Autonomie, und liegt sicherlich in der Unfähigkeit begründet, Kompromisse einzugehen. Unglaublich, wie viel Zeit er in seine Berufung investiert hat.
Amüsant fand ich auch, wie die Katze zu ihm gekommen ist. Muss auch gleich noch mal googeln, was aus ihr geworden ist.
Eine ansprechende Graphic Novel, die ich in einem Rutsch durchgelesen habe. So muss das sein.
Normalerweise lasse ich Modebiografien links liegen, weil mir das Geschnatter über Seide und Samt auf Dauer die Synapsen verklebt. Doch „Lagerfeld“ von Alfons Kaiser, illustriert von Simon Schwartz, hat mich in einen stilvollen Sog gezogen, aus dem ich freiwillig nicht mehr auftauchen wollte. Hier wird nicht einfach Karl Lagerfelds Wikipedia-Eintrag hübsch nacherzählt – das ist eine famos gezeichnete Expedition in das Oberstübchen eines Mannes, der sich selbst zur Marke gemacht hat.
Schwartz' Illustrationen? Eine Wucht! Sie sind so treffsicher wie Lagerfelds berüchtigte Spitzen und haben mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht. Kaiser gräbt sich dabei durch Lagerfelds Leben wie ein neugieriger, aber respektvoller Mode-Archäologe. Der Autor zieht keine Boulevard-Nummer ab, sondern zeigt einen Lagerfeld, der zwischen Größenwahn, Einsamkeit und preußischer Disziplin eine faszinierende Gratwanderung hinlegt.
Die Szenen auf dem Dachboden seiner Kindheit haben mich genauso gepackt wie das verbissene Duell mit Yves Saint Laurent – und ehrlich, dieses „wer überstrahlt wen“-Drama liest sich wie ein Couture-Western in schwarz-weißem Tuschestil. Auch Lagerfelds Liebe zu Jacques de Bascher bekommt hier Raum, ohne ins Kitschige abzudriften.
Was mich richtig begeistert hat: Man wird nicht mit plumpen Lebensweisheiten beworfen, sondern darf sich selbst ein Bild von diesem exzentrischen Genie machen. Lagerfeld war vieles – Modezar, Bürgerschreck, Genießer und Zitatmaschine – und diese Graphic Novel serviert ihn mit so viel Esprit und Biss, dass selbst der Meister selbst wohl anerkennend „genau so“ geflüstert hätte.
Dieses Buch ist kein Hochglanz-Monument, sondern ein lebendiges Porträt mit Augenzwinkern, das zeigt, wie viel Mensch hinter dem Logo steckte. Fazit: Wer glaubt, Lagerfeld sei nur Chanel und Sonnenbrille, wird hier angenehm eines Besseren belehrt – und zwar mit Stil.
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